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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-06-18 · 25 (18.6.1909) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
25 (18.6.1909)
Date
1909-06-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 436 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 25 der übrigen einheimischen Bevölkerung die Zahl der Geisteskranken von 16 vom Tausend im Jahre 1890 auf 48 vom Tausend anwuchs, stieg sie innerhalb der jüdischen Bevölkerung in der gleichen Zeit von 16 vom Tausend auf 102 vom Tausend. In der Lebensdauer ist kein erheblicher Unterschied festzustellen. Allerdings ist die Zahl der Achtzigjährigen bei den Juden etwas höher. Das Verhältnis der Geschlechter ist ebenfalls nahezu das gleiche, nur walten bei der jüdischen Bevölkerung die Knabengeburten etwas vor^ Ferner bleiben nur 8 Prozent der jüdischen Mädchen ledig gegen 12 Prozent der anderen. Die Sterblichkeit der Juden iw Ghetto. Während heute in Westeuropa die Sterblichkeit der Juden überall geringer ist, wie die der christlichen Bevölkerung, ist in früheren Jahrhunderten das Umgekehrte der Fall gewesen. Dies wird u. a. von Dr. W. Hanauer, Frankfurt a. M., in feiner Arbeit über die „Geschichte der Sterblichkeit und der öffentlichen Gesundheitspflege in Frankfurt a. M." (Deutsche Bierteljahresschrift für öffentliche Gesundheitspflege, 1908) für Frankfurt a. M. zahlenmäßig nachgewiesen. Während aber im 17. und 18. Jahrhundert die Sterblichkeit der jüdischen Bevölkerung im allgemeinen größer war, wie die der christlichen, war die Kindersterblichkeit bei den Juden geringer wie bei den Christen. Das konnte daher rühren, daß die Kinderzahl bei den Juden eine kleinere war wie bei den Christen und daher der Nahrnngsspielraum, der auf das einzelne Kind entfiel, ein größerer. Dies wäre kein Wunder gewesen, da ja die Juden infolge der Beschränkung ihres Wohnraumes, der nicht erweiterungsfähig war, fich auch in der Produktion der Kinder eine Beschränkung auferlegen mußten, oder der Grund der geringeren Kindersterblichkeit konnte in der besseren und sorgfältigen Pflege der Kinder gelegen sein. Die Ergebnisse der Berechnungen Dr. Hanauers stimmen mit den von Prof. Krakauer angegebenen Zahlen ziemlich überein, was umso bemerkenswerter ist, als Dich in seinem „Stammbuch der Frankfurter Juden" die Bchauptung aufstellte, daß die Gesundheitsverhältniffe und dementsprechend die Sterblichkettsziffer der Juden in der Judengaffe keine ungünstigere, ja sogar bessere gewesen seien, als bei der übrigen christlichen Bevölkerung. Interessant ist auch der von Rabbiner Dr. Horovitz geführte Nachweis, daß bereits in den Jahren 1776 bis 1820 eine bedeutende Abnahme der Sterblichkeit der Frankfurter Juden zu verzeichnen war. Um diese Zett fingen nämlich die Verhältnisse an günstiger zu werden, denn jetzt wurde es einzelnen Juden gestattet, außerhalb der Judengaffe zu wohnen. Bereits 1818 war daher die Sterbeziffer der Jrwen unter die der Christen herabgegangen. Breslauer Ferienkurse iu Religionswissenschaften für jüdische Lehrer. Wie bereits berichtet, beginnen die Ferienkurse in Religionswissenschaften am Sonntag den 4. Juli und dauern bis Frettag, den 23. Juli. Es werden lesen: Seminarrabbiner Prof. Dr. Lewy: 1. Mischna Sebachim, Kap. 5 (6. Vorl.), 2. Buch der Gesetze von Maimonides (6. Vorl.); Dozent Doktor Braun: 3. Geschichte der deutschen Juden im XVI. und XVII. Jahrhundert (6. Vorl.), 4. Pentateuch-Exegese, Patriarchen (6. Vorl.), 5. Methodik und Didaktik des systematischen Religionsunterrichtes mtt anschließenden Probelektionen (3. Vorl.); Dozent Dr. Horovitz: 6. Religionsphilosophie, Philo (6. Vorl.), 7. Midrasch mit homiletischen Uebungen (3. Vorl.); Rabbiner Dr. Deutsch: 8. Ritualien unter besonderer Berücksichtigung der hohen Festtage (6. Vorl.); Rabbiner Fabian: 9. Hebräische Grammatik, Allgemeine Einleitung; über das Verbum mit Uebungen (6. Vorl.); Kapellmeister Elsner: 10. Musiktheorie für Kantoren in noch festzusetzenden Stunden. Der Kursus ist unentgeltlich und steht jüdischen Lehrern und Lehrerinnen allgemein frei. Auswärtigen Teilnehmern werden nach Maßgabe der vorhandenen Mittel Subventtonen gewährt. Mit der Leitung des Kursus find die Kollegen Prediger Karlsberg-Reichenbach in Schlesien und Hauptlehrer Heymann, Breslau, betraut worden. Neben der wissenschaftlichen Arbeit sollen Annehmlichkeiten mannigfacher Art geboten werden. Die Nachmittage, die von Vorlesungen frei gehalten sind, sollen besonders dazu benützt werden, Breslaus Museen, gemeinnützige Institute, Sehenswürdigkeiten rc. unter sachverständiger Führung kennen zu lernen. Anmeldungen zur Teilnahme an dem Kursus sind baldigst an Lehrer Moops, Breslau, Ohlauerstraße 1, zu richten, der gern weitere Auskunft erteilt und den Teilnehmern Wohnung mit und ohne Beköstigung Nachweisen kann. Der Preis eines Zimmers mit Frühstück dürfte fich für einen dreiwöchentlichen Aufenthalt nicht höher als auf 25 Mark stellen. Der allgemeine Studienplan wird den sich meldenden Teilnehmern rechtzeitig zugesandt werden. Die Kommission, welche mit den Vorbereitungen zu dem Kursus betraut worden ist, wird fich freuen, wenn viele ihr Interesse für die Fortbildungsbestrebungen der jüdischen Lehrerschaft durch rege Teilnahme an dem Kursus zum Ausdruck bringen wollten. Ein offizieller Bericht über die jüdischen Handwerker und Ackerbauer in Rußland. Das Staatsdepartement der Vereinigten Staaten von Nordamerika veröffentlicht soeben einen Bericht ihres gewesenen diplomatischen Vertreters in Petersburg, Mr. Spencer Eddy, über die Lage der Juden Rußlands, der als erster in der zu eröffnenden Berichtserie über die Lage der Juden in allen Ländern, aus denen eine größere jüdische Auswanderung besteht, herausgegeben wurde. Aus dem äußerst interessanten Berichte seien hier die Kapitel über die jüdischen Handwerker und Ackerbauer auszugsweise wiedergegeben: Der größte Teil der russischen Juden erhält fich durch ein Handwerk oder durch schwere Arbeit im Taglohn. Im Jahre 1897 waren in 1300 verschiedenen Gegenden 500.986 Juden, d. h. mehr als 13% der ganzen Bevölkerung dieser Gegenden, als Arbeiter registriert. Unter diesen waren 424.438 Männer und 76.548 Frauen. Andere Statistiken ergaben, daß auf jeden christlichen Schwerarbeiter 15 jüdische entfallen. Nehmen wir nun an, daß es in jeder jüdischen Familie 2 Arbeiter gibt und jede Familie aus 5 Personen besteht, so ergibt fich, daß 1,400.000 oder 30% der jüdischen Bevölkerung im Ansiedlungsrayon von ihrer Hände Arbeit leben. Die Statistik der Stadt Mohilew ergibt, daß der durchschnittliche Verdienst eines jüdischen Handwerkers 500 Rubel per Jahr beträgt, während der durchschnittliche Jahresverdienst der Angestellten 240 Rubel ausmacht. Sie arbeiten 12 bis 15 Stunden täglich und die Tatsache, daß sie fast alle gut aussehen, mag als Beweis dafür gelten, daß die jüdische Raffe aus gesunden, kräftigen Menschen besteht. Der größte Teil der jüdischen Arbeiter (nicht Handwerker von bestimmten Fach) ist in häuslicher Arbeit beschäftigt. Es gibt 100.000 jüdische Taglöhner, von denen 32.000 als Steinklopfer und Fuhrmänner, 30.000 als Lastträger nnd Dienstmänner, 20.000 als Holzhacker und Hilfsarbeiter bei Bauten oder Straßenpflasterungen und 13.000 als Taglöhner bei Feldarbeiten ihr Leben fristen. Der Rest verteilt sich auf verschiedene Taglohnarbeiten. Die Feldarbeiter wohnen in den kleinen Städten und finden in den umliegenden Landwirtschaften Arbeit. In Fabriken find 50.000 Juden beschäftigt. Es gibt gewisse Handelszweige, die ganz in den Händen der Juden liegen. Besonders ist dies mit den Tabakpflanzungen und der Zigarren- und Zigarettenfabrikation der Fall. Im Jahre 1899 waren in Rußland 3720 Personen mit Tabakhandel beschäftigt, davon 3431 Juden, d. h. also mehr als 92"/°. In diesem Erwerbszweig find Frauen und Kinder, nur wenige Männer beschäftigt. Im Grodnoer Gouvernement waren 74°/° und im Jekaterinoslawer Gouvernement sogar 91% der Tabakarbeiter Frauen und Kinder. Mit dem Gesetze vom Jahre 1882 wurden die Juden aus der Landwirtschaft ausgeschlossen, nachdem ihnen das Gesetz die Erwerbung und Pachtung vom Landbesitz verbietet. Es gab

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