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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-07-02 · 27 (2.7.1909) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
27 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 466 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 27 zehn Mark Geldstrafe. Der Amtsanwalt hatte gegen dieses Urteil Berufung bei der Trier Strafkammer eingelegt, weil ihm das Strafausmaß nicht hoch genug erschien. Das Gericht bestätigte jedoch das Urteil, indem es als strafmildernd annahm, daß die beiden Weiber noch heute von der Wahnidee befangen seien, der Handelsmann habe ihre Kühe behext. _ Eine Verfügung des Rektors der Grazer Universität. Der Rektor der Universität Graz hat die Kassierung sämtlicher im Vestibül der Universität angebrachten Ankündigungstafeln der akademischen Korporationen mit Ausnahme der fachwissenschaftlichen und humanitären Vereine verfügt. Anlaß zu dieser Maßregel bot die von unbekannter Hand erfolgte Beschädigung der Ankündigungstafel der jüdisch-nationalen Verbindung „Charitas". Die Maßregel war den Studenten durch eine Kundmachung des Rektorates schon im Dezember vorigen Jahres angedroht worden für den Fall, daß eine der angebrachten Tafeln beschädigt werden sollte. Dekoration Day Ln Amerika. Der 31. Mai ist die nationale Jahreszeit nach den gefallenen Helden im amerikanischen Bürgerkrieg. Alljährlich an diesem Tage wandern hunderttausende Menschen zu den Gräbern der gefallenen Helden, um sie in dankbarer Erinnerung mit Blumen zu schmücken. Viele Juden sah man, wie immer, auch dieses Jahr in den verschiedenen Friedhöfen, um auch der jüdischen Helden zu gedenken, die für die Freiheit der neuen Republik, für die Freiheit ihrer neuen Heimat ihr Leben ließen. Aus Anlaß der diesjährigen Dekoration Day, schrieb ein New- Iorker englisches Tagblatt: „Nicht alle Amerikaner wissen es, welche Rolle die Juden damals im Heer und in der Flotte gespielt haben. Mögen Sie es nun wissen, daß David de Leon die amerikanische Armee im Kriege gegen Mexiko kommanditierte und für seine Heldentaten dann vom Kongreß öffentlichen Dank erhielt. Mögen sie alle Halt machen beim Grabe des Majors Alfred Mardochai, der ein hervorragender Gelehrter der Kriegswiffenschast war; dann am Grabe seines Sohnes Philipp, der Professor für militärische Taktik war. Gedenket des jüdischen Vizeadmirals Uriah Philipps-Levy, der bis zu seinem im Jahre 1862 erfolgten Tod eine hohe Stellung in der Flotte innehatte. Er war einer der Edelsten, dem die Abschaffung der Körperstrafe in der Marine der Vereinigten Staaten zu danken ist. In diesem Bürgerkrieg haben auf beiden Seiten viele Juden bekämpft. Außer den gewöhnlichen Soldaten, sei nur auf Meier Asch, Nathan Menken, Louis Maier u. a. hingewiesen, die Staabsoffiziere des Generals Pope und Grant gewesen. Doktor Morris, Herman Asch, Mayor Moses, Kapitän Dessler, Oberleutnant Jsak Neumann haben sich durch ihren Mut ausgezeichnet. Im letzten Krieg gegen Spanien zogen über 4000 Juden in unseren Reihen gegen den Feind und der erste Amerikaner, der in der Schlacht gefallen, war ein Jude. Es gibt also genug jüdische Söhne, Töchter und Mütter, die die Gräber derjenigen ihrer Blutsverwandten besuchen können, die ihr Leben für die Freiheit Amerikas geopfert haben. Ein Oberleutnant billig zu verkaufen! Das „Berliner Tagblatt" enthielt vor kurzem folgendes Inserat: Junger Oberleutnant, evangelisch, hübsche Erscheinung, sucht auf diesem Wege die Bekanntschaft einer israelitischen Dame, 18—23 Jahre, mit einem Vermögen von 150 bis 250 Tausend Mark, möglichst disponibel, zwecks Heirat zu machen. Diskretion sichere auf Ehrenwort zu. Anonym zwecklos; ernstgemeinte Nachrichten, möglichst mit Bild, erbitte. Ein neuer englischer Minister. London. Die kürzlich erfolgten ministeriellen Veränderungen sind ohne jede politische Bedeutung und rein Gesundheitsrücksichten zuzuschreiben. Lord Fitzmaurice, welcher im 63. Lebensjahre aus dem Kabinet scheidet, ist seit langem kränklich und bedarf völliger Ruhe. Der neue Kabinetsminister Herbert Samuel - ist der Sohn des Liverpooler Bankiers Samuel und israelitischen Glaubens. Als Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern kodifizierte er im vorigen Jahre alle auf den Schutz des Kinderlebens bezüglichen Gesetze und führte die umfangreiche Childrens-Bill durch alle parlamentarischen Klippen der königlichen Sanktion zu. Er ist ein vorzüglicher Debatter, im Umgänge überaus still und sympathisch und gilt vielfach als der kommende Mann innerhalb der liberalen Partei. Judenansweisungen in Rußland. Lemberg. Wie aus Kiew gemeldet wird, wurden aus Anlaß der bevorstehenden kirchlichen und nationalen Feier in Poltawa mehr als tausend jüdische Bewohner angewiesen, diese Ortschaft zu verlassen. Auf Grund einer zweiten Ministerialverordnung wurde ihnen auch verboten, sich in Sommerfrischen in der Umgebung von Poltawa aufzuhalten. Eine Deputation der Judengemeinde hat sich nach Petersburg begeben, ihre Vorstellungen blieben aber erfolglos. Rumänische Judenausweisungen. Aus J'assy wird der „N. I. K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Sämtliche jüdische Weingarten-Pächter aus den Jassy benachbarten Gemeinden wurden aufgefordert, sofort die Gegenden zu verlassen, obwohl sie schon seit 30 und mehr Jahren dort ansässig sind. Diese Aufforderung wird dadurch begründet, daß den Juden der Aufenthalt in den Dorfgemeinden verboten ist. Es herrscht große Panik unter der jüdischen Bevölkerung, die nun ihr ganzes Hab und Gut in Gefahr sieht. Die Juden haben sich an die oberen Behörden telegraphisch gewandt, es wurde ihnen aber geantwortet, daß dies eine Angelegenheit der Dorfgemeinden sei. Der Vater der amerikanischen Finanzresorm gestorben. In Newyork starb der berühmte Bankier Lazarus Silverman im Alter von 70 Jahren. Silverman hat seinen Namen zuerst berühmt gemacht, als er während des Bürgerkrieges ein Infanterie-Regiment organisiert und auf eigene Kosten erhalten hat. Im Jahre 1873 begab er sich persönlich nach Washington, um dem Senator Sherman sein Projekt zur Sanierung der amerikanischen Finanzen vorzulegen. Der Plan wurde dann auch im Kongreß angenommen und ist seither als lex Sherman bekannt. Der erste jüdische Bürgermeister im Staate Oregon. In Portland, Staat Oregon, wurde, wie die „Newyork Times" melden, der gewesene Senator Joseph Simon zum Mayor der Stadt gewählt. Er trug gegen den früheren Mayor den Sieg davon. Simon, ein Jude, der aus Deutschland stammt, steht im 58. Lebensjahre und nicht nur der erste jüdische Bürgermeister im Staate Oregon, sondern ist auch einer der ersten jüdischen Senatoren in den Vereinigten Staaten. Erbauung des Tempels von Kuttenplan im Jahre 175». Von Dr. Sch. Ochser. Als im Jahre 1686' die Gräfin Maria Maximilian« von Sinzendorf die Juden auf ewige Zeiten aus Plan vertrieben hatte, wandte sich der weitaus größte Teil der Planer Judenschaft an den Reichsgrafen Sigmund Hainhausen mit der Bitte um Aufnahme in seinem Sitze Kuttenplan. Der Graf, ein Mann von hoher Bildung,

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