Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 27 (2.7.1909)
- Date
- 1909-07-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 27 Dr. Blochs Wochmschrist. Sette 471 Answauderuttg nach Zanzibar. Ueber die Auswanderung nach Zanzibar versendet die österreichische Regierung nachstehende Information: In unserer Zeit ist der Zuzug mittelloser österreichischer Auswanderer nach Zanzibar im Steigen begriffen. Dies ist auf den Umstand zurückzuführen, daß die Einwanderung in Zanzibar frei ist, wogegen ganz Südafrika, ferner Britisch- und Portugiesisch-Ostafrika durch Einwanderungsgesetze gegen die Zuwanderung Unbemittelter geschützt sind und auch die Auswanderung nach Deutsch-Ostafrika durch die vertragsmäßige Verpflichtung der deutschen Ostafrika-Linie, für die Heimfchaffung Unbemittelter zu sorgen, erschwert ist. Da Unbemittelte oder mit nur geringen Mitteln versehene Europäer in Zanzibar kein Fortkommen finden, so muß von der Auswanderung dahin dringend abgeraten werden. Minderbemittelten, welche beim Bahnbau in Daressalam oder Tanga in Deutsch-Ostafrika Stellung suchen, wäre zu empfehlen, vorerst brieflich bei der Vaudirektion von Philipp Holzmanu & Komp., Genossenschaft mit beschrankter Haftung, in Daressalam, oder deren Frankfurter Hause, oder bei der Bauleitung der Usambarabahn (Nkumbara via Tanga) anzufragen. Das strenge Regiment aus Ellis Island. Auf der amerikanischen Landungsinsel Ellis Island wird ihrem im Volksmunde lebenden Namen „die Träneninsel" immer mehr gerecht. Der neue Generalkommissär Williams gibt sich offen als Gegner der Einwanderungsfreiheit zu erkennen. Eine der schönsten Institutionen, die der gewesene Handels- und Arbeitsminifter Oskar Straus auf Ellis Island ins Leben gerufen, das staatliche Jnformationsbureau am Landungsplätze, soll nun, dank der Jntriguen der Arbeitergewerkschaften im Einvernehmen mit Generalkommissär Williams ganz ausgelassen oder zumindest zur Wertlosigkeit herabgedrückt werden. Das Jnformationsbureau stand mit allen Fabriken, Farmen und Großhändlern in steter Verbindung und hatte ursprünglich den Zweck, den Einwanderer Arbeitsgelegenheit auf dem Lande nachzuweisen und auf diese Weise eine Verteilung der Einwanderer über das ganze Land zu fördern. Die Gewerkschaften,, unterstützt von Williams, haben nun dem gegenwärtigen Handelsminister Nagel ein Memorandum überreicht, in welchem diese Tätigkeit des Jnformationsbureaus bekämpft und behauptet wird, daß dieses staatliche Jnformationsbureau die Arbeiter des Auslandes gewissermaßen zur Einwanderung aufmuntere und auf diese Weise den einheimischen Arbeitern immer neue Konkurrenten ins Land bringe. Das Memorandum hatte bereits die Wirkung, daß das Jnformationsbureau von nun ab sowohl an Arbeiter, wie auch an Arbeitgeber nur dann Informationen erteilt, wenn es darum ersucht wird. Ein jüdischer Bürgerkongreß in Rußland. Jetzt, nachdem die Warschauer und Wilnaer Rabbinerkonferenzen ihre Arbeiten vollendet und die Ergebnisse ihrer Beratungen bereits der Regierung unterbreitet haben, wollen nun die jüdischen Bürger, die in diesen beiden Konferenzen nur sehr schwach vertreten waren, gleichfalls eine große Konferenz abhalten, in welcher mehr wirtschaftliche und Schulsragen erörtert werden sollen. Die Bewegung geht von den Führern der Kownoer Judengemeinde aus, die an die Regierung das Ersuchen stellten, im Laufe des Sommers eine große Konferenz abhalten zu dürfen, an welcher Juden des Kownoer und eventuell auch anderer Gouvernements teilnehmen sollen. Da der Kownoer Generalgouverneur auf Befragen der Regierung gegen eine solche Konferenz nicht nur keine Einwendung erhob, sondern die Abhaltung derselben für notwendig erklärte, dürfte die Konferenz demnächst stattfinden. Die vom Komitee, an dessen Spitze Herr Wolf aus Kowno steht, der Regierung vorgelegte Tagesordnung, enthält die folgenden Beratungsgegenstände: 1. Die Lage der jüdischen Handwerker im südwestlichen Teile Rußlands. 2. Mittel zur Verbesserung ihrer Lage und Stärkung ihrer Produktionsmittel. 3. Die Fleisch- und Lichtabgabe in ihrem Verhältnisse zur Reform des jüdischen Gemeindewesens. 4. Verbesserung des Unterrichtes in den Talmud-Thoraschulen. 5. Regulierung der Tätigkeit der jüdischen Wohlfahrtsvereine. Vermischtes. KranzablösungSfpeudeu zugunsten der Chetvra-Kadtscha in Wie« I., Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Albert Glück: Von Jacques Landesmann K 15.—. Emanuel Adler 10.—, Bernhard Fleißig 10.—, H. M. 30.—. Franz Meix 15. Leopoldine und Benedikt Hirschhorn 15—, Sigmund Löwy 20.—, Emanuel Heim 5.—, Hermann Adler 5.—, Josef Uprimny 10.-, S. Uprimny 5.—, zusammen X 140.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Ludwig Brieß: Von Emil Brieß, Olmiitz kl 50.—, Josef und Adele Bermann, Olmütz 50.—, Familie Schreiber, Baden 100.—, Richard Brieß, Olmütz 40.—, Julius Brieß, Olmütz 50 —, Flora und Gustav Fürth, Budweis 50.—, Rudolf Brieß, Olmütz 20.—, zusammen X 360.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Betti Neuwald: Von Therese May L 20.—, Gisela Drechsler 10. -, Familie A. Rosenzweig 10.—, zusammen X 40.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Hermann Fischer: Von Dr. Alois Weinberger K 20.—. Anläßlich des Ablebens der sel. M ar i e P h i l i p p: Von Max Sonnenschein X 5.—. Anläßllch des Ablebens der sel. Marie Schmidt: Von Dr. Leuchter X 10.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Katharina D u s ch n i tz : Von Rosa Porges X 20.—. Wien. (Israelitische Kultusgemeinde.) Die Einschreibungen für den Ferialkurs an der hebräischen Leseschule im XX. Bez., Kluckyzasse 7, I. Stock, finden Montag den 5. und Mittwoch den 7. Juli 1909, von 2 — 3 Uhr im Lokale der Bibelschule, (XX., Kluckygasse 7, I. Stock) statt. Dreißig Jahre Lehrer. Am 27. v. M. waren es dreißig Jahre, daß Herr Heinrich Berger in die damalige Schule von Rudolfsheim als Unterlehrer eintrat. Er wirkt nunmehr durch 26 Jahre als Lehrer ununterbrochen in der Schule Fünfhaus, Dadlergaffe 9. Bei den Vorgesetzten ob seiner Fähigkeiten geschätzt, bei den Kollegen beliebt, ebnete er jedem Talente, das er in seiner Schülerschar entdeckte, durch Rat und materielle Unterstützung den Weg zur Ausbildung. Die Mittel zu diesem stillen Wohltun mußte sich Berger, selbst armer Leute Kind, erst durch geistige Arbeit verdienen. Als ihm der Tod sein neunjähriges Töchterchen entriß, machte er aus + ersparten 1000 Kronen eine Stiftung für arme, würdige Waisenmädchen. Seit 1891 bekleidet Lehrer Berger im Zentralverein für Lehrlingsunterbringung in Wien das unbesoldete Amt des Schriftführers. Als dem Verein durch Entziehung verschiedener Subventionen nahezu die Existenzmöglichkeit entzogen wurde, hat er geholfen, den Verein zu konsolidieren nnd ihm einen Reservefond zu schaffen. Wien. (I ü d i s ch e s M u s e u m.) Die Sammlungen werden am 1. Juli für die Dauer der Sommermonate geschloffen und wird deren Wiedereröffnung gegen Ende September bekanntgegeben werden. Für Vereine und Körperschaften kann über Vereinbarung mit dem Bureau der Gesellschaft, I., Krugerstraße 8, auch während der Ferien eine Besichtigung des Museums erfolgen. Wien. (Befähigungsprüfung für Kindergärtnerinnen.) An der mit der israelitischen Kinderbewahranstalt vereinigten und mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen ersten Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien, II., Schiffamtsgasse 15, (gegr. 1868) fand am 22. Juni d. I. unter dem Vorsitze des Herrn k. k. Landesschulinspektors Hofrat Dr. R i e g e r die Befähigungsprüfung statt, bei welcher sämtliche erschienenen Kandidatinnen approbiert wurden. Anmeldungen für den 42. Jahrgang des Kindergärtnerinnenkurses und für den damit verbundenen Bonnenkurs werden bei der Direktion jederzeit entgegengenommen, welche auch über Wunsch Prospekte versendet. Wien. („L i w i a t Che n“, II., Stefaniestraße 2.) Samstag, den 3. Juli 1909 nachmittags 5 Uhr findet ein^ Vortrag des Herrn Ignatz R o s n e r statt. Thema: „Sprüche der Vater".