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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-07-16 · 29 (16.7.1909) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
29 (16.7.1909)
Date
1909-07-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 495 Die „Pächtertrusie" der Fischer, Juster rc. find vom Standpunkte des ollzemeinen wirtschaftlichen Interesses aus gewiß zu bekämpfen, und es wurde durch ein eigenes Gesetz die Massenpachtung der Güter verhindert. Diese jüdischen Pächter waren nicht um ein Haar schlechter, vielleicht sogar etwas besser, als die zahllosen Gutspächter anderer Nationalität, denen die vornehmen rumänischen Gutsherren ihre Güter übergeben, um ungestört ein Leben des Luxus und der Trägheit führen zu können. Es ist absurd, das große Problem der Agrarfrage, die für Rumänien den ganzen Komplex der sozialen Frage in sich schließt, damit abzufertigen, daß man ein paar jüdische Pächter, die von den rumänischen Gutsherren einige Tausend Hektare Grund und Boden gepachtet haben, als den Grund aller Uebel darstellt. Das Elend und die Ausbeutung des rumänischen Bauers ist eine traurige und unleugbare Tatsache, diese Zustände sind aber in der gesamten Geschichte und Entwicklung, in der ganzen politischen, wirtschaftlichen und administrativen Organisation unseres Landes begründet, und werden durch die Juden als solche weder in Gutem noch in Schlechtem beeinflußt. Gradezu komisch wirkt die Beschuldigung, daß die Juden ihre Naturalisierung i;r Masse verlangen, um die politische Uebermacht zu erlangen und das Land nach ihrem Gutdünken zu beherrschen. Für die Juden in Rumänien handelt es sich in erster Reihe um die Schaffung klarer gesetzlicher und administrativer Zustände, durch die ihre Lage in sicherer Weise geregelt und ihnen die Existenz nach jenen Grundsätzen ermöglicht wird, die in allen gesitteten Ländern vorherrschend sind. Statt sich darüber zu entsetzen, daß die Juden als eingeborene Bewohner dieses Landes, in welchem sie alle Pflichten der rumänischen Vollbürger zu erfüllen haben, ihre politische Emanzipation anstreben, sollte Herr Jorga lieber sein Talent und seine agitatorische Kraft dazu verwenden, um einen Vorstoß gegen unser abscheuliches Wahlklassensystem zu führen, das nicht bloß die politische Korruption und die Unterdrückung der Massen, sondern auch die gehässigste Oligarchie darstellt, durch die jemals ein Land geschändet worden ist. Einzig und allein die Gesundung und die Erweiterung unseres öffentlichen Lebens auf ehrlicher demokratischer Grundlage wird auch der Judenfrage in Rumänien jenen Stachel benehmen, den sie heute besitzt." Diesem Artikel des „Vukarester Tagblattes" mag eine Reminiszenz an die blutige Judenverfolgung .des Jahres 1872 angefügt werden. Die traurigen Vorgänge jenes Jahres haben damals einen Schrei des Unwillens und der Empörung in der gesamten gesitteten Welt geweckt, der in den Parlamentsverhandlungen der Volksvertretungen in England, Amerika, Italien und Deutschland zum Ausdruck kam. In Deutschland war es der Vorstand der Synagogengemeinde zu Lyck, an deren Spitze damals der unvergeßliche Dr. Lippmann Silbermann s. A. stanl), der durch eine vom Abgeordneten Dr. Eduard Laster überreichte Petition die Aufmerksamkeit des Reichstages auf die Greuel in Rumänien lenkte. Der stenographische Bericht über die Verhandlungen des deutschen Reichstages wurde von der Synagogengemeinde Lyck in einer besonderen Broschüre publiziert, die jetzt sehr selten geworden ist. Aus der Rede des Abgeordneten Dr. Bamberger in jener Reichstagssitzung heben wir nachstehende Partien heraus: „Der Vorgang selbst, meine Herren, auf den ich anspiele, der zuletzt der Ausgangspunkt und Grund zu dieser Beschwerde war, der ist Ihnen ja bekannt. Es wurde nach einem veralteten Muster des 14. oder 15. Jahrhunderts ein Komplott gemacht, infolgedessen man eine Anzahl Juden in Verdacht erklären konnte, als hätten sie auf eine gar nicht zu begreifende Weise und unter törichtem Vorwände eine Kirchenschändung und einen Kirchenraub vorgenommen. Es wurde eine Anzahl Personen eingesperrt auf die leichtfertigste Anklage hin, und eine Anzahl der Eingesperrten durch die abscheulichsten Torturen dahin gebracht, daß sie ein erzwungenes Geständnis machten. Es kam zur Gerichtsverhandlung. Vor der Gerichtsverhandlung nahmen natürlich die Torturierten ihr Geständnis zurück und zwar unter solcher Konstatierung der Martern, unter denen ihnen ihr Geständnis entrissen worden war, daß die beiden Beamten, welche die Untersuchung geführt haben, bereits in strenge Verfolgung genommen worden find. Es wurde von Seiten der Staatsbehörde ausdrücklich die Unschuld der Angeklagten beteuert und ihre Freisprechung beantragt: nichtsdestoweniger haben unter dem Einfluß des Terrorismus, der dort in dieser Beziehung herrscht, die Geschworener!, von deren Zahl 12,9 gar nicht lesen konnten und 3 nur mit Mühe ein wenig lesen konnten, trotzdem man ihnen im Laufe der Verteidigung den Horaz, Dattel und Konfuzius zitierte — eine Illustration zu den Folgen der Maßregeln, welche nur nach der Schablone zivilisierten — ein Verdikt der Verurteilung zustande gebracht, und nicht nur das, auch die Verfolger, welche die grausamsten Mißhandlungen und Beraubungen zu Hunderten halten ergehen lassen, wurden alle mit Glanz freigesprochen." „Die Verfolgungen zählen jetzt seit über 10 Jahren, und von vielen Ereuelszenen, zu denen sie Anlaß gaben, lassen Sie mich nur die eine' in Erinnerung bringen, welche im Jahre 1867 spielte, als plötzlich, ohne jeden Vorwand, eine Anzahl jüdischer Bewohner der Moldau oder Wallachai ergriffen wurden, und, um ihnen ein möglichst hartes Eril aufzuerlegen, zu Schiff gebracht und auf einer wüsten, sumpfigen Insel der Donau auf türkischem Gebiete ausgesetzt wurden. Die Türken wollten diese Grausamkeit nicht vollziehen lassen, wiewohl sie's sonst an Gastlichkeit den Unglücklichen gegenüber in solchen Fällen nicht fehlen lassen, und brachten die erportierten Juden wieder zu Schiff zurück an das rumänische Ufer. Dort protestierte man dagegen, man widersetzte sich, es entstand daraus eine wildbewegte Szene, infolge deren ein Teil der Znrücktransportierten auf eine erbärmliche Weife ins Waffer fiel und ertrank. Im ganzen sind dieser Szenen 13 bis 14 in verschiedenen Dimensionen vörgekommen, und ich darf wohl sagen, daß das Bewußtsein der ganzen gebildeten Welt auf das Tiefste empört worden ist durch solche Vorfälle, die, wenn auch nicht mitten in Europa, doch an den Grenzen der europäischen Kulturwelt ungestraft vor sich gehen durften." Trotzdem Deutschland auf die prekäre Stellung der schwachen Regierung des Fürsten Carl von Hohenzollern Rücksicht zu nehmen hatte, konnte der deutsche Reichstag nicht umhin, die greulichen Vorgänge zu brandmarken, und der Führer der Zentrumspartei. der Abgeordnete Dr. Windthorst sagte damals wörtlich: ..Meine Herren, ich muß wiederholen, wir dürfen nicht über die Petition zur Tagesordnung übergehen, die Tatsachen verlangen im Interesse der Humanität eine ausdrückliche Mißbilligung von Seiten dieses Hauses." Wenn ein Gott der Gerechtigkeit in der Geschichte waltet, so werden Rumäniens Grausamkeit und Greuel ihre erschreckende Sühne finden! Türkei und Judentum. Von Dr. Carl Jeremias, Posen. Seit der friedlichen Revolution, die im vorigen Sommer das innerpolitische Leben der Türkei und ihrer Völker von Grund auf veränderte oder doch zu verändern in Aussicht stellte, haben die Diplomaten aller Länder, die Bierbankpolitiker aller Grade und nicht zuletzt jüdische Amateure der hohen Politik das türkische Problem für endgültig gelöst erklärt. Speziell auf jüdischer Seite gab es raschlebige Leute, die es überaus eilig hatten, aus den Ereignissen die letzten

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