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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-06-18 · 25 (18.6.1909) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
25 (18.6.1909)
Date
1909-06-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 440 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 25 Förderer und Berater, so daß seine zahlreichen Schüler seine eifrigsten Verehrer sind. Dabei muß hervorgehoben werden, daß das Leben in dem weltabgeschiedenen Orte Herrn Rabbiner Hahn nicht daran hinderte, die Verbindung mit dem geistigen Leben unserer Zeit aufrecht zu erhalten, so daß er mit gründlichem rabbinischen Wissen auch moderne Bildung erwarb, ein Umstand, der manchem Fremden, der ihn in amtlicher Funktion sprechen hörte, in Erstaunen versetzt und zu der überraschten Frage veranlaßt hat, wieso dieser Mann in dem bescheidenen Wirkungskreis verblieben ist. Wir aber, seine Verehrer und Schüler, viele hunderte an der Zahl und zerstreut über alle möglichen Orte und Länder, sind stolz auf den Rabbiner unserer Heimat und wünschen vom Herzen, daß er noch lange, lange Jahre in ungeschwächter Geistesfrische und bei voller Körperhaft uns erbalten bleibe. Sie, geehrter Herr Redakteur, werden uns alle — ich bin besten sicher — zu Danke verpflichten, wenn Sie anläßlich der kaiserlichen Auszeichnung des von uns hochverehrten Mannes diesen Zeilen Aufnahme in Ihrem vielgelesenen Blatte gewähren werden. Wie«. Im Bethause des Vereines „Liwias Eben", II. Bez., Stefaniestraße 2 (Stefaniehof), findet jeden Samstag, 5 Uhr nachm., ein Vortrag aus dem Perek statt, dem sich hierauf ein solcher der laufenden Paraschah anschließt. Der Vortragende, ein Privatgelehrter, unterzieht sich dieser schönen Aufgabe über Einladung des Vereines in uneigennütziger Weise und bietet damit seinen Hörern Stunden sabbatlicher Erbauung. Austritte aus dem Judentum. Vom 6. Juni bis 13. Juni 1909. Adler Adolf, Universitätshörer, geb. 4. Jänner 1S87, Wien, XVII., Parhamerplatz 16. Friedenstein Walter, Handelsakademiker, geb. 9. Februar 1893, Wien, XVIII., Pötzleinsdorferstrasse 53. Hirsch Betti, Dienstmädchen, geb. 28. Juli 1884, Wien, XX., Pielachgasse 1. Käfer Abbe, Dr., Arzt, geb. 1. August 1871, Tarnow, Galizien, XVII., Richthausenstrasse 23. Katseber Robert, stud. gymn., geb. 20. Mai 1894, Wien, derzeit in Graz. Leidler Ernst, Student, geb. 12. Februar 1884, Königl. Weinberge bei Prag, IX., Waisenhausgasse 11. Reisner Selma, geb. Friedenstein, Private, geb. 7. Mai 1881, Wien, IX , Maria Theresienstrasse 9. Salberg Julie Cäthchen, Private, geb. 15. August 1889, Ries* bach, im Kanton Zürich, Schweiz, XIX., Heiligenstädterstrasse 10. Slonitz Eduard, Reisender, geb. 11, Mai 1881, Wien, II., Körnergasse 6. Werner Hugo, Kaufmann, geb. 24. März 1882, Wien, VII., Kandlgasse 36. Hollescha«. Es ist der Zug der Zeit und auch der schwere Erwerb auf dem flachen Lande, der unsere Glaubensgenosten in die Großstadt zieht. Die Folge dieser Zeitsirömung ist, daß viele Kultusgemeinden unseres Vaterlandes gänzlich zu bestehen aufhörten, viele in der Auflösung begriffen sind und viele, deren Bestand gefährdet ist. Holleschau, früher die drittgrößte Gemeinde Mährens, mit einer Familienzahl von 354 (nach Skari), hat heute kaum die Hälfte Familien. Um so rühmender muß es daher anerkannt werden, wenn ein edler Wohltäter für den Bestand seiner Gemeinde Vorsorge trifft Der im Vorjahre verstorbene Philanthrop Herr Simson Skräinka s. A., hat in fernem Testamente vom Jahre 1907 folgendes bestimmt: „Von dem Bestreben geleitet, den Bestand der israelitischen Kultusgemeinde meiner Heimat nach besten Kräften und wenn möglich für olle Zeiten zu sichern, habe ich mich, da bedauerlicherweise die regelmäßig wiederkehrenden Einkünfte der israelitischen Kultusgemeinde Holleschau in stetiger Abnahme begriffen sind, entschloffen, derselben einen Betrag von 50.000 K (fünfzigtausend Kronen) österr. Kronentrährung zu den nachstehenden Zwecken zu widmen: Der Ertrag dieses Kapitales per 50.000 K, dies ist 2000 K jährlich, soll verwendet werden wie folgt: a) 500 K sollen alljährlich in das Budget der Gemeinde als Einnahmspost unter dem Titel „Srmon Skrainka'i'che Kultussteuer" eingesetzt werden; b) 800 K sind jährlich als Stipendien von je 200 K für vier würdige arme Hochschüler zu verwenden; der Rest ist für wohltätige Zwecke bestimmt, beziehungsweise 500 K fallen mit der Zeit gleichfalls der Kultusgemeinde zu." Die vier Stipendien werden am Jahrzeitstage (4. Ab) vom Vorstande verliehen, und so wird das Andenken dieses edlen Wohltäters für ewigen Zeiten in unserer Gemeinde fortleben. — d Roheit eines antisemitischen Apothekers. Ueber einen unglaublichen Roheitsakt eines Apothekers wird uns aus Rawaruska in Galizien geschrieben: Ein junger Mann, dessen Mutter daheim schwer krank darniederlag kam gegen 9 Uhr abends in die dortige Apotheke und bat um Ausfolgung eines Medikamentes auf Grund des mitgebrachten Rezeptes. In der Apotheke befand sich bloß ein Praktikant, der sich nicht auskannte, während der Apotheker im anstoßenden Komptoir saß. Da der Apotheker keine Miene machte, hereinzukommen, wagte der junge Mann das Komptoir zu betreten und den Apotheker mit Rücksicht auf den gefährlichen Zustand seiner Mutter zu bitten, das Medikament zu bereiten. Der Apotheker sprang entrüstet auf, prügelte und beschimpfte den armen Menschen und warf ihn schließlich zur Türe hinaus, ohne das Rezept entgegeizunehmen. Noch draußen versuchte der betrübte Sohn den Apotheker zu erweichen, weil er befürchtete, daß seine Mutter die Nacht nicht überleben würde. „Schau, daß du weiterkommst, frecher S . . jud l", schrie ihn der Apotheker an und schloß den Laden. Die Affaire, die in der Stadt großes Aufsehen hervorrief, wird noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Lemberg. Dem berüchtigten rumänischen Antisemiten, Häuptling Niku Jorga, Professor an der Universität Jassyist von der österreichischen Grenzbehörde in Jtzkany das Betreten des österreichischen Bodens verboten worden. Er war im Begriffe, mit seinen Genossen eine antisemitische Hetzreise durch die Bukowina und Galizien zu unternehmen. Eine von den Antisemiten in Czernowitz und Suczawa an den Minister des Innern gerichtete Beschwerde blieb ohne Erfolg. Lemberg. Auf Antrag des jüdisch-nationalen Kultusratsmitgliedes Dr. B r e m e r hat das Repräsentanten-Kollegium in Tarnopol mit Rücksicht darauf, daß die Haupteinnahmen dieser Gemeinde zur Bestreitung aller Gemeindeausgaben im Wege indirekter Besteuerung eingebracht werden, beschlossen, binnen vier Wochen einen Entwurf für das allgemeine Wahlrecht zum jüdischen Kultusrat auszuarbeiten. Arrestftrafe wegen Sabbatheiligung. Aus der galizischen Stadt Chrzanow kommt uns ein Bericht zu, der ein neues Jllustrationsfaktum zu dem berühmten Kapitel „Galizische Justiz" liefert. Die jüdischen Mietwagenbesitzer von Chrzanow haben nämlich von dem dortigen Bezirkshauptmann sehr viel zu leiden. Seine neueste Tortur besteht darin, daß er die Mietwagenbesitzer, die am Sabbat nicht ausfahren lassen, sehr empfindlich 'bestraft. Einer von ihnen wurde jüngst sogar zu zehn Tagen Arrests verurteilt, weil er sich nicht dazu entschließen konnte, den Sabbat zu entweihen. Die jüdischen Mietwagenbesitzer würden sich schon entschließen, um dieser Forderung nachzukommen, christliche Kutscher aufzunehmen, doch finden sich keine geeigneten christlichen Bewerber, da der Verdienst in diesem Gewerbe ein äußerst geringer ist. Eine Prämie auf die Taufe. Aus Budapest wird uns gemeldet: Der bisherige Direktor und Chefarzt des Temesvarer Kinderasyls, Dr. Alexander S z a n a (Singer), wurde soeben zum Direktor und Oberarzt des Budapester staatlichen Kinderasyls und zum königlichen Rat ernannt. Gleichzeitig mit dieser doppelten Auszeichnung ordnete er noch seine „ungeregelten konfessionellen Verhältnisse", indem er vom Csanader Bischof C z e r n o ch zum Katholizismus befördert wurde. Der Zusammenhang zwischen diesen beiden „Beförderungen" liegt klar zu Tage. Aus Bad Ischl, Salzkammergut, wird uns geschrieben: Die Badesaison hat bereits begonnen und wurde an den Schewuoth-Feiertagen im großen Speisesaale des Hotel und Pension „Erzherzog Franz Carl" unter Leitung des Besitzers, Herrn S. Sonnenschein, und seines Schächters, Herrn S. Schischa aus Mattersdorf, der zugleich ausübender Funktionär des Komilees zur Errichtung eines Bethauses und Friedhofes in Bad Ischl ist, ein Gottesdienst mit feierlicher Seelenandacht (Haskaras Neschomaus) abgehalten, wobei die hier stabil wohnenden Glaubensgenossen wie auch die hier zur Kür weilenden Gäste sich eingefunden hatten. « Aufsehen erregte hier in den Pfingsttagen eine aus 70 Personen verschiedener Konfession bestehende Reisegesellschaft aus Ostrowo, Provinz Posen, die alle im heuer neurenovierten Hotel und Pension „Erzherzog Franz Carl" wohnten. Die Gesellschaft, der der Bürgermeister, Stadträte, Aerzte, Gerichtsbeamte, Großindustrielle und Rittergutsbesitzer samt Gemahlinnen, sowie der Direktor Herr Doktor Bergmann des Ostrower höheren deutschen Mädchen-Instituts mit einer stattlichen Anzahl von Zöglingen angehörten, vereinigte sich sowohl Pfingstsonntag als auch Pfingstmontag abends mit einigen Bad Jichler Herren, wie Herr Regierungsrat Dr. Mayer, Apotheker Herr Velißky, Dr. Naglstock 2C. mit dem Herrn Bürgermeister Leitner zu einem sehr gemütlichen Bankett im wunderschönen, prächtig geschmückten, großartig elektrisch beleuchteten Speisesaale des Herrn S. Sonyenschei« im Hotel und Pension „Erzherzog Franz Carl".

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