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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-07-02 · 27 (2.7.1909) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
27 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Sk. 27 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 475 Zigeuner Schmidt ist aber nicht nur ein glänzender, außergewöhnlicher Redner, sondern auch ein ganz hervorragender und vorzüglicher Sänger, ja, man behauptet, daß er überhaupt der größte Kirchensänger unserer Zeit genannt werden muß. In seinen Versammlungen Pflegt Schmidt vor oder nach und zuweilen auch während seiner Rede Solo zu fingen, und es unterliegt keinem Zweifel, daß sich Tausende nach dem Saale oder der Kirche drängen, um Schmidt nicht nur reden, sondern auch singen zu hören. Auch Schmidt ist diese Tatsache nicht unbekannt und er hat dies in einer seiner Versammlungen seinen nach mehreren Tausenden zählenden Zuhörern auch einmal in recht drastischer und effektvoller Weise zu verstehen gegeben. Er hatte vor Beginn, der Versammlung einen allgemeinen Gesang angegeben, an welchem alle Anwesenden teilnehmen sollten. Aber nur etwa fünfzig Personen in dem von einem Ende bis zum andern, bis in die Ecken und Winkeln mit Menschen vollgepfropften, großen Saal folgten einer dahin gehenden Aufforderung Schmidts, die Anderen saßen ruhig und teilnamslos auf ihren Sitzen und warteten auf das „Zugstück" und den Knalleffekt des Abends, nämlich auf Schmidts Solo. Da trat Schmidt plötzlich mit hocherhobenen Armen vor die Rampe und schrie mit dröhnender Stimme in den Saal: „Still, Still." Die Orgel verstummte allmälig, der leise Gesang schwand hinweg und eine Kirchhofsstille herrschte im Saale. Schmidt aber stand da mit erregten Mienen und leuchtenden Augen und rief laut in den Saal: „Ihr wollt wohl Alle mich fingen hören?" „Ja, ja", erscholl es in dröhnendem Chorus von allen Seiten und setzte sich fort in immer sich wiederholenden Salven. „Nun denn," erwiderte Schmidt, „ich will zuerst euch selber singen hören. Ich bin wahrlich nicht hiehergekommen, um euch zu amüsieren. Zuerst tut ihr selbst eure Schuldigkeit, dann will ich die meine auch tun. So und nun beginnt der Gesang von Neuem, aber Alle sollen singen, du und du und jener und jene!" Schmidt gab dem Organisten einen Wink, Musik und Gesang setzten aus's Neue ein, und siehe da, alle Anwesenden sprangen wie von einem elektrischen Funken berührt, augenblicklich von ihren Sitzen, alle Kehlen öffneten sich weit und mit solcher Macht, daß die Wände erzitterten und von dem starken Ton der Orgel bis zum Ende des Gesanges nicht mehr das Geringste zu vernehmen war. „So," sagte Schmidt am Ende des Liedes befriedigt, „das nenne ich einmal singen, so singt jetzt aber immer." Und dann sing er an zu reden und es dauerte nur wenige Minuten, da schwammen die Augen, welche eben beim Singen so leuchteten, umflort in heißen Tränen, da schnürte die Kehlen, welche eben so weit zum Gesang sich öffneten, ein dumpfes Schluchzen und heftiges Stoßen zusammen, da schlugen die getroffenen Herzen in Angst und Buße und Neue und das sündige, leichtlebige New-Aork war bereit zu jedem Geständnis und Gelöbnis. Jetzt erst schien Schmidt die richtige Zeit gekommen, die erschütterten Seelen und Gemüter, wie die Mutter das aus seinem Schlafe aufgeschreckte Kind mit seinem Gesangssolo auch zu trösten und wieder zu beruhigen. -Mit der Predigt und dem Gesang hat aber der Zigeuner Schmidt seine Arbeit lange nicht getan. Dutzende und Hunderte kommen täglich und nächtlich persönlich zu ihm, um ihm ihre seelischen und irdischen Nöten und Sorgen zu klagen und bei ihm Trost, Rat und Hilfe zu suchen. In seiner teilnahmsvollen, menschenfreundlichen, sympathischen Art hat er auch ein offenes Ohr und ein freundliches Wort für Alle und Jeden. Mit jeder Post empfängt er ganze Stöße von Briefen und Postkarten und er macht sich ein Gewiffen daraus, jedem Schreiber selbst zu antworten, jede Bitte und Anfrage selbst zu lesen und zu bescheiden, da ihm kein Sekretär helfend zur Seite steht. (Schluß folgt.) Briefkasten» -Ed. Gerstl, Neunkirchen. Wie man uns versichert, wird die Küche in der Ferienkolonie Sebenstein koscher geführt und das Fleisch bei einem jüdischen Fleischhauer gekauft. S. F. Es läßt sich auch durch Interpellationen im Abgeordnetenhause die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, daß die bedeutendsten Klaviervirtuosen Wiens, deren Ruhm weit über die Grenzen Europas reicht, derzeit fast ausnahmslos Juden sind: Rosenthal, Godowsky, Sarrer, Grünfeld, Friedmann. Kein Wunder also, daß der Leiter der Klaviermeisterschule aus ihrer Mitte entnommen werden mußte. A. R. Zu den antisemitischen Sommerfrischen zählt auch Mitterndorf (steir. Salzkammergut). Die Prospekte notieren: „Inden nicht erwünscht." S. K. Allerdings klagt der „Freidenker" an einer Stelle: „Eins ist es, was mich gar betrübt: Daß Gott das gleiche Wetter gibt Den Christen, Juden, Heiden Ohn' alles Unterscheiden." Dr. O. Wir bitten um Geduld. „Engländer C. D." Die Adresse lautet: 119 Sutherland Avenue Maida Vale W. London. Aber können wir dem Weltbetrachter des 13. Jahrhunderts solchen „Gefühlsantisemitismus" übelnehmen? Und können wir mit gutem Gewissen behaupten, daß unsere „so herrlich weit" fortgeschrittene Zeit davon frei sei? _ Prag, den 28. Juni 1909. Sehr geehrter Herr Redakteur! Um der Festsetzung eines Irrtums vorzubeugen, ersuche ich Sie um freundliche Veröffentlichung der nachstehenden Zeilen. Der letzte Bericht über die jüdischen Gemeinden in Sizilien wird im Feuilleton der letzten Nummer Ihrer Wochenschrift mit den Worten eingeleitet: Von N. Obadjah aus Bartenuro in Italien (gest. 1510), der seine Berühmtheit hauptsächlich seinem Kommentar zur Mischnah verdankt, der allen Mischnahausgaben beigedruckt ist, sind zwei in hebräischer Sprache abgefaßte Reisebriefe aus den Jahren 5248 (I486) und 5249 (1489) im Original erhalten. Diese Briefe, welche hauptsächlich die damaligen Verhältnisse im Orient behandeln, befinden sich in Deutschland in Privatbesitz. Die „Deutsch-Israelitische Zeitung" entnahm dem elfteren dieser Briefe einen Bericht über die jüdischen Gemeinden Siziliens. Das hebräische Original dieser zwei Reisebriefe ist ab gedruckt im 111. Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judentums vom Jahre 1863. Dort befindet fich auch die deutsche Uebersetzung von Adolf Neubauer (gest. in Oxford). Und dieser Uebersetzung ist der Bericht in Ihrem Blatte wortwörtlich entlehnt. Mit bestem Dank Dr. E m. S ch w a r tz. Rudolfinum. In dem von Herrn A. M. Pollak Ritter von Rudin gegründeten Stiftnngshause „Rudolfinum" in Wien find für das Schuljahr 1909/10 70 Stiftungsplätze an fleißige nud dürftige ordentliche Studierende der Wiener technischen Hochschule, ohne Unterschied der Konfeffion, zn verleihen. Die Bewerber nm dieselben, welche die österreichische oder ungarische Staatsbürgerschaft besitzen müffen, haben ihre Gesuche, mit den letzten Stndien-Zeugniffen eines Polytechnikums oder, wenn fie erst an die technische Hochschule gelangen wollen, mit dem Maturitäts-Zeugnisse eines Obergymnafiums oder einer Ober-Realschule, ferner mit dem amtlich beglaubigten Dürftigkeits-Zeugnisse versehen, bis längstens 31. Augnst 1909 bei der Administration des „Rudolfinum" (Wien, IV. Bezirk, Mayerhofgaffe Rr. 3) einznreichen. Bon jenen Studiennud Dürftigkeits-Zeugnissen, welche nicht in der deutschen Sprache ausgestellt find, müffen gleichzeitig die deutschen Nebersetzungen hergebracht werden, widrigenfalls auf die betreffenden Bittsteller keine Rückficht genommen wird. Die näheren Ausnahms-Bedingungen können bei der Haus-Inspektion eingesehen werden. Wien, am 30. Jnni 1909. Die Administration des „Rudolfinum". Notiz. Eine internationale Ausstellung in Buenos Aires. In Anbetracht des großen Interesses, welches unsere industriellen und kommerziellen Kreise für die im Jahre 1910 in Buenos-Aires zu eröffnende internationale Ausstellung zeigen, hat die „Castro Americana“ beschlossen, jene mit ihren Dampfern nach Buenos- Aires transportierten Güter, welche auf der Ausstellung nicht verkauft werden sollten, kostenlos zurückzubeförder». Der Transport nach Buenos- Aires wird zu den normalen Tarifen erfolgen. Den offiziellen Vertretern Oesterreichs wird die 25°/o-ige Ermäßigung des Fahrpreises gewährt werden.

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