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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-07-09 · 28 (9.7.1909) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
28 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 28 De. Blochs Wochenschrift. Seite 479 Bereks überaus lockende und schöne Gestalt aus einem Guße, redete aus dem Jenseits, der ewigen Unendlichkeit. Zu dem Lebenden wurde ein Programm, ein Gedanke, eine hochflatternde Fahne. Dieser Exfaktor im dunkelgrünen Oberstenrock mit goldstrotzenden Achselbändern, mit ordensgeschmückter Brust, in der hohen Bärenmütze, wurde als Heimgegangener zu einem weckenden Schall, zu einem geistigen Säemann von Ideen. Und seine Parole wird auch in nationalen Sturmperioden zur Tat und nimmt handgreifliche Gestalt an. Zu Beginn der November-Wirren (1830/31) beabsichtigten die Juden, um ihren Wunsch nach Eintracht und Versöhnung mit der ganzen Bevölkerung zu dokumentieren, Joselewicz ein Monument zu errichten als sichtbares Symbol seines Bestrebens, Erhabenheit und großer Wünsche. Der Sohn des Kriegsmannes aus der Kosciuszko-Zeit, Josef, erneuert das Programm des Vaters, kopiert seine Art und Weise, formiert ein selbständiges jüdisches Korps, aber die besten Absichten führten zu nichts, er schleicht wie ein Schatten hinter der Würde des Vaters und bedeckt sich mit dessen Purpur. Im Endresultat zerschellen die Bestrebungen der Nachahmer des glänzenden Vorbildes, versinken in der Flut beiderseitiger Mißverständnisse und Exklusivität. E r n e st Luninski. „Seid fruchtbar und vermehret Erich"! Rede, gehabten von Israel Zangwill am 13. Juni in Leeds. (Schluß.) Das Uebereinkommen mit der Türkei. Die Einzelheiten des Uebereinkommens mit der Türkei brauchen jetzt nicht einer Betrachtung unterzogen zu werden, aber es muß ein öffentliches Arrangement sein, das durch das türkische Ministerium und das türkische Parlament gemacht wird. Die geheimen Verhandlungen, die hinsichtlich Cyrenaika möglich waren, find unter der Verfassung nicht mehr möglich. Mesopotamien muß ein öffentlich anerkanntes, rechtlich gesichertes Heim (unter ottomanischer Flagge natürlich) für alle Juden werden, die hineingehen wollen. Sie müssen durch ein spezielles Kontingent türkischer Soldaten oder durch eine eigene Miliz gegen die Beduinen geschützt werden und ihr Charter muß die goldenen Worte tragen: „Lasset sie sich vermehren!" Will die Türkei nicht einwilligen, jüdisches Geld für die Bewässerung Mesopotamiens anzunehmen, so bleiben ihr nur zwei andere Wege offen, entweder nichtjüdisches Geld zu nehmen oder Mesopotamien brach liegen zu lassen. Die Jungtürken find zu schlau, um das letztere zu wählen; ich denke aber, daß sie auch zu schlau sind, um eine französische, englische oder internationale Gesellschaft einer jüdischen vorzuziehen. Denn eine deutsche, französische, englische oder internationale Gesellschaft bedeutet so viel, daß Deutschland, Frankreich, England oder die christlichen Mächte im Lande neue Wurzel fassen, neuen Einfluß gewinnen, es bedeutet Komplikationen in der Zukunft. Ich stelle mir vor, die Jungtürken werden weise genug sein, jüdisches Geld vorzuziehen, Geld, das hinter sich weder Soldaten noch Dreadnoughts hat. Noch mehr trifft dies bezüglich der Einwanderer nach Mesopotamien zu. Denn wenn die Türkei keine jüdischen Kolonisten und Arbeiter haben wird, muß sie nichtjüdische Kolonisten und Arbeiter schaffen, kann aber weder in Europa noch in Asien eine gleich zufriedenstellende oder gleich sympathische Rasse finden. Die jüdischen Kolonisten find die einzigen, die keine Macht und keine Kanonenschiffe hinter sich haben, um sie zu beschützen, keine Konsule, um zu intriguieren oder Unheil anzurichten. Ihr Kommen bedeutet bloß ein friedliches Eindringen. Selbst die Armenier find Christen und wissen, daß Frankreich, Deutschland und Italien über einander herfallen, in dem ängstlichen Bestreben, der Protektor der Christenheit im Osten zu sein. Ueberdies: kann irgend eine weiße Raffe mit Ausnahme der Juden in Mesopotamien leben und arbeiten? Will die Türkei Kulis aus Indien oder Egypten kommen laffen, um die Bewäfferungsarbeit machen zu lassen, wie Sir William Willcocks vorschlägt? Dann schafft sie sich ein neues Färbigenproblem auf den Hals, das noch schlechter ist, als das jüdische Problem. Nun, gehen Sie die ganze weiße Welt durch, die Türkei wird für Mesopotamien keine Bevölkerung finden, die so geeignet ist, ihren Wohlstand zu fördern und ihren Ruhm zu erhöhen, eine Bevölkerung, die so fleißig ist in der Landwirtschaft, so hervorragend im Handel, so friedlich und loyal ihren Oberherrn gegenüber, wie die Bevölkerung, die nach Mesopotamien strömen würde, wie in eine jüdische Provinz des ottomanischen Reiches. Unmöglichkeit eines Versteckensspiels. Manche Juden find tatsächlich der Meinung, daß die Türkei ihre Einwilligung niemals geben werde und daß es daher besser wäre, mit Kleinkolonisation zu beginnen, um die Türkei nicht zu alarmieren. Das entspringt der alten Annahme, die Türken seien verrückt. Das jüdische Problem kann nicht durch feige Hinterlist und durch Versteckenspielen oder dadurch gelöst werden, daß das Wort Politik nicht über die Lippen gebracht wird. Im alten Griechenland liebten sie es nicht, das Wort „Tod" zu erwähnen, aber die Leichenbestatter machten trotz alledem ein gutes Geschäft. Unser Problem ist kein verstecktes. Zwölf Millionen Juden sind eine solide historische Realität. Eine Emigration von Hunderttausend jährlich kann nicht in einem Puppenhaus untergebracht werden. Wir können nicht mit Puppenkolonien spielen, wie die „Jca" es bisher getan. Entweder find die Türken gewillt, unter ihrer Flagge ein gesetzlich anerkanntes, rechtlich geschütztes Heim für die Juden erstehen zu sehen oder sie find es nicht. Sind sie gewillt, so können wir über das Geschäft sprechen. Sind sie es nicht, so ist es besser, es zu erfahren, ehe wir unsere Zeit und unser Geld verlieren. Eine jüdische Kolonisation, die nicht zu einem jüdischen Territorium führen soll, heißt bloß Spott treiben, und es ist besser, wir wenden uns gleich anderen Lösungen unseres großen historischen Problems zu. Aber der Erfolg der „Jto" in den Unterhandlungen bezüglich Cyrenaika ist ein Beweis für den guten Sinn der Türkei, und ich wiederhole meine Ueberzeuguyg, daß die Türkei ihre Einwilligung geben wird, und wenn die Türkei ihre Einwilligung nicht gibt, so wird es bloß deshalb geschehen, weil die Juden es nicht verlangen werden. Und so kommen wir zur dritten und schwierigsten Frage. Werden die Juden es verlangen? Werden die Juden Mesopotamien verlangen? Werden die Juden den Mut und die Entschlossenheit besitzen, sich selbst eine neue Bestimmung zu formen, ein neues Blatt in ihrer Geschichte umzuwenden? Denn die „Jto" prätendiert es keinen Augenblick, allein Vorgehen zu können, einem unwilligen, ungeeinten Volke ein Land aufzuzwingen. Und es liegt ein besonderer Grund vor, weshalb es notwendig ist, daß in dieser Arbeit Zusammenwirken und Einigkeit herrsche. Denn, um nur eines zu erwähnen, es handelt sich um ein Uebereinkommen mit der Türkei, und um das günstigste Uebereinkommen zu erlangen, müssen wir uns klar darüber werden, was wir benötigen, und mit einer einheitlichen Stimme sprechen. Es darf nicht einer Organisation möglich sein, mit der anderen in dem Abfluß dieses Arrangements zu konkurrieren, daß der eine hinter dem andern kommt und mehr bietet oder weniger akzeptiert. Jede jüdische Organisation, die ihre Zustimmung gibt, die Auswanderung nach Mesopotamien zu fördern, ohne als Gegenwert für diese Einwanderer das Maximum an politischen Vorteilen zu erzielen, macht nicht nur ein schlechtes Geschäft, sondern benimmt sich wie ein Schwindler. Ich kann es mir tatsächlich vorstellen, daß gewiffe Organisationen oder Personen es ablehnen, unter mir zu arbeiten, aber ich bin durchaus bereit, unter ihnen zu arbeiten. Möglich, daß manche meiner Anhänger dies nicht gerne sehen möchten. Aber dann bin ich kein Jtoist. Meine ganze Sorge gilt der Arbeit, der Arbeit, die getan werden muß, unter welchem Namen immer und durch welche Hände immer. Die „Jto" würde sich vollständig

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