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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-07-09 · 28 (9.7.1909) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
28 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 488 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 38 bewegten Worten in patriotischer Weise seinen Dank ausgesprochen und den Bezirkshauptmann gebeten hatte, seinen tiefsten Dank an die Stufen des Allerhöchsten Thrones zu übermitteln, folgten die Gratulationsansprachen des Kultusvorstandes der Gemeinde des Ausgezeichneten, Dr. Hamlisch, Kultusvorstehers von Damboritz, des Vertreters der Rabbinatskollegen des Jubilars, Dr. Julius Reach, Rabbiners in Gaya, woselbst Herr Rabbiner Hahn das Rabbinat durch beinahe zwei Jahrzehnte verwaltet hat, ferner der Kultusgemeinden Austerlitz, Neu-Rausnitz, der politischen Gemeinden Damboritz, Uhritz u. A. Sodann formierte sich der Festzug zur feierlichen Defilierung vor dem Dekorierten, zu deffen Rechten der Herr Bezirkshauptmann, zu deffen Linken der Kultusvorsteher Herr Dr Hamlisch sich befanden. An die Dekorierungsfeier schloß sich ein festliches Bankett, bei welchem Herr Rabbiner Hahn den Kaisertoast sprach und Herr Bezirkshauptmann Dr. Wierer auf den Jubilar toastierte. Die Feier hat bewiesen, daß nationale Gegensätze niemals so stark sein können, daß nicht wahrhaft humanes Wirken und Streben, wie dies seitens des Rabbiners Samuel Hahn in Damboritz stets geübt wurde, demnach allseitig anerkannt würde. Mädchenraub in Galizien. Aus Tarnopol wird berichtet: In dem nahegelegenen Dorfe Burka wurde dieser Tage ein ftecher Mädchenraub verübt. Zwei Bauern ergriffen des Nachts die achtzehnjährige Tochter des dortigen jüdischen Insassen David Bleich und entführten sie gewaltsam in ein Tarnopoler Nonnenkloster. Der Vater des Mädchens verfolgte die Räuber, die jedoch im Dunkel der Nacht seinen Blicken entschwanden. Nach einigen Tagen erfuhr Bleich, daß seine Tochter sich im Tarnopoler Kloster befindet, und begab sich dahin, um sein Kind zurückzufordern. Weinend bat er um Einlaß und wünschte seine Tochter zu sehen. Der arme Mann wurde barsch von der Klosterpforte gewiesen, indem ihm beschieden wurde, daß das Mädchen angeblich bereits nach Lemberg gebracht worden sei. Berlin. Der Berliner Historiker Professor Dr. Felix L i e b e r m a n n, ein Bruder Max Liebermanns, ist zum korrespondierenden Mitglied der British Academy erwählt worden. Ein Denkmal für Jakob Gordin. Gleich nach dem Tode des berühmten jüdischen Dramenschriftstellers Jakob Gordin in New-Jork hat sich daselbst ein aus Vertretern aller jüdischen Vereine und Organisationen ohne Unterschied der Parteirichtung zusammengesetztes großes Komitee gebildet, um die Mittel zur Errichtung eines Denkmales für den verstorbenen Dichter aufzubringen. Das Denkmal soll im New-Iorker East-End, dessen Abgott Gordin gewesen, errichtet werden. Nach dem Enthusiasmus, mit welchem der erste Auftuf empfangen und auch honoriert wurde, zu schließen, wird Jakob Gordin bald sein Monument in New-Aork haben. Koustautiuopel. (Jüdische Deputierte des türkischen Parlamentes in Europa.) Auf Einladung von London und Paris wird sich am Mittwoch eine Deputation hiesiger Abgeordneter auf die Reise nach Europa begeben. Dieser Deputation werden auch die jüdischen Abgeordneten Niffim Mazliach Effendi und Safloon Effendi angehören. Feuilleton. Amerikanische Kußprediger. Nach dem „Globe" mitgeteilt von Phil. Kieferndorf in Jerusalem. (Schluß.) Außer dem Zigeuner Schmidt werden von dem „Globe" auch noch zwei weitere Bußprediger namhaft gemacht, welche gegenwärtig New-Iork zum Angriffsobjekt eines religiösen Kreuzzuges gemacht haben, nämlich ein Dr. Dawson und Dr. Eaton, welche Beide fteiwillig den Dienst in einer organisierten Kirchengemeinde verlaffen haben, um sich der freien Volksevangelisation zu widmen. Der Dr. Dawson ist scheinbar durch Erregung von Sensation und Anwendung von Reklame dem Zigeuner Schmidt weit über. Schmidt singt im Saale, Dawson aber postiert seinen Chor auf der Straße und führt seine ganze Versammlung mit wehenden Fahnen, leuchtenden Kreuzen und klingendem Spiel auch oft durch die Stadt, wo im Nu auf der Straße oder einem freien Platze ein Zelt aus der Erde wächst und alle Passanten nach dem Auftrag des Evangeliums „genötigt werden, hereinzukommen". Und doch ist Dr. Dawson, was man bei solchen Extravaganzen kaum erwartet hätte, auch in dem Stück von Schmidt verschieden, daß er sich, überhaupt ein energischer und kühner Charakter, nicht sowohl wie dieser an das Herz und Gemüt, als vielmehr an den Kopf und Verstand wendet und von logischen Argumenten und Ueberzeugungen mehr erwartet, als von momentanen leicht erlangten, aber auch schnell wieder verflogenen Gefühlserregungen. Dr. Eaton hinwiederum verwirft den Gebrauch jedes Mittels, welches nicht Selbstzweck ist, und verabscheut darum geravezu die Ostentation, Sensation und Reklame. Seine Bemühungen sind auch weniger auf die Gewinnung einzelner Seelen, als überhaupt auf die allgemeine Besserung der wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Zustände und die Anbahnung eines gegenseitigen, besseren Verständnisses und einer größeren Annäherung zwischen den bestehenden Religionen, Kirchen und Gemeinschaften gerichtet. Dr. Eaton gibt keinen Deut auf die von den Menschen so geflissentlich und so bedauerlicherweise hervorgehobenen und festgehaltenen Unterschiede des Bekenntnisses, der Rasse und Farbe. Bezeichnend in dieser Beziehung ist sein Ausspruch, er sei zwar in einer Baptisten- Gemeinde geboren, könnte aber ebenso gut auch ein Methodist oder ein Jude sein. Im Allgemeinen scheint aber der Erfolg, den sich die neuen New-Iorker Bußprediger mit ihrer Tätigkeit versprechen, doch ein recht geringer und sehr zweifelhafter zu bleiben. Der Zigeuner Schmidt, welcher, wie eingangs mitgeteilt, mit solch sanguinischen Hoffnungen seinen Kreuzzug in dem transatlantischen Babel ausgenommen, urteilt schon nach wenigen Wochen angestrengter Wirksamkeit: „Der Zustand der Stadt ist traurig und herzzerreißend; sie ist gottlos und zufrieden in ihrer Gottlosigkeit und ihrem Laster." Dr. Dawson seinerseits erklärt: „Ohne die Gedanken- und Aktionsfreiheit, deren die Geistlichen jetzt ermangeln, prophezeie ich den vollständigen Zusammenbruch der Kirche für die nächsten fünfundzwanzig Jahre. Außerdem weiß der „Globe" aber auch noch von einer Gesellschaft ganz sonderbarer amerikanischer Bußprediger und Schwärmer zu berichten, welche kürzlich bei Kansas City von der Polizei überfallen wurde, wobei ein dreizehnjähriges Mädchen und ein Polizist getötet und der Vater des Mädchens und zwei weitere Polizisten schwer verwundet wurden. James Sharp und dessen Ehefrau, welche von ihren Anhängern als „Adam" und „Eva" verehrt werden, waren mit der Familie Pratt, ihren blindesten und fanatischesten Parteigängern, in einem großen Hausboote auf dem Missouri auf einer Missions¬ und Bekehrungstour begriffen, an welcher sie die Polizei in der Nähe der Stadt Kansas zu hindern suchte, wobei, wie gesagt, Pratt schwer verwundet, dessen Tochter Lulu getötet und die anderen Mitglieder der Gesellschaft gefangen genommen wurden, mit Ausnahme ihres geistigen Oberhauptes, denn Sharp selbst ist entkommen. Interessant war das mit den Gefangenen angestellte Verhör und die von denselben dabei gemachten Angaben über Entstehung und Betätigung ihrer religiösen Genossenschaft. Marie, die jüngere Schwester der getöteten Lulu, zuckte mit keiner Wimper und zeigte nicht die geringste, schmerzliche Bewegung, als sie von dem Tode der Schwester reden hörte. Ihre einzigen Worte, welche sie mit einer unglaublichen Kaltblütigkeit hervorbrachte, waren : „Sie starb für ihren Gott." Das Mädchen sagte des Weiteren: „Wir wurden mit diesem Manne Sharp in Nord Dakota bekannt, es sind' wohl etwa zwei Jahre her. In diesem Sommer haben wir uns ihm angeschlossen. In dem Hausboot segelten wir dem Missouri hinunter: Wir hielten an jeder Stadt an und predigten und sangen. Das Singen geschah durch uns Kinder und es bereitete uns große Freude. Wir haben vor einer Woche St. Joseph verlassen und schwammen nach Kansas Stadt hinunter, gerade als da§ Eis sich zu bilden anfing. Die Mutter des Mädchens,

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