Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 29 (16.7.1909)
- Date
- 1909-07-16
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 29 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 507 wurden in Wien geduldet. Doch waren dies natürlich nur vereinzelte Ansiedelungen, da man noch nicht an die Schaffung einer Gemeinde denken konnte. Der k. Beichtvater Lamormain und R. Jomtob Lippmann Heller teilen sich in das Berdienst, die Ansiedlung der Juden im Untern Werd und die Bildung einer Gemeinde herbeigeführt zu haben. Bald waren die Verhandlungen mit den bisherigen Eigentümern zu Ende und die Juden nahmen vom Untern Werd Besitz. Leeb Pinckhes*), befreitter Hoff Judt hat Nutz und Gwöhr empfangen aiies sibenden Theil Hauß, so von einem gantzen Hauß, der Gulden Schwan genannt, gethailt worden, und ist dises der Erst thail mit der Untern Seitten an Peer Mayr und mit der obcrn im Gaffel an Simon Wolffen beeder Juden Heüser in dem Untern Worth gelegen und helt bemelter thail hauß in der Strassen n^ch an des Peer Mayr Hauß 33 und die Leng in dem klainen Gaffel 25 Daumbellen. — Auf diese Art wurde die Domizilf.age einer gedeihlichen Lösung zngeführt; auch ihre rechtliche Lage besserte sich ein wenig, als der Staatssäckel durch die fortwährenden Kriege geleert und man ihre Finanztalente häufiger in Anspruch nehmen mußte. Es war die Zeit, in der sich die Franzosen mit den Türken verbunden, um Oesterreich zu-bekämpfen und zu vernichten. Nich^ viel hätte gefehlt, daß der allerchristlichste König von Frankreich und der Großsultan der Türkei sich die Herrschaft von Europa geteilt hätten. Da, in der Zeit der Not erfand man am Wiener Hofe eine neue Art von Untertanen, die „befreiten Hoijuden". Doch nicht lange sollten sie sich dieser kärglichen Rechte erfreuen. Im Jahre 1670 war es den Anstrengungen der Wiener Bürger gelungen, die Vertreibung der Juden durchzusetzen; über die K a i s e rm a ch-t-, die sich seit Ferdinand II. der Juden oft angenommen hatte, siegte die städtisch e Demokrat ie. Wiederum mußten sie den Wanderstab ergreifen und in die Fremde ziehen. Doch diesnial gab es ein Lanv, in das man sie rief, in dem sie keine unerwünschten Einwanderer waren; oben im Norden war es den brandenburgischen Junkern eingefallen, die preußische Großmacht zu begründen und jeder fähige Mensch, ob Hugenott, ob Jude, war ihnen zur Mitarbeit erwünscht. Nur weniges wußten wir bisher von den Geschicken der Juden» stadt im Untern Werd. Erst durch das Werk von Dr. Ignaz Schwarz wird unsere Kenntnis dieser wichtigen Zeitepoche erweitert und bereichert. Nicht nur die Eintragungen in das Grundbuch, sondern auch die verschiedenen Schätzungsprotokolle und besonders das Totenprotokoll der Stadt Wien (1648—1669), dessen Veröffentlichung wir dem Autor danken, ermöglichen es uns, eines der wichtigsten Zeitabschnitte der Wiener jüdischen Geschichte zu verstehen und zu überblicken. Es ist unmöglich, auf alle Vorzüge dieses Werkes näher einzugehen, doch eines können wir sagen, die jüdischen Familienforscher und Biographen werden daraus reichen Nutzen ziehen und der jüdische K u l t u r h i st o r i k e r wird es nicht unbeachtet liegen lassen dürfen. Biblische AnaLekteir. 1. Ueber das Wesen des Man n a, welches dem Volke Israel während seiner vierzigjährigen Wüstenwanderung zur Speise diente, sind noch heute die Gelehrten verschiedener Meinung. Renan identifiziert das biblische Manna mit einer von den Arabern rnann-es-sarna „Gabe des Himmels" genannten Naturerscheinung, die darin besteht, daß sich die Gebüsche der Wüste zu gewissen Jahreszeiten mit einer leimartigen Saftabsonderung bedecken, mit deren Hilfe der Wanderer seinen Hunger „etwas täuschen kann". Wie viele glänzende Hypothesen dieses geistreichen Franzosen, so ist auch diese Ansicht von höchst problematischem Werte; denn was einem ganzen Volke jahrelang zur täglichen Nahrung diente, konnte unmöglich bloß zum Scheine den Hunger stillen, abgesehen davon, daß dieser absonderliche Einfall Renans in keinem Punkte der biblischen Beschreibung eine Bestätigung findet. Nach Andern soll unter Manna die Ausschwitzung aus dem „Tamarix mannifera“ genannten, auf der Sinai-Halbinsel häufig vorkommenden Baume - gemeint sein. In den Tälern und auf den Vorbergen des Sinai wachsen in großer Fülle jene hohen Tamariskenbäume, von welchen zahllose Tropfen von honigsüßem Geschmacke träufeln, die von der Morgenkühle zu runden Körperchen — groß wie Erbsen oder Koriandersamen — erstarren, an der Sonne aber zerfließen. Nach den neuesten Forschungen ist indes das „Himmelsbrot" mit einer Krustenflechte identisch, die den Wüstenbewohnern Vorderasiens und Afrikas als Nahrungsmittel dient. (Vergl. „Natur - wiffenschaftliche Wochenschrift" vom 31. Jänner 1969) Die dicke hellbraune Kruste dieser Lecanora (Sphaerothallia) escnlenta genannten Flechte, die auch in den Wüsten Amerikas und als Seltenheit in Europa (Griechenland) vorkommt, wächst auf Felsen, wird aber vrm Winde abgebröckelt und in der Wüste hin- und hergerollt, wodurch sie zu ringsum gleich ausgebildeten, etwa erbsengroßen Körnern auswächst, die oft in großen Mengen in Mulden und Tälern zusammengeweht werden. Noch heute sollen die Tartaren daraus eine Art Brot bereiten. Es ist vielfach beobachtet worden, (besonders durch Parrot im Jahre 1816, 1845 im Distrikte Jenischehir,) daß die Körner dieser Flechte von den Wüsteustürmen weit.verweht werden und stellenweise als „Mannaregen" niederfallen. Es ist allerdings sehr zweifelhaft, ob *) Leeb Pinckhes (nicht Pinettes, wie er merkwürdigerweise bei Wolf heißt) ist identisch mit Jehudah Leeb Horowitz, dem Sohne von Pirkas Horowitz, und ein Schwager des berühmten Moses Jsserles. (Persönliche Mitteilung des Dr. B. Wachstein.) mir dieser merkwürdigen Naturerscheinnng das biblische Wunder erklärt ist, interessant bleibt es aber immerhin, daß das Wachsen des Manna auf hohen Felsen, sowie seine durch Sturmwind hervorgerufene Abbröckelung und Verwehung über die Wüstenfläche schon in der Mechiltha, einem sehr alten halachischen Mikrasch zum II. Buche Mosis (Kap. 16, V. 13), beschrieben wird. Wiederum ein glänzendes Beispiel dafür, daß die auf Intuition beruhende, jüdische Tradition mit den auf empirischem Wege gewonnenen Resultaten der modernen Wissenschaft oft übereinstimmt. 2. Einige halten die Fruchtprobe, welche die Kundschafter zu Moses Zeiten aus dem Tale Eskol mitbrachten und die so schwer war, daß zwei Männer sie auf einer Stange tragen mußten, für eine als Paradiesfeige bezeichnte Banane (llnsa paradisiaca), deren Fruchttraube oft bis einen Zentner schwer ist und die Pflanze etwas nach einer Seite hin beugt. Die Bananenftucht war die Nahrung der ersten Menschen und schon Humboldt bemerkt, daß die Pisangstämme den Menschen in allen Kontinenten seit der frühesten Kindheit seiner Kultur begleiten. Das stimmt mit der jüdischen Tradition überein, rach welcher die Frucht vom Baume der Erkenntnis des Guten und des Bösen, durch deren Genuß sich.Adam und Eva versündigt, eine Feige gewesen sei (Talmud babl. Sanhedrin 70 b.). Daher nannte mau die Banane oder den Pisang, aus dessen Blättern die ersten Menschen sich „Schamschünen" verfertigten, Paradiesfeige oder Adamsapfel. Das kann aber unmöglich die von den Kundschaftern mitgebrachte Frucht sein, denn diese wird in der Thora und in den Bibelübersetzungen als Weintraube ausgegeben, worauf Granatäpfel und Feigen noch besonders genannt werden. Interessant ist es endlich, daß man in den den „Adams-Pick" umgebenden Wäldern auf Ceylon noch heute das Paradies sucht. Dr. L. L. in G. Krirfkastrrr« I. A Wer können nicht anders, als vor dem Ankauf „Nt eyers Großen Konversationslexikons" zu warnen. Dasselbe ist von antisemitischem Gift durchtränkt. Kantor B I. Samstag den 4. September Ki Thawo. „Kunstfreund". Der in Holland wohnende Maler Jsak Perlmutter, der jüngst die Große goldene Medaille der Münchener Internationalen Kunstausstellung erhielt, ist von Budapest gebürtig und genoß in Ungarn seine Ausbildung, konnte aber als Jude nicht vorwärts kommen. Med. M. S. in Alland. Es existiert leider keine derartige Anstalt. Auch Privatinstitute nehmen so kleine Kinder nicht in Pension. „Lehranstalt". Wenden Sie sich an Herrn Direktor Max Fischer, Wien, II., Schiffsamtsgasse 15. S. K. Der verstorbene Bremer Malerpoet Arthur F i t g e r war trotz seiner g ühenden Verehrung Kaiser Wilhelms II keineswegs ein blinder Anbeter aller Deutschtümelei. In markige» Worten ist er seinerzeit gegen die Heinefresser zu Felde gezogen und für den verketzerten Poeten eingetreten. „Nicht Deutschland hat er verspottet", heißt es hier, sondern jene — man verzeihe das n'cht zu umschreibende Wort — jene Knoten, die unter dem Zeichen des Deutschtums alle Musen mit Tabakqualm und mit Bierkneipendunst auszuräuchern hofften, jene Genossen, für die Raffael nicht gemalt, Shakespeare nicht gedichtet, Mozart nicht gespielt hat. die sich ihrer Geschmacklosigkeit als eines Charaktervorzuges rühmen und jeden, der einen reinen Hemdkragen aufweist, als Verräter an der allgemeinen Sache aufhäugen möchten." Man sieht, Fitger konnte recht bitter und zornig werden, und auch von seiner polemischen Lyrik gilt oft genug das alte Wort von dem-Ingrimm, der Verse hervorbringt. PH. K. in I. Wir ersuchen um Geduld. Die eingesandte Erklärung wurde der zuständigen Stelle vorgelegt. Herr Otto Scheff ersucht auf Grund § 19 d. P.-G. um Konstatierung, daß er ein geborener Christ sei. F. L. Der eingesendete Aufsatz eignet sich nicht für unser Blatt. S. S. in T. Ein anderer Bericht ist uns bereits vorher übermittelt worden. G. in N. Für diese Nummer zu spät. Lirel ßoldscbmidt Stiftung kür Hörer der tierärztllcben Hochschule. Anzahl der Plätze: Zwei im Betrage von je K 200.—. — B e w er b un gs b er e ch t i gt sind: Jüdische Hörer der k. k. tierärztlichen Hochschule in Wien. — Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, Studienzeugnisse. — Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. Juli 1909. — Einreichungsstelle: I., Seitenstettengasse 4, II. Stock (Einreichuu^sprotokoll). — Näheres in den von der Einreichungsstelle unentgeltlich erhältlichen Gesuchsblanketten. Hübsche, gebildete Blondine bescheiden und anspruchslos, mit einigen Hundert Gulden nebst Ausstattung, wünscht sich mit gebildeten 35- bis 40jährigen Herrn (Witwer nicht ausgeschlossen) mit sicherem Einkommen, baldigst zu verehelichen. Ernstgemeinte Anträge unter „Aufrichtig“ postlagernd Wien, II,, Stefaniestrasse.