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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-07-16 · 29 (16.7.1909) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
29 (16.7.1909)
Date
1909-07-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 501 Ansprache die Aufmerksamkeit des Banns auf das Treiben eines kroatischen antisemitischen Hetzapostels und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Landesregierung beizeiten Vorkehrungen treffen werde, um die Juden vor den traurigen Folgen dieser lügenhaften Ausstreuungen und Verleumdungen zu schützen. Der Besuch des Banus in der Synagoge — so führte der Redner aus — sei ein Beweis dafür, daß Se. Exzellenz die Verdienste der Juden um das kroatische Vaterland anerkenne, und so sind sich denn die Juden des Schutzes Sr. Exzellenz bewußt. Der Banus dankte hier auch in kroatischer Sprache für die herzl'che Begrüßung und sagte u. A.: „Hier, an heiliger Stätte vor Gott, vor dem wir ja alle gleich sind, gebe ich die Versicherung, daß mir, wie unserem geliebten König Franz Joseph I., dessen Stellvertreter ich ja bin, alle Bürger des Staates, gleichviel welcher Konfeffion, welcher Nationalität sie auch angehören mögen, gleich nahe stehen. Diejenige Regierung, die die Rechte einer Konfeffion zugunsten einer anderen verkürzen würde, wäre nicht würdig, den Namen Regierung zu führen." Schließlich versicherte er die Juden seines Schutzes. Unter lebhaften Akklamationen verließ der Banus mit seinem Gefolge die Synagoge. In Angelegenheit der Falaschas erhalten wir folgende Zuschrift: Florenz. Hochgeehrter Herr Redakteur! Unser mutiger Forscher und Missionär. Herr Dr. I. Faitlovitch, ist vor einigen Tagen von seiner zweiten Missionsreise in Abessinien, die zirka 15 Monate gedauert hat, zurückgekehrt. Aus seinen an mich gerichteten Briefen aus Addis-Abeba, die auszüglich in verschiedenen Blättern erschienen sind, hat die jüdische Welt bereits erfahren, daß er den größten Teil Abessiniens durchwandert und die meisten Niederlassungen der Falaschas besucht hat. Er bringt ein reiches Material von überaus wichtigen Nachrichten und Dokumenten mit, die über das Leben, die sozialen Verhältnisse und die religiösen Anschauungen und Gebräuche der abessinischen Juden neues Licht verbreiten, und die er in nächster Zeit in einem ausführlichen Berichte der Oeffentlichkeit vorlegen wird. Er hat die angesehensten Lehrer und Priester der Falaschas persönlich kennen gelernt und mit ihnen längere und eingehendere Unterredungen gehabt. Sein in amharischer Sprache abgefaßtes „Sendschreiben an die Falaschas", welches auch eine Uebersetzung des von dem Unterzeichneten verfaßten und von zahlreichen Rabbinern der ganzen Welt unterschriebenen hebräischen Briefes an dieselben enthielt, wurde in mehr als lausend Exemplaren im Lande verbreitet und überall mit Jubel begrüßt. Als Antwort darauf bringt Herr Dr. Faitlovitch einen ihm gelegentlich seiner Zusammenkunft mit ihnen in den SukkMfyiertagep von. den Häuptern der Falaschas übergebenen neuen Brief an die Judenschaft aller zivilisierten Länder mit, der die Unterschriften der Vertreter der meisten Falaschagemeinden trägt, und den ich Ihnen hier in französischer Uebersetzung mitteile. Außerdem sind Herrn Dr. Faitlovitch während seines Aufenthaltes in Abessinien,viele Briete von entkernten Gemeinden zugekommen, die er in seinem Berichte ebenfalls der Oeffentlichkeit übergeben wird. In allen diesen Briefen kommt die große Freude der armen Falaschas über Dr. Faitlovitchs neuen Besuch bei ihnen, ihre wiederbelebte Hoffnung auf unsere baldige Hilfe und ihre tiefe Sehnsucht nach religiöser Belehrung in rührender Weise zum Ausdruck. Es klingt daraus wie der letzte Hilferuf eines versinkenden Bruderslammes zu uns herüber, und es wäre wahrlich eine unaustilgbare Schmach für die zeitgenössische Judenheil, wenn auch dieser Hilferuf ungehört verhallte und wir nicht einmal die verhältnismäßig geringen Opfer zu bringen bereit wären, die dazu nötig sind, um den Ueberrest eines heldenhaften jüdischen Stammes, der immerhin noch nach vielen Tausenden zählt, den nach ihm ausgestreckten Armen der christlichen Missionen zu entreißen und dem Judentum zu erhallen. Hochachtungsvoll! Oberrabbiner Dr. S. H. Margulies. Vorsitzender des internationalen Pro-Falaschas-Komitees. Lord Rothschild, Präsident des Ruffo-Jewish-Komitees. Die letzte Jahresversammlung des Ruffo-Jewish- Komitees, das in der russischen Judenfrage wiederholt eine wichtige Rolle gespielt hat, brachte die sensationelle Mitteilung, daß Lord Swaythling, der über ein Vierteljahrhundert Präsident und Schätzmeister dieser hervorragenden Gesellschaft gewesen, diese Ehrenstellen mit Rücksicht auf sein Alter zurücklege. Diese Mitteilung wurde, da man den unabänderlichen Entschluß Lord Swaythlings kannte, mit Bedauern zur Kenntnis genommen und an seiner Stelle Lord Rothschild zum Präsidenten gewählt. Lord Rothschild, der die Wahl annahm. war wohl bisher nicht Mitglied des Ruffo-Jewish- Komitees, ist aber mit den Agenden desselben ganz vertraut. da auch bisher vom Komitee niemals eine große Aktion unternommen wurde, ohne vorher den Rat des Lord Rothschild einzuholen. Zum Schatzmeister wurde der Sohn Lord Swaythlings, Louis S. Montague tzewählt. Die Jca als Emigrationsbeirat der russischen Regierung. Vor mehreren Jahren hat das russische Handelsministerium eine Spezialkommission zur Behandlung der russischen Emigrationsfrage und zur Verbefferung der Lage der Auswanderer eingesetzt. Da jedoch das Ministerium des Innern, das gleichfalls zur Mitarbeit herangezogen wurde, einfach erklärte, in seinem Wirkungskreise für die Emigranten nichts tun zu wollen, konnte die Kommission keine besonderen Resultate aufweisen. Nun hat das Handelsministerium die Kommission beauftragt, die Behandlung der Frage unverzüglich und energisch in Angriff zu nehmen, und wendete sich gleichzeitig an das Petersburger Zentralkomitee der Jca, einen Vertreter zu entsenden und ihr ganzes auf die jüdische Auswanderung bezügliches Material der Regierungskommission zur Verfügung zu stellen. Die Juden im russischen Heere. Aus Petersburg wird der „N. I. K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Das Kriegsministerium hat vor kurzem in einem besonderen Zirkular sämtliche Militärrayon-Verwaltungen angefragt, ob sich in ihrem Rayon jüdische Unteroffiziere befinden: und eventuell, für welche Verdienste ihnen diese „Beförderung" zuteil geworden ist. Wie es heißt, werden jetzt im Kriegsministerium neue Bestimmungen über die Juden im russischen Heere ausgearbeitet. Viel Gutes dürften diese „neuen Bestimmungen" für die Juden nicht enthalten. Die Entrechtung der bucharischen Juden. Samarkand. Den Juden in Buchara droht eine schwere Katastrophe, die den völligen Ruin ihrer Existenz und zugleich eine Krisis des gesamten russisch-asiatischen Handels zur Folge-haben müßte. Bekanntlich hat das Gesetz vom 5. Juni 1900, demzufolge die in der Bucharei seit der Eroberung dieses Landes durch Rußland ansässigen Juden ihres Wohnrechtes daselbst beraubt werden, die allerhöchste Bestätigung gefunden, ist aber bis jetzt noch nicht zur Ausführung gekommen.

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