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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-06-18 · 25 (18.6.1909) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
25 (18.6.1909)
Date
1909-06-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Vlochs Wochenschrift. Sette 435 Lebens, das mir sein vollgerüttelt Maß irdischen Leids gebracht hat. Aber ich verlange Gerechtigkeit. Indem ich dies tue, bin ich von dem Gefühle beherrscht, das Bernard Lazare empfunden haben mag, als er Senator Trarieux, der die Liste derjenigen veröffentlicht hatte, die zur Aufklärung des Justizmordes Dreyfus beigetragen hatten, darauf aufmerksam machte, daß er vergessen habe, seinen (Bernard Lazare's) Namen anzuführen, den Namen desjenigen Mannes, der als Erster auf das Ungeheuerliche der Verurteilung Dreyfus' hingewiesen hatte. Ich schließe mit dem Wunsche, daß dieses Heim, dessen Eröffnung ich heute freudigen Herzens begrüße, stets eine Quelle der Gesundheit und des Segens für unsere arbeitende Jugend sei, daß in demselben, wie ich es bereits in meinem Glückwunsch- Schreiben an den „Frauenhort" ausgesprochen, jüdischer Geist walten und daß es noch in fernsten Zeiten als ein Wahrzeichen jüdischen Gemeinfinnrs wirken möge. Paris, im Juni 1909. Rosa Feigenbaum. Zwölfter Bericht des Vereines „Kinderheim". Verein zur Gründung und Erhaltung von Heimstätten für verkrüppelte, rekonvaleszente und schwache Kinder jüdischer Konfession, sowie über dessen Heim in Laa bei Neulengbach. Die Hoffnungen und Erwartungen, die in die stetige Entwicklung unserer Institution gesetzt wurden, haben sich insoweit erfüllt, daß wir in der angenehmen Lage find, mit Befriedigung und Genugtuung auf die schönen im Anhänge verzeichneten Erfolge Hinweisen zu können. Groß sind die Anforderungen, die an die Vereinsleitung gestellt werden, groß die Opfer, welche die Erhaltung unseres Heimes erfordert, aber unendlich groß auch die Erfolge, die wir sowohl in gesundheitlicher als auch in erziehlicher Hinficht bei unseren Schützlingen zu verzeichnen haben. Die erzielten Resultate sind wohl der sprechendste Beweis für die außerordentliche Notwendigkeit und Unentbehrlichkeit unserer Anstalt. Die allgemeine Anerkennung, welche das Wirken unseres. Vereines gefunden, bringt es naturgemäß mit sich, daß ununterbrochen Gesuche um Aufnahme in unserer Anstalt einlaufen. * Leider ist die Vereinsleitung außerstande, allen Ar^ forderungen behufs Aufnahme verkrüppelter und rekonvaleszenter Kinder gerecht zu werden, da einerseits die Mittel des Vereines, anderseits die Raumverhältniffe unseres „Kinderheim" eine unübersteigbare Grenze zur Erledigung der einlaufenden Aufnahmsgesuche bilden. Infolge des Rückganges der normalen Einkünfte — der Mitgliedsbeiträge und Spenden — bedurfte es, insbesonders bei der im Vorjahre erheblichen Steigerung der in die Anstalt aufgenommenen Schützlinge, besonderer Fürsorge im Haushalte, um die zur Erhaltung und Pflege der Schützlinge notwendigen Mittel herbeizuschaffen. Nebst der unzureichenden Geldmittel sind es leider beschränkte Raumverhältniffe, welche uns nicht erlauben, eine Ausgestaltung und Erweiterung unserer Anstalt zu ermöglichen, weshalb wir auch schweren Herzens genötigt find, eine große Anzahl würdiger Petenten abzuweisen. Wir hoffen jedoch mit Zuversicht, daß die treue Anhänglichkeit unserer verehrten Mitglieder und Gönner es uns möglich machen wird, baldigst an die Ausgestaltung und Erweiterung unserer Anstalt heranzutreten und so den Hilfesuchenden in ausgiebigerem Maße entsprechen zu können. Wohl verkennen wir die Schwierigkeiten nicht, die sich der Verwirklichung unserer diesbezüglichen Bestrebungen entgegenstellen, wir dürfen aber vor denselben nicht zurückschrecken, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß der Ansturm der die Aufnahme in unser Heim Anstrebenden mit jedem Jahre größer und daß mit jedem Kinde, das in unserem Heim Aufnahme und Genesung findet, ein großes Stück menschlichen Elends beseitigt wird. Sollen wir nun der großen idealen Aufgabe, die uns bei der Gründung dieser Institution vor Augen schwebte, allmählich näher kommen und soll insbesonders auch unsere Institution sich erweitern und derey Bestand gesichert sein, so muß die feste Ueberzeugung und die Erkenntnis von der Notwendigkeit unserer Institution und deren Ausgestaltung in immer weitere Kreise dringen und uns neue Freunde und Gönner zuführen. Die bedeutenden Mittel, welche die Erhaltung unserer Anstalt erfordert, stellen an die Opferwilligkeit unserer verehrten Mitglieder und Gönner bedeutende Anforderungen. Nur ihrer Erkenntnis an dem segensreichen Wirken unseres Vereines ist es zu danken, daß wir der uns gestellten Aufgabe entsprechen konnten. Dank, innigster Dank, sei all den edlen Menschenfreunden und Korporationen ausgesprochen, die durch Gewährung von Beiträgen, Subventionen und Spenden an Geld und Naturalien uns die Mittel hierzu zur Verfügung stellten. Wir legen hierüber an anderer Stelle unseres Rechenschaftsberichtes den detaillierten Ausweis vor. Gleich innigen Dank erstatten wir der verehrlichen Leitung des Kaiserin Elisabeth Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheims für die zeitweilige Unterbringung und Verpflegung unserer Schützlinge, welche nach stattgehabten Operationen oder behufs Erneuerung orthopädischer Apparate für einige Zeit dort Aufenthalt gefunden haben. Der Vereins-Vorstand: Kaiserl. Rat Tr. S. Krüger, Präsident; Heinrich Egger, I. Vizepräsident; Emil Keleti, II. Vizepräsident; Louis Weiß, Schriftführer; Jgn. Frankl, Kaffier; Ludw. B u n z l, Jakob Deutsch, Robert E i ß l e r, Hermann Eltbogen, August F i s ch e l, Dr. Max H a u d e k, Siegmund K a u d e r s, Ignatz Klein, Albert Mayer, Salomon Stein, Leopold Waller, Jacques Weiß; S. Deutsch, Revisor; Ad. B a k, Revisor; Leopold N e u d a, Revisor-Ersatzmann. Verwaltung der Anstalt in Laa: Aerztlicher Leiter der Anstalt: Kais. Rat Dr. S. Krüger in Wien; Anstaltsarzt: Dr. Friedrich Baruch in Neulengbach bei Laa; Aerztlicher Beirat: Dr. M. Haudek, Spezialist für Orthopädie in Wien; Obmann des Exekutivkomitees: Heinrich Egger in Wien; Unterrichtsleiter der Anstalt: Oberlehrer Josef Großmann; Religionslehrer der Anstalt: Wilhelm Brust; Oberaufsicht in der Anstalt: Verwalterin Frau Berta Wächter; Oekonomieverwalter: Johann Riegier; Sekretär: Josef Schulmann. Gesundheit und Sterblichkeit der jüdische» Bevölkerung Wiens. Das österreichische Gesundheitsamt hat bei Zusammenstellung der Krankheits- und Sterblichkeitsstatistiken der bedeutenden, hundertzwanzigtausend Köpfe zählenden jüdischen Bevölkerung Wiens besondere Aufmerksamkeit angewandt. Das augenfälligste Ergebnis dieser Statistiken ist, daß der Gesundsheitszustand der jüdischen Bevölkerung ein auffallend guter ist und den der übrigen Ortsbevölkerung bei weitem hinter sich läßt. Während beispielsweise bei dieser in Vereinigungen, die tausend Mitglieder zählen, jährlich etwa dreihundert Krankheitsfälle Vorkommen, beträgt bei der jüdischen Bevölkerung die entsprechende Zahl nur 207. Ein noch besseres Vergleichsmaterial liefert die Sterblichkeitsstatistik. Die Gesammtsterblichkeit der Stadt Wien hat sich in 16 Jahren von 21 vom Tausend auf 16'7 vom Tausend im Jahre 1908 verringert. Innerhalb der jüdischen Gemeinde beträgt sie nur 12 vom Tausend, und zwar nicht etwa seit heute und gestern, sondern schon seit zwei Jahrzehnten. Dabei ist wohl in Betracht zu ziehen, daß die religiösen Vorschriften der Juden eine Anzahl gesundheitlicher Maßnahmen vorschreiben, die außerhalb ihres Kreises erst durch die moderne Hygiene eingebürgert worden find. Auch der Vergleich auf dem Gebiete der Kindersterblichkeit ist äußerst lehrreich. In Wien beträgt die Gesammtsterblichkeit der Kinder unter einem Jahre 127 vom Tausend, in der jüdischen Gemeinde jedoch nur 88 vom Tausend. Die geringe Kindersterblichkeit ist bei der Beurteilung des oft großen Kinderreichtums der Juden von besonderer Bedeutung. Der relativen Nüchternheit der Männer ist hier u. a. ein erheblicher Einfluß zuzuschreiben. Dagegen find die Juden geistigen Erkrankungen verhältnismäßig leichter zugänglich. Während in

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