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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-07-16 · 29 (16.7.1909) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
29 (16.7.1909)
Date
1909-07-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 500 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 29 Ein ausgezeichneter jüdischer Soldat. Dieser Tage feierte das in Szatmärnemeti (Ungarn) stationierte 5. Infanterie-Regiment die 43. Jahreswende der Schlacht bei Custozza, in welcher das genannte Regiment seinerzeit eine entscheidende Rolle gespielt hatte. Im Rahmen dieser Feier gaben die Offiziere der Garnison ein Bankett, in welchem auch der Preis der Stadtgemeinde für den tüchtigsten Soldaten zur Verteilung gelangte. Das Offizierskorps fand den jüdischen Feldwebel Jsak Gruenfeld als den würdigsten zur Erlangung des Preises. Ein Mitglied des Offizierskorps überreichte dem ausgezeichneten Soldaten in Anwesenheit des gesamten Regimentes und vieler städtischer Würdenträger den wertvollen Preis, indem er ihn in längerer warm empfundener Ansprache als das Muster eines tapferen, braven Soldaten hinstellte, der seinem historisch berühmten Regimente zur Ehre gereiche. Korrespondenzen. Der erste Monat im Kaiser Franz Josefs- Arbeiterinue« Erholungsheim des Frauenhortes. Nun ist die erste Serie der Kolonistinnen von Sebenstein- Sautern nach Wien zurückgekehrt, und bei jedem dieser Mädchen konnte eine namhafte Gewichtszunahme und ein glänzendes Aussehen konstatiert werden. Eine zweite Reihe von 24 Mädchen hat, vom Vereinsvorstand zur Bahn geleitet und in Sautern empfangen, das reizende Heim bezogen. Der Frauenhort verhehlte es sich nicht, daß die Leitung seines Heims, das erwachsene durch ihren Erwerb von frühester Jugend der Aufsicht des Elternhauses entzogenen Mädchen aufnimmt, mit ganz anderen Schwierigkeiten verbunden sein werde, als die Führung eines Ferienheimes für Kinder oder eines Rekonvaleszentenheimes für erkrankte Frauen und daß jugendlicher Uebermut und Schabernack hier ihr Wesen treiben würden. Weiß man doch, wie viel Takt und Selbstverleugnung die Führung eines Mädchenpenfionates erfordert, trotzdem die Mädchen aus Ständen sind, in denen sie au strenge Aufsicht des Elternhauses gewöhnt find. Aber alle Befürchtungen des Vorstandes haben sich als grundlos herausgestellt. Die Aufführung der Mädchen war tadellos. Zahlreiche Dankbriefe beweisen es, wie wohl sie sich im Heim gefühlt haben, wo mit feinem mütterlichen Takt es die treffliche Verwalterin verstanden hat, die Bewohnerinnen, die ja an Stand und Bildung sehr verschieden find, zu einer großen, fröhlichen Familie zu vereinigen. Die Freundschaften, die hier im jugendlichen Enthusiasmus geschlossen wurden, können nur in jeder Beziehung vorteilhaft für die Zukunft der Mädchen sein. Außerdem ist das Heim unwillkürlich zu einer ausgezeichneten Haushaltungsschule für seineJnsassinnem geworden, was für das Wohl der künftigen Gattinnen nicht genug hoch angeschlagen werden kann, da die Klagen, daß das erwerbende und studierende Mädchen seinem natürlichen Beruf als Hausfrau vollkommen entzogen wird, vollauf berechtigt sind. Umso wertvoller für ein künftiges Heim, wie es nach jetzt neunjähriger Statistik des Frauenhortes die meisten seiner Schützlinge erreichen, muß der Umstand wirken, daß die Mädchen in einem streng rituellen Haushalt sich befinden. War es doch gerade der Umstand, daß es in Sebenstein-Sautern möglich ist, streng rituell zu wirtschaften — eine Begünstigung, die unseren Glaubensgenoffen, wie wir gerade in unseren letzten Nummern ausführen mußten, in den meisten Weltkurorten unserer Monarchie versagt ist —, der den Frauenhort bewog, nach zahlreichen kostspieligen und mühevollen Reisen in die verschiedenen Orte und trotz der munifizenten Spende, die Herr Dr. Jakob Singer mit einem tausend Meter hoch gelegenen Bauplatz gemacht hatte, vorläufig sein Heim dort anzukaufen, wo gegenwärtig allein eine rituelle Küche leicht durchführbar ist. So ist das Heim nicht nur physisch, sondern auch moralisch ein Segen geworden und wird es auch bleiben, wie der hochgeschätzte Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde Dr. Gustav K o h n in seiner Eröffnungsansprache so richtig voraussagte. Eine Planvolle Abwechs-. lung von Beschäftigung, Erholung, Unterhaltung und Spaziergängen wlrd eingehalten, wie es für das leibliche und geistige Wohl junger Mädchen durchaus notwendig ist, um die in diesen Jahren nur zu häufige Hysterie und Nervosität zu bekämpfen, wozu natürlich die vorzügliche Kost und die würzige Waldlust wesentlich beitragen. Herzlichst haben die Vorstandsdamen des Frauenhortes bei ihreü Jnspektionsfahrten bedauert, daß es der hochgeschätzten Mitarbeiterin unseres Blattes, Frau Rosa Feigenbaum in Paris, von der ja die erste Anregung zum Heim ausgegangen ist, noch nicht gegönnt war, das Haus zu besichtigen, das durch die Energie des. Vorstandes, dem sie leider seit einem Dezennium nicht mehr angehört und dank der Güte edler Spender gleich zu Beginn viel stattlicher erstanden ist, als diese verdiente Philanthropin zu erhoffen wagte. Wir können nach den ersten gewonnenen Resultaten der Zuversicht Ausdruck geben, daß das Arbeiterinnenheim eine jener Institutionen sein werde, auf deren Schöpfung unsere wohlhabenden Wiener Glaubensgenossinnen mit Stolz und Befriedigung, unsere weniger vom Schicksal begünstigten mit Freude und Zuversicht blicken können und daß es sich des Namens, mit dem es ausgezeichnet wurde, würdig erweisen werde. Wird doch auch hier „Viribus Haitis", mit vereinten Kräften, an der Hebung des Wohles der Menschheit, wenn auch vorerst noch in bescheidenem Maße gearbeitet, wie es den Intentionen unseres erhabenen Monarchen entspricht. Die österreichische Organisation „Für das Kind". S t r a ß n i tz. „Löbliche Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift", Wien! Im Vorjahre hatten Sie die Güte, mein „Eingesendet" anläßlich der Sammlung „Für das Kind" zu veröffentlichen. Mit heutigem komme Sie höfl. zu bitten, mir Raum für die Veröffentlichung dieser nachfolgenden Zeilen zu gewähren. In Ihrem geschätzten Blatte habe ich anläßlich der Sammlung „Für das Kind" im Vorjahre bezüglich der gesammelten jüdischen Spenden für die Errichtung eines Spitales oder Waisenhortes mit jüdischem Gelde plaidiert; leider meine damals getanen Aussprüche sind bezüglich der Zusammensetzung des Kuratoriums heute bestätigt worden. Nach der vorgenommenen Wahl in das große Aktionskomitee wurde nur ein einziger Jude und zwar Ritter v. Taussig gewählt. Welchen Nutzen kann diese eine Stimme von feite unserer Glaubensgenossen für uns Juden resp. für das jüdische Kind haben? Wäre es nicht richtiger gewesen, die für das Kind gezeichneten Beiträge ausschließlich rein jüdischen Zwecken zuzuführen, als mit unserem sauer erworbenen Gelde andere internationale Institute zu mästen, um, wenn ja einmal ein bedürftiges jüdisches Kind an den Pforten. so eines sich stolz nennenden internationalen und interkonfessionellen Institutes anklopst, damit dieses abgewiesen wird, nur weil es den N a m e n Jude hat. Wann werden einmal unseren Glaubensgenossen die Augen geöffnet werden? Für die freundliche Veröffentlichung dieser Zeilen bestens dankend, bin Ihr ergeb. hochachtungsvoll Julius Platschek." Eine Rede des Banns von Kroatien in der Synagoge. Auf seiner Rundreise durch Kroatien traf der Banus (Statthalter) Baron Rauch in der Stadt Daruvar ein. Unter anderen Abordnungen wurde auch eine Deputation der israelitischen Gemeinde empfangen. Auf die kroatische Ansprache des Führers der Deputation Rabbiners Dr. M. F r a n k f u r t e r, erwiderte Se. Exzellenz, daß er sich seiner Pflicht bewußt sei, alle Konfessionen mit gleichem Maße zu messen, und gab die Versicherung, daß er stets darauf achten werde, die dem Judentums verbrieften Rechte unverkürzt zur Geltung kommen zu lassen. Nachmittags besuchte der Banus in Begleitung des Obergespans alle Bethäuser, darunter auch die Synagoge. Bei seinem Eintritte wurde .vom Kantor das traditionelle „Baruch Habo“ intoniert. Rabbiner Dr. Frankfurter begrüßte den Gast und seine Begleitung in deutscher Sprache. Der Rabbiner lenkte in seiner

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