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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-06-18 · 25 (18.6.1909) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
25 (18.6.1909)
Date
1909-06-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 441 Einem Toaste auf unseren Kaiser folgte ein Trinkspruch des Bürgermeisters Lettner auf Kaiser Wilhelm II. und ein hübsches Verbrüderungsfest mit den Gästen aus dem Deutschen Reiche wurde bei Gesang und deklamatorischen Vorträgen gefeiert, wozu sehr viel die überaus vorzügliche Bewirtung von Seite des Herbergsvaters Sonnenschein beitrug, bis schließlich ein improvisiertes Kränzchen den Schluß der Unterhaltung bildete, das bis 1 Uhr nachts dauerte. Die vollste Zufriedenheit im Hotel und Pension „Erzherzog Franz Carl" gab die Reisegesellschaft kurz vor dem Verlassen des schönen Bad Ischl durch Herrn Direktor Dr. Bergmann kund, indeui derselbe im Namen aller seinen besten Dank mit einem dreimaligen Hoch auf den Hotelbesitzer Sonnenschein ausdrückte. Den Damen wurden von Frau Sonnenschein zum Andenken Edelweißsträußchen überreicht. Für heuer verspricht sich Bad Ischl eine sehr gute Saison, weil die besten Wohnungen bereits vermietet sind. Damboiitz. Herr Rabbiner Hahn wurde von Seiner Majestät dem Kaiser mit dem goldenen Verdienstkreuze mit der Krone ausgezeichnet. Rabbiner Hahn wirkt als Rabbiner und Religionslehrer seit dem Jahre 1863 in Damboritz. Prag. Das jüdische Internat in Prag hat den Religionslehrer an den Volks- und Bürgerschulen in D u x (Kultusgemeinde Teplitz-Schönau) Herrn Moritz Mandl zum Internats-Direktor ernannt. Herr Mandl war bisher auch Kylonitleiter des Teplitzer Ferienheims in der Böhmischen Schweiz und wird am 1. September l. I. seinen neuen Posten antreten. Karlsruhe i. B Mit Anerkennung ist das Vorgehen ' des hiesigen Direktors des Reformgymnafiums, Herrn Professor Heimburger, hervorzuheben, der auf Veranlassung des an diesem Gymnasium angestellten Professors Schell anordnete, daß ein auf Samstag geplanter Schulausflug mit Rücksicht auf die jüdischen Schüler auf Mittwoch verlegt wurde. Lipto-Rosenberg. Herr Jakob Klein, Präsident der Rozsahegyer israel. Kultusgemeinde und Ritter des Franz Joseph-Ordens, feierte am 10. d. M. seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlasse wurden ihm von Verehrern und Freunden Ovationen zuteil. Herr Klein steht scho i über ein Vierteljahrhundert an der Spitze der Gemeinde und hat sich um deren Entwicklung unvergängliche Verdienste erworben. Am Tage des Festes waren beim Präsidenten der Gemeindeausschuß, der Schulstuhl und die Chewra-Kadischa korporativ erschienen und haben ihn in Anerkennung und Würdigung seiner um das Emporblühen unserer Gemeindeinstitutionen erworbenen Verdienste aufs herzlichste beglückwünscht. Paris. Die in Paris wohnhafte Witwe des Militärarztes Felix, die vor wenigen Wochen heimgegangen ist, hat der „Ecole Normale Orientale", d. i. der „Alliance Jsraelite Universelle", Viermalhunderttausend Francs vermacht. Ehrung des Baron Edmond de Rothschild. Wie aus Paris berichtet wird, wurde Baron Edmond de Rothschild, Mitglied des Institut äs Pranee, zum ewigen Mitgliede der „Association de la Presse de l’Institut et des Socidtös Savantes“ gewählt. Ein jüdischer Oberarzt für die Pariser Spitäler. Wie das „Journal Officiel" in Paris meldet, wurde der bekannte Pariser Chirurge Dr. Anselme Schwartz im Wege der Kompetition zum Oberchirurgen der Pariser Spitäler gewählt. Es ist dies seit Vierzig Jahren der erste Fall, daß ein Jude in Paris zu solcher Stelle erhoben wurde. Ein Jude, Dr. Marc. See, der diesen Titel führte, wurde vor 1870 ernannt. Dr. Anselme S ch w a r tz ist der Schwiegersohn des Rabbiners D e b r e und ein Bruder des Brüsseler Oberrabbiners und ist auch mit dem Sedaner Rabbiner und Publizisten Mathieu Wolfs verschwägert. Indische Einwanderung in Rew-Nork Im Monat Mai sind in New-Iork 2239 jüdische Einwanderer gelandet. Von ihnen stammten aus Rußland 1738, Oesterreich 305, Ungarn 90, Rumänien 50, England 26, Deutschland 6, der Türkei 23. 1601 verblieben in New-Iork selbst, während.638 sich nach anderen Orten'der Vereinigten Staaten begaben. Feuilleton. Gin Tag des Schreckens. (Skizze aus der Zeit der italienischen Renaissance). IV. Auf Verlangen des Rabbi rief del Monte dessen Frau und Tochter in die Studierstube, und auch er blieb auf Wunsch des Gelehrten. „Frau, Kind und Freund", Hub dieser an, „unsere Weisen sagen zwar, daß derjenige töricht sei, der eine Unglücksbotschaft dem Nächsten milteilt, das ist aber nur der Fall, wenn damit kein anderer Zweck verknüpft ist, als dem Empfänger der schlimmen Nachricht Herzleid zu verursachen, etwas anderes ist es aber, wenn man eine solche Nachricht mitteilen muß, um anderen Gutes zu erweisen oder gar, wie hier, sie vom sicheren Tvoe zu errcUeu. Aus, oiejen lsruuocu kau» ich Euch nicht verschweigen, daß in wenigen Stunden diese herrliche Stadt nichts weiter sein wird, als ein rauchender Trümmerhaufen, laßt uns deshalb so schnell wie möglich die Unglücksstätte verlassen, denn der Allgütige in seiner Gnade hat mir die Fähigkeit geschenkt, die furchtbare Gefahr zu erkennen. Dir, lieber Freund und alter treuer Diener meines Hauses, gab ich schon die nötige Weisung, wohin du dich zu wenden habest, und Ihr und ich", sagte er, zu Frau und Tochter gewandt, „wir fahren heute Mittag nach Mirandola." Da erhob sich bie Frau oes Radln m yesliger Erregung. „Verzeihe, lieber Gatte, daß ich dir widerspreche, aber wir, ich und Bianca, wir gehen nicht fort von hier, und wir Wünschen auch, daß du hier bleibst und dir die trüben Gedanken aus dem Kopfe schlägst. Siehe, wie fröhlich die Stadt ist, heute Abend gibt der Herzog ein großes Gartenfest, alle Großen der Stadt und Umgegend sind eingeladen, unsere bedeutendsten Dichter und Musiker geben herrliche Vorträge zum besten, eine Freundin einer der Hofdamen hat uns Eintrittskarten verschafft, und wir möchten sehr gerne dem wunderbaren Feste beiwohnen. Unsere Tochter war seit Monaten nicht zu bewegen, irgend ein Vergnügen mitzumachen, aus Gründen, die dir bekannt sind: heute nun ist es mir mit der größten Mühe gelungen, daß sie darein willigte, mich zu begleiten, und du willst jetzt unsere schönen Pläne zu Nichte machen? Geh^, laß ab von deinen Träumereien, der liebe Gott wird diese schöne Stadt gewiß vor Unheil bewahren." Der Rabbi, der ohnehin schon immer eine gelblichblasse Gesichtsfarbe hatte, wurde womöglich noch um einen Grad blässer. „Noschim da'ton kalaus", kam es ihm unwillkürlich heraus. „Ihr Leichtsinnigen, bei einer solchen Gefahr denkt Ihr an Gartenfeste?" „So gut der Herzog, die Behörden, ja selbst die Universität von deinen Verkündigungen nichts hielten, wird es auch uns erlaubt sein, nicht allzu fest daran zu glauben." Der Rabbi war verzweifelt. „Ein ganzes Leben hindurch habe ich Tag und Nacht studiert und gearbeitet, und nun ich durch die Früchte meines Fleißes mein und der Meinen Leben retten könnte, weigern sie sich, mir zu folgen, wehe mir!" Während dieses Gespräches stand del Monte stumm und scheinbar teilnamslos in der Ecke des Gemaches, aber in seinem Innern arbeitete es mächtig: Sollte an dem Widerstande der Frau die ganze Sache scheitern und die langersehnte Stunde immer noch nicht kommen? Wenn der heutige Tag ungenutzt vorübergeht, wer weiß, ob sich eine solche Gelegenheit sobald wieder trifft? Nun galt es, den Verstand anzustrengen, um die Absicht des Alten zur Durchführung zu bringen. Del Monte sagt darum: „Ihr habt mir. teurer Rabbi, vorhin den Ehrennamen eines treuen Freundes

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