Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 27 (2.7.1909)
- Date
- 1909-07-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 27 Dr. Blochs Wochenfchrist. Sette 467 der schon früher manchen Juden von Plan kennen gelernt, erlaubte sofort den Flüchtlingen, sich in Knttenplan niederzulassen, er wies ihnen einen ziemlich großen Platz im Süden des Städtchens an und erlaubte ihnen auch, eine Synagoge zu bauen. Drei Jahre später war die Synagoge fertig, ein schöner Holzbau, welcher 10 Quadratmeter umfaßte. In demselben Jahre noch wurde Abraham Broda ben Saul (geb. 1940 in Bunzlau. gest. 11. April 1717 als Rabbiner von Frankfurt am Main) von Lichtenstadt nach Kuttenplan berufen. Wiewohl er blvß ein Jahr funktionierte, haben sich von ihm mehrere Takanot erhalten, wie er überhaupt das Takauotbuch in Kuttenplan anlegte, dessen getreue Kopie aus 1768 sich bis jetzt erhalten hat. Durch große Privilegien für Handel, welche der Graf seiner Judenschaft erteilte, wurden die Juden der Umgebung herangelockt, und schon zehn Jahre später war ihre Anzahl auf 35 Familien gestiegen. Nun wollten aber die bereits ansässigen keinen Zuwachs mehr dulden, sie versammelten sich in der Sy iagoge und unterschrieben Alle insgesamt ein Aktenstück, daß sie die Aufnahme keines einzigen Juden mehr in ihre Gemeinde gestatten werden. Mit der Wohlhabenheit der Gemeinde stieg auch die des Tempels. Vier Thorarollen waren bereits in der Lade, das Klei Kodesch wurde von Jahr zu Jahr vermehrt und die Judeuschaft sah sich auch mit der Zeit genötigt, daran zu denken, den Tempel umzubauen. Dieser stand nämlich am äußersten Südostwinkel des Platzes und war Wind und Wetter ausgesetzt; als auch zwei Feuersbrünste ausgebrochen waren und der Tempel mit genauer Not nur gerettet wurde, trat am Chol-ha-Moed des Sukkot 1756 eine Asifah im Tempel zusammen, und nach langen Beratungen wurde beschlossen, sich an den Grafen mit der Bitte zu wenden, er möge den Umbau des Tempels gestatten. Von dem Gemeindeschreiber wurde nun das Gesuch aufgesetzt, das sich im Originale erhalten hat und welches ich seines Inhaltes und der Ausführung wegen hier wiedergebe; auch die Unterfertigten auf dem Gesuche spielen irr der Geschichte^ der Juden von"Kuttenplan eine hervorragende Rolle. Das Bittgesuch lautet: Ibro Excellenz! Hochgeborner Reichsgraff! Gnädig hochgebittender Herr Herr! Ibro boeb Reichs graffliche Excellenz und Gnaden mit gegenwärthig-fussfälliger Bitte anzugehen giebet unss ursacb die Schlechte Beschaffenheit un miserable stand unsserer Synagog sambt der darin stehenden Rabiners wohnung, welche gebände wie es die namentliche JHre Würtschaff Beamte Vermög der eingenohmenen Beaugenscheinigung selbst Bekennen müssen, dergestalten Baufällig, und Beym einfallen der nassen Wetter so wassersichtig, dass wir Bei nnsseren Bett-Stunden kein*augenblück nicht sicher seyend, ob uns nicht je Einst dieses gantze Baufällige werk über den Kopf zusammenfallen därtte wess-enthalben dann sowohl, als wegen dem beim nassen Wetter hinn reindringenden vollen Gewässer dass gewöhnliche gebet zu gott dom allmächtigen auf gebührende Arth niemahlen verrichtet werden kann. Bey welchen umbständen da nicht nur allein unsser Leben in die augenscheinliche ge fahr gesetzet, sondern auch wfeillen gedachter gebäu von puren Holtz aufgeühret jedesmaligen Feuersfahr (welche gott der allmächtige zu allen zeithen gültigst abwenden wolle) unterworffen ist, so haben wir unss diessen Beyden gefährlichen und zu befürchtenden Übeln vor zu biegen unss samentlich entschlossen Besagt-Baufällig und von rytel Holtz auf geführte Hüte einreissen und eine neue Von Mauerwerk aufbauen zu lassen; Da aber diesse unssere entschliessung ohne der obiigkeitl®. Hohen Bewilligung und gnädigen erlaubens den gewünschten entzweck nicht erreichen mag; Dahero an Eüer Hoch-Reichs gräffliche Excellenz und gnaden unsser fussfällig - demüthigstes Bitten verwenden, Hochselbste geruhen Gnädig unss die Hohe erlaubnuss zu ertheillen, womit wir Besagtermassen anstadt der jetzig-Baufällig- und von Holtz gebauten Schule eine neüe von Mauerwerk aufbauen därfften, welcher gnädigen Bittgewähr wir unss getröstende in aller unterthänigsten respect leben und ersterben werden. Jhro Hoch-Reichsgrafflichen Excellenz und Gnaden Berl Löbl Juden Richter alda ’TJD -iJD “OW BK2 Löbl Honig Master Jud. m. p. srp b'b rm.T aUerunterthanigste Kuttenplanner jüdengemeinde. Auf der Außenseite des Doppelbogens ist folgende Adresse angegeben: An Jhro Hochreichs-Gräffi. Excellentz Dem Gross Hoch und Voll gebohrnen Herrn Herrn Sigismund des heyl. Röm. Reichs Graff Von und zu Haimbhaussen, Erb- und Grund Herr dero Herrschafft Kuttenplan, Heys: Ernütz Khotten Neüdorff und Ritterguth Herrenbergs: Jhro Churfürstl. Durchl. in Bayern Camerer Würth & geheimber Rath. Obristland. Müntz-Meister und Bergwerkhe Director Jhro Hoch Reichsgräffl. Excellenz unsseres gnädig: Hochgebithenden Graffen und Herre Herrens Unterthanigstes Bitten von uns Jnne Benanden“. Das Dekret mit der Erlaubnis, Welches der Graf Hainhausen « Außenseite des Bittgesuches links von der an ihn gerichteten Adresse eigenhändig niedergeschrieben hat, lautet: Den Supplicanten wird auss Hoch. Herrschaft« Gnade Jhre Schull von neüen erbauen und zu erweitern erlaubt, jedoch sollen sie sich an welcher Seithe die erweitterung beschicht mit dem Grundt in Haben Vergleich nach geschehender aber einen Keiss wie diesse von Steiner zu errichten kommet, verfertigen lassen und solchen gnädiger grundtobrigkeit einreichen. Sigl. ~ ocbris Kuttenplann den 16j_ Sigmund g N Haimbhausen. Es dauerte aber noch volle zwei Jahre, bis man an den Bau des Tempels schritt. Es wurde ein Buch angelegt, in welchem die Beiträge eingetragen wurden; sie wurden nicht nur von den ordentlichen Mitgliedern (Baale Batim) der Gemeinde erhoben, sondern auch von den Gewölbedienern (Meschorsim) und den sich vorübergehend in der Gemeinde aufhaltenden (.Orchim) behoben. Dieses Buch der Einnahmen und der Ausgaben für den Tempelbau hat sich im Original und vollständig erhalten. Als Hauptbeteiligte an den Spenden erscheinen 33 Familien mit einem Gesamtbeträge von 5788 fl. 88 Kr. Konventionsmünze. Die Ausgaben sind in 504 Einzelposten eingetragen, und schwanken letztere zwischen 6 Kreuzern und 250 fl. Die Steine wurden von den Steinbrüchen hinter Plan, die Ziegel vom nahegelegenen Grämling gebracht, und bis zu ihrer Verwendung auf dem Friedhofe untergebracht. Zn den hohen Feiertagen t&vpn September 1759 war der Tempel fertig. Es ist dies ein 13 Meter hoher Kuppelbau, der von keinen Säulen getragen wird. Ursprünglich führten 5 Stufen in das Innere hinab; nach den Renovierungsarbeiten aber vovl Jahre 1852 wurde auch die Diele aufgeschüttet, das Almemor hinausgefchafft, und zur schon vorhandenen Galerie an der Südseite noch eine zweite im Westen erbaut, welche aber die Schönheit des Tempels sehr beeinträchtigt. Ueber der Eingangstüre stehen nur die Worte b B*pn rosa nrroa „Gegründet im Jahre 519 der Weltschöpfung." Jüdische Flüchtlinge ans Persien in der Türkei. Anläßlich der persischen Unruhen haben sich zahlreiche verfolgte Juden in das Amtshaus des türkischen Konsulats geflüchtet, woselbst sie Schutz fanden. Diese Schützlinge der türkischen Regierung wendeten sich nun an den Chacham Baschi nach Konstantinopel mit dem Ersuchen, er möge ihre möglichst schleunige Uebernahme in den türkischen Staatsverband durchsetzen. Die meisten von ihnen, die auch einiges Kapital gerettet haben, haben sich bereit erklärt, im Falle ihnen die ottomanische Staatsbürgerschaft zugefichert würde, sich in der Türkei niederzul-issen. Zum Tode Gorvins. Nach langem und schweren Leiden starb in New-Iork vor kurzem der bekannte jüdische Dramaturg Jakob Gordin im 60. Lebensjahre. Der Verblichene stammte aus Südrußland. Seine schriftstellerische Tätigkeit begann er in den 80er Jahren als Mitarbeiter von russischen Journalen. Er wurde bald ein begeisterter Anhänger der Tolstoischen Ideen, die zu jener Zeit in der russischen Intelligenz großen Anklang fanden. Gordin, der ein wirkungsvoller Redner war, sammelte um sich viele jüdische junge Leute und begründete eine „Biblische Brüderschaft", die ein „geläutertes Judentum" nach Tolstoi's Prinzipien erstrebte. Gordin wurde jedoch von der russischen Regierung wegen seiner idealen Tätigkeit verfolgt, und so mußte er Rußland verlassen und nach Amerika auswandern. Hier begann sein Wirken auf dem Gebiete der jüdischen Dramaturgie. Er verfaßte mehr als 50 Theaterstücke in jüdisch-deutscher Sprache, die fast ausschließlich das neuzeitliche Repertoire der jüdischen Bühnen in Amerika und Rußland bilden. Mit Jakob Gordin begann die moderne Reformierung des jüdischen Theaters in liierarischkünstlerischer Hinsicht — und in ihm hat es nun seinen bedeutendsten und fruchtbarsten Träger und Schöpfer verloren. Boykottierung einer Tramway. Aus Jassy meldet man: Ein Kondukteur der Tramway wollte nicht halten, als ein jüdischer Leichenzug passierte, und verursachte dadurch eine Panik. Die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde führten bei der Tramway-Direktion darüber Beschwerde, wurden aber unter antisemitischen Schimpfworten hinausgeworfen. In Folge dessen beschlossen die jüdischen Einwohner von Jassy,