Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 27 (2.7.1909)
- Date
- 1909-07-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021818-3021846--18445-3043373- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 472 Dr. Blocks Wochenschrift. Wieu. (Vermählung.) Am Sonntag den 4. Juli findet im engsten Familienkreise die Trauung des Fräulein Julie Baum, Lehrerin am Mädchen - Lyzeum des Wiener Frauenerwerbvereines, mit Herrn Robert Frankl, Gesellschafter der Firma Franz Frankl, statt. Die Braut, eine durch hohe Intelligenz wie durch liebenswürdiges Wesen gleich ausgezeichnete junge Dame, ist die Tochter des Herausgebers der „Spn- und Renteu-Zeitunz", Herrn Moritz Baum, dessen warmer Anteilnahme an den Angelegenheiten unserer Kultusgemeindc rühmend zu gedenken ist; der Vater des Bräutigams, Herr Franz Frankl, Vorstandsmitglied des „Tempelbau - Komitee für Wieden und Margarethen", ist durch sein Wirken in der Oeffentlichkeit, insbesouders aber auch durch seine Tätigkeit in den ersten kaufmännischen Korporationen weiteren Kreisen bekannt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 4. Juli l. I., um 3 Uhr nachmittags, findet im Tempel, I., Seitenstettengafse die Trauung des Fräulein Marianne Winternitz, Tochter des Hof- und Gerichtsadvokaten Herrn Dr. Josef Winternitz, Obmann der Bezirkskommission für den II. und XX. Bezirk, mit dem Schriftsteller und Hof- und Gerichtsadvokaten Herrn Dr. Heinrich Herbatschek statt. Wieu. (Jüdische Toynbee-Halle, XX., Otbmarg a s s e 46.) Vortragszyklus über Ethik im Talmud mit spezieller Berücksichtigung der Gnomologie der tannaitischen Periode, Rabbinatskaudidat Bela Fischer. Vortrag III, Samstag, den 3. Juli 1809. Beginn 5 Uhr nachmittags. Fortsetzung des Vortragszyklus im Oktober. Döieu. (Todesfall.) Am 24. Juni verschied Herr Arnold Mittler, langjähriger Beamter der Union-Bank, Bruder des Zahnarztes Dr. Albert Mittler und Schwager des Professors Dr. Ignaz Goldzieher in Budapest. Die überaus große Zahl der Trauergäste, die sich am Freitag den 25. Juni im Trauerhause des Verblichenen eingefunden hatten, bewies, welch besonderer Sympathien sich derselbe erfteute. Unter Anderen wurden bemerkt: der Direktor der Union-Bank Richter, die Hof- und Gerichtsadvokaten Regierungsrat Dr. B a ch r a ch, Dr. Stroß, Dr. Hock und Dr. Schneeberger, ferner die Redakteure Friedrich H e r r n f e l d und Michael Eisler, Dr. Bela Taussigrc rc. Nach einem tiefempfundenen Nachruf des Rabbiners Dr. Bach, der die besonderen Tugenden des Verstorbenen hervorhob, wurde der Leichnam zum Staatsbahnhofe und von dort nach Simani (Araber Komitat) überführt, woselbst am Sonntag das Leichenbegängnis unter zahlreicher Beteiligung stattfand. G. Wien. Dr. Moritz Friedeberger, London, wurde als Nachfolger des kaiserl. Rates Dr. Moritz Brunner einstimmig zum Direktor des Allgemeinen Oesterreichis ch-J sraelitt s ch e n Taubstummen-Jnstitutes in Wien gewählt. Doktor Friedeberger ist eine der ersten Kapazitäten auf dem Gebiete der Taubstummen-Erziehung und eine Autorität für die wissenschaftliche Ausbildung abnormer Kinder. Er hat in seinen Studien an mehreren Universitäten sich besonders dem wissenschaftlichen Studium, vom physiologisch-psychologischen Standpunkte aus, der Kindes-Natur, in ihrer normalen und abnormalen Entwicklung, gewidmet. Er ist Doktor der Philosophie und hat die Auszeichnung, der erste gewesen zu sein, der auf Grund seiner Dissertation: „Zur Psychologie der Sprache mit besonderer Rücksicht auf die Zungensprache der Taubstummen" — von der Universität Anerkennung erlangt hat, das Psychologische im Taubstummen-Zustande als Gegenstand für das Doktorat zu behandeln. In England, wo Dr. Friedeberger viele Jahre gelebt hat, war er 3 Jahre erster Lehrer an dem Jüdischen Taubstummen-Jnstitut, dann 2 Jahre Dozent an dem Seminar für Taubstummenlehrer, 5 Jahre Direktor der „Artikulations-Schule für Taubstumme" zu Edinburgh und seit 12 Jahren Leiter seines Pädagogiums für taubstumme und schwachsinnige Kinder. Er hatte das Privilegium, zusammen mit Doktor Francis Warner, dem bedeutendsten Spezialarzt und der erfahrensten Autorität für abnorme Kinder, über 100.000 Kinder mit Bezug auf ihre physischen und geistigen Eigentümlichkeiten zu untersuchen. Die Resultate ihrer gemeinschaftlichen wissenschaftlichen Beobachtungen sind im Druck erschienen. Ihm gebührt auch das Verdienst, im Verein mit Dr. Warner, Dr. Schuttleworth und anderen Spezialärzten vor vielen Jahren die „Londoner Childhood-Society zum Studium der geistigen und physischen Eigenschaften von Kindern" gegründet zu haben. Er war mehrere Jahre Ehren-Sekretär und gehört dem Rate dieser ausgezeichneten Gesellschaft als Mitglied an; ebenso ist er Mitglied verschiedener Komitees der „Britischen Gesellschaft für die Förderung von Wissenschaft", auch des „Internationalen Kongresses fü: Schulhygiene" und anderer wissenschaftlicher Vereine. Dr. Friedeberger ist durch seine wisseuschaftlichen Vorträge und literarische Tätigkeit, in verschiedenen Sprachen, als Fachmann anerkannt. Er ist der Verfasser von: „Die Erziehung schwachsinniger Taubstummen"; „Die Kunst des Spreckens"; „Heber Sprachfehler, die in Entwicklungsstörungen ihren Grund haben"; «Eine neue Methode, Kinder lesen zu lehren"; „Sprachunterricht für schwachsinnige Kinder"; „Untersuchung (im Verein mit Dr. Warner) von Kindern, die eines speziellen Unterrichtes bedürftig schienen" rc. Für Gemeindeangelegenheiten hat Dr. Friedeberger, sowohl in Edinburgh, als auch in London sich rege interessiert. Er war viele Jahre Repräsentant sei icr Synagogue, Mitglied des „Makkabäer-Vereines", ist Präsident der ..Londoner Zionist League" und hat oft aktiven Anteil an Kongressen genommen, die sich mit der internationalen jüdisch n Frage beschäftigen. Dr. Friedeberger hat eine Tochter des Herrn Raphael Hahn zu Göttiugen zur Frau. Austritte aus dem Judentum. Vom 20. bis 26. Juni 1909. Eisler Stefan, Hochschüler, geh. 11. Mai 1891, Wien, I., Rathausstrasse 7. Grotte Friedrich, Dr., Arzt, geh. 27. Juli 1882, Wien, II., Schüttelstsasse 15 b. Hoffenreich Katharina, Private, geh. 27. Februar 1881, Pressburg, XIII.. Hietzinger Kai 5. Hoffenreich Karoline. Private, geb. 7. September 1876, Wien, XIII, Hietzinger Kai 5. ipkar Elsa, Private, geb. 23. November 1892, Wien, Loquaiplatz 12. Kann Emil, Dr., Hofuud Gerichtsadvokat, geb. 6. Februar 1872, Wien, I, Lichtenfelsgasse 7. Kann Edith Elsa, geb. Lederer, Advokatens-GattiD, geb. 14. Jänner 1880, Wien, I, Lichtenfelsgasse 7. Klein Irene, geb. Neumann, geb. 10. Juni 1881, Wischau (Mähren), VI., Stumpergasse 2 a. Kornfeld Hermine, Private, geb. 19. August 1881, Budapest, VI., Ufergasse 8. Rasenzweig Karl, Versicherungsbeamter, geb. 29. Oktober 1873, Wien, derzeit Krakau, Blich 24. Rottenberg Blanka, geb. 4 Juni 1895, Wien, Mayerhofen Nr. 19, Bez. Melk. Stiasny Maria Franziska, Private, geb. 23. August 1887, Wien, XVIII., Pötzleinsdorferstrasse 90. Stössl Berta, Bureauleiterin, geb. 10. November 1882, Wien, XII., Schwenkgasse 25. ... Ullmann v. Ereny Vilma, geb. Löwy, Private, geb. £4. Mai 1849, Budapest, IV., Wohllebengasse 19. Triesch. (Trauung.) Am 5. Juli d. I. findet im Temp'l zu Triesch die Trauung des Fräuleins Rahel Stern, Tochter unseres geschätzten, verewigten Mitarbeiters Dr. M. L. Stern, Rabbiner in Triesch, mit Herrn Alfred Galandauer aus Karlsbad, Sohn des verewigten Sobortener Rabbiners Heinrich Galandauer, statt. Ans Bad Ischl. Wir erhalten mit Bezug auf unsere in der letzten Nummer unter dem Titel „Kein Koscherfleisch-Verkauf in Ischl" publizierte Zuschrift folgenden Brief: „Löbliche Redaktion! Der regelmäßige Sabbath-Gottesdienst in Ischl ist leider alles eher als gesichert, da der Obmann des Tempelbaukomitees die für gottesdienstliche Zwecke gemieteten und bereits bezahlten Lokalitäten nicht öffnen läßt, weil, wie aus der offenbar dem Herrn Pseudonym-Einsender entgangenen Notiz in Nr. 24 zu entnehmen ist, keine geeignete Persönlichkeit zur Leitung gefunden wurde. Auf Ersuchen mehrerer Kurgäste ließ ich daher diesen Freitag und Samstag in meinem Hotel beten. — Was den Koscherfleisch-Verkauf betrifft, so verabrei che ich aus besonderem Entgegenkommen trotz der vom Herrn Einsender ganz richtig gewürdigten Gründe auch heuer wieder solches; Beweise hiefür können diverse, hier weilende Kurgäste geben. Und es bezog sich die gefallene Aeußerung nur auf jene Herrschaften, die ihr Judentum darin dokumentieren, daß sie unter gleichen Bedingungen einem antisemitischen Hotel meinem anerkannt gut geleiteten EtablissemenV als Absteigequartier den Vorzug geben, dann aber, wenn fie Privatwohnung genommen haben, mich sehr wohl zur Befriedigung ihrer religiösen Gefühle aufzufiuden wissen. Daß ich mich solcherart nicht auszunützen lassen brauche, wird mir wohl jeder rechtlich