Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 26 (25.6.1909)
- Date
- 1909-06-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3020846-3021818-3021845--18423-3043350- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 26 De. Blochs Wochenschrift. Sette 451 vom besten Schneider, der Kopf schmal und fein, die Schläfen eingesunken und die Adern daran sichtbar, die Stirne hoch, teils von Haus aus, teils durch die Flucht des dünnen aschblonden Haares, Wange und Oberlippe von spärlichem, in jedem Jahre anders gefärbten Haare fast bedeckt, schmale Lippen, fast zwei rote Notenlinien, und die Augen, blaue Augen hinter Gläsern hervorblitzend. So stechende Augen, mit einer Art von Spießblicken, hat man selten auf sich gerichtet gesehen." Man munkelte in Paris, daß Offenbach den „bösen Blick" habe, und etwas dämonisch Unheimliches ging wirklich von seiner Erscheinung aus. In seiner Häuslichkeit herrschte Offenbach als Tyrann und zeigte sich in Kleinigkeiten als Geizhals, obgleich er im Großen nobel und verschwenderisch auftreten konnte. Seinen Gästewsetzte er schlechteren Wein und schlechtere Zigarren vor, als er selbst zu sich nahm. Kein Ton durfte in seinem Hause erklingen, der nicht von ihm selbst komponiert war, und darum begrüßte es seine musikalische Frau als Erlösung, wenn er einmal verreiste, denn dann konnte sie doch auch in der Musik anderer Komponisten schwelgen. Unter den Bewunderern von Offenbachs Kunst befand sich übrigens auch Kaiser Wilhelm 1., der besonders bei seinem Badeaufenthalt in Ems stets im Theater war, so oft man ein Werk von Offenbach gab und den Komponisten, der ebenfalls durch Jahrzehnte einen Sommermonat in Ems zuzubringen pflegte, zu sich beschied und mit Freundlichkeiten überhäufte. Gegen die russische Anleihe. Aus London wird uns geschrieben: Das Komitee zur Bekämpfung einer geplanten russischen Anleihe in England verteilt in Hunderttausenden von Exemplaren eine Flugschrift, in welcher die Wertlosigkeit der russischen Papiere nachgewiesen und das Publikum aufgefordert wird, die russischen Papiere in jeder Form zu boykottieren. „Die finanzielle Lage des russischen Reiches", heißt es in der Flugschrift, „ist selbst nach Aussagen des Referenten der Finanzkommission Tscherewansky eine abnormale. Der Export nimmt jährlich ab, während der Import immer mehr wächst. Auch hatte das Land seit der Hungersnot im Jahre 1892 noch niemals so sehr an Mangel von Lebensmitteln gelitten, wie gerade jetzt. Die Hoffnung der Regierung stützt sich auf die Erhöhung der Steuern und Abgaben, es ist jedoch sehr zweifelhaft, ob selbst dieses Auskunftsmittel das Reich in die Lage versetzen wird, seinen Verpflichtungen nachzukommen". Ueberdies sei es auch moralische Pflicht eines rechtlich denkenden Menschen, die Unterstützung eines Reiches der unglaublichsten Ungerechtigkeiten und Unmenschlichkeiten, energisch von sich zu weisen. <% - Eine Rede des Präsidenten Taft in der Synagoge zu Pittsburg. Anläßlich einer Durchreise sprach der Präsident auf Veranlassung des Rev. Dr. I. Leonard Levy in der Synagoge. Er führte ungefähr folgendes aus: „Ich betrachte es als einen großen Vorzug, hier vor diesem intelligenten und patriotischen Publikum zu erscheinen, infolge der Aufforderung Ihres Führers, Ihres Rabbi, der ein intimer Freund meines Vorgängers war und der, wie ich annehmen darf, jene Freundschaft auch auf mich übertragen hat. Ich freue mich, hier in diesem schönen Gebäude zu sein und so zu zeigen, daß unsere Regierung für alle Völker gleich ist und daß die konstitutionelle Vorsehung weise war, als sie erklärte, daß für unser Land keine religiösen Vorschriften existieren. Als Präsident der Vereinigten Staaten fühle ich mich in diesem jüdischen Tabernakel ebenso zu Hause und so wohl geborgen als in irgend einer anderen Kirche des ganzen Landes. Das Gebet, dem wir jetzt gelauscht, ist so voll menschlicher Liebe und Güte, daß es unsere Engherzigkeit und Bigotterie beschämen muß. In keiner Krisis der Geschichte des Landes noch unter irgend einer Bedingung haben die jüdischen Bürger je die höchsten Erwartungen des Patriotismus unerfüllt gelassen. Ich baue auf Ihre Unterstützung, wie Sie solche meinen Vorgängern gewährt haben, mit dem intensiven Wunsch, dieses Land wahrhaft groß und gut zu machen." New-York. 30. Mai 1909. König Eduard und der jüdische Erfinder. Wie der „Daily Telegraph" berichtet, fand vor Kurzem im königlichen Palast zu London, in Gegenwart des Königs Eduard VII. die Demonstration einer intereffanten Erfindung eines aus Rußland eingewanderten Juden statt. Der Erfinder Sigmund Kutnow demonstrierte eine ganz neuartige Uhr, die eine Revolution auf dem Gebiete der Uhrenfabrikation herbeizuführen bestimmt ist. Die neuartige Uhr schlägt nicht und tickt nicht, verhält sich immer ruhig. Wodurch sie sich besonders fÜL Krankenzimmer eignet und hat den Vorzug, tausend Tage, ohne aufgezogen zu werden zu gehen. König Eduard sowie eine Anzahl hervorragender Fachleute zollten dem Erfinder große Anerkennung. Korrespondenzen Prag. (Aus der israelitischen Gemeinderepräsentanz.) Unter Vorsitz des Präsidenten Herrn Dr. Arnold Rosenbacher fand Sonntag, 11 Uhr vormittags, im neuen Sitzungssaale des Rathauses eine Sitzung statt, welche zum größten Teile mit Beschlüffen über Verleihung von zahlreichen Stiftungen ausgefüllt war. Zu Beginn der Sitzung teilte der Präses mit. daß der erste Vorsteher der Alt-Neu-Synagoge ein schriftliches Gesuch überreicht habe, die ihm mittels Beschluffes der Repräsentanz gegebene Frist, bis 25. d. M. eine Generalversammlung der Mitglieder der genannten Synagoge einzuberufen, bis zum 29. d. M. zu verlängern. Die Fristerstreckung wird ohne Debatte genehmigt. Der Vorsitzende teilt weiter mit, daß sowohl der israelitische Landeslehrerverband, als auch der Rabbinerverband im Jahre 1907 an das Kultus- und Unterrichtsministerium eine dringende Eingabe gerichtet haben, die Verbefferung der materiellen Lage der Lehrer und Rabbiner zu initiieren. Das Kultusministerium antwortete auf dieses Gesuch in einem sehr umfassenden Erlasse, in welchem es darauf hinweist, daß es mit Rücksicht auf die den israelitischen Gemeinden gewährte Autonomie eine direkte Einflußnahme in dieser Frage nicht üben könne, daß jedoch die Staatsregierung in der Hinsicht einzuwirken vermag, daß. sie die Gemeinden, welche nicht leistungsfähig find und ihre Rabbiner und Lehrer nicht hinlänglich zu dotieren vermögen, als nach dem Gesetze nicht berechtigt, selbstständige Gemeinden zu bilden, aufzulösen bereit sei. Weiter teilt das Kultusministerium mit, daß die Regierung im Wege der Bezirkshauptmannschaften den israelitischen Gemeinden nahelegen wolle, ihre Lehrer und Angestellten und insbesondere natürlich auch die Religionslehrer beffer und entsprechend zu bezahlen und auch für die Witwen- und Waisenpenfionen zu sorgen. Der Erlaß wurde der israelitischen Gemeinde-Repräsentanz initiiert, mit dem Bemerken, sich bis 1. August d. I. über denselben zu äußern. Der Vorsitzende bemerkt, daß sich dieser Erlaß auf Prag wohl nicht beziehen könne, da weder die Lehrer noch die Rabbiner hier schlecht honoriert seien, und daß mit Nachdruck darauf hingewiesen werden muß, daß die Prager Gemeinde für ihre Rabbiner, Lehrer und sonstigen Angestellten entsprechend Sorge trage; daß aber staatlicherseits sowohl für die Religionslehrer mosaischen Glaubens an Mittelschulen, als auch an Volks- und Bürgerschulen in höchst mangelhafter Weise (der Vorsitzende gebraucht hier einen noch viel schärferen Ausdruck) gesorgt sei. Diese Augestellten erhalten wohl Remunerationen, aber weder für ihre Witwen, noch für ihre Waisen werde vom Staate vorgesorgt. Man müffe ganz offen diesen Uebelstaud rügen, denn für die Religionslehrer aller übrigen Konfessionen werde vom Staate gesorgt, nur nicht für die der mosaischen Religion. Es sollte