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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-07-02 · 27 (2.7.1909) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
27 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 464 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. r-7 Die Eroberung Palästinas. Als unsere Väter müde waren, die Sklaven Pharaos zu sein, zogen sie aus und kämpften für ein eigenes Land. Es war ein langer und harter Kampf, es brauchte vierzig Jahre, bevor sie vorbereitet waren, ihn zu beginnen und selbst als der Kampf beendet war, war es ihnen nicht gelungen, alle Stämme zu vertreiben, die die Besitzer von Palästina gewesen. Aber schließlich war das Land fertiggestellt. Es war ein Land mit besäeten Feldern, solid gebauten Städten und terrasfenartigen Hügeln, ein Land,'das bewässert war und ebenso von Master floß, wie von Milch und Honig. „Ich habe euch rin Land gegeben, für welches ihr nicht gearbeitet habt", sagt der Vers von Josua, und „Städte, die ihr nicht gebaut und ihr wohnet in ihnen. Aus den Weingarten und Olivengärten, die ihr nicht gepflanzt, esset ihr." Aber ein solches Land kann nur mit Militärgewalt genommen werden, so wie Deutschland Elsaß und Lolhringen nahm. Der Jude von heute kann unmöglich ein Land mit dem Schwerte erobern. Er kann keine eigene Armee stellen, obgleich er in allen Armeen kämpft. Das einzige Land, das ihm offen steht, ist dasjenige, das er im Wege friedlicher Kolonisation erreichen kann. Wahrscheinlich erwarteten Sie, daß ich sagen werde, dasjenige, welches für Gold zu haben ist. Aber kein jüdisches Land ist für Gold zu haben. Sie können ein Stück Land kaufen, aber Sie können kein Land kaufen. Ein Land kann nur aufgebaut werden im Wege allmählicher Kolonisation. Nun muß ein Land, in welchem die Kolonisation zugelasten wird, entweder unentwickelt oder bereits dem Verfalle anheimgestellt sein: ein neues Land, wie Brafilien, das niemals Bewohner hatte, oder ein altes Land, wie Mesopotamien, das seine Bewohner verloren hat. Mesopotamien als künftiges jüdisches Zentrum. Es ist Ihnen bekannt, daß die „Jto" das alte Land Mesopotamien gewählt hat, um es dem jüdischen Volke an erster Reihe zur genauen Besichtigung zu. empfehlen. Was ist und wo liegt eigentlich dieses Mesopotamien? Es ist ein vernachlässigtes Gebiet des türkischen Reiches mit wenigen Städten und geringer Einwohnerzahl, von denen einige sich friedlich angesiedelt haben, die Mehrheit jedoch aus wilden Nomaden besteht und nur dem Namen nach unter türkischer Aufsicht steht. Es besitzt deshalb auch keine genau bestimmte Zivilisationsform, die geeignet wäre, die Juden in eine fremde Form umzumodeln. Für den Flüchtling aus Rußland liegt es jenseits des Schwarzen Meeres, und wenn die Bagdadbahn und andere Bahnlinien fertiggestellt sein werden, wird dieses Land ein viel entsprechenderes Zentrum sein als New-Aork. Dieses wunderbare Land ist aber nicht unbedingt entsprechend für Europäer. Von 12.000 Tscherkessenfamilien, die versucht haben, sich dort anzusiedeln sind dort heute nur noch hundert vorhanden. Da wir jedoch sehen, daß unsere Vorväter hier Generationen hindurch gediehen und daß zahlreiche Juden auch heute noch in Abessinien und Arabien leben, so ist es möglich, daß der jüdische Stamm sich der Sommerhitze bester anpaffen könne als die durchschnittliche weiße Rasse. Der südrussische Jude, der sich sowohl in erster Reihe von dem jenseits des Schwarzen Meeres gelegenen neuen Lande angezogen fühlen würde, ist bereits an einen sehr warmen Sommer gewöhnt, überdies wäre das Klima nach Beseitigung der Sümpfe und Tümpel viel erträglicher. Dieser Punkt muß sorgsam betrachtet werden, und zwar betrachtet werden von dem gesamten jüdischen Volke in gemeinsamem Rate. Hat aber einmal die Untersuchung ergeben, daß Mesopotamien ein Klima besitzt, in welchem der russische Jude arbeiten und seine Kinder zu gesunden Menschen erziehen könnte, so müßte dieses Land zu dem Zentrum gemacht werden, in welches die ganze künftige jüdische Emigration allmählich stufenweise gelenkt werden sollte. Wir kommen nun zur dritten unserer drei Fragen: Wird die Türkei ihre Zustimmung geben? Wird die Türkei darein willigen, Mesopotamien zu einem Mischen Heimatland umgestaltet zu sehen? Nun denn, mein Freund Richter Sulzberger aus Philadelphia veröffentlichte die Tatsache, daß ich vor zehn Jahren das Mesopotamienprojekt Dr. Herzl privatim unterbreitete und es ist kein Geheimnis, daß der Sultan gewillt war, in Mesopotamien jüdische Kolonien erstehen zu sehen. Der Sultan hat sich jetzt nach Saloniki, der jüdischsten Stadt der Türkei zurückgezogen und die Jungtürken beherrschen die Situation. Und wie denken die Jungtürken? Nun denn, ein Korrespondent der „Times" erzählt uns, daß „die neue türkische Regierung im Prinzipe die allerwichtigste Tatsache erfaßt habe, daß die Entwicklung Mesopotamiens eine der besten und sichersten Aktivposten der unmittelbaren Zukunft bedeute." Hier müssen nun die Juden ansetzen. Die Türkei hat kein Geld, um ihren Besitz zur Entwicklung bringen zu können, kein Geld, um die großen Bevölkerungs- und Eisenbahnpläne, welche mit der Entwicklung Hand in Hand gehen müssen, durchzusühren. Und hätte sie auch Geld für Mesopotamien, so hat sie keine Bevölkerung dafür. Sir William Willcocks ist im Jrrtume, wenn er den Wert des bewässerten Landes nach der Analogie von Indien oder Egypten berechnet. Wie unser Freund Mr. Joseph Fels uns stets in Erinnerung ruft, ist es die Bevölkerung, die den Wert eines Landes ausmacht. Indien und Egypten haben fruchtbare Bevölkerungen zu.ernähren und der Bodenpreis wächst dementsprechend. Hingegen sind in Kanada Millionen Acres Land vorhanden, jedes Stück so gut, wie Mesopotamien selbst nach der Bewässerung sein wird, und jeder, der sich entschließt es zu nehmen und zu bearbeiten, kann eine Area von 160 Acres umsonst haben. Ein unbevölkertes Land ist, wie Sie sehen, auf dem Markte wertlos. Und wer ist da, um das Land Mesopotamien zu kultivieren? Wer. die Eisenbahnen auszubauen, und was noch wichtiger ist, um auf ihnen zu fahren? Sind es etwa die Kurden und Beduinen? Werden sie ihre Schlachtrosse verkaufen und sich als Farmarbeiter ansiedeln? Die Türkei kann das Geld nur vom ausländischen Jnvestator bekommen und wer würde ungezählte Millionen für Wasserwerke und Eisenbahnen gegen so weit entrückte Rückzahlung investieren wollen? Das große jüdische Aktivum. Die City von London ist voll mit Landentwicklungs- Gesellschaften, aber worin liegt die eigentliche Schwierigkeit all dieser Gesellschaften? Daß sie keine Einwanderer finden können. Erst jüngst kam ein Vertreter einer Gesellschaft zu mir, der mir für Zehntausende jüdischer Einwanderer Land offerierte; sogar ihre Spesen sollten bezahlt werden. Was lag diesem Anbote zugrunde? War es eine Wohltat für die Gesellschaft. In unseren 100.000 jüdischen Einwanderern jährlich besitzt das Judentum ein fast so großes Aktivum, wie die Türkei in Mesopotamien, und es bleibt für mich ein ewiges Rätsel, weshalb jüdische Finanziers diesen Reichtumsstrom nicht anzapfen, indem sie die Einwanderung auf einem durch sie erworbenen Territorium konzentrieren, anstatt ihn nach allen Richtungen fließen und jedes Land nur kein jüdisches bereichern lassen. Es ist kein Wunder, daß Achmed Riza Bky die Juden nach Mesopotamien eingeladen hat. Die Die Juden besitzen einen unbezahlbaren Schatz und sie betrachten ihn bloß wie eine elende Last, ähnlich dem Manne, der vergißt, daß der Sack, unter welchem er ächzt, sein eigenes Geld enthält! Jahre hindurch legte ich dieses Mesopotamien-Projekt unseren allerbedeutendsten Finanziers vor, nur, um immer von Neuem zu hören, daß der Moment noch nicht reif war, und hätte die „Jto" es nicht jetzt veröffentlicht und gesucht, in der jüdischen Welt das Gefühl für diese Krise in der jüdischen Geschichte aufzustacheln, so wäre diese Gelegenheit, wie so viele jüdische Gelegenheiten, bald für immer an uns verübergegangen. Mesopotamien bedarf der Bewässerung und der Immigration. Aber die Türkei kann keines von beiden beschaffen. Die Juden können beides beistellen. Hier bietet sich also eine für beide Teile vorteilhafte Kombination. Durch die Bewässerung und Regenerierung Mesopotamiens würde eine Charteret! Company, praktisch genommen, fast buchstäblich ein Land schaffen, wie wenn sie eine neue Insel aus der See hervorbringen würde und die sich ergebenden Ansprüche des jüdischen Volkes auf dieses Land und seine rechtmäßige Macht über dasselbe würden ihm eine jüdische Zukunft sichern. . (Schluß folgt.)

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