Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 25 (18.6.1909)
- Date
- 1909-06-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 434 Nr. 36 Dr. Blocks Wochenschrift. Der Kampf gegen die jüdischen Dienstmänner und der Geuosseuschaftsvorsteher Schatzmüller. (Eine Mitteilung für Herrn Alfred S t r a ß e r.) Löbliche Redaktion! Ich ersuche in meinem, wie im Namen meiner anderen jüdischen Kollegen um die freundliche Aufnahme nachstehender Zeilen: Ich habe viele Jahre in der Umgebung der Stefanskirche zum Frohnleichnamsfestzuge die Karten für die Tribünenfitze verkauft und davon einen minimalen Nutzen gezogen. Im Jahre 1907 hat der Portier deS Hanfes Stefansplatz 11 wegen ungünstigen Wetters die Tribüne an die Dienstmänner Neumann und Noteles um einen Pauschalpreis abgegeben, was von seiten der Genossenschaftsvorstehung nicht gebilligt wurde. Im Jahre 1908 hat die Genossenschaft der Dienstmänner um die Tribünen vor den Häusern Nr. 9, IO und 11 am Stefansplatz angefucht, doch unterblieb die Aufstellung der Tribünen, da der Hof sich an der Prozession nicht beteiligt hat. In diesem Jahre nun hat die Genofsenschaftsvorstehung alles aufgeboten, um die Tribünen in ihre Hände zu bekommen. Allerdings mußte der Magistrat die Portiers berücksichtigen, die man in den Zeiten der Wahlen ganz gut brauchen kann und so geschah es auch. Montag den 7. d. M. war die Kommission des Magistrat. Bezirksamtes I. Bezirk wegen der Bewilligung der Tribünen an Ort und Stelle erschienen und dabei intervenierte der Restaurateur und Bezirksausschuß-Stellvertreter Glück für die Bezirksvertretung. In früheren Jahren war die Kommission beim Portier Dworak I., Goldschmidgaffe 2, im heurigen Jahre im Stock-im-EisenPalast, wo auch den meisten Bewerbern die Gesuche sofort erledigt worden find. Nur dem Portier Dworak vom Stefansplatz 11 wurde vorgehalten, daß er seine Tribüne an jüdische Dienstmänner vergeben hatte, was diesmal nicht mehr geschehen dürfe, da überhaupt die jüdischen Dienstmänner vom Verkaufe der Tribünenfitze ausgeschlossen bleiben. Dem Genossenschaftsvorsteher der Dienstmänner (Dienstmann Joachim Schatzmüller, Standplatz Reisnerstraße, Ecke Beatrixgaffe) wurde von seiten des Herrn Glück die Aufficht mit der Weisung übertragen, daß er den Portiers zum Verkaufe der Tribünenkarten die nötige Mannschaft beistellen soll. Dieser Herr Genoffenschaftsvorsteher Schatzmüller nun ist ein äußerst rühriger Mann, der seine Geschäfte nur abwickelt, wenn ein beträchtlicher Verdienst dabei herausschaut. Er wußte, daß jeder Portier am Stefansplatz die Tribünenkarten einen ihm bekannten Dienstmanne (jüdischen) übergibt, die im Verkaufe dieser Karten gewandt waren und dieselben leicht an den Äkann brachten. Da nun die Portiers heuer die Karten den jüdischen Dienstmännern nicht mehr übergeben dursten, so kalkulierte Herr Sch atz müll er, daß es sich den Portiers dann nicht mehr auszahlen würde, die Tribünen aufstellen zu lassen und so das ganze Geschäft in seiner Hand bleiben würde. Schatzmüllex.hat gleich am Anfang seines Regimes damit angefangen, die jüöiMen Dienstmänner vom Verkaufe der Tribünenkarten auszuschalten, womit die Unternehmer jedoch nicht einverstanden waren. Bei den diesjährigen Wahlen in die Genossenschaft machte sich gegen ihn eine Opposition geltend, so daß er genötigt war, die jüdischen Wähler für sich zu gewinnen und er einen neuen jüdischen Dienstmann in den Ausschuß wählen ließ. Dieses Entgegenkommen war Schein. Als Genossenschaftsvorsteher hat es Schatzmüller darauf abgesehen, die jüdischen Dienstmänner, wo er nur kann, in ihrer Existenz zu drücken. Als pensionierter Wachmann bezieht er monatlich K 40.—, als Genoffenschaftsvorsteher K 60.— und als Verwalter der Wärmestuben, XVI., Seeböckgaffe 18, monatlich K 100.— nebst schöner freier Wohnung, Beleuchtung und Beheizung. Und trotzdem bedrückt er die armen jüdischen Diensimänner, die es doppelt so schwer als ihre christlichen Kollegen haben, ihr hartes Dasein zu ftisten. Der Präsident der Wärmestuben Herr Alfred Straßer aber soll wissen, welchen Antisemiten er als Verwalter der Wärmestube in Stellung hat. Herr Alfred S t r a ß e r ist ein humaner Mann, er kennt nicht einen Unterschied der Konfession und Nationalität in seinen wohltätigen Bestrebungen, umso weniger darf er zulaffen, daß die von ihm „Geförderten" die armen jüdischen Dienstmänner unterdrücken und schädigen. Für die fteundliche Aufnahme dieser Zeilen bestens dankend Ein jüdischer Dienstmann. Zur Eröffnung des „Kaiser Franz Joseph-Arbeiterinnen-Erholungsheims" des Vereines „Frauenhort". Fern von der Heimat, lese ich mit herzlicher Freude in der „Österreichischen Wochenschrift" und den Wiener Tagesblättern von der erhebenden Feier der Eröffnung des „Kaiser Franz Joseph-Arbeiterinnen-Erholungsheims" des Vereines „Frauenhort". Denn ein Werk wurde hier geschaffen, deffen Gründung ich angeregt und für deffen provisorische Tätigkeit durch Errichtung von Arbeiterinnenkolonien bei jüdischen Familien auf dem Lande ich meine besten Kräfte eingesetzt hatte. Als ich noch die Ehre hatte, dem Ausschüsse des Vereines „Frauenhort" anzugehören, begriff ich bald, daß zur Erhaltung der Gesundheit unserer jugendlichen Arbeiterinnen etwas getan werden müsse; denn gelegentlich meiner Recherchen konnte ich einen genauen Einblick in das Elend jüdischer Arbeiterkreise gewinnen. Und so fand ich den Moment, mit meinem Plane der Gründung eines Arbeiterinnen - Erholungsheims an den „Frauenhort" heranzutreten, besonders dazu geeignet, als im Jahre 1895, infolge der Wahl eines antisemitischen Gemeinderates, die Juden Wiens zur Erkenntnis ihrer Würde kamen, sich enger aneinanderschlossen und das jüdische Herz mehr denn je darnach strebte, durch Wohltätigkeitsakte sich der armen Glaubensgenossen anzunehmen. In der Sitzung vom 24. September 1895 setzte ich in einem umfangreichen Elaborate, das auch in diesem Blatte und im „Wiener Tagblatt" veröffentlicht wurde, mein Projekt der Errichtung eines Erholungsheimes auseinander, das den vollen Beifall des Ausschusses fand. Leider aber fand Präsidentin Frau Zifferer daß der Moment zur Gründung eines Heimes nicht geeignet sei, und so wurde mein Antrag vorläufig verschoben. Einige Jahre vergingen und mein Projekt, für das ich mich noch zu wiederholten Malen eingesetzt hatte, kam nicht zur Ausführung. Im Jahre 1900 legte ich als Outsider — ich war ein Jahr vorher aus dem Ausschüsse des „Frauenhort" ausgetreten — den Plan meiner Gründung neuerlich dem „Frauenhort" vor und hatte die Freude, daß er diesmal zur Ausführung angenommen wurde. Gleichzeitig erteilte mir der Ausschuß die ehrenvolle Aufgabe, jüdische Familien auf dem Lande ausfindig zu machen, wo die Arbeiterinnenkolonien bis zur Errichtung eines eigenen Heims vorläufig zu etablieren wären. Ich machte mich denn auf die Suche, trat mit den Familien in Korrespondenz, suchte sie in ihren ländlichen Wohnorten auf, um mit ihnen persönlich Vereinbarungen zu treffen und ihnen das Wohl unserer Schützlinge ans Herz zu legen. So entstanden die ersten Arbeiterinnenkolonien in Gloggnitz, Hainfeld, Zoebern bei Aspang u. a. m. Daß aber die Kolonien bei aller Ueberwachung und Sorgfalt dennoch manche Unzukömmlichkeit boten, war vorauszusehen, und so war die Schaffung des eigenen Heimes eine immer dringendere Notwendigkeit geworden. Dieses Heim, es ist in diesen Tagen herrlich entstanden! Und nun, nachdem ich dies vorausgeschickt, möge mir der „Frauenhort" verzeihen, wenn ich mich als steinerner Gast an seine Festestasel setze und meine bescheidenes Plätzchen einnehme, das man mir anzuweisen vergessen hat. Der „Frauenhort" weiß, daß ich ein Recht hiezu besitze, daß ich die Gründung angeregt, daß ich jahrelang in Wort und Schrift, daß ich tatkräftig für diese Institution gekämpft und daß ich mir den Titel vindizieren darf, die geistige Schöpferin des Erholungsheimes genannt zu werden. Aber vergebens suche ich unter den vielen Namen, die im Zusammenhänge mit dem Zustandekommen des Erholungsheims genannt wurden, den meinigen. Man mißverstehe mich nicht. Ich bin eine bescheidene Frau; auch der Frauenhort wird mir dieses Lob nicht versagen. Ich geize nicht nach Ehren, denn ich stehe an der Neige hetz