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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-07-16 · 29 (16.7.1909) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
29 (16.7.1909)
Date
1909-07-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 497 Die terrilorialistische Organisation, die ja,nicht nur bis zur Erlangung eines autonomen Siedlungsgebietes, sondern auch lange nachher noch mit ihrem zweiten Arbeitsgebiet, der Regulierung der Emigration, reichlich zu tun haben wird, muh nun vollends unter den gegenwärtigen Verhältnissen ihre Aufmerksamkeit vor allem dieser Aufgabe zuwenden. Wie groh der Pflichtenkreis des Emigrationsdepartements der Ito ist, welch breiten jüdischen Massen seine Arbeit zu Gute kommen kann, das lehrt allein die Tatsache, dah in den letzten 10 Jahren in Nordamerika eine Million Juden eingewandert sind. Die Territorialisten werden aber auch die Landsuche mit unverminderter Intensität fortsetzen können und dabei vor türkischen Territorien selbst unter der jetzigen Konstellation nicht Halt zu machen brauchen. In dem weiten osmanischen Reich gibt es .seit jeher Gebietsteile, die räumlich und politisch, wirtschaftlich und kulturell soweit vom Zentrum entfernt sind, dah sie immer ihr Eigenleben führen konnten und von den Wandlungen im Machtbereich des Pildiz fast unberührt blieben. Sie hatten ihre eigenen Entwicklungen und werden sie noch lange haben. Zu diesen erlernen Landesteilen gehört auch Mesopotamien. Darum ist das Interesse der Ito gerade diesem Gebiete gewidmet, obgleich ihre Führer über die Unsicherheit der türkischen Verhältnisse im ganzen sich durchaus nicht im Unklaren sind. Wie das Cyrenaica- Projekt unter dem alten Kurse und in der ersten Phase des neuen Kurses mit günstigen politischen Chancen rechnen konnte, — eben weil es sich da auch um einen peripheren Reichsteil' handelte, — so wird auch das neueste Landprojekt selbst unter wechselndem Halbmonde mit ruhiger Konsequenz vorbereitet werden können. Auch im übrigen kann die Geschichte des Cyrenaica- Planes für die Ito durchaus nicht entmutigend sein: wer weiter blickt, wird vielmehr frischen Mut daraus schöpfen, dah die Leiter der Ito dabei ihre politischen und technischen' Fähigkeiten zur Vorbereitung grotzzügiger Projekte glänzend erwiesen haben. Ich fasse zusammen: Zionismus und Ito behalten auch unter den derzeitigen Umständen politische und praktische Arbeitsmöglichkeiten in türkischen Gebietsteilen. Aber es gilt, mehr als je, nüchtern den Tatsachen, den Schwankungen des türkischen Staatsschiffes zu folgen und ihnen die eigene Politik so anzupassen, dah sie jeder neuen Wendung entsprechen kann. Caveant consales! „Ito", Nr. 6. Die Taufkrankl,eit der I«de«, ihre Ursache« »nd Mittel f« ihrer Kekämpfung. Von Dr. Michael Schechner, Arzt in Znaim. Durch die jüdische Presse, deren ständige Rubrik der Ueberläufer von Woche zu Woche größer wird, geht ein Schrei des Entsetzens über diese geradezu epidemische Krankheit. Dieser Sorge entledigt sich das Gros der jüdischen Philister durch ein philiströses Lächeln und steht in seiner politischen und nationalen Gefinnungslofigkeit und Verkommenheit schließlich kein Unglück, ein kleiner Teil nimmt dieses Symptom der moralischen Degeneration ernst und ein noch kleinerer denkt über Mittel zu deren Bekämpfung nach. Ein trauriges Merkmal der nationalen und politischen Unreife und Indolenz des Judentums war immer die Verkennung ihrer Situation in Zeiten des Friedens, daher auch die mangelnde Fürsorge, großen, politischen, nationalen und wirtschaftlichen Katastrophen vorzubeugen, sondern ruhig Pogrom aller Art abzuwarten und an sich herankommen zu lassen, statt wie andere Kulturvölker jedes Symptom der moralischen Degeneration mit allen Mitteln zu unterdrücken bestrebt waren. Taufen bei Juden hat es ja immer gegeben, sagen die Sorglosen. Aber die Motive zur Taufe vor Jahrzehnten und heute find grundverschieden. Damals waren es — von Massenzwangstaufen abgesehen — pathologische Auswüchse eines kranken Hirnes oder Feigheit im Existenzkämpfe, heute, wo auch der getaufte Jude ins Amt so schwer hineinkommt wie der ungetanste, — wenn man die Berufe der Täuflinge überblickt, freie, unabhängige Berufe der Advokaten, Aerzte, Ingenieure, Hochschüler rc. — ist es vor allem die Gefinnungslofigkeit, die mangelnde, religiöse und nationale Erziehung der Jugend, welche ihr das stolze Bewußtsein der Zugehörigkeit zu einem großen Volke beizubringen nicht vermochte. Keine Nation hat ihre Jugend so vernachläfligt wie in den letzten Dezennien die Juden. Hier ist also der Hebel anzusetzen, wenn von Abhilfe gesprochen wird. Alle anderen in der Presse vorgeschlagenen Mittel, wie das Am-Pranger-Stellen der Täuflinge, ihr gesellschaftlicher Boykott rc. müsien als kindisch bezeichnet werden. Wer den Werdegang eines jüdischen Jünglings zum Beispiel einer größeren Provinzstadt Mährens verfolgt — nehmen wir gleich als Beispiel einen Sohn irgend eines Capo judaicus — der kommt gleich an die Quelle seiner Gefinnungslofigkeit und an die Ursache der Taufe oder Baldtaufe. Kultusvorsteher ist der Vater geworden ohne jedes Verständnis und Sinn für das Judentum, ohne jede Kenntnis der jüdischen Religion, ohne jüdische Haussührung, nur aus dem Grunde, weil er mehr Schnaps verkauft, als sein Konkurrent und dem einen oder dem anderen auf Gegenseitigkeit eine finanzielle Gefälligkeit erwiesen hat. Im Hause sieht also das Kind keine Spur vom Judentum, keine Spur von jenen großen Ueberlieferungen unserer mit Blut und Eisen geschriebenen Geschichte. Das Kind kommt in die Schule. Ihm gegenüber steht das deutsche oder tschechische Kind, von den ersten Lebensjahren in nationalem Sinne erzogen, Zeuge des nationalen Kampfes des Städtchens, mit stolzem nationalen Bewußtsein ausgerüstet mit dem Denkzettel: „Sei stolz, Du Knabe, denn Dein Volk hat eine große Kultur usw." Armselig, mit einem drückenden Gefühle der Inferiorität, steht der jüdische Knabe neben seinem christlichen Kameraden, denn sein Volk hat ja wahrscheinlich nichts von all den schönen Sachen. Religiöse und historische Feiertage hat ja nicht einmal sein Vater, der Kultusvorsteher, gehalten. Und die Religion! Ueber den Rabbiner und Religionslehrer machen sich doch die Eltern selbst in der Kinderstube lustig. Und der Religionsunterricht in der Schule! Es vergehen Jahre, bis der Knabe das Lesen der Bibel im Urtext erlernt, dann das mühsame trockene Uebersetzen. Der Knabe wird zum Jüngling, lernt gleichzeitig mit seinem christlichen Kameraden, welcher ihn schon in den ersten Jahren der Schulbank nicht als gleichwertig behandelt, die große Geschichte des deutschen Volkes und deffen große Literatur. Was seid Ihr, habt Ihr denn auch eine Geschichte oder Literatur, seid Ihr denn eine Nation? Wahrscheinlich nicht, denkt der jüdische Jüngling, und daß er minderwertig ist, sieht er an seinem Vater, der überglücklich ist, wenn ihn sein arischer, „liberale" Genofle zu einer Tarokpartie einladet. Der Jüngling macht das Reifeexamen. Er sieht die ganze politische und nationale Charakterlosigkeit und Verkommenheit seiner Glaubensgenosien, er sieht die gewählten Führer der Juden, welchen nichts ferner liegt als das Judentum, bar jedes Bewußtseins der gegenseitigen Unterstützung, welche aus Angst, in ihrer Behaglichkeit gestört zu werden, jede Regung jüdisch religiöser und nationaler Bildung mit Gewalt unterdücken. Ist es nun ein Wunder, wenn er dann den Rest der Fesseln seiner formellen Zugehörigkeit zum Judentume von sich wirst und hinüberläuft dorthin, wo er doch nach einer Zeit hoffen kann, ausgenommen und vielleicht „assimiliert" zu werden? Er kehrt als Getaufter in seine Vaterstadt zurück, freudig begrüßt von seinen Glaubensgenoffen, denn, wie ein bekannter Wiener Satyriker sagt: „Heute hat ja jeder Mensch einen Freund, der getauft ist." In diesem Augenblicke kommt mir ein Artikel eines Wiener Blattes, „Der Abfall und seine Gründe" zu. Der Autor sieht auch in der mangelhaften religiösen Erziehung den Hauptgrund des Abfalles, ohne aber konkrete Mittel zu deffen Vorbeugung anzugeben. Denn durch Aufilärung der Alten kann

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