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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-06-25 · 26 (25.6.1909) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
26 (25.6.1909)
Date
1909-06-25
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 458 Nr. 26 Dr. Vlochs Wochenschrift. Welt; die größten Schiffe können hier bis ans Ufer kommen. Meffina ist nicht so groß wie Palermo und hat auch nicht so gute Quellen, aber die Stadt ist sehr schön und hat eine starke Festung. Es sind hier an 400 jüdische Familien, die ruhig in einer eigenen Straße leben; sie sind reicher als die in Palermo, und fast alle sind Handwerker; doch gibt es auch einige Kaufleute unter ihnen. Sie besitzen eine Synagoge mit einer „Aksadra“ (Almemor) in der Mitte, die oben offen, aber an den Seite» geschlossen ist; in der Synagoge ist ein Brunnen mit Quellwasser. Sie haben etn* Verwaltung, bestehend aus Auserwählten (Vorstehern), die jedes Jahr neu ernannt werden und sind in dieser wie auch in andern Einrichtungen den Juden in Palermo ähnlich. Ich habe bei einer Trauung, der ich selbst angewohnt habe, folgendes gesehen: Man hat die Braut, nachdem man die sieben Segeussprüche verrichtet hatte, auf ein Pferd gesetzt; sie ritt durch die Stadt. Dw ganze Gemeinde ging vor ihr her zu Fuß, der Bräutigam befand sich in der Mitte der Nettesten, und vor der Braut, die allein nur zu Pferde war,, trugen Jünglinge und Kinder brennende Fackeln und machten ein lautes Jubelgeschrei, so daß die ganze Stadt erschallte; mau machte die Runde in den Straßen und in allen jüdischen Höfen; die christlichen Bewohner sahen es mit Vergnügen, und niemand störte die Festlichkeit. Am elften Marcheschwan verließen wir Meffina, um nach Rhodus zu gehen." Interessant ist an diesem Briefe, daß derselbe nur vier Jahre vor der gänzlichen Austreibung der Juden aus Sizilien abgefaßt ist und deshalb wohl der letzte Bericht über die dortigen Inden ist. Denn diese Vertreibung erfolgte schon im Jahre 1492 fast gleichzeitig mit der Vertreibung der Juden aus Spanien. Sizilien gehörte nämlich zu jener Zeit zu den Kronländern Spaniens und unterstand der Herrschaft Ferdinands des Katholischen. Auf seinen Befehl mußten im Jahre 1492, im gleichen Jahre, da in seinem Dienste Columbus Amerika entdeckte, über 100.000 Juden Sizilien und über 300.000 Juden Spanien verlassen, ein furchtbarer Schlag für das ganze Judentum. Seit dieser Vertreibung hat sich in Sizilien keine jüdische Gemeinde mehr gebildet und hat auch wohl kein jüdischer Gottesdienst mehr stattgefunden. Nur in Lecce versammelte vor vier Jahre« zu Rösch Haschonoh 1904 ein jüdischer Regierungsbeamter die Glaubensgenossen, deren Namen er in Erfahrung bringen konnte, zu dem ersten Gottesdienste. Literatur. Wetstein gf. H. .pbis2 bnnvnn^in1? (S. A. aus „Haeschkol" VI) Krakau 1909, 8°. S. 25. Der durch seine Beiträge zur Geschichte der Juden in Polen. bekannte Krakauer Privatgelehrte F. H. W e t st e i n bietet in der vorliegenden Arbeit weitere schätzenswerte Studien zur Geschichte der Juden in Polen im allgemeinen sowie zur Familien- und Gelehrtengeschichte im Besonderen. Kapitel I behandelt die Eintreibung der Judenfieuern im XV. und XVI. Jahrhundert, stellt gegen Harkavy fest, daß schon zu Ende des XV. Jahrhunderts jüdische Steuerpächter dokumentarisch nachgewiesen werden können. Die Genealogie des aus Deutschland stammenden Generalpächters (Ephraim) Fischl wird mit sicherer Hand auf Grund der Daten in den Krakauer Gemeindebüchern mit gewohnter Meisterschaft hergestellt. Die zweite Studie gilt dem Pilpul-Schöpfer Jakob Pollak, dem Urheber eines drei Jahrhunderte lang das Leben der Nation beherrschenden Schrifttums, der aber selbst keine Bücher schrieb. Es ist das Schicksal dieser auch als Charakter hervorragenden Persönlichkeit, daß bei der Feststellung seiner Lebensdaten sehr viel pilpulisiert wurde. Wetstein sucht nun auf Grund gesicherter Tatsachen, die allerdings bisher nicht unbekannt waren, einigermaßen das Dunkel zu lichten. Kapitel III behandelt den Arzt Samuel, den Hofmedikus der Königin Bona, der Gemahlin des polnischen Königs Sigmund I., und seine Nachkommenschaft in Krakau. Kapitel IV schildert die „Freudfeier""der Krakauer Juden im Jahre 1564, von welcher eine kurze' Notiz im Chewrabuche berichtet. o'a m- -mn-n 2imn -in-s t-id rro N"2V tik Wetstein vermutet aus Grund zeitgenössischer, jüdischer und nichtjüdischer Quellen, daß die Feier erfolgte aus Anlaß des Befehles Sigmund Augusts an die Krakauer Stadtverwaltung auf Zurücknahme des gegen die Juden erlassenen Ediktes, wonach es den christlichen Einwohnern verboten wurde, an die Juden im Weichbilde der Stadt Häuser und Geschäftsläden zu vermieten. Im Anschlüsse daran wird ein anziehendes Bild von der Lage der Juden unter dem letzten Jagellonenkönig entworfen. Zum Schluffe werden endlich einige beachtenswerte Berichtigungen zur Biographie des bekannten Moses Jsserles geboten. — n Ei« ausländisches Urteil über einen österreichischen Synagogalkomponiften. Unter dem Titel „DieEntwicklung des Synagogengesanges seit Lewandowsky" bespricht der Dessauer Fach- und Musikreferent Herr Albert Weilt im Hamburger „Israelitischen Familienblatt" die Schöpfungen unserer zeitgenössischen Synagogen- Komponisten, lenkt im weiteren Verlaufe seines gediegenen und lichtvollen Referates unsere Aufmerksamkeit auf die musikalische Art von Synagogen-Komponisten, die innerlich weit über Lewandowsky hinausgegangen sind und die unbeschadet dessen dennoch den altjüdischen Charakter in ihren Werken zu wahren wußten, und verweist schließlich in seinen intereffanten Ausführungen auf den jüngsten unserer Synagogen-Komponisten, Herrn Oberkantor Heller in Brünn. Herr Referent Weill schreibt hierüber wörtlich folgendes: „Ich muß Ihnen von den modernsten unserer Synagogen-Komponisten Kunde geben, den wir wieder unter die Meister rechnen dürfen, weil er ein Neues darstellt und weil mir in ihm Keime einer Entwicklung zu liegen scheinen, die auf eine große Zukunft hinweist. Ein junger Kantor, Joses Heller in Brünn, zugleich Direktor der dortigen Kantoren-Bildungsanstalt, hat vor drei Jahren unter dem Titel r6nn?ip zwei Bände vierstimmiger Chöre und Soli für den israelitischen Gottesdienst herausgegeben, die Freitagabend- und Sabbatgesänge umfassen. In feinem Vorwort erklärt es Heller als seine Absicht, „nicht Neues allein, sondern hauptsächlich das alte Chasonus in eine Form zu fassen, die dem heutigen Zeitgeist und modernen Gottesdienst entsprechen soll." Und diese Absicht ist dem jungen Meister denn auch in ganz außerordentlicher Weise gelungen. Man hat bei diesen Kompositionen Hellers das Gefühl, etwgs Urjüdischem und doch auch wieder etwas völlig Neuem gegenüber zu stehen. Alles Banale und Triviale ist streng vermieden; ein hoher Ernst durchzieht diese Gesänge, die aus einem echt jüdischen, tief religiösen Gemüte geflossen sind und von ungewöhnlicher musikalischer Durchbildung ihres Verfassers Zeugnis ablegen. Die Schönheiten dieser Gesänge liegen aber nicht an der Oberfläche; sie offenbaren sich erst dem, der sich dem Studium des Werkes mit Eifer hingibt. Die Chöre sind schwierig und erfordern, wenn sie gelingen sollen, lange und gründliche Arbeit. Die Rezitative bringen einfaches, aber in seinem urjüdischen Charakter durchaus echtes Chafonus. Ganz besonders hoch, oft sogar sehr schwierig, sind die Aufgaben, die Heller dem Vorbeter stellt; er gleicht darin Kirschner und will, wie dieser, durch weitgesteckte Ziele den modernen jüdischen Kantor zu einer Höhe emporführen, auf der sich echtes Kunstempfinden mit jüdischem Gefühl und jüdischer Ausdrucksweise in durchaus harmonischer Art vereinigen. Der Orgelsatz Hellers ist von großer, oft allzugroßer Prachtentfaltung und folgt den Spuren Löwenstamms und Kirschners in der selbständigen, musikalisch durchaus gediegenen Ausgestaltung; als Beispiel erlaube ich mir, Ihnen inm pm vorzutragen. Die Fortsetzung des Hellerschen Werkes, die Festtagsgesänge enthaltend, darf mit Spannung erwartet werden. Es ist eine neue, entwicklungsfähige Art, die sich in Heller auftut, und wir vertrauen der Zukunft, die uns noch Großes von ihm bringen wird." Mayer Fr. M. Geschichte Oesterreichs mit besonderer Rücksicht auf das Kulturleben, Wien und Leipzig 19o9, Wilh. Braumüller. Von der dritten Auflage des bekannten Geschichtswerkes liegen die ersten drei Lieferungen (ä K 2 40) vor. Was wir an der 2. Auflage entschieden tadeln mußten, war eine Befangenheit gegen die Juden, die sich, um nur ein Beispiel anzuführen, soweit verflieg, über das berüchtigte Wiener Judenbrennen 1421 mit den Worten hiuwegzugleiten (S. 471): 1421 „sollten sie verbrannt werden". Wenn schon die Urkunden dem Verfasser nicht deutlich genug sprachen, so hätten die vernichtenden Urteile über jene Barbarei bei Kurz und Vancsa, von Karajan u. a. zu schweigen, ihn doch stutzig machen müssen. Wir hoffen zur Ehre des sonst so brauchbaren Buches, daß derartige Verstöße gegen die historische Wahrheit in der neuen Auflage vermieden werden.*) *) Die soeben erschienene 4. Lieferung entspricht bereits zur Ehre des Buches unserer Hoffnung.

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