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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-07-23 · 30 (23.7.1909) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
30 (23.7.1909)
Date
1909-07-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 30 Dr. Bwchs Professoren und Aerzten Demosthöne, Manolesco, Marinesco, Petrini-Galatzi, Tomesco und anderen. Auf das Zirkular der rumänischen Aerzte antwortet nun Dr. Hugo Preisz, Professor an der medizinischen Fakultät der Budapester Universität, mit einem offenen Schreiben an die Mitglieder des rumänisch-nationalen Aerztekomitees, worin es unter anderm heißt: „Reibungen und Gehässigkeiten der Nationalitäten gegen Ungarn lassen mich sonst kühl, sie sind hierzulande leider etwas Alltägliches. Niemals aber empfand ich einen solchen Drang, über eine ungarnfeindliche Agitation meine Meinung zu äußern, als jetzt, da ich ihr Zirkular gelesen habe. Ich finde Ihre Beweisführung nichts weniger als überzeugend, da sie unlogisch ist. Wenn Sie zugestehen, daß die Wissenschaft international ist, so hätten Sie den wissenschaftlichen Verhandlungen ohneweiters beiwohnen sollen und können. Ich glaube, Sie hätten befürchten sollen, daß mancher Leser Ihres Zirkulars daraus den Schluß ziehen könnte, daß bei Ihrem Entschluß der Ungarnhaß gewichtiger in die Wagschale fiel, als die Liebe für Wissenschaft und die Kollegialität. Wenn ein aus rumänischen Aerzten bestehendes Komitee die Welt im Namen der Zivilisation glauben machen will, daß in Ungarn ein Staatsanwalt ohne gesetzliche Grundlage jemanden ungestraft vor Gericht stellen und ein Richter ebenso ungestraft jemanden verurteilen darf, so dürften sich manche Leser mit Recht fragen, ob denn Ihr glühender Ungarnhaß wirklich keine ernsteren Gründe habe." Soweit Herr Dr. Hugo Preisz. Ueber die Gewaltakte, welche gegen die Juden in Rumänien verübt werden, die schauerlichen Verbrechen, die man gegen sie täglich begeht, und welch alle Grausamkeiten altorientalischer Tyrannen im Schatten stellen, sprechen die Herren kein Wort. Daß man die Juden in Rumänien buchstäblich in der Donau ertränken läßt, bereitet ihrem Gewiffen keinerlei Bedenklichkeit. Das gehört eben zur arischen Kultur und zur christlichen Zivilisation. Heme über die Taufe. Berlin. Unter dem Titel „Heinrich Heines Memoiren"*) erschien ein Werk, das aus Aufzeichnungen, Briefen und Gespräche« Heines von Gustav Karpeles zusammengestellt ist. in 3. Auflage. In einem „Hamburg. 9. Januar 1826" datierten Briefe Heines an Moses Moser finden wir einen interessanten Paffus, der uns recht deutlich zeigt, daß der Dichter feine Taufe aufrichtig bereut hat. Heine schreibt: „Ich lebe ganz isoliert, lese den Livius revidiere meine alten Ideen, ergrüble einige neue Ideen und schreibe unbedeutendes schlechtes Zeug. Ueber meine äußeren Angelegenheiten kann ich und will ich heute wenig sprechen; soviel kann ich Dir vertrauen: es steht mit mir besser als ich selber weiß. Wer mich am meisten quält, das bin ich immer selbst. — Im Grunde bin ich jetzt auch innerlich so sehr bewegt, daß ich an nichts Aeußeres denken kann... Mein einziger Umgang hier ist im Hause meiner Schwester, meines Oheims, des Syndikus Sieveking, und des Kandidaten Wohlwill. Mein Oheim zeigt sich mir sehr gnädig, sehr gnädig..., welches um so verdienstlicher ist. da letzterer mit lauter Menschen umgeben ist, die mir feindselig sind. Ich bin jetzt bei Christ und Iude verhaßt. Ich bereue sehr, daß ich mich getauft Hab'; ich sehe gar nicht ein, daß es mir seitdem besser gegangen sei; im Gegenteil, ich habe seitdem nichts als Unglück. — Ist es nicht närrisch? Kaum bin ich getauft, so werde ich als Iude verschrieen. Aber ich sage Dir, nichts als Widerwärtigkeiten seitdem." Eine Begrüßung des Zaren in England. Sturmszeuen im Gemeiuderat von Portsmouth. London, 21. Juli. Im Gemeinderat von Portsmouth, der schon kürzlich gegen den Zarenbesuch und die Bewill- *) Heines Memoiren, Verlag von Karl Curtius, Berlin. MoKenfchrist. ®ette 615 kommnung des Zaren in Portsmouth demonstriert hatte, kam es gestern zu erregten Szenen, welche einen förmlichen Aufruhr unter den Gemeinderäten hervorriefen. Einer derselben nannte den Mayor der Stadt, der eigenmächtig die Bewillkommnung des Zaren verfügt hat, einen schmutzigen Hund. Der Mayor nannte einige Gemeinderäte Feiglinge. Ein Gemeinderat beantragte, an den Zaren eine Adreffe zu richten, in welcher es heißen soll: er (der Zar) möge schleunigst nach Rußland zurückkehren, anstatt das freie England durch seine Anwesenheit zu besudeln. Ein Gemeinderat erklärte, wenn der Zar ein gewöhnlicher Engländer wäre, so wäre er längst gehängt oder ins Irrenhaus gesteckt worden. Schließlich wurde jedoch das Programm für den Empfang genehmigt. Fräulein Bertha Pappenheim in Amerika. Fräulein Bertha Pappenheim, die bekannte und erfolgreiche Führerin im Kampfe gegen den Mädchenhandel, weilt jetzt in Amerika, woselbst sie auf ihrer Rückkehr aus Kanada in verschiedenen, großen, amerikanischen Städten Vorträge über die Bekämpfung des Mädchenhandels hält. Sämtliche amerikanischen Blätter widmen der tapferen Kämpferin lange Artikel und heben ihre unerschrockene, selbstlose Tätigkeit im Interesse ihrer schutzlosen Mitschwestern hervor. Einem Chicagoer Redakteur gegenüber äußerte sich Fräulein Pappenheim über die jüdischen Mädchen! „Hunderte fremder Mädchen kommen jährlich nach Chicago und anderen großen Städten des amerikanischen Westens, Sie können den Fährniffen dieses Lebens nicht lange standhalten. Eine genaue Untersuchung hat ergeben, daß bloß 20 Prozent der gefallenen jüdischen Mädchen in Amerika aus krankhafter Neigung so tief gefallen find. 80 Prozent wurden irregeführt, verkauft oder verraten. Es fällt m r stets schwer, einen galizischen Mädchen klar zu machen, daß New-Iork kein kleines Städtchen ist und daß hier an jeder Ecke der erwerbsmäßige Verführer auf das Neuangekommene Mädchen lauert. In Rußland kann ein gefallenes Mädchen, das von ihrem Schandgewerbe lebt, nicht im Lande bleiben, wenn sie sich nicht unter die Kontrolle der Polizei stellt. Als Jüdin schenkt man mir in Europa kein Gehör. Aber hier, in Ihrem freien Lande bitte ich um Gehör und ich hoffe, daß ich ein geneigtes Ohr und Hilfe finden werde zum Schutze meiner unglücklichen Schwestern." Und der Redakteur fügt in seinem Blatte hinzu : „Fräulein Pappenheim wird hier Gehör finden. Sie hat diese Frage gründlich studiert, sie hat in allen Ländern der Welt die Stätten des Elends, aus denen die unglücklichen Geschöpfe stammen, selbst ausgesucht, was sie sagt, besitzt Autorität. Wir Juden können mit den übrigen großen Organisationen gemeinsam zur Ausrottung dieses schändlichen Gewerbes Vorgehen. Eine Anzahl hervorragender Chicagoer Juden waren die Urheber eines strengen Gesetzes gegen den weißen Sklavenhandel in Chicago. So sollten auch in anderen Städten die Juden an der Spitze solcher Bewegungen stehen, denn wir müffen die Heiligkeit.und Reinheit unseres Familienlebens aufrechterhalten, wir müffen alles aufbieten, daß der Ruf, den die reine, keusche, jüdische Frau besitzt, auch in Zukunft begründet bleibe. Korrespondenzen» Wien. Am 20. Juni fand die Generalversammlung des Vereins zur Wahrung der Jntereffen des orthodoxen Judentums, statt. Vorsitzender Herr Bernhard Hofbauer läßt Kaffabericht und Bericht über die Tätigkeit des Vereins verlesen, die mit Akklamation genehmigt werden. Aus denselben ist hervorzuheben, daß der Vorstand wiederholt in Angelegenheit der Sonntagsarbeit vorstellig wurde und daß in zahlreichen Fällen mit Erfolg zum Schutze orthodoxer Minoritäten eingeschritten wurde. Der Verein hat die Errichtung eines Betpavillons im Krankenhause, das llebereinkommen in der Mikwa-Angelegenheit gefördert und den Schomre Schabbos-

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