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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-06-11 · 24 (11.6.1909) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
24 (11.6.1909)
Date
1909-06-11
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 426 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 24 Operationen interessante Berichte, von denen mehrere sehr wichtige Anregungen von reell technischem Werte enthielten, von welchen die französische Armee dauernden Nutzen gezogen. Allianz rumänischer Juden in Amerika. Vorige Woche fand in New-Dork die Gründung einer „Allianz rumänischer Juden von Amerika" statt. Zum Ehrenpräsidenten wurde der Rektor des jüdisch-theologischen Seminars in New-Dork, Professor Dr. Salomon Schechter, gewählt, der in längerer Ansprache die Organisierung philanthropischer Anstalten für die rumänischen Juden in Amerika und die Unterstützung rumänischer Einwanderer als Hauptziele der Mianz hinstellte. Als erste Aufgabe stellte sich die neugegründete Mianz die Errichtung eines Altersversorgungshauses für rumänische Juden. Zum geschästsführenden Präsidenten wurde Herr Max Rubin und zum Schriftführer Louis Diamond gewählt. Feuilleton. Gin Tag des Schrecken». (Skizze aus der Zeit der italienischen Renaiffance). I. Die italienische Renaissance hatte aus Ferrara, der heutigen Hauptstadt der gleichnamigen italienischen Provinz, eine der schönsten Städte des an Schönheit so reichen Küstenlandes des adriatischen Meeres geschaffen. Gebäude und Kirchen aller Art, Denkmäler und herrliche Gartenanlagen zierten die Straßen und Plätze, und trat man erst in das Innere der Prachtbauten, so entzückten wunderbare Gemälde und kunstvoll ausgeführte Fresken das staunende Auge des Beschauers. Künste und Wissenschaft erblühten hier an der Mündung des Po. Hier war es, wo Ludovico Ariosto sich mit seinem großen romantischen Heldengedicht, dem „Rasenden Roland"", unvergänglichen Dichterruhm und die ungeteilte Bewunderung der ganzen gebildeten Welt erworben, hier wirkte der hervorragende Humanist und der größte Schulmeister des Jahrhunderts Guarini als Prinzenerzieher und hier sang himmelhoch jauchzend, oft aber auch zum Tode betrübt der Lieblingsdichter der Italiener, dessen heftige Seelenkämpfe unser deutscher Dichterfürst dramatisch behandelte: Torquato Tasso. Auch an jüdischen Gelehrten war die Hauptstadt der Herzöge von Este nicht arm. Einer der bedeutendsten unter ihnen war der Arzt und Schriftgelehrte Rabbi Asarjah ben Mose der Rossi. Dieser saß an einem schönen Sommertage des Jahres 1571 in dem Studierzimmer seines an dem Palazzo della Ragione gelegenen Hauses. Er hatte viele Nächte hindurch nicht geschlafen, denn sein tiefes Wissen in Verbindung mit gewissen Warnungszeichen, die er zu erkennen glaubte, ließ ihn ein großes Unglück, das über seine Heimatstadt hereinbrechen sollte, vorausahnen; nur konnte er bis jetzt den Zeitpunkt, wann es eintreffen würde, nicht genau feststellen und darum machte er die Nacht zum Tage, um beim Schein der Lampe aus seinen Büchern auch dies noch zu ergründen. Aber heute war er mit seinen Forschungen zu Ende, er wußte es bestimmt: noch im Laufe des heutigen Nachmittages sollte die große blühende, damals mehr als 100 000 Einwohner zählende Stadt einem furchtbaren Erdbeben zum Opfer fallen. Die Behörden von Ferrara, denen er seine Befürchtungen mitteilte, lachten ihn aus. Der schwache, gelbe, ausgetrocknete, mit Fieber behaftete Stubengelehrte, der wie ein Sterbender daherschlich, ihm glaubte man nicht; dem, so dachte man, malten wohl seine Fieberträume die schrecklichen Bilder vor, und auf dessen Warnungen hin konnte man sich nicht entschließen, alle die herrlichen Schätze der Stadt im Stiche zu lassen und, mit dem Notwendigsten bebürdet, in die weiten Fluren zu flüchten. 2a, selbst seine eigene Frau und Tochter hatten kein Verständnis für seine Forschungen. Asarjah aber war von dem Eintreffen seiner Befürchtungen fÄlsensest überzeugt. II. Jenseits des Po, einige Meilen von Ferrara, befand sich ein kleines Dörfchen: Ochiobello mit Namen. Aus diesem Dorfe bezog Asarjah seinen Hausbedarf an Fleischwaren, da die Schechitaverhältnisse in Ferrara nicht nach dem Wunsche des frommen Rabbi geordnet waren, während in Ochiobello einer seiner Schüler die Schechita versah und der Rabbi daher versichert war, daß hier allen seinen peinlichen Anforderungen an das Kaschrus entsprochen sei. Der Sohn des Metzgers von Ochiobello brachte täglich selbst die bestellte Sendung in das Haus Asarjahs, und durch diesen regelmäßigen Besuch des jungen Mannes kam es, daß die einzige Tochter des Gelehrten den jungen, hübschen Metzgerburschen näher kennen und lieben lernte. Wenn auch Gedaljah Emanuelo wenig gelernt hatte, so bewunderte doch die Tochter des Rabbi, deren Wissen nicht gering war, seine angeborene Klugheit und seinen Mutterwitz und sie hoffte, daß, wenn er erst ihr Gatte sein werde, sie, wie es ähnlich einst die Gattin Rabbi Akibas getan, ihn von seinem jetzigen Handwerk abbringen und zum Studium der heiligen Lehre werde führen können. Seine Ellern waren vermögend, hatten auch noch einen anderen Sohn, der sich dem Gewerbe widmen konnte, auch sie besaß ein kleines, von der Großmutter ererbtes Vermögen, und so wäre alles in bester Ordnung gewesen, wenn nicht ein scheinbar unüberwindliches Hindernis sich in den Weg gestellt hätte: der Widerstand des Vaters. Nie und nimmer, so sagte er, könne er dulden, daß sein einziges Kind den Sohn einer ungelehrten Familie heirate. Alle Einwendungen halfen nichts, und selbst die Mutter, die anfangs ebenso gegen die Verbindung eingenommen war und erst, als sie sah, daß ihr einziges Kind unglücklich werden könne, wenn man nicht nachgebe, ihre Gesinnung änderte, auch sie konnte bei dem eisernen Willen, den Asarjah in dieser Sache zeigte, nichts ausrichten. III. Ein so heller, kritischer Kopf Asarjah de'i Rossi war, wie sehr auch seine Bedeutung als Wahrheitssucher und Finder neuer Pfade auf dem Gebiete der Beleuchtung der Agada für alle Zeiten unumstritten bleiben wird, die Menschenkenntnis des Gelehrten war nicht allzu groß. So schenkte er einem alten Hausdiener, der nichts weniger als zuverlässig war, sein unbedingtes Vertrauen. Cäsare del Monte verstand es, sich durch glatte Reden in das Herz des Gelehrten einzuschleichen, und er war es auch, der den Rabbi in seinem Widerstande gegen die Heirat der Tochter mit dem jungen Emanuelo bestärkte. Der junge Gedaljah Emanuelo, obschon nicht gelehrt, besaß in nicht geringem Mäße die Gabe, Menschen in die Herzen zu schauen, und so warnte er Gattin und Tochter des Rabbi öfters vor dem alten Hausdiener. Diesem hinwiederum entging die feindliche Gesinnung des Ochibbellaners nicht und er tat alles Mögliche, um den Wünschen des jungen Mannes jede Hoffnung zu rauben. Nur noch kurze Zeit mußte er die Verbindung hinauszuschieben suchen, dann hatte er sein Schäfchen im Sichern, und die Familie Rossi mochte dann tun, was ihr beliebe. Er hatte sich nämlich durch jahrelange Unterschlagungen schon ein hübsches Vermögen auf die Seite geschafft und wartete nur auf einen Tag, an dem alle drei Mitglieder der Familie einmal zugleich das Haus verlassen würden. An diesem Tage wollte er die goldene Chanukälampe seines Herrn, eine herrlich getriebene Arbeit, die der berühmte Benvenuto Cellini nach der Zeichnung eines mit Rossi befreundeten Marannen geschmiedet, entwenden und sie einem Minister des Herzogs, mit dem er bereits handelseinig war, für den Preis von 25 000 Lire verkaufen. Mit dem Gelde wollte er den Hafen erreichen und das erste beste Schiff benutzen, um den Staub Italiens von den Füßen zu schütteln.

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