Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 31 (30.7.1909)
- Date
- 1909-07-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 828 Dr. Btochs Wochenschrift. Nr. 31 Opfers." Dieser Altar war auf jeden Fall nach Art des von Moses gebauten Brandopferaltars gebaut, denn . . . (Vers 29) der Brandopferaltar (den Moses in der Wüste gemacht hatte) war zu der Zeit auf der Höhe zu Gibeon. Daß die Erbauer dieser Altäre sich den Ort stets genau aussuchten, auf welchem sie dieselben errichten wollten, beweist 1. Chron., Kap. 22, V. 18 bis 25, worin erzählt wird, daß David sich hinauf nach der Tenne des Ornan begab und die Tenne dem Ornan abkaufte, um auf diesem, auf jeden Fall dem höchsten Punkt der Umgebung, seinen Brandopferaltar zu errichten. Datz diese Altäre, wenn möglich, auf .einer Anhöhe errichtet wurden, beweist diese Stelle sowie hie vorhin erwähnte Höhe Gibeon. Es mag vielleicht manchem Leser, der nur gn unser Klima denkt, unwahrscheinlich erscheinen, datz durch die Auffangstangen so kräftige Wirkungen erzielt werden konnten: man mutz eben dabei die dortigen Verhältnisse bedenken, dann kommt einem die Wirkung erklärlich vor. Außerdem möchte ich bemerken, daß man sogar In unseren Gegenden schon Versuche gemacht hat, auch in gewitterfreier Zeit Elektrizität aus der Luft zu ziehen und vernittels Drachen von geeigneter Anordnung schon Funken von über 3 Meter Länge erzielt hat. Die Ansicht, daß die alten israelitischen Priester die atmosphärische Elektrizität als wirksames Unterstützungsmittel bei ihren Religionsübungen benutzt haben, ist also eine sehr gerechtfertigte. Vermutlich hat sich Moses seine Kenntnisse über die Elektrizität von den Aegyptern angeeignet, es wäre daher sehr wünschenswert, wenn auch in dieser Hinsicht einmal etwas von seiten eines Aegyptologen nachgeforscht würde, vielleicht ergeben sich dann noch mehr interessante Tatsachen über die Anwendung der Elektrizität im Altertum. („Elektrotechnischer Anzeiger.") Gustav Karpeles Lou Dr. Sch. Ochscr-Kuttenplan. Wieder Einer! Und in diesen zwei Worten liegt wahrlich noch mehr als viel. Gerade in der Trauerwoche und in demselben Jahre, da das ganze intelligente Judentum diesem treuen Sohne seiner Nation zu seinem sechzigsten Geburtstage Worte der Freundschaft und der Hochschätzung entgegengebracht, mutzte er von uns gehen. — Ganz aufgegangen ist er in seinem neuen .Vaterlande, in der neuen Umgebung niemals. Trotzdem ^r seinen Studien in deutschen Landen obgelegen und dieselben auch dort beendet hatte, immer ist.er seiner alten Heimat treu geblieben, und nichts bereitete ihm größere Freude, als über die Verhältnisse von Mähren und Galizien sich eingehend unterhalten zu können. In der Oeffentlichkeit repräsentierte er sich natürlich immer als reiner „reichsdeutscher Jude", um bei passender Gelegenheit desto mehr seine früheren Landsleute, speziell arme fleißige Studierende unterstützen und ihnen in väterlicher Weise unter die Arme greifen zu können. Eine außerordentliche Bescheidenheit zeichnete ihn aus und er trat nie ungenötigt in den Vordergrund. War er auch der geistige Urheber der „Jüdischen Literaturvereine" im ganzen Deutschen Reiche, so stellte er doch mit Willen einen anderen an die Spitze. Liefen auch alle Fäden der ..Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" in seiner Hand zusammen, stand er doch als Zweiter hinter M. Philipson als Leiter dieser Gesellschaft. Er war der erste in allen gemeinnützigen jüd. Unternehmungen, der erste im Komitee zur Weiterbeförderung unserer .unglücklichen russischen Brüder, einer der ersten, die sich der Bibliothek der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" annahmen, keiner wußte davon, niemals drängle er sich vor. Am 11. November 1848 in Eiwanowitz in Mähren geboren, wurde er von seinem Vater Elias Karpeles zum Talmudstudium strenge angehalten. Privat genoß er den Unterricht in weltlichen Gegenständen. 1865 begab er sich nach Breslau, um hier nach dem Wunsche seiner Eltern Theologie zu studieren. Er trat in das jüdischtheologische Seminar und gab sich in der .ersten Zeit mit größtem Fleiße dem Studium der jüdischen Geschichte hin. Aber froh und weltlich wie er nun schon einmal veranlagt war, hängte er schon nach 10 Monaten die Theologie an den Nagel und wendete sich mit ebenso großem Eifer der modernen Journalistik zu. Vis -um Jahre 1880 widmete er sich ausschließlich dem Zeitungsfeuilleton. Er war Mitarbeiter der „Auf der Höhe", „Breslauer Nachrichten", Breslauer Zeitung", „Deutsche Union" und Westermans „Deutsche Monatshefte", und seit 1870 nebst S. Enoch Milredakteur der „Jüdischen Presse". Seine erste große selbständige Arbeit erschien 1868 unter dem Titel „Heinrich Heine und das Judentum", 1869 „Heinrich Heine, biographische Skizzen", Berlin: 1870 erschien seine erste große, rein jüdische Arbeit: „Die Frauen in der jüdischen Literatur", Berlin: diese Arbeit ist noch >ein zweitesmal in Berlin, s. d., erschienen. In demselben Jahre noch veröffentlichte er die große Arbeit ^Ludwig Börne", Leipzig. Die darauffolgenden zehn Jahre waren ganz dem deutschen Drama gewidmet, und so entstanden nach einander die Komödien „Deutsches Leben", 1873: „Deutsche Liebe", 1874: „Im Foyer", 1876 und schließlich auch die Dramatisierung von Grabbes „Don Juan und Faust", 1877. Nach seiner Uebersiedlung nach Perlin 1683 hatte er seines österreichischen Judentums wegen viel zu kämpfen, die deutsche Judenheit wollte, den „Ausländer" nicht die ihm gebührende Achtung-zollen: - Diese - ewige Zurücksetzung spornte ihn aber nur an, sich mit Feuereifer auf die jüdische Literatur zu werfen und den .Stoff für sein größtes Werk zu fammeln und zu sichten. Inzwischen veröffentlichte er „Heines Werke", Leipzig, 1885, und gleich im darauffolgenden Jahre „Geschichte der jüdischen Literatur", 2 Bände, Berlin, 1886. Zweite Auflage, Berlin, 1908, nebst ausführlichem Inder. Schon im nächsten Jahre, 1887, erschienen: „Heinrich Heine und seine Zeitgenossen", Berlin, „Heines Werke", Leipzig, 1888, „Heinrich Heines Werke", ib. und 1889 „Die Zionsharfe", Berlin, eine Sammlung und Uebersetzung der schönsten Gedichte jüdischer Lyriker des Mittelalters. Die berühmte Monographie „Goethe in Polen" erschien 1890 in Leipzig. Im.selben Jahre übernahm er die Redaktion der von L. Philipson begründeten „Allgemeinen Zeitung des Judentums". Gegen seine Neigungen vertrat er oft in den Leitartikeln die Interessen des modernsten fortschrittlichsten Judentums in Deutschland. Innerhalb seiner vier Wände war er orthodor wie in jungen Jahren, und er hat es niemals verabsäumt, täglich den Tallis und die Thephillin anzulegen. Sehr selten, aber desto eingehender bekrittelte und Mgte er allzu radikale Vorgänge im deutschen Judentum. Die Uebernahme der Redaktion hielt ihn vom ferneren privaten Arbeiten eine zeitlang ab, und nur seine „Allgemeine Geschichte der Weltliteratur", welche schon längst fertig war, konnte er der Oeffentlichkeit übergeben, .Leipzig 1891. Diese Arbeit verschaffte ihm aber mit einem Schlage die Anerkennung in der gesamten literar. Welt. Die nächsten Jahre widmete er ganz der Begründung der „jüdischen Literatuipereine" und der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums". Erst im Jahre 1895 erschienen: „Heinrich Heine und der Rabbi von Bacharach", Wien, „Schillers Werke", Leipzig, „Ein Blick in die jüdische Literatur", Prag und endlich