Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 26 (25.6.1909)
- Date
- 1909-06-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021818-3021845--18428-3043355- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
. Seite 456 Dr. Blotzs Wochenschrift. Nr. 26 des Kaisers im vorigen Jahre ausgezeichnet wurde. Se. Exzellenz hat sich nun nicht damit begnügt, den Vorsteher der Gemeinde in denkbar freundlichster Weise zu empfangen, sondern es hat, mau darf sagen, eine Ueberraschung hervorgebracht, als bekannt wurde, daß der Herr Statthalter dem Herrn Karlsbader Kultusvorsteher in feiner Wohnung einen Gegenbesuch abgestattet hat. In den Kreisen der in Karlsbad anwesenden Judenschast wird dieser Besuch lebhaft besprochen und hat das größte Interesse erregt. Preuzlau. Dem Dr. med. Julius Lieb recht, Sohn des Herrn Moritz Liebrecht, ist auf sein Ansuchen von der Reichsregierung gestattet worden, einen Teil seines praktischen Jahres in Jerusalem zu absolvieren. Kein Koscherfleifch Verkauf in Bad Ischl. Wir erhalten folgende Zeilen mit der Bitte um Veröffentlichung : „Löbliche Redaktion! Kürzlich las ich in Ihrem werten Blatte, daß es in Bad Ischl den Bemühungen verschiedener Faktoren gelungen ist, den jüdischen Kurgästen einen regelmäßigen Sabbath-Gottesdienst zu sichern. Das ist gewiß sehr löblich. Viel wichtiger aber wäre es gewesen, den zahlreichen jüdischen Familien, die ihren Haushalt rituell führen wollen, die Erfüllung dieses Bedürfnisses zu ermöglichen. Bis nun hat ein hiesiger, jüdischer Hotelier aus besonderem Entgegenkommen, jüdischen Familien, die darum ersuchten, Koscherfleisch verkauft. Er erklärte jedoch Ende der vergangenen Saison, daß er dies künftighin nicht mehr tun werde. Man kann dem Manne diese Weigerung nicht verübeln; denn er ist schließlich Restaurateur und nicht Fleischhauer und braucht sich nicht selbst Konkurrenz zu machen. Was sollen nun aber die vielen Familien tun, die zu hause Menage führen? Der Bezug von Koscherfleisch aus Linz ist überaus kompliziert und in der heißen Jahreszeit aus sanitären Gründen bedenklich. Ich glaube, die Wiener israelitische Kultusgemeinde würde sich ein großes Verdienst erwerben, wenn sie — etwa im Einvernehmen mit der Linzer Kultusgemeinde — diesem Mangel abhelfen würde. In der Hoffnung, daß dieser Appell die berufenen Stellen zu einer Aktion veranlaßt, zeichnet mit bestem Danke für die Veröffentlichung ergebenst I. K" Daruvar. Auf seiner Rundreise durch das Komitat PoLega traf der Banns Se. Exzellenz Baron Rauch am 17. d. M. in unserem Städtchen ein, woselbst ihm von der ganzen Bevölkerung ein herzlicher Empfang zuteil wurde. Im Lesesaale des Kurparkes wurden von Sr. Exzellenz Deputationen empfangen. Auch die israel. Kultusgemeinde hatte eine Huldigungsabordnung entsandt. Auf die kroatische Ansprache des Flihrers der Deputation, Sr. Ehrw Herrn Bez.-Rabb. Dr. M. Frankfurter, erwiderte Se. Exzellenz, daß er sich seiner Pflicht bewußt sei, alle Konfeffioncn mit gleichem Maße zu messen, und gab die Versicherung, daß er stets darauf achten werde, die dem Judentume gesetzlich verbrieften Rechte unverkürzt zur Geltung kommen zu laßen. Nachmittag 4 Uhr besuchte Se. Exzellenz in Begleitung des Obergespans Junkoviö, des Vizegespans Krir und vieler anderer Honoratioren die Gotteshäuser aller Konfessionen, darunter auch die Synagoge. An der Synagoaenpforte wurde der Banus von dem Gemeindevorsteher Herrn F. Glück kurz begrüßt und zum Sitz geleitet. Bei seinem Eintritte in die Synagoge wurde vom Kantor Rothstein das Lornell-Labc, intoniert, worauf Ma towu folgte. Se. Ehrw. Herr Rabb. Dr. Fraukftrrter richtete hierauf an Se. Exzellenz herzliche Worte der Begrüßung in deutscher Sprache. Herr Rabb. Dr. Frankfurter lenkte in seiner Ansprache die Aufmerksamkeit des Banus auf oas Treiben des kroatischen antisemitischen Hetzapostels Obradobie und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Landesregierung beizeiten Vorkehrungen.treffen werde, um die Juden vor den traurigen Folgen dieser lügenhaften Ausstreuungen und Verleumdungen zu schützen. Der Besuch des Bauns in der Synagoge — so führte der Redner aus — sei ein Beweis dafür, daß Se. Exzellenz die Verdienste der Juden um das kroatische Vaterland anerkenne, so sind sich denn die Juden des Schutzes Sr. Exzellenz bewußt. Mit einem herzlichen Zivio auf den Banus, in das die zahlreich versammelte Gemeinde einstimmte, schloß Se. Ehrw. seine schöne Rede. Der Banus dankte hierauf in kroatischer Sprache für die herzliche Begrüßung und sagte u. A.: Hier an heiliger Stätte vor Gott, vor dem wir ja alle gleich sind, gebe er die Versicherung, daß ihm. wie unserem geliebten Könige, dessen Stellvertreter er ja sei, alle Bürger des Staates, gleichviel welcher Konfession, welcher Nationalität sie auch angehören mögen, gleich nahe stehen. Diejenige Regierung, die die Rechte einer Konfeffion zugunsten einer anderen verkürzen würde, wäre nicht würdig, den Namen Regierung zu führen. Das Judentum könne sich stets seines Schutzes versichert halten. Mit der kroatischen Hymne schloß die kurze, aber erhebende Feier. Se. Exzellenz dankte nochmals Sr. Ehrw. und unterhielt sich mit ihm einige Minuten. Unter lebhaften Ziviorufen verließ der Banus mit seinem Gefolge, sichtlich befriedigt, die Synagoge. Dem zu Ehren Sr. Exzellenz veranstalteten Bankette wurde Se. Ehrw. Herr^Rabb. Dr. Frankfurter zugezogen. Paris. Die diesjährige Generalversammlung der I. E. A. findet am 11. Juli, 10 Uhr vormittags, statt. Der erste weibliche Rechtsanwalt in Rußland. Vorige Woche wurde in der Petersburger Universität unter besonderer Feierlichkeit der ersten Rechtsanwältin in Rußland das Advokatendiplom überreicht. Die neue Advokatin ist Fräulein Dr. Katharina Fleischer, eine Jüdin, die in Paris das Doktorexamen gemacht und Nachher an der Petersburger Universität die Advokatenprüsung mit Auszeichnung bestanden hat. Feuilleton. Der letzte Krricht «der die jüdischen Gemeinde« in Sizilien. Aus einem Reiscbriefe des R. Obadjah aus Bartenuro vom Jahre 1488. Von R. Obadjah aus Bartenuro in Italien (gest. 1510), der seine Berühmtheit hauptsächlich seinem Kommentar zur Mischnah verdankt, der allen Mischnahausgaben beigedruckt ist, sind zwei in hebräischer Sprache abgefaßte Reisebriefe aus den Jahren 5248 (1488) und 5249 (1489) im Original erhalten. Diese Briefe, welche hauptsächlich die damaligen Gemeindeverhältnisfe im Orient behandeln, befinden sich in Deutschland in Privatbesitz. Die „Deutsch-Jsr. Ztg." entnahm dem ersteren dieser Briefe einen Bericht über die Mdischen Gemeinden Siziliens. „Meine Trennung hat Dir Kummer und Leiden verursacht und ich bin untröstlich, daß ich Dich zu einer Zeit, wo Deine Kräfte schwinden, verließ; und wenn ich daran denke, teuerer Vater, daß ich Dein graues Haupt zurückgelassen habe, so kann mein Auge sich der Tränen nicht erwehren. Ist mir nun das Glück, Dich bedienen zu können, wie es sich gebührt, versagt, da Gott einmal unsere Trennung beschlossen, so will ich Dir wenigstens meine Reise von Anfang bis zu Ende mitteilen, und zwar in einer solchen Weise, wie Du es in Deinen Briefen, die mir im vorigen Jahre um diese Zeit in Neapel zugekommen, wünschest, nämlich: Sitten und Gebräuche der Juden in allen Orten, wo ich hingekommen, und deren Zusammenleben mit den andern Einwohnern dieser Städte. Nachdem ich alles am ersten Tage des neunten Monats (Sivan 5246) in meinem Aufenthaltsorte Castello*) fertig gebracht hatte, begab ich mich nach Rom und von da nach Neapel, wo ich am 12. Sivan anlangte; hier weilte ich lange Zeit, da ich kein Fahrzeug nach meinem Wunsche vorfand. Ich ging nach Salerno, wo ich wenigstens vier Monate unentgeltlichen Untericht gab, und kehrte dann wieder nach Neapel zurück. Im vierten Monate am Fasttage (10. Tebeth) 5247 reiste ich von Neapel mit dem großen und herrlichen Schiffe Messen Belanez (?) ab, und wir waren neun Juden auf demselben; es dauerte fünf Tage bis wir nach Palermo kamen, da es Windstille war. Palermo ist die Hauptstadt von Sizilien; es finden sich hier an 850 jüdische Familien, alle in einer Straße, welche im besten Teile der Stadt gelegen ist, wohnend. Sie sind Handwerker, als: Kupfer- und Eisenschmiede, Lastträger und *) Wahrscheinlich Eastel im Neapolitanischen.