Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 27 (2.7.1909)
- Date
- 1909-07-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 27 Dr. Vwchs Wochenschrift. Seite 473 denkende Jude zugeben müssen. Für die freundliche Aufnahme dankt im Voraus bestens S. Sonnenschein. Besitzer des Hotels und Pension „Erzherzog Karl" in Bad Ischl. Unter den jüdischen Kurgästen Ischls, die zuhause Menage führen, wird diese Erklärung des Hoteliers Sonnenschein mit Befriedigung ausgenommen werden. Daß seine Verstimmung über jüdische Kurgäste, die Frömmigkeit mit der Schädigung oder zum mindesten mit der Zurücksetzung eines jüdischen Hoteliers — des einzigen in Ischl — vereinbaren zu können glauben, eine begründete ist, braucht nicht erst gesagt zu werden. Neutitfchein. (Verlobung.) Herr Oberkantor Salo Urich in Neutitfchein hat sich mit Fräulein Helene Länderer aus Mähr.-Ostrau verlobt. Pohrlitz. (Verlobung.) Fräulein Elsa Bader, Tochter des Herrn Wilhelm Bader, Beirates der israel. Kultusgemeinde in Pohrlitz, hat sich mit Herrn Dr. Emil Bodansky, prakt. Arzt in Mähr.-Schönberg, verlobt. Nikolsburg. Trauernd umranden wir verflossenen Dienstag den Sarg, der die sterblichen Ueberreste der Frau Julie Oser, eine der Gründerinnen unseres Vereines, in sich barg. Obschon der Tod seine unverlösch ichen Merkmale dem Gesichte aufgedrückt, ob'chon monatelanges Siechtum vorausgegangen, so berührte dock das Hinscheiden dieser Frau uns alle auf das schmerzlichste. Frau Julie Oser, die in gesunden Tagen einen nie versiegenden Humor besaß, war ein wackeres Mitglied des Wohltätigkeilsvereines; sie griff überall dort helfend ein, wo es galt, der Not der Armen zu steuern, die Gebeugten aufzurichten, die Tränen der Unglücklichen zu trocknen. Sie versah mehr als ein Jahrzehnt in dem Verein „Nächstenliebe" die Stelle einer Kaffierin und bekleidete dieses Amt mit größter Gewissenhaftigkeit. Unser Rabhincr Dr. Moritz Lewin hielt die Trauerrede, bei welcher kein Auge tränenleer blieb. Nach den üblichen zerkinonüllen Gesängen, vorgetragen von Oberkantor Dr. Arnold Frankel, wurde die irdische Hülle unserer teueren Glaubensschwester an der Seite ihres Gatten, der ihr am 5. Februar l. I. im Tode vorausgegangen war, beigesctzt. Segen ihrem Andenken. Frauenwohltätigkeitsverein „Nächstenliebe." Eiwanowitz. Am 21. Juni starb Rabbiner Leopold Eisler nach 53jahriger Amtstätigkeit im 85.Lebensjahre, tief betrauert von Allen, die seinen Edelsinn und sein vornehmes Wesen kannten. Das Leichenbegängnis fand unter zahlreicher Beteiligung beider Gemeinden Eiwanowitz und Wischau, nicht nur der südischen, sondern auch der christlichen intelligenten Bevölkerung statt. Die angesehensten Männer der Gemeinde trugen die Bahre in das schwarzgeschmückte Gotteshaus, wo ein Trauerchoral vom Wischauer Damenchor unter Leitung der Kantoren Barbasch und Wolfensohn gesungen wurde. Dann hielten am Sarge Dr. Tauber aus Preran, als alter Freund, Doktor Freimann aus Holleschau (nn Namen des Rabbinerverbandes), Dr. Goldschmidt ans Proßnitz und Dr. Kupfer aus Kojetein ergreifende Trauerreden, in welchen sie die hohen Verdienste des Verstorbenen als Seelenhirt, als Gelehrter und Schriftsteller, seine große Gerechtigkeit und Menschenliebe gegen Alle, ohne Ausnahme der Konfession, priesen und hervorhoben, daß mit dem Verstorbenen ein altes Stück Judentums zu Grabe getragen wurde, daß er in feiner großen Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit in der wiffenschaftlicheu Forschung sein ganzes Glück gefunden habe, daß er noch im Greifenalter sich ein kindlich reines Gemüt, Geistesfrische und Jugendkraft bewahrt habe. Alle drei Rabbiner betonten die treue, aufopfernde Liebe seiner Gattin, die unter Entbehrungen ihm sein stilles Gelehrtentum ermöglichte und ihn in seinem Studium unterstützte, indem sie durch ihre Wachsamkeit jede Sorge und jeden Kummer von ihm fernhielt. In der Leichenhalle hielt Herr Löwenthal, Kojetein, im Namen der Wischauer Kultusgemeinde einen Nachruf. Am offenen Grabe hielt Dr. Kupfer, Kojetein, in rein hebräischer Sprache einen ergreifenden Abschiedsgruß. Sämtliche Herren Rabbiner und Kultusvorstände Mährens und viele bedeutende Männer der Gegenwart kondolierten in der herzlichsten Weise. Ferner sprachen die Bezirkshauptmannschaft Wischau, die Geistlichkeit, der Bürgermeister mit dem Ausschüsse ihr tiefempfundenes Beileid aus. Rabbiner L. Eisler verfaßte mehrere wiffenschaftliche Werke, schrieb Aufsätze für jüdische Zeitschriften und korrespondierte mit den größten Morschen Gelehrteu unserer Zeit. Seine wiffenschaftliche Tätigkeit sichert ihm bei der Nachwelt ein unvergängliches Andenken. (Jes. 56, 5.) Anerkannt bleibenden Wert haben seine kritischen Bemerkungen zum Targum Onkelos, seine „Beiträge zur biblischen Sprach- und Altertumskunde", bei denen er Rapoport, Luzatto, Reifmann, Reggio, Frankl-Gratz, Sachs und Geiger folgte. Ausländer haben kein Kultuswahlrecht. Der ungarische Kultusminister Graf Albert Apponyi will, wie es scheint, noch die letzten Tage seiner Regierungstätigkeit dazu benützen, um den Juden einen Denkzettel zu geben. Ein Budapester Blatt bringt nämlich folgende Meldung: »Der Kultus- und Unterrichtsminister hat aus Anlaß eines konkreten Falles im Einvernehmen mit dem Minister des Innern ausgesprochen. daß die nach dem Auslande zuständigen israelitischen Gemeindemitglieder, auch wenn sie Kultussteuer zahlen, bei den Gemeindewahlen nicht stimmberechtigt sind und an der Leitung der Geschäfte nicht teilnehmen dürfen." Ciu Nachruf in der „Nowoje Wremja". In einer der letzten Nummern der judenfresftrischen „Nowoje Wremja" lesen wir den folgenden, für die russischen Verhältnisse höchst bezeichneten Nekrolog: Vor Kurzem starb nach langem schweren Leiden der Journalist Arkadi Gregorowitsch Kobner, der seinerzeit in der russischen Journalistik eine hervorragende Stellung inne hatte. Er wurde im Jahre 1842 in Wilna geboren. Seine Eltern waren intelligente Juden. Im Jahre 1862 trat er zum erstenmale als Publizist hervor. Anfangs schrieb er ausschließlich hebräisch und ging dann allmählich zur russischen Publizistik über. Vom Jahre 1866 angefangen, hatte Kobner ganz aufgehört, hebräisch zu schreiben. Er wurde Redakteur und Mitarbeiter der vedeutendsten russischen Journale und Zeitschriften, so auch des „Goios", der „Nowoje Wremja", „Petersdurski Wiedomosti" u. m. a. Aufsehen erregten seine vor mehreren Jahren nn „Jstonzaski Wjenik" (Historischer Anzeiger) erschienenen Briefe eines Juden. Seine Aufsätze im „Golos" unter dem Titel „Allgemeine und schriftstellerische Kuriositäten" erregten allgemeines Interesse. Kobner wurde von seinen Ellern zum Rabbiner bestimmt, aber dieser energische Mann ging nicht mit den unruhigen jüdischen Elementen (!), sondern nahm im vorgerückten Alter den christlichen Glauben an (!), heiratete e ne Russin und erhielt eine Staatsanstellung. . . . Hatte er sich auch durch nichts von den R issen unterschieden, so hatte ihm die Lage der Juden dennoch viel Schmerz verursacht. . . . Doppelte Trauung eines Ehepaares. Ein eigenartiger Fall, der noch zu lebhaften Erörterungen und vielleicht auch zu gerichtlichem Einschreiten geben wird, hat sich jüngst in Budapest abgespielt. Es handelte sich um eine jüdisch-rituelle Trauung. In Budapest bestehen zwei von einander vollständig unabhängige, autonome israelitische Religionsgemeinden, und zwar eine orthodoxe und eine neologe. Das in Rede stehende Brautpaar hatte die obligate Ziviltrauung hinter sich und der Bräutigam, der sehr religiös ist, äußerte den Wunsch, daß die rituelle Trauung in der orthodoxen Synagoge veranstaltet werde, auf Wunsch der Familie der Braut wurde jedoch die Trauung in der neologen Synagoge vorgenommen. Die Trauung vollzog der Hilssrabbiner Dr. Großmann, ern Zögling des Budapester Rabbinerseminars. Während des darauffolgenden Hochzeitsmahles langte ein Bruder des Bräutigams, der orthodoxer Rabbiner einer ungarischen Provinzgemeinde ist, an. Dieser erklärte nun. daß der vom neologen Rabbiner vollzogene Trauungsakt nach jüdischem Gesetze als ungültig zu betrachten sei, und nahm von Neuem die Trauung vor. Der Vorfall hat in Ungarn großes Aufsehen hervorgerufen, denn es ist selbst in den heißesten Kämpfen zwischen Orthoooxie und Neologie in Ungarn wohl der erste Fall, daß^ ein von neologer Seite vorgenommener Trauungsakt in dieser schroffen Weise von orthodoxer Seite für ungültig erklärt worden wäre. Die Ahnen des Täuflings. Wie bereits berichtet, ließ sich der Temesvarer Oberarzt Dr. Alexander Szana gleichzeitig mit dem Erlangen einer zweifachen staatlichen Rangerhöhung taufen. Dieser Uebertritt hat allerseits großes Aufsitzen und in jüdischen Kreisen begreifliche Entrüstung hervorgerufen. Dies umso mehr, als wie jetzt aus Temesvar berichtet wird, der Großvater des Täuflings ein Kaschauer Sofer Namens Sitbermann war. Der Vater des Renegaten hinwieder Rudolf Silbermann hatte in Temesvar einen gutgehenden Handel mit jüdischen Ritualien, wie Gebetbüchern, Tkfillin usw. Oft betonte der alte Silbermann, daß er sich stark plagen müffe, um die großen Kosten dcs Studiums seines Sohnes Alexander bestreiten zu können. Nach dem Tode des alten Silbermann taufte sein Sohn Alexander zunächst seinen Namen um, um dann später seiner Religion vollends untreu zu werden. So ehrte er das Andenken seiner frommen Eltern und ihres frommen Gewerbes. Verleihung der Varonie an die Familie Hatvany-Dentfch. Wie das Amtsblatt meldet, hat der Kaiser den Großgrundbesitzern und Großindustriellen Alexander, Josef, Karl und Bela von Hatvany-Deutsch in Anerkennung ihrer auf dem Gebiete der Volkswirtschaft und der öffentlichen Wohltätigkeit erworbenen Verdienste die ungarische Baronie verliehen. Die Firma Ignaz Deutsch und Sohn in Budapest, deren Angehörige die nunmehr baronisierten Herren Alexander, Josef, Karl und Bela von Hatvany sind, zählt seit Jahrzehnten zu den ersten Jndustriefirmen Ungarns und hat sich besonders auf dem Gebiete der Zuckerindustrie die größten Verdienste erworben. Die Fabriken in Hatvan und Sarvar sino Musteretabliffements ihrer Art; die Firma ist außerdem auch an den Zuckerfabriken in Surany