Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 25 (18.6.1909)
- Date
- 1909-06-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 442 Dr. Blochs Wochenschrfft. Nr. 25 beigelegt, und als solcher, wenn auch nicht als Diener, darf ich mir wohl gestatten, in einer so wichtigen Angelegenheit auch meine Meinung abzugeben. Schon lange strebt der Sinn der edlen Tochter dieses Hauses danach, dem Geliebten ihres Herzens folgen zu dürfen, aber der Vater konnte sich mit dem Bündnis nicht einverstanden erklären, denn er war über die Führung des jungen Mannes, sowie über die näheren Verhältnisse seiner Familie nicht genügend unterrichtet. Heute bin ich aber in der glücklichen Lage, Euch mitteilen zu können, daß die Erkundigungen, die ich im Aufträge von Euch, teurer Rabbi, eingeholt, nach jeder Richtung hin befriedigen, ja die Familie soll sogar von der edlen Familie ,der Zachjiden italienischer Linie stammen und mit dem berühmten Geschichtsforscher Gedalja 2bn Äachjah nahe verwandt sein." „Ich bin erstaunt", sagte der Rabbi zu dem Diener, „Dich heute so sprechen zu hören, wo du doch stets derjenige gewesen, der mir so entschieden von dieser Verbindung abgeraten!" „Rur der Tor beharrt auf seiner einmal gefaßten Ansicht und läßt sich nie eines Besseren belehren, der Weise erkennt seine Irrtümer und modelt danach seine Ansichten um." „Wenn wir nach Ochiobello zur Verlobung fahren, dann bin ich mit der Abreise einverstanden", sagte die Mutter. Der Vater, erkennend, daß er sonst die Seinen nicht retten könne, willigte ein. „Run, so sei es denn", sagte er. „Fahren wir sofort nach Ochiobello, Cäsare, hole Fuhrwerk, aber sorge für einen Wagen mit schützendem Dach, denn noch während der Fahrt werden wir ein furchtbares Gewitter haben." Kaum hatte der Diener sich entfernt, so wurde es stockdunkel in dem Zimmer, sodaß einer den anderen kaum erkennen konnte. Der Wagen fuhr vor. Bianca wollte noch in ihrer Freude Vater und Mutter umarmen, aber der Vater duldete keine Verzögerung und man bestieg schnell das Gefährt. Bald kam man, wenn auch unter strömendem Regen und unter Donner und Blitz, in Ochiobello an, die beiderseitigen Eltern waren rasch einig und das Verlobungsfest wurde in großer Heiterkeit gefeiert, wenn auch Rabbi Asarjah während der ganzen Feier tiefernst blieb, konnte er sich doch nicht freuen zu einer Zeit, während der seine Mitbürger und Freunde dem sicheren Tode verfielen. Die anderen aber betrachteten die Sache als eine fire Idee des Rabbi und waren guter Dinge, zumal das Gewitter sich längst verzogen hatte und die Sonne wieder hell auf die friedliche Landschaft herniederschien. Die schönen Stunden waren bald herum, die Sonne ging unter und die Wagen standen zur Heimfahrt bereit. Man war aber kaum eine Viertelstunde gefahren, als sich den Reisenden ein schauriges Schauspiel bot. Die ganze Stadt Ferrara erschien als ein Feuermeer, es sah aus, als ob das Feuer aus der Erde und aus dem Himmel hernieder käme, um die Stadt zu verzehren: dabei hörte man ein ohrenzerreibendes Getöse; mit furchtbarem Krache stürzte eine Kirche nach der anderen in Trümmer. Wie ein Trunkener wankte die Erde hin und her. Ruhelos strebten die unterirdischen Kräfte empor und das Gebilde von Menschenhand, das Jahrhunderte in saurem Fleitze geschaffen, ward in wenigen Minuten von den ent- . fesselten Gewalten vernichtet. Es wurde Asarjah und den Seinen unmöglich, weiter vorzudringen, waren doch der Rauch und die Schwefeldünste so stark, daß sie zu ersticken drohten, und eiligst kehrte man in das Haus der neuen Verwandten, jenseits des Po, zurück. y. Vier Wochen nach den geschilderten Ereignissen. Die Stadt Ferrara war fast dem Erdboden gleich geworden. Kein Haus beinahe, das verschont geblieben wäre, auch das Haus des Rabbi war vollkommen eingestürzt und unter seinen Trümmern fand man den Diener Cäsare bei Monte mit der goldenen Chanukalampe seines Herrn in der Hand, durch Rauch und Feuer getötet. Er hatte auf die Stimme seines Herrn nicht gehört und war wahrscheinlich gerade im Begriff gewesen, seinen Raub in Sicherheit zu bringen. An einen Wiedereinzug in die zerstörte Stadt war sobald nicht zu denken. Der Rabbi zog mit Frau und Tochter nach Ochiobello. Die Hochzeit zwischen den beiden jungen Leuten wurde bald gefeiert und auch der Herzenswunsch Biancas erfüllte sich, indem ihr Gatte das Fleischergewerbe aufgab und ein eifriger Schüler ihres Vaters wurde. Die Geschichte des milerlebten schrecklichen Naturereignisses, das Gott über die Erde gebracht, legte Asarjah de'i Rossi in einem besonderen Buche nieder. Der Titel dieses Buches heißt: Kol Elotim „Die Stimme des Herrn". (.Israelit".) Das deutsche Jahrbuch der Alliance Jsraelite Universelle für 1908 ist in einem 16 Bogen starken Bande erschienen. Nicht bloß die Mitglieder der Alliance, sondern alle Freunde gelingender Kulturarbeit werden mit Interesse lesen, auf welche Weise und mit welcher Ausdauer die Alliance an der Aufgabe weiter arbeitet, die sie seit ihrem fast 50 Jahre zurückliegenden Entstehen sich gestellt hat, wie das Schulwerk bis in die fernsten Lande hin dazu beiträgt, ein unterrichtetes Geschlecht heranzuziehen, das die seitherige Rückständigkeit verläßt und neues wirtschaftliches Leben beginnt und die Schlacken abstreift, die durch andauernde Verfolgung sich gehäuft hatten. Ueberall in Uebereinstimmung mit den Staatsgewalten hat die Alliance in allen Landen die Anerkennung gewonnen, daß ihr Tun zum Segen gereicht, nicht bloß für die, die unmittelbar beteiligt find, sondern für die ganze Bevölkerung. Eine zweite Aufgabe der Alliance besteht darin, Hilfe zu bringen, wo augenblickliche Not sich zeigt, gegen Bedrückung aufzutreten und der Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen. Von besonderem Interesse auch für weitere Kreise ist in dem vorliegenden Jahrbuch der Bericht, den HerrNahum, der jetzige Chacham-Baschi der Türkei, über die Reise erstattet hat, die ihn im Aufträge der Alliance zu den Falaschas nach Abessinien führte. Eine besondere Karte von Abesfinien zeigt den Weg, den die Expedition zurückgelegt hat; Bilder von Falaschas und Falaschadörfern machen den Bericht besonders lebendig. Nicht minder lehrreich und interessant ist der Bericht, den Herr Rabbiner Dr. Porges-Leipzig über die von der Alliance zu den Allianceschulen im Orient entsandte Expedition erstattet hat. Die Anerkennung, die die Alliance in wachsendem Maße für ihr Liebeswerk genießt, findet deutlichsten Ausdruck in der stetigen und starken Zunahme der Zahl ihrer Mitglieder. Ginsburger. Die Juden in Basel. Separat-Abdruck aus der Baseler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde. Basel 1909, Druckerer Gaffer u. Eie., 120 Seiten und Grabsteinabbildungen. Diese Geschichte der Juden Basels im Mittelalter bietet zum ersten Male eine zusammenhängende, kritische Darstellung des Gegenstandes. Von besonderem Werte ist die wohlbegrünoete Vermutung, daß der als Hausbesitzer erwähnte Rabbi Rasor mit dem berühmten, spater nach Toledo ausgewanderten R. Ascher ben Jechiel identisch ist. X. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für modernes Judentum. Herausgegeben von Leo Win z. Verlag Ost und West. Berlin W 8. Organ der Deutschen Konferenzgemeinschaft, der „Alliance Jsraelite Universelle". IX. Jahrgang, Heft 6, Juni 1909. Inhalt: M. A. Klausner: Der elfte deutsch-israelitische Gemeindetaa (I). Dr. G. K u t n a: Moses in der bildenden Kunst (II.) mit 14 Illustrationen. — S. I. Anauchi: Chajim Wolterman. Dr. Max Jungmann: Träumer des Ghetto. I. Lin: Impressionen. Max Schacherl: Ein Dichterschicksal (mit Porträt). Revue der Revuen Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der „Alliance Jsraölite Universelle": I. Generalversammlung der „Alliance Jfraälite Universelle", Lokalkomitee Berlin. II. Die Zustände in Persien. III. Notizen: