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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-06-25 · 26 (25.6.1909) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
26 (25.6.1909)
Date
1909-06-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 452 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 26 demnach einerseits vom Staate, andererseits von der Gemeinde für die jüdischen Religionslehrer gesorgt werden. Die Repräsentanz beschließt auf Grund dieses Referates nach kurzer Debatte, die Aeußerung der Prager Gemeinde-Repräsentanz in Druck zu legen und sämtlichen Gemeinden in Böhmen zuzuschicken, damit eine möglichst einheitliche Antwort auf deL-Erlaß des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht erteilt werde. Hierauf werden auf Grund des Referates des Herrn Dr. N. L. Kohner zwei Leopold v. Portheim'sche Stiftungen verliehen. Kulturelle Bestrebungen der Orthodoxen in Ungarn. Aus Budapest wird uns geschrieben: Eine Deputation der Vorstehuug und des Vertretuugskörpers der Pester autonomen orthodoxen israelitischen Religionsgemeinde unter der Führung des Präsidenten Moses Freudiger, Vizepräsidenten Dr. Jakob Schächter und Oberrabbiners Koppel Reich erschien vor einigen Tagen beim Bürgermeister Dr. Stefan B ä r c z y, dem der Sprecher der Deputation Dr. Jakob Schächter eine Denkschrift überreichte, in welcher die Religiousgemeiude mitteilt, daß sie in der Kazincy-utcza eine moderne Synagoge, eine Rabbinerwohnung und Gemeiadegebäude, sowie ein Elementar- und Bürgerschulgebäude zu errichten beabsichtige. Die Bauten beanspruchen etwa eine Million Kronen. Da die Religionsgemeinde nicht in der Lage ist, diese große Summe aus Eigenem zu decken, richtet sie an die Hauptstadt die Bitte um einen Betrag vou 200 000 Kronen. Oberrabbiner Koppel Reich richtete sodann au den Bürgermeister eine gehaltvolle Ansprache, in welcher er dessen Tätigkeit in schwungvollen Worten würdigte und ihm sodann den Segen erteilte. Bürgermeister Dr. Stefan Bärczy erklärte, die Bitte der Religionsgemeinde mit größter Freude zu unterstützen; sei es doch Pflicht der Häuptstadt, alle kulturellen Bestrebungen zu fördern. Auszeichnung jüdischer Arbeiter. Ans Budapest wird uns geschrieben: Der Landes-Jndustrieverein hat auf Vorschlag der Direktion der Kattundruckindustrie- und Textil-Haüdelsaktiengesellschaft Jakob Fürst und Söhne die Fabriksangestellten Gersou Klein und Ignaz Max in den eigenen Lokalitäten unter den üblichen Feierlichkeiten mit der silbernen Arbeitermedaille ausgezeichnet. Beide Arbeiter sind seit dreißig Jahren in den Diensten der Fabrik tätig und haben sich durch unermüdlichen Fleiß und Tüchtigkeit die größte Zufriedenheit und das Vertrauen ihrer Chefs erworben. Mittags gab die Fabriksdirektion zu Ehren der beiden Angestellten in der Altofner „Kronen-Restauration" ein Bankett, an welchem die Chefs Berthold und Ladislaus v. Fürst, ferner die Fabriksleituog, das Beamtenkorps, die Meister, die älteren Arbeiter und der Vertreter der Bezirksvorstehung teilnahmen. Die Direktion überreichte bei dieser Gelegenheit den beiden Gefeierten wertvolle Geschenke. Ignaz Spitzer-Straße in Arad. Wie erinnerlich, hat der vor kurzem in der ungarischen Stadt Arad verstorbene jüdische Millionär Ignaz Spitzer sein ganzes Vermögen der Stadt Arad und den dortigen jüdischen und interkonfessionellen Humanitären Anstalten testiert. Einige Verwandte des Verblichenen drohten wohl das Testament des Wohltäters anzugreifen, doch ist ein Ausgleich zustande gekommen und die verschiedenen Institute können nun ungehindert in den Genuß der Legate treten. Die Stadtkommune Arad hat nun auf Antrag des. Bürgermeisters beschloffen, das Andenken des Wohltäters in der Form zu ehren, daß eine der schönsten Straßen der drittgrößten Stadt Ungarns mit dem Namen Ignaz Spitzers benannt werde. Diese Ehrung wird um so höher eingeschätzt, als die nunmehrige Ignaz Spitzer-Straße bisher nach dem in Ungarn in hohen Ehren stehenden Palatin, Erzherzog Josef, den Namen Palatinstraße geführt hat. Karl Goldmark, Ehrendoktor. In den Kreisen der Mitglieder der Ungarischen Mufikpädagogischen Gesellschaft ist xine Bewegung eingeleitet worden, welche den Zweck hat, die Ernennung des aus Ungarn stammenden berühmten Mufikdichters Karl Goldmark zum Ehrendoktor durchzusetzen. Im Interesse der Verleihung des Ehrendoktorates werden schon demnächst hervorragende Musiker die erforderlichen Schritte unternehmen. Das Kriterium einer jüdischen Kultusgemeinde. Aus Budapest wird uns geschrieben: Kultus- und Unterrichtsminifier Graf Apponyi hat mit Berufung auf einen älteren Ministerialerlaß die grundsätzliche Entscheidung gefällt, daß als selbständige israelitische Religionsgemeinden nur jene Religions- ' gemeinden zu betrachten sind, in denen die Rabbinerstelle besetzt ist. Dementsprechend hat der Minister an mehrere Religionsgemeinden in der Provinz, darunter auch Temesvar, in denen die Rabbinerstelle derzeit unbesetzt ist, die Aufforderung gerichtet, diese Stelle innerhalb sechs Monate zu besetzen, widrigenfalls sie ihren Charakter als Muttergemeinden verlieren. Auszeichnung eines jüdischen Malers. Aus Budapest wird uns berichtet: In hiesigen Kunstkreisen hat es große Befriedigung hervorgerufen, daß die Große goldene Medaille der Münchener Internationalen.Kunstausstellung dem aus Ungarn stammenden Maler Jsak Perlmutter zugeurteilt wurde. Wie die meisten jüdischen Künstler hat auch Jsak Perlmutter von seinen ungarischen Landsleuten gar keine Förderung erfahren, trotzdem er in Budapest geboren wurde, daselbst seine Studien absolvierte und sogar seinen ersten Malunterricht in Budapest in der Schule Karlowskys genoß. Jsak Perlmutter mußte sich, wie so viele ungarisch-jüdische Künstler seinen Ruhm im Auslande holen. Schon in Paris, als er im Julian Schüler Le Fsbres und Robert Fleurys gewesen, wurde er mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt und als die Sieger des Prix de Rome ihren Einzug in die Ewige Stadt hielten, blieb Perlmutter der umschwärmte Stolz des Ateliers, bis er nach Holland ging. Das Reich Rembrandts war seine „erste Liebe" und blieb es auch bis heute, obgleich ihm seine chauvinistischen Landsleute gerne „Vaterlandslosigkeit" vorwerfen. Jetzt, da der Künstler die hohe Auszeichnung heimgebracht hat, entdeckt man auch zuhause in ihm den großen ungarischen Künstler und man verzeihe ihm seine Selbständigkeit und man vergißt gerne, daß er Perlmutter und noch dazu Jsak heißt .... Große Spende für soziale Hilfe. Aus Lemberg wird berichtet: Herr Josef Philipp, Mühlenbesitzer in Lemberg, übergab dieser Tage dem Vorstande der hiesigen Kultusgemeinde einen Betrag von 40.000 Kronen zur Schaffung eines Fonds zur Errichtung von billigen gesunden Wohnhäusern für arme jüdische Familien. Herr Philipp erklärte sich bereit, falls auch von anderes Seite für denselben Zweck größere Spenden gemacht werden, eine weitere große Zuwendung zu machen. Vorläufig sollen die Zinsen der Stiftung armen jüdischen Familien als Subvention, die sich aus Eigenem kleine, entsprechende, gesunde Wohnungen zu mieten vermögen, zugewiesen werden. Bischof und Rabbiner. Wir entnehmen dem „Egyenlöseg" vom 13. d. M. folgenden Bericht: Der reformierte Bischof des trans-dunabischen Kirchen - distriktes und Oberhausmitglied Gabriel Antal feierte am 8. d. M. sein vierzigjähriges Amtsjubiläum. Alle Bischöfe und Oberkuratoren der zwei protestantischen Kirchen in Ungarn waren zur Begrüßung des verdienstvollen Oberhirten erschienen, selbstverständlich auch der Oberkurator desselben Kirchendistrikts, Graf Stefan Tisza, der frühere Ministerpräsident. In der Reihe der Konfessionen erschien auch die Komorner Gemeinde, deren Führer und Sprecher, der Oberrabbiner Dr. Armin Schnitzer, in ebenso gedankenreicher, als tiefempfundener Rede den Jubilanten begrüßte. In seiner Ansprache hob er hervor, daß wir in einer Zeit leben, in der an die Stelle wahrer Religiosität der rauhe, lieblose Geist des Konfessionalismus getreten, der die Schranken, welche den Menschen vom Menschen trennen, noch höher auf-

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