Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 29 (16.7.1909)
- Date
- 1909-07-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021818-3021848--18474-3043404- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 29 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite 499 die Genugtuung, zu sehen, daß er mit seinem Glauben recht hatte, und wurde erst recht nicht müde, in chevaleresker Munifizenz dieses der Unterstützung noch sehr bedürftige Gebiet moderner Wissenschaft auch weiterhin zu fördern. So spendete er dem französischen Staate in den letzten Jahren mehrere Typen lenkbarer Luftschiffe und setzte jetzt seiner Munifizenz die Krone auf, indem er an der Pariser Universität einen Lehrstuhl für Aeronautik errichtete und zu diesem Zwecke 500.000 Francs spendete. Ueberdies sicherte er dem neuen ärotechnischen Institute auf mehrere Jahre hinaus eine jährliche Subvention von 15.000 Francs, welche Summe zum Studium aller neuauftauchenden Aeroplane verwendet wird, um auf diese Weise zu verhüten, daß mittellose Erfinder mit ihren eventuell durchführbaren guten Ideen bloß ihrer Mittellosigkeit wegen scheitern. Der Universitätssenat hat die Widmungen mit besonderem Danke angenommen und beschlossen, das neue Institut nach dem Namen des Spend rs zu benennen. Juden in der englischen Politik. Anläßlich der Ernennung Mr. Herbert Samuels zum Minister erinnern englische Blätter daran, daß das erste Unterhausmilglied jüdischer Abstammung in England der berühmte Nationalökonom David Ricardo war, der jedoch noch vor seiner Wahl im Jahre 1819 aus dem Iudentume ausgetreten war. Er leistete seinen Eid schon auf „den wahren Glauben eines Christen". Noch viel früher war Lord George G o r d o n, der Führer der „No Popery"-Vewegung vom Jahre 1780,- Mitglied des englischen Parlaments. Damals war Lord Gordon jedoch noch nicht Jude. Sein Uebertritt zum Iudentume erfolgte viel später. Baron Lionel de R o t hs ch i l d. der Vater des gegenwärtigen Lord Rothschild war wohl der erste, der als Jude ins Parlament entsendet wurde. aber nicht der erste Jude, der im Parlamente te* Wort ergriff. Das war vielmehr der bereits verstorbene Sir David S a l o m o n s, der während der elf Jahre, die Baron Rothschild warten muhte, bis ihm erlaubt wurde, seinen Sitz im Parlamente einzunehmen, als Deputierter für den Bezirk Greenwich ins Parlament einzog. bald darauf eine historisch bedeutende Rede hielt und auch an den Arbeiten verschiedener Kommissionen teilnahm. Salomons erhielt eine sehr empfindliche Strafe, weil er seine aktive parlamentarische Tätigkeit begonnen, ohne vorher den Eid abgelegt zu haben. Der verstorbene Sir George Iessel war der erste Jude, der einen Staatsposti-n innehatte, und der gegenwärtige Lord Rothschild ist das erste Mitglied des englischen Hauses der Lords. Ablehnung einer Ehrung für den Zaren. Berlin, 14. Juli. Der „Lokalanzeiger" meldet aus London: Vor einigen Tagen teilte der Lordmayor von Portsmouth dem Londoner russischen Botschafter mit, daß er d.m Zaren eine Bewillkommungsadresse im Namenseiner Stadt zu überreichen wünsche. Aus Petersburg kam die Auskunft, Zar Nikolaus werde die Adresse mit Dank annehmen. Als der Lordmayor gestern dem Stadtrate entsprechende Vorschläge machte, lehnte dieser alle glatt ab. Es blieb dem Lordmayor nichts anderes übrig, als seinen Antrag zurückzuziehen. Der König von Italien beim Bildhauer Ezekiel. König Viktor Emanuel von Italien beehrte dieser Tage, wie aus Rom berichtet wird, den Bildhauer Chevalier Moses . Ezekiel mit einem Besuch in dessen Atelier, um den in Arbeit befindlichen „Napoleon" in Augenschein zu nehmen. Der König wollte den berühmten Künstler um halb 9 Uhr morgens bei der Arbeit überraschen und fand den Künstler auch tatsächlich schon mitten in der Arbeit, konnte aber den schon jetzt berühmt gewordenen „Napoleon" nicht sehen, da das Werk soeben in Bronze gegossen wird. Der König wurde aber durch die Besichtigung vieler anderer Arbeiten reichlich entschädigt. Das besondere Interesse des Königs erregte das bereits fertiggestellte Monument Josef Jeffersohns, das im nächsten Jahre im Univerfitätshofe zu Virginia enthüllt werden soll. Lange betrachtete der König dieses intereffante Kunstwerk, das er als das originellste, das er je gesehen habe, bezeichnete. Der König beglückwünschte schließlich Amerika zu seinem großen Künstler und die Stadt Rom, die das Glück habe, ihm zur zweiten Heimat geworden zu sein. Der König versprach, behufs Befichtigung des „Napoleon" demnächst wieder im Atelier des Künstlers zu erscheinen. _ Russische Emigrantenkmder als Preisgewinner. Wie aus Newyork gemeldet wird, hat im dortigen Normal-College für Mädchen anläßlich des Jahresschlusses die Preisverteilung stattgefunden. Unter den Ausgezeichneten befanden sich zahlreiche Töchter russischer Emigranten. Die meisten und wertvollsten Preise hat Frl. Ressel S ch a p i r a aus Rußland davongstragen, so unter anderem die von der „Newyorker Staatszeitung" gestiftete Goldene Medaille für die beste Schülerin in deutscher Sprache, ferner den Preis der französischen Handelskammer als eine der zwei besten Schülerinnen in französisch. Sie kompetierte auch auf viele andere Preise und erhielt besondere Belobungen. Ein anderes Emigrantenkind, Pißke Krämer, erhielt die goldene Medaille und 25 Dollar für Latein und den Bernhard Kohn-Preis von 40 Dollars für den besten englischen Aufsatz. Den Preis für musikalische Komposition erhielt Miß Isabelle G o l d b e r g. die gleichfalls aus Rußland stammt, während die Fräulein A. Blum, E. F i s h e l und Minna R u s ch i m Preise für deutsche Aufsätze erhielten. Der erste französische Adler im Kriege 1870/71 von einem jüdischen Soldaten erobert. In einem soeben erschienenen Werke „Turner und Helden" (Verlag Kraft und Schönheit, Berlin-Steglitz) von Gustav Möckel, in welchem über kriegerische Heldentaten solcher deutschen Turner -im Kriege 1870/71 berichtet wird, die mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurden, wird Herr Georg Hirsch—Frankfurt a. M. als derjenige Soldat aufgeführt, der mit stürmender Hand bei Wörth den ersten franzöfischen Adler eroberte. Ein Briefwechsel zwischen dem späteren Historiker des 80. Regiments Baron von Poseck und Hirsch im Jahre 1899 enthält die nähere Schilderung des Vorgangs. Herr Hirsch selbst, der das Eiserne Kreuz ]. und II. Klaffe und vom Kaiser von Rußland den St. Annen- Orden verliehen bekam, hat nie mit seiner mannhaften Tat geprahlt, sondern das Geheimnis seiner hervorragenden Auszeichnung fast ängstlich gehütet. Juden als Soldaten. Aus Hagenau im Elsaß wird geschrieben: Auf dem hiesigen jüdischen Friedhof befindet sich ein Kriegergrab aus dem deutsch-französischen Kriege. Dasselbe trägt folgende Inschrift: Hier ruhet Paul Rathe aus Meseritz, geboren den 23. Schebath 5599, gestorben den II. Ab 5630. Er starb an seiner Wunde, die er im Kampf fürs Vaterland davongetragen. Rathe hatte bei Wörth gekämpft, war dort verwundet und hierher in das im Gymnasium errichtete Feldlazarett transportiert worden, wo er nach kurzer Zeit gestorben isi. Seine Familienangehörigen haben ihm gleich nach dem Kriege auf seinem Grabe einen Leichenstein setzen lasten.