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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-07-23 · 30 (23.7.1909) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
30 (23.7.1909)
Date
1909-07-23
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 30 De. Blochs Wochenschrift. Sette 523 Frage. Aus dieser letzten, immer aktuellen Gegenwartsfrage ist der Talmud und nach ihm die fast unübersehbare Responsenliteratur entstanden. Die stets wechselnden Daseinsformen und Lebensverhältnisse stellen immer neue theologisch-talmudische Probleme auf, die von den wissenschaftlichen Größen der Zeit gelöst werden müssen. Eines solchen Großen Lebenswerk wird soeben der jüdischen Oeffentlichkeit übergeben. Der jüngst verstorbene Preßburger Oberrabbiner wurde nicht nur von einer in aller Welt zerstreuten, nach Tausenden zählenden Schülerzahl in schwierigen Fragen um seine wissenschaftliche Ansicht befragt; auch die namhaftesten Zeitgenoffen wollten in komplizierten Fällen seine stets das Richtige treffende Meinung hören. Somit ist seine Responsensammlung einerseits ein Querschnitt durch den talmudisch-wissenschaftlichen Betrieb der letzten Jahrzehnte, andererseits eine Fundgrube von Aufschlüssen über Fragen, vor die den traditionstreuen Juden die vorwärtsstürmende Zeit gestellt. Wer das Glück hatte, seinen von der schärfsten Logik durchdrungenen Lehren horchen zu können, weiß es, daß seine Art nicht jene haarspalterische, spitzfindige war, 'die — geistvoll wohl — den Namen „Wissenschaft" kaum mehr verdient. An die Alten sich anlehnend, ihren Geist weiterführend, ist stets klar und einleuchlend seine Distinktion. Kenner werden gar bald die Geistesverwandtschaft des Verfassers mit seinem Großvater, dem weltberühmten Chasan Sofer, herausfinden können. Die halachischen Werke jenes Großen sind heute bereits ein unentbehrliches Handbuch jedes auf talmudischer Basis stehenden jüdischen Theologen geworden; dem Werke des Enkels, dem isit? I22V wird seine eigene Gediegenheit einen würdigen Platz neben jenen erringen. Die Verlagsbuchhandlung hat für eine bei ähnlichen Werken kaum noch gesehene, vornehme Ausstattung gesorgt, wodurch dasselbe auch in seinem äußeren Gewände vielen tausenden Schülern und Verehrern ein sehr willkommenes Andenken wird werden an den geliebten, großen Meister, den das Schicksal aus der Mitte seiner vielseitigen Geistestätigkeit so jäh herausgerissen hat. Wien. Rabbiner Viktor S ch ö n f e l d. Biblische Liebeslieder, das sog. Hohelied Salomos unter steter Berücksichtigung der Uebersetzungen Goethe's und Herder's im Versmaße der Urschrift, verdeutscht und erklärt von Paul Haupt, Professor der semitischen Sprachen und Direktor des Orientalischen Seminars an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore. Leipzig I. C. Hinrichs'sche Buchhandlung Mark 4.50, gebunden Mark 5.50. Das vorliegende neueste Werk des als Hebraist, Orientalist und Assyriologe rühmlichst bekannten Verfassers über das seit alter Zeit bis auf unsere Tage vielumstrittene biblische Buch ist das Ergebnis von Vorlesungen über das Hohelied, welche Profeffor Haupt im Winter 1901 2 an der John-Hopkins-Universität in Baltimore gehalten hat, in Verbindung mit einigen anderen Veröffentlichungen über den Gegenstand, welche schon früher in englischer Sprache von ihm erschienen sind. Wie es schon der Titel ausweist, berücksichtigt der Verfaffer sowohl bei seiner neuen, dem Original aufs engste angeichlossenen Uebersetzung, als auch bei der eingehenden Erklärung, die natürlich heute vielfach zu anderen Ergebnissen kommen muß, die epochenlachenden Uebersetzungen und Bearbeitungen des Hohenliedes durch Goethe und Herder, diese beiden Koryphäen der deutschen Literatur und feinsinnigen Kenner und Verehrer des biblischen Schrifttums, welche, wie in so vielen andern Dingen, auch für die richtige Erkenntnis des Charakters, des Inhaltes und der äußeren Form dieser reizenden biblischen Liebes- und Naturgedichte „des Zartesten und Unnachahmlichsten, was uns von tnm Ausdruck leidenschaftlicher, anmutiger Liebe zugekommen" (Goethe), erst die richtigen Wege gewiesen haben. Namentlich war es der geniale Verfasser des unsterblichen Werkes „Vom Geiste der hebräischen Poesie", welcher erstmals nachdrücklich und unwiderleglich für die Beurteilung und Erklärung des Hohenliedes der natürlich grammatisch-ästhetischen Methode das Wort redete und darin rein weltliche Liebeslieder erkannte, im Gegensatz zu der heute noch teilweise beliebten, allegorisch mystischen Interpretierung, wonach unter den beiden Liebenden das Liebesverhältnis Gottes zu Israel oder Christi zu der christlichen Gemeinde abgebildet sein soll. Bekanntlich hat nur diese allegorisch-mystische Erklärung, welche besonders an Rabbi Akiba einen kräftigen Anwalt fand, dem lange umstrittenen Buche zuletzt die Aufnahme in die Zahl der kanonischen Bücher und sogar in die Haggada von Pesach gesichert. An Widerspruch gegen eine solche, dem klaren Wortlaut und Wortverstand des Textes widersprechende Exegese hat es allerdings auch nachher auf jüdischer und christlicher Seite nie ganz gefehlt und so wurde schon der Bischof Theodor von M. im V. Jahrhundert auf dem Konzil zu Konstantinopel nach seinem Tode noch als Ketzer verdammt, weil er der natürlich grammatischen Erklärung des Buches das Wort geredet. Herder hat auch zuerst darauf hingewiesen, daß wir in dem hohen Liede kein zusammenhängendes Drama besitzen, wie noch viele hervorragende Gelehrte bis in die neueste Zeit angenommen haben, sondern eine Reihe einzelner Lieder, welche nicht mehr mit einander zusammenhängen, als „eine Reihe schöner Perlen auf eine Schnur gefaßt". Goethe und Herder und andere irren aber, wenn,sie die' Gedichte, falls auch von Salomo nicht selbst verfaßt, doch nach ihrer Entstehungs- und Abfassungszeit wenigstens in das salomonische Zeitalter datierten. Nach Prof. Haupt ist das sog. Hohelied Salomos keine Sammlung von Liebesliedern aus der Zeit Salomos (um 950 v. Chr.), geschweige denn eine von Salomo selbst verfaßte einheitliche Dichtung, sondern eine mehr als sechs Jahrhunderte später nach Beginn der Seleucidenära (312 v. Chr.) in Damaskus zusammengestellte Sammlung vollkstümlicher hebräischer Hochzeits- und Liebeslieder, die alle bei Hochzeiten gesungen worden sein können, wenn sie auch zunächst nicht für diesen Zweck verfaßt wurden. Es ist nicht unmöglich, daß einzelne dieser Volkslieder Theokcit in Alexandrien bekannt wurden (cfr. bef. Theokrit 10, 28 mit Kohel. 21, I. 5. 6) Goethe hat den Versuch aufgegeben, in den „fragmentarisch durcheinander geworfenen und übereinander geschobenen Gedichten", in der „lieblichen Verwirrung und dem Rätselhaft- Unauflöslichen" der Gedichte einen verständigen Zusammenhang zu finden oder hineinzulegen. Prof. Haupt hat nichtsdestoweniger in dieser Beziehung einen neuen Versuch unternommen und denselben auch glücklich durchzeführt. Herder verzweifelte bekanntlich an einer poetischen Ueberfetzung der Gedichte beinahe und an einer Uebertragung ihres Vers- und Silbenmaßes gänzlich. Haupt hat auch in dem Stück Herder übertroffen. Er hat durch eine geschickte Auswahl und sinn- und sachgemäße Zusammenstellung der Worte und Sätze in seinen dargebotenen 12 Liedern nicht nur die ursprüngliche, durch die Abschreiber in Verwirrung geratene Ordnung der Gedichte wiederhergestellt. sondern auch eine leichtfließende, wohlklingende Ueberfetzung derselben geliefert, welche sich im Vers- und Silbenmaß genau an das Original anschließt und dasselbe in trefflichem Deutsch vollinhaltlich wiedergibt. Es soll dabei hier nicht unerwähnt bleiben, daß Prof. Haupt von neueren Uebersetzungen, von denen er im allgemeinen nicht btel hält, derjenigen von M. A. Klausner, des verdienstvollen Sekretärs der deutschen Konferenzgemeinschaft der „Allianz Jsraelite", in seinem Werke: „Die Gedichte der Bibel" in deutscher Sprache, Teil 3 (Berlin 1994) den Vorzug gibt. Was dann Haupt's Erklärung deS Buches betrifft, so weicht dieselbe natürlich fast noch mehr als die Ueberfetzung von derjenigen Goethes, Herders und auch neuerer Ausleger oft recht bedeutend ab, dafür hat die Bibel-, Sprach- und Orientforschung in unserer Zeit doch zu große Fortschritte gemacht und richtige Ergebniffe zu Tage gefördert. Die Anhänger und Vertreter der mystisch allegorischen Auslegung des Hohenliedes werden wenig erbaut sein, an manchen Stellen, in welchen sie die tiefsten religiösen Geheimnisse verborgen finden, hinter den verblümten und zweideutigen Redewendungen oft einen krassen sexuellen Naturalismus zu entdecken, der nicht mehr überboten werden kann und für ein feineres Empfinden anstößig wirken muß. Gerade in Bezug auf die höchst ungenierte Erklärung solcher „pikanten" Stellen erscheint für die religiöse Auffaffung und Bewertung des Buches die Beschwichtigung Haupts doch sehr problematisch: „aber durch den weltlichen Charakter dieser Liebeslieder braucht sich niemand die Freude an diesem biblischen Buche trüben zu lassen!" (S. 18 Einleitung). Als eine speziell zu begrüßende und originelle Besonderheit des der Ueberfetzung in Anmerkungen angeschlossenen Kommentars ist noch zu erwähnen, daß der Verfasser zur Illustration und Erklärung des Textes durchgehends auf Parallelen in der älteren und neueren deutschen und englischen weltlichen Lyrik hingewiesen hat, von denen auf viele Stellen im Hohenliede oft ein überraschendes Licht fällt. Schließlich braucht man ja Wohl kaum besonders darauf hinzuweisen, daß die höchst verdienstvolle Arbeit von Prof. Haupt, wie es der Charakter dieser reizenden biblischen Liebes¬ und Naturlieder mit sich bringt, auch über alt und neu palästinensisches und orientalisches Volks- und Familienleben, über die Sitten, Gewohnheiten und Gebräuche der Bevölkerung, über die geologischen, botanischen, agrikulturellen, sozialen, ökonomischen und klimatischen Verhältnisse und Besonderheiten des Landes so viele höchst intereffante und belehrende Aufschlüsse und Beiträge bietet, daß man das neueste Buch von Prof. Haupt nicht nur dem einfachen Bibelleser und gelehrten Bibelforscher, sondern auch jedem Palästinafreunde und Palästinaforscher nur angelegentlichst als belehrende und unterhaltende Lektüre bestens empfehlen kann. Jerusalem. _ Phil. Kieferndorf. Reue Bücher. Prof. Dr. S. Maybanm, Rabbiner der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Predigten und Schrifterklärungen. Viertes und fünftes Buch Moses. Preis M. 4.—. Poppelaue r'sche Buchhandlung, Berlin 1909. XVI. Jahresbericht der Israelitisch theologischen Lehranstalt in Wie« für das Schuljahr 1908/1909. Voran geht: Die hermeneutische Induktion in der talmudischen Literatur. Ein Beitrag zur Geschichte der Logik von Rektor Professor Dr. Adolf Schwarz. Verlag der Isr.-theol. Lehranstalt, Wien, II., Tempelgaffe 3. Sammlung preisgekrönter Märchen und Sagen. Herausgegeben von der Jugendschriften-Kommiffion deS U. O. B'nei Brith. Große Ausgabe. Mit 6 Tonbildern und 12 Textillustrationen von H. Grob et. Preis M. 2.50. In Kommission bei Loewes Verlag Ferdinand Carl, Stuttgart. {

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