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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-07-09 · 28 (9.7.1909) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
28 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 469 Frau Pratt, legte vor dem Untersuchungskommissär folgendes Geständnis ab: „Mister Sharp und seine Frau waren uns bekannt unter dem Namen „Adam" und „Eva" und wir glaubten ihren Lehren. Mister Sharp hatte diesen Sommer eine Offenbarung, daß die Polizei unsere Versammlungen nicht mehr stören werde. Nichtsdestoweniger bewaffneten wir uns alle. „Und wenn die Polizei schon versuchen wollte, euch zu verhaften, so schießet nur, mich können sie nicht töten, ich werde leben für immer", so sagte unser Führer. Ich bedauere darum auch, daß ich diesmal nicht Widerstand geleistet habe. Ich fürchte, daß ich das ewige Leben verloren habe, denn ich glaube, „Adam" und „Eva" würden mir geraten und von mir erwartet haben, daß ich schieße. Ganz besonders interessant war aber das Verhör der „Eva", der Frau des Anführers Sharp, welche die folgenden Angaben machte: „Es sind 37 Jahre her, daß ich auf einer Farm in Mountain Grove Mo geboren wurde. Ich heiratete Sharp vor 20 Jahren und ging mit ihm nach Arkansas. Später zogen wir nach Oklahoma, wo wir Forderungen hatten. Wir wußten damals nicht das Geringste von Religion. Vor sechs Jahren kam dann mein Mann eines Abends nach Hause und sagte, er glaube, daß wir nicht richtig lebten. Er habe eine Offenbarung gehabt über den Glauben an Gott. Wir begannen darauf die Bibel zu lesen und eine Woche später hatte ich auch eine Offenbarung. Dann taten wir beide zwei Wochen lang Buße, weinten und trauerten, nicht als ob wir es besonders nötig gehabt hätten, aber wir konnten uns des Gefühles nicht erwehren. Der Geist Gottes kam über uns, wie er über Adam, David und Christus kam. Nun verkauften wir unsere Farm und schenkten das Geld den Armen. Darauf zogen wir predigend durch Oklahoma, Kansas, Missouri und Ettinois. Dann gingen wir nordwärts nach Minnesota und den letzten Sommer verbrachten wir in Canada, Manitoba und Saskatschewan. Wir lebten von den milden Gaben unserer Bekehrten und von kleinen Beiträgen derer, welche Teilnahme für uns zeigten. Ein Mann, welcher das Licht gefunden, verkaufte alles Eigentum und steuerte 7000 Dollars bei. Alles Geld legten wir in eine gemeinsame Kasse. Im letzten August, als wir von Kanada zurückkamen, bauten wir ein Hausboot auf einem Platze nahe bei White- Earth N. D. Wir fuhren den Fluß hinunter und legten bei jeder Stadt an, um zu predigen, oft hielten wir auch Lagerversammlungen in den Wäldern. Auf vielen Plätzen wurden wir von der Polizei verfolgt, welche uns unsere Kinder hinwegnehmen wollte, um sie in die Schule zu bringen. Wir bedienen uns schon Monate lang der Waffen. Ich habe schießen gelernt und die älteren Kinder verstehen es auch. Keines von den Kindern kann lesen oder schreiben. Wir unterrichten sie wohl, aber nur in der Gerechtigkeit. Der Apostel Paulus sagt: „die Weisheit dieser Welt ist Torheit." Christus hat seine Jünger aus dem ungelehrten Volke erwählt und selbst gesagt: „Selig sind die geistig Armen, denn das Himmelreich ist ihr." Mein Mann kann lesen und schreiben und das genügt, um die Bibel zu lehren. Alles das zeigt aufs Neue, was übrigens schon lange und allgemein bekannt ist, daß man eben nach Amerika gehen muß, wenn man solch sonderbare Früchte des um seiner Segnungen so gepriesenen Evangeliums schauen will. Jüdischer Witz und jüdische Spruchweishrit. Eine neue Publikation. Humor und Witz sind als markante Eigenschaften des jüdischen Geistes von jeher gekennzeichnet worden. In den literarischen Erzeugnissen der nachbiblifchen Zeit ist neben dem Pathos diese zuspitzende, aphoristische, den Ernst der Dinge mit einer einzigen Wendung auflösende Art der jüdischen Lebensbetrachtung zu finden. Oft und oft hat man die Psychologie des jüdischen Witzes zu geben versucht, der Bitterkeit mit Frivolität, Spott mit wärmerer Empfindung vereint und der vor nichts zurückschreckt und die eigene Person und das nationale Wesen mit in den Kreis der Persiflage zieht. Als die Frucht einer langen, einseitigen Verstandskultur bezeichneten ihn die einen; die anderen sahen in ihm ein Zersetzungsprodukt, die letzte Aeußerung eines Volkes, das aus der Heimat vertrieben und der natürlichen Entwicklung in seiner Schwäche für seine Tragik nichts mehr ausbringen konnte als eine verzerrende Geste, als jene Harlekinaden, hinter denen sich Tränen verbergen. Die Erklärungen gingen auseinander, widersprachen sich und der jüdische Humor fand Gegner und Freunde, Lob und Schmähung, niemand aber konnte sich dem Reiz seiner Eigenart, seiner verborgenen Weisheit ganz entziehen. Mit dem „Witz der Inden" befaßt sich in geistvoller, eiudringender Weise der bekannte Schriftsteller Edmund Edel in einem soeben bei Louis Lamm, Berlin, erschienenen Büchlein. Edel geht auf die ältesten Erscheinungen jüdischen Humors in deutscher oder jüdisch-deutscher Sprache zurück, wobei es ihm gelang, viel Vergessenes und Charakteristisches wieder hervorzuholen. Mit Vorurteilslosigkeit versucht er eine neue Psychologie des jüdischen Witzes zu geben, die manche interessante Definition aufbringt. Der jüdische Wi? geht nach seiner Ansicht dem Gegner nicht heimtückisch aus dem Wege; er sucht immer das Hintertürchen, durch das er entschlüpfen kann, um bei passender Gelegenheit wieder von vorn hereinzukommen. Die Lebenszühigkeit des jüdischen Volkes drückt sich hierin aus. Seine kritische Veranlagung hilft deni Juden über das Mißvergnügen des Daseins hinweg. Seit Jahrtausenden in der Weltgeschichte herumgeworfen, mußte er den Hohn und Spott der Menschen über sich ergehen lassen, und es war vielleicht seine einzige Genugtuung, wenn er ins Ghetto zu seinesgleichen kam» sich mit einem Scherz all das Unangenehme abzuschütteln, was draußen ihn gepackt hatte. Eine gute Dosis Humor, ein Witz, der wie ein scharfgeschliffener Dolch eine Wunde reißt, ohne wehe zu tun, eine Zote ohne grob erotische Betonung, das waren und sind die Zerstreuungen des Juden, die ihn im harten Kampfe ums Leben begleiten. An einer anderen Stelle meint der Verfasseder Studie, daß es nicht immer eine komische Seite des Lebens ist, die der jüdische Witz beleuchten will. Manchmal verblüfft er nur durch irgend eine groteske Weltanschauung. Der Jude liebt es, sich nicht nur über die anderen lustig zu machen, sondern scheut nicht davor zurück, bei jeder Gelegenheit seine eigene Persönlichkeit zu ironisieren. Diese Selbstironie des Juden hat eine riesengroße Masse von guten Bemerkungen und Witzen geschaffen! Dieser Witz hat durch seine Sentimentalität etwas Verzeihliches, Patriarchalisches. Er erzählt uns eine Charaktereigenschaft des Juden oder eine traditionelle Gewohnheit; er verzichtet sogar manchmal auf eine zündende Pointe, indem er nur anekdotisch wirkt, vermischt mit talmudischer Sophistik. Man kann wohl sagen, daß die jüdische Anekdote die klassische Form des Witzes ist, die nie ermüdet, stets geistreichelt und oft auf den groben Effekt verzichtet. Es ist merkwürdig, daß diese Form, die doch aus einer engeren Religions- und Rassengemeinschaft heraus geschaffen ist, auf diesen Traditionen ganz Fernstehende einen bezwingenden Zauber ausübt. Nichts im Leben der Menschen verschont der jüdische Witz. Alles verulkt er und die kritische Sonde, die er anlegt, zeigt in vielen Fällen tiefen Sinn. Von einem ethischeren Geist erfüllt, doch immer noch im Gewände des Humors und der witzigen Beleuchtung auftretend ist die Spruchweisheil der Juden. Man kann den Ursprung dieser jüdischen Weisheit bis ins Altertum hinein verfolgen. Vom tiefen Orient kommen die wundervollen Sprichwörter, die sich in ihrer Reinheit in den östlichen Provinzen des Judentums. Galizien und Rußland, besonders erhalten haben und die in der jüdischen Literatur festgelegt sind. In der Ursprache (Jiddisch) hat Ignaz Bernstein diese Volkssprüche gesammelt. In dem Buche von Edel ist viel

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