Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 25 (18.6.1909)
- Date
- 1909-06-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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iftr. 25 Sette 433 Dr. Blochs Wochenschrift. der ungarischen Gesellschaft bestehendes Landes-Exekutivkomitee zur Errichtung eines Grabdenkmals für den auf dem jüdischen Friedhofe zu Budapest bestatteten Künstler, sowie zur Errichtung einer im Foyer des königlichen Opernhauses aufzustellenden Statue. Wie nun aus Budapest gemeldet wird, hielt das Exekutivkomitee unter Vorsitz des Direktors des königlichen Opernhauses Emerich Messaros und des Reichstagsabgeordneten Paul Sandor eine Sitzung, in^welcher mit Befriedigung konstatiert werden konnte, daß durch die eingeflossenen Beträge die Errichtung der Denkmäler gesichert erscheint. Das Komitee beschloß, mit der Ausführung des Grabdenkmals die Brüder Vago, mit jener der Statue den Bildhauer Eugen Mester zu betrauen. Ist der Plattfuß eine Rasseneigentümlichkeit? Unter diesem Titel veröffentlicht der Berliner Spezialarzt für orthopädische Chirurgie Dr. Muskat in der Zeitschrift „Im Deutschen Reich" einen lehrreichen Aufsatz, in welchem der Nachweis geführt wird, daß die Behauptung, der Plattfuß sei den Semiten raffeneigentümlich, eines der vielen antisemitischen Vorurteile sei, die vor der Wissenschaft nicht standhalten können. Dr. Muskat sagt unter Anderem: Wenn die Annahme richtig wäre, daß der Plattfuß eine Raffeneigentümlichkeit sei, so müßte er ein angebornes und vererbliches Merkmal bilden. Nach den maßgebenden Untersuchungen vieler Orthopäden, vor allem des bekannten Albert Hoffa, ist der Plattfuß aber in nur 4 Perzent aller Fälle angeboren, dagegen in 96 Perzent während des Lebens erworben; und zwar spielen bei den erworbenen Fällen neben Knochenerkrankungen, Lähmungen u. dgl. mehr namentlich statische Momente (Belastung) eine Rolle. Die Zeit der Entstehung ist besonders das zweite Lebensjahrzehnt, das Stadium der Entwicklung. Wenn dem Fuße eine größere Arbeit zugemutet wird, als er seinen normalen Verhältnissen nach leisten kann, so verändert er sich; hat er nur normale Arbeit zu leisten, so wird er rechtzeitig gestützt, so bleibt die ursprüngliche normale Form erhalten, die er etwa im dritten Lebensjahre aufweist. (Der Fuß der Neugebornen ist flacher als der Fuß der älteren Kinder, da ein starkes Fettpolster die Wölbung verdeckt.) Hierin liegt der Schlüssel der ganzen Frage. Bei ausreichender Schonung des Fußes, bei Verhüten der Ueberlastung, bei richtiger Inanspruchnahme wird die Entstehung der Plattfüße verhütet werden können. Die Merkblätter, welche Verfasser auf Veranlassung der .Deutschen.,,Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege herausgegeben hat^ dürften ein gutes Mittel der Bekämpfung bilden. Ein Brückenpfeiler, der durch zu starke oder falsche Belastung dauernd in Anspruch genommen wird, biegt sich durch oder wird zur Seite umgelegt; genau so geschieht dies auch beim Fuße, der in Plattfußstellung gerät. Erfahrungsgemäß gelingt es, in Familien, deren Mitglieder Plattfüße hatten, bei dem neu Heranwachsenden Geschlechte, durch geeignete ärztliche Maßnahmen die Entstehung des Plattfußes zu verhüten. Umgekehrt zeigt sich auch in altadeligen Familien, die ihren Stammbaum weit zurück verfolgen können, plötzlich der Plattfuß bei der jungen Generation — auch hier lediglich infolge falscher Inanspruchnahme der Füße und zu geringer Schonung. Zahlenmäßigen Aufschluß über dieses Verschwinden und plötzliches Auftreten dürsten die von Dr. Czellitzer-Berlin aufgestellten Sippschaftstafeln durch Aufnahme der Rubrik „Plattfuß" ergeben. Noch wertvoller als alle bisherigen Ausführungen gegenüber der Behauptung, daß der Plattfuß eine Rasseneigentümlichkeit sei, sind aber die Zahlen, welche bei der Aushebung zum Militärdienst gefunden sind. Durch das Entgegenkommen des preußischen Kriegsministeriums war Verfasser in die Lage gekommen, statistisches Material für die Plattfußfrage und ihre Bedeutung für Armee und Vaterland zu sammeln nnd im Vergleiche mit anderen Zahlen aus der Schweiz, Oesterreich und anderen Ländern zu verarbeiten. In Preußen werden jedes Jahr zirka 25 Perzent, in Oesterreich und in der Schweiz über 30 Perzent dieses Leidens wegen als militäruntauglich ansgeschieden. Im Aushebungsbezirke Innsbruck, der doch gewiß ein.? *er Rasse nach einwandfreie Bevölkerung aufzuweisen hat, steigt die Zayl der wegen Plattfuß Dienstuntauglichen auf 57 Perzent. Nach den Angaben des bekannten Militärschriftstellers und Heerführers Brandt von Lindau sind in Deutschland 5 Perzent aller eingestellten Mannschaften und 26 Perzent aller Ersatzreservisten mit Plattfuß behaftet. Ein Leiden, das, wie oben angeführt, nur zu 4 Perzent angeboren ist, und in. 96 Perzent aller Fälle, also fast stets durch die Ungunst der Verhältnisse entsteht, dürfte wohl kaum bei dem Vorkommen bei allen Volksarten und bei allen Berufskreisen als Raffenmerkmal anzusprechen sein. Bei einem Rassenmerkmal muß es sich stets um angeborene und vererbliche Kennzeichen handeln. Ein Leiden, das der Schrecken der Feldherren aller Nationen, ein Kreuz für die ausbildenden Offiziere aller Armeen ist, ein Leiden, durch welches die gesamte Wehrfähigkeit und Schlagfertigkeit in besorgniserregender Weise herabgesetzt wird, dürste wohl niemals als Merkmal einer Raffe anzusprechen sein. Durch diese Einseitigkeit, sei sie nun tendenziös oder nicht, wird die Aufmerksamkeit bedauerlicherweise von einem allgemeinen Uebel abgelenkt, deffen Verhütung möglich ist und von jedem Vaterlandsfreunde dringend gefördert werden muß. Mehr Jntereffe für die Pflege und für die Belastung des Fußes wird im Stande sein, alle Kreise von dem Uebel des Plattfußes zu befreien und somit endlich auch von den Hamiten und Semiten das Odium zu nehmen, daß sie allein von diesem Uebel als Rassenmerkmal betroffen seien. Korrespondenzen Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 3. Juni 1909 unter dem Vorsitze des Prästdeuten Dr. Alsred Stern. Beginn */,5 Uhr nachmittags. Im Einlaufe befinden sich: Ein Dankschreiben des Herrn Julius Lederer für die Glückwünsche des Vorstandes anläßlich der Vollendung seines 70. Lebensjahres. Ein Dankschreiben des Vorstandsmitgliedes Samuel Steiner für die Gratulation des Vorstandes anläßlich seines 70. Geburtstages. Dankschreiben des Stadtbaumeisters Edmund Melcher für seine Berufung in das Baukomitee. Dankschreiben des Vertreters Dr. Alfred Berger für die Sympathiekundgebung des Vorstandes. Im Präsidialberichte teilt der Präsident mit, daß das Mitglied des Vertreter-Kollegiums Herr Salo Cohn zum Zwecke des Ankaufes eines Teiles der Bibliothek des verstorbenen Sadagorer Rabbiners N. B. Friedmann einen Betrag von L6000.— zur Verfügung gestellt und in neuerlicher Betätigung seiner Munifizenz die angekauften, auch in wissenschaftlicher Beziehung sehr wertvollen Bücher zum Andenken an seine verewigte Mutter Frau Charlotte Cohn der Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde Wien zum Geschenk gemacht habe. Der Präsident bemerkt hiezu, daß Herr Salo Cohn bereits vor einigen Jahren zum Andenken an seinen verewigten Vater die sehr wertvolle Halberstamm'jche Bibliothek der Kultusgemeinde gewidmet habe und spricht unter lebhafter Zustimmung der Versammlung Herrn Vertreter Salo Cohn für seine Opferwilligkeit, durch welche die Bibliothek der Kultusgemeinde eine wesentliche wissenschaftliche Bereicherung erfahren hat, den wärmsten Dank des Vorstandes aus. Der von der Statthalterei ausgearbeitete Entwurf eines das Rechtsverhältnis der türkischen (sephardischen) Israeliten zur Kultusgemeinde Wien betreffenden Regulativs wird mit einigen Abänderungen bezw. Zusätzen genehmigt. Auf Grund eines Berichtes der Schulinspektion wird beschlossen, die vor einigen Jahren eingeführte, nicht obligatorische zweite Religionsstunde an der zweiten Voksschulklasse an weiteren zehn Religionsschulstationen einzuführen, so daß nunmehr dieser erweiterte Religionsunterricht in 28 Religionsschulstationen erteilt wird. Der Jnspektionsbericht hebt hervor, daß sowohl der Erfolg als auch die Frequenz der fakultativen Unterrichtsstunden befriedigend seien und namentlich eine wesentliche Förderung des Leseunterrichtes herbeigeführt wurde. Subventionen werden nachstehenden Vereinen bewilligt: Den Bethausvereinen Thorath Emeth, Emunas Awes, Machsike Thora, Gemilas Chesed, Oseh Tow, Schomer Israel, Chassidim und dem Tempelbauverein des VIII. Bezirkes. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um halb 8 Uhr geschloffen.