Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 31 (30.7.1909)
- Date
- 1909-07-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Str. 31 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 533 Aus der Sitzung des Jnternationalrates der Iw in London. Am 15. und 16. Juli fand in London eine vertrauliche Konferenz der Internationalräte der Ito statt. Es waren 47 Delegierte aus England, Oesterreich, Belgien» Frankreich, Deutschland, Holland. Rußland. Südamerika und der Schweiz erschienen. Israel Zangwill begrüßte die Erschienenen, gedachte des gerade jetzt verstorbenen amerikanischen Delegierten, des Malers Louis L ö b, der der Ito-Sache in Amerika sehr viel genützt hat. Er hob die Aktionen der britischen Sektion der Ito hervor, zu denen auch die Expedition nach Cyrenaica gehört. Er, Zangwill selbst» hatte Unterredungen mit vier Ministerpräsidenten und zahlreichen Kabinettsministern und hervorragenden Männern der Geschäfts¬ und Finanzwelt, so daß man in gewissem Sinne zum ersten Male in der Geschichte ein wirklich klares Bild über die Lage des jüdischen Volkes erhalten habe. Am Schlüsse seiner Rede wies Zangwill darauf hin. daß das Statut der Ito einen Wechsel im Präsidium nicht vorsehe, so daß es ihm selbst obliege, den demokratischen Prinzipien Rechnung zu tragen und seine Demission zu geben. Er riet, die Demission auch aus anderen Gründen anzunehmen, erstens, weil es notwendig sei, eine so große Bewegung von einer Einzelperson unabhängig zu machen, besonders von einer Person, deren Rückzug vom politischen Leben von seinen Gegnern gefördert wird. Hierauf verlas Zangwill seine Berichte über 1. Mesopotamien und andere territoriale Möglichkeiten und 2. über die Kooperation der Ito mit anderen Organisationen. Zum ersten Punkt zählte Zangwill eine Liste von Territorien auf, die die 2to gründlich untersucht hat und .andere, die noch der Untersuchung harren. Wenn die Ito ihre Aufmerksamkeit auf Mesopotamien konzentriert, so geschieht dies deshalb, weil dieses Land die größte Wahrscheinlichkeit für die Realisierung ihres Programmes bietet Die Schaffung eines Territoriums müsse zwei Phasen durchmachen: 1. die finanzielle Phase, bezüglich welcher die zionistische Organisation den Beweis erbracht habe, daß die Massen keine wichtige Rolle spielen können. 2. die kolonisatorische Phase, in welcher die Massen die allerwichtigste Rolle spielen. Dies beweise die Notwendigkeit einer Kooperation mit anderen Organisationen oder Personen, besonders im ersten Stadium. Aber selbst müsse sie zwei Phasen durchmachen, denn selbst wenn sie auf autonomer Basis in einem konstitutionellen Lande durchgeführt würde, könnte eine politische Präponderanz in dem betreffenden Territorium nur im Wege einer langen konzentrierten Einwanderung der Iuden erreicht werden. Hierauf wurde dem Präsidenten Israel Zangwill Dank und Vertrauen votiert und er einstimmig gebeten, seine Demission zurückzuziehen. Nachdem Iassinowsky im Namen der russischen Jtoisten sich diesem Wunsche angeschlossen hatte, zog Zangwill seine Demission zurück. Auf eine Anfrage des Herrn Iosseleff gab Zangwill Aufklärungen über die bisherigen politischen und anderen Verhandlungen betreffend Mesopotamiens. In der Diskussion wünschte Dr. Ieremias-Posen eine Aenderung der Statuten, durch welche mehr Gewicht auf das Itoprogramm, als eine Lösung der Emigrationsfrage gelegt werde. Nach eingehender Debatte wurde auf Antrag Prof. Slousch' beschlossen, Cyrenaica in die Territorien behufs eingehenderem Studiums einzubeziehen. Gegen den Antrag sprach Herr Schmidt-Wien, der der Ansicht war, daß das Ostafrika-Projekt, welches gleichfalls zu neueren Studium empfohlen würde, eher in das Arbeitsgebiet der Ica als der Ito gehören. Dr. M. L. Goldberg hielt ein Referat über die Schaffung eines Ito-Fonds zur Bestreitung der Propaganda und Unterstützung von Pionieren. Zangwill sprach sich gegen die Schaffung eines „Pionierfonds" aus. weil dies die Massen nur unnützerweise verwirre und zu vorzeitiger Auswanderung reizen würde. Dr. Wunderlich sprach über „Organisationsfragen" und meinte, daß eine Volksorganisation keinen besonderen Nutzen bringen könnte. In Rußland sei die Verbreiterung der Organisation durch die Gesetze beschränkt, während in Deutschland der Hilfsaerein?-nd die Allianz gute Dienste leisten. Es genüge, überall Zentren von Vertrauensmännern zu schaffen. Er ist überzeugt, daß, wenn einmal der Moment gekommen fein wird, auch die Massen werden gewonnen werden können. In der Diskussion über d'.eies Referat griff Ingenieur G in s b urg - Zürich Zangwill an. weil er der Demokratie zu wenig Konzessionen mache. Anstatt die Ito zu einer Bewegung des Volkes durch das.Volk zu machen, unterschätze Zangwill die Macht des Volkes. Schmidt-Wien meinte dagegen, daß das bestehende Statut es jeder Föderation möglich mache, ihre Arbeit den Verhältnissen des betreffenden Landes entsprechend zu führen. In der Schlußsitzung referierte Dr. I o ch e l m a n n über die Emigration nach Galvcston und Herr Schmidt über die Auswanderung aus Galizien und die Notwendigkeit ihrer Regulierung. Herr Schmidt erklärte, daß diese Frage vor allem Geldmittel beanspruche, da es sich um die Bewältigung großer Vorarbeiten handle. Unter dem Eindrücke dieses Referates stellten die Herren Iosef Fels 50 Pfund Sterling, Schriro 100 Rubel und Ingenieur Tropp 50 Rubel für diesen Zweck zur Verfügung. Nach längerer Debatte einigte sich die Konferenz schließlich in folgenden drei Beschlüssen, welche als das Endergebnis der Konferenz angesehen werden können. 1. Die Konferenz hat die Berichte des Präsidenten über die Kolonisationsmöglichkeiten in Mesopotamien und anderen Ländern sowie über die Kooperation mit anderen Organisationen und Personen mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. 2. Die Konferenz hält den gegenwärtigen Moment für geeignet, die Ito-Organisation entsprechend auszuoauen. 3. Mit Rücksicht auf die günstigen Ergebnisse der Ealveston-Emigration beschließt die Konferenz, ihre Aufmerksamkeit der Regulierung der allgemeinen jüdischen Emigration zuzuwenden, und empfiehlt den Ito-Vereinen, dieses Arbeitsgebiet in Betracht zu ziehen. Nach vielen Danksagungen an die Leiter der Ito wurde die Konferenz geschlossen. Eine hohe Auszeichnung für Lord Swaythling. In einem Londoner Brief wird der „Liverpool Post" u. a. geschrieben: Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahre, soll dem Lord Swaythling, ehemals Sir Samuel Montagu, eine hohe Auszeichnung verliehen werden, die einer Rangerhöhung gleichkommt. Ich glaube, daß auf dem Gebiete des internationalen Finanzwesens das Haus, dessen Chef Lord Swaythling ist, eine solche Rolle spielt, wie einst die Rothschilds. Die Wiederwahl des Ministers Herbert Samuels. Infolge der Ernennung Mr. Herbert Samuels zum Kabinettsminister hatte dieser sein Abgeordnetenmandat im Wahlbezirke Cleveland niedergelegt. Am verflossenen Freitag fand die Neuwahl statt, aus welchem Minister Samuel mit einer Majorität von 971 Stimmen wiedergewählt wurde.