Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-07-30 · 31 (30.7.1909) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
31 (30.7.1909)
Date
1909-07-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021818-3021850--18503-3043435
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 526 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 31 schaftliche Zwecke abkaufen wollte. Jetzt aber sind weitere „Geschäfte* im Gange, die noch nicht beglichenen Forderungen der Agrarier wurden höher geschraubt, wie der konservative Führer R. v. Hohenblum in dieser Woche verkündete. Die Bevölkerung hat nun die Wahl, entweder weiter zu hungern oder das rücksichtsvolle Erbarmen der Körndlchristen indirekt durch schwere Opfer zu erkaufen. Das Schöne aber und das Moralische an der Sache ist, daß die Agrarier das Zentrum der christlichsozialen Partei sind, der Verleumder, welche die Bevölkerung mit Bewilligung der Behörden auf die Körndljuden Hetzen konnten Die Elektrotechnik in der Kikel. Von E.Stadelmonn, beratendem Ingenieur für Elektrotechnik in München. Es ist sehr wahrscheinlich, daß alte Kulturvölker schon zu sehr frühen Zeiten sich der Elektrizität bedient haben, um gewisse Erscheinungen hervorzurufen, vermittels welcher hauptsächlich die Priester auf die nicht in die physikalischen Erscheinungen eingeweihte Volksmenge Eindrückte übersinnlicher Natur bewirkten. Die Kenntnis derartiger Erscheinungen und deren geschickte Verwertung zu religiösen Zwecken war nur der Kaste der Priester Vorbehalten, welche ihr Geheimnis sorgfältig hüteten. Außer der Beschäftigung mit Wissenschaften tatsächlicher Natur, sowie mit geheimen Wissenschaften hatte sich hei diesen Priestern (Magiern) jedenfalls auch noch ein bestimmtes System zur geschickten Verwertung der ihnen durch ihre physikalischen Studien bekannt gewordenen Naturkräfte ausgebildet. So wurde z. V. festgestellt, daß die Verständigung von Priestern ziemlich weit auseinander gelegener Tempel durch eine Art von Mchttelegraphie stattgefunden hat, indem fast genau wie hei den jetzt im Kriegsdienst angewendeten Lichttelegraphie-. Systemen Lichtstrahlen vermittels Spiegel an eine bestimmte Stelle geleitet, zur unauffälligen Verständigung benutzt wurden. Die Kenntnis der Mechanik zeitigte zu Tempelzwccken manche eigenartige Anordnung, so z. B. beschreibt Beck in seinen Beiträgen zur Geschichte des Maschinenbaues eine Vorrichtung, welche von Heran dem Aelteren herrührt und dazu diente, nach Entzündung des Feuers auf dem Altar eine Türe selbsttätig zu öffnen, und eine andere, welche beim Oeffnen der Türe Trompetenstöße s elbsttätig erzeugte. Es waren bei diesen Vorrichtungen Luftdruck- und Wasserdruckkräfte geschickt verwertet, um dem Volk an Wunder grenzende Tatsachen vorzuspiegeln. Nun ist aber auch nachgewiesen, daß die alten Israeliten bereits den Blitzableiter gekannt haben. Die ^.Münchener Neuesten Nachrichten" brachten in Nr. 224 -ihres Blattes eine diesbezügliche Bemerkung und erhielten darauf, wie sie in ihrem Blatt vom £2. Mai 1909 Mitteilen, folgende Zuschrift: „Nach Allioli (jüdische Altertümer) waren die Spieße am Tempeldach mit Ketten verbunden und diese mündeten in die Knäufe von zwei ehernen Säulen am Eingang der Halle. Die beiden Säulen endeten in ein Wasserreservoir. (Cs ist (dabei auf zwei Bibelstellen hingewiesen, und zwar auf das 1. Buch der Könige, Kap. 7, V. 17 und das 2. Buch Chron. Kap. 3, V. 17.) Ein weiteres wahrscheinliches Dokument über die Kenntnis des Blitzableiters gibt die Bibel im 4. Buche Moses, Kap 21, V. 6—9: „Sie zogen an den Berg Hör in der Edomiter Land (eine gewitterreiche Gegend). Der Herr sandte feurige Schlangen unter das Volk, daß ein großer Teil starb. Nun richtete Moses eine eherne Schlange auf. Von da an wurde keiner mehr getötet, weil an der ehernen Schlange die feurigen Schlangen, die Blitze, sich fingen?. . ." Beide Hinweise sind sehr merkwürdig, der erste zeigt deutlich, daß die alten Israeliten das Wesen des Blitzableiters erkannt hatten. Die Spieße auf dem Tempeldach waren die Auffangstangen, und durch die Wasserbehälter, in welche die Stangen endeten, war hie Erdleitung hergestellt. Es ist dies im wesentlichen hie Anordnung der heute noch üblichen Blitzableiter. Während im ersten Beispiel die Anordnung deutlich erkenntlich ist, ist im zweiten hauptsächlich die Wirkung beschrieben. Diesbezügliche Bibelstellen seien nachfolgend angeführt: 1. Kön. 7, V. 13 usw.: „Und der König Salomo sandte hin und ließ holen Hiram von Tyrus. . ., <der war ein Meister im Erz, voll Weisheit, Verstand und Kunst, zu arbeiten allerlei Erzwerk. Da der zum Könige Salomo kam, machte er alle seine Werke. Und machte zwo eherne Säulen, eine jegliche 18 Ellen hoch, und ein Faden von 12 Ellen war das Maß um jegliche Säule her. Und machte zween Knäufe von Erz gegossen, oben auf die Säulen zu setzen, und ein jeglicher Knaus war 5 Ellen hoch. . . . Und es stund also oben auf hen Säulen wie Lilien." Der Ausdruck „Und es stund oben auf den Säulen wie Lilien" läßt deutlich erkennen, daß damit Auffangspitzen am oberen Ende der Säulen beabsichtigt waren. Im zweiten Buch d. Chron. sind diese Säulen ebenfalls erwähnt, nur ist die Höhe derselben um nahezu das Doppelte größer angegeben, als oben gesagt. Der Tert lautet (2. Chron. 3, V. 15): „Und er machte vor dem Hause zwo Säulen, 35 Ellen lang; und der Knauf obendrauf 5 Ellen. ..." — Daß vermittels so hoher Säulen eine gute Blitzableiterwirkung erzielt wurde, ist wohl einleuchtend. An diesen beiden Bibelstellen ist auch eine genaue Beschreibung der als Erdleitung dienenden Wasserbehälter gegeben: es ist dort als ein gegossenes Meer bezeichnet, welches rund war und einen Durchmesser von 10 Ellen besaß. Es wurde so groß gemacht, .um außer erwähntem Zweck auch noch -anderen- Zwecken (Waschungen und Dekoration) zu dienen. Schon seit langer Zeit hege ich die Meinung, daß die alten Israeliten schon von der Elektrizität Kenntnis halten: meine Meinung bekräftigte sich noch, als Professor Artemieff mit seinem Schutzkleid aus Metallgewebe an die Oeffentlichkeit trat. Artemieff arbeitet in diesem Schutzkleid mit sehr hochgespannten Strömen und läßt elektrische Entladungen dieser hochgespannten Ströme durch dasselbe fließen, ohne dabei Schaden zu nehmen. Als ich damals die Beschreibung des Schutzkleides las. fiel mir sofort die Ähnlichkeit mit der «in der Bi'bel beschriebenen Amtskleidung des Hohenpriesters auf. welcher dasselbe zu einem ganz ähnlichen Zwecke bedurfte, wie wir gleich sehen werden. — Ich möchte mit dieser Bemerkung natürlich der Erfindung Artemieffs nicht zu nahe treten, sondern nur zu dem Beweise beitragen, daß bereits schon in alten Zeiten von den (Israeliten die Elektrizität als Hilfsmittel beim Tempeldienst in Anwendung kam. Betrachten wir uns einmal den Aufbau der Bundeslade. wie er in der Bibel genau beschrieben ist, so bemerken wir sofort, daß sie aus einem isolierenden Gefäß mit zwei Metallbelägen bestand, wovon der eine innen, der andere außen sich befand: sehen wir uns diese Anordnung genauer an, so bemerken wir, daß wir es mit einer Leydener Flasche (einem Kondensator) in großem Maßstabe zu tun haben. Geladen wurde diese Leydener Flasche durch die mit Metall überzogenen Auffangstangen des Tempelraumes durch die Luftelektrizität. Kam nun jemand mit diesen beiden.Metallbelägen ohne geeignete Schutzvorrichtung in Berührung, so war bei diesen großen Abmessungen die Entladung wohl kräftig genug, um den Tod des Betreffenden herbeizuführen : es war daher nur den Eingeweihten möglich, sich der Bundeslade zu nähern. Die dem Verbot, sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.