Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 24 (11.6.1909)
- Date
- 1909-06-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 24 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite 425 eine bessere ist, in denen sie mehr Freiheiten genießen und anscheinend auch besser entlohnt werden, hat diese Erscheinung gezeitigt. Und doch ist die Erziehung die ureigenste Domäne des weiblichen Geschlechtes, die es verdienen würde, daß sich irh wieder in größerer Zahl, als es in den letzten Jahren der Fall war, Mädchen, welche Lust und Liebe zu Kindern haben, zuwenden. Aber selbst für Mädchen, welche im Erziehungsfache nicht einen Erwerb suchen, sind dessen Kenntnisse von Wert; auch die künftige Mutter soll in allen Dingen Bescheid wissen, welche mit der Pflege und Erziehung des Kindes zusammenhängen. Deshalb machen wir auf die seit dem Jahre 1868 in Wien, II., Schiffamtsgasse 15, bestehende und mit der altbekannten israelitischen Kinderbewahranstalt unter gemeinsamer Leitung stehende Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen aufmerksam, mit welcher ein Bildungskurs für Kinderpflegerinnen (Bonnen) verbunden ist und die durch das ihr verliehene Oeffentlichkeitsrecht in der Lage ist, staatsgiltige Zeugnisse auszustellen, welche ihre Schülerinnen auch zur Anstellung an öffentlichen und Privat-Kindergärten berechtigen. Die Anstalt eröffnet im Herbste ihren 42. Jahrgang, nimmt jederzeit Anmeldungen entgegen und versendet über Wunsch Programme. Wien. (Aufnahme in die k. und k. Familien-Fideikom miß-Bibliothek.) Der Oberstkämmerer Sr. k. und k. Apostolischen Majestät hat im Wege des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht dem Herrn Professor Moriz A n t s ch e r l für die don ihm verfaßte Publikation „Elise Herz" — Geschichte einer Schule in Jerusalem — und das auf das Allerhöchste 60jährige Regierungsjubiläum Sr. k. und k. Majestät bezügliche Gedicht „Die Kinder beim Kaiser" den Allerhöchsten Dank mit dem Beifügen bekanntgegeben, daß dieselben der k. und k. Familien- Fideikommiß-Bibliothek einverleibt wurden Wien. Die „Lese- und Redeballe jüdischer H o ch'- s ch ü l e r in Wien", die in der letzten Zeit eine überaus rührige Tätigkeit entfaltete, unternahm vor einigen Wochen eine Exkursion auf den alten jüdischen Friedhof in der Seegaffe. Es war ihr gelungen, als wissenschaftlichen Führer Herrn Dr. Wachstem zu gewinnen, der, wie bekannt, im Aufträge der Akademie der Wissenschaften an einer Monographie über diesen Friedhof arbeitet. Nach vielen Hunderten zählten die Leute, die herbeigeeilt waren und den. gelehrten, aber allgemein verständlichen Ausführungen mit Interesse folgten und sich so ein Bild der jüdischen Vergangenheit entwerfen konnten Viele Leute, die bisher von der Existenz dieses Friedhofes nichts gewußt hatten, schätzten sich glücklich, eines der intereffantesten jüdischen Altertümer kennen gelernt zu haben. Der große Besuch und die Aufmerksamkeit, mit der man den Ausführungen folgte, zeigten, in wie großem Maße das Interesse für jüdische Wissenschaft lebendig ist. Die Lese- und Redehalle wird, um denjenigen, die an dieser Exkursion teilzunehmen verhindert waren. Gelegenheit zu bieten, die interessanten Altetümer zu besichtigen, im Herbst wieder eine Exkursion unternehmen. Herrn Dr. Wachstem wurde allseits der Dank ausgesprochen. Wien. (T a l m u d T h o r a-T empel, Malzgasse 16.) Samstag den 12. Juni 1909, nachmittags 3 Uhr, findet im Speisesaale der Ta mud-Thora-Schule ein Vortrag des Rabbinatskandidaten Bela Fischer statt. Thema: „Die drei Störer der sittlichen Weltordnung". Dr. Heinrich Friedjnng in der Wiener Akademie der Wissenschaften. Die Wiener Akademie der Wissenschaften hat den berühmten Wiener Historiker Dr. Heinrich Friedjung zum korrespondierenden Mitgliede gewählt. Dr. Heinrich Friedjung hat sich durch historische Werke besonders über Oesterreich und Deutschland einen bedeutenden Ruf erworben und es mangelt nicht an ernsten Stimmen, die erklären, daß Dr. Friedjung der bedeutendste Historiker der Jetztzeit ist. Großes Aufsehen erregten in jüngster Zeit die Artikel Friedjungs über die politischen Ereignisse auf dem Balkan und insbesondere über die serbische Propaganda in Kroatien und den im Zuge befindlichen Hochverratsprozeß in Agram. Ischl. Das Bethauskomitee gibt bekannt, daß für die Leitung des Gottesdienstes in Bad Ischl eine geeignete Persönlichkeit sich noch nicht gefunden hat und dass deswegen der öffentliche Gottesdienst noch nicht eingerichtet werden konnte. Bad Ischl. Bernhard Taussig, Obmann. Austritte aus dem Judentum. Vom 30. Mai bis 5. Juni 1909. Bauer Felix, Kaufmann, geb. 10. Juni 1871, Wien, IX., Liechtensteinstrasse 53. Biach Emma, Private, geb. 19. April 1886, Wien, II., Obere Donaustrasse 19. Gorlitzer Crescentia, geb. Feiffer, Private, geb. 8. Mai 1838, Raab, III., Rennweg 5. Handl Samuel, k. k. Professor i. R., geb. 12. Oktober 1846, Prerau, XVIII., Anton Frankgasse 5. Klare Ella, geb. Baumgarten, geb. 25. September 1883, Györ (Ungarn\ IV., Seisgasse 7. Krüger Viktor, Dr., Kapellmeister, geb. 25. Mai 1883, Wien, II., Obere Donaustrasse 99. Porges Linda, geb. 17. Oktober 1884, Prag, IX., Porzellangasse 36. Ronsperger Eugenie, geb. Fischer, Private, geb. 18. März 1861, Wien, I., Hohenstaufeugasse 2. Ronsperger Marietta, Private, geb. 24. August 1887, Baden bei Wien, I., Hohenstaufengasse 2. Weiss Stefanie, geb. Obinger, Kunstblumenbinderin, geb. 8. Jänner 1881, Wien, XIV., Mariahilferstrasse 202. Wollner Josef, k. k. Bau-Adjunkt, XVIII., Julienstrasse 11. Ein jüdischer Gesellenverein in Budapest. Aus Budapest wird uns geschrieben: In der unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Adolf Kohner abgehaltenen jüngsten Ausschußsitzung des „Ungarischen israelitischen Handwerks- und Ackerbauoereincs" wurde beschlossen, behufs Gründung eines aus freigewordenen Zöglingen der Vereinsanstalten bestehenden jüdischen Gesellenvereines eine Aktion einzuleiten. Die Leitung des zu diesem Zwecke eingesetzten Aktionskomitees wurde dem Ministerialräte Dr. Ludwig Ballai übertragen. Ebenso wurde zur Vorbereitung einer schon längst geplanten jüdischen Lehrlingsmensa ein Komitee designiert und beschlossen, zur Organisierung eines jüdischen Patronagekomitees zum Schutze verwahrloster Kinder die Initiative zu ergreifen. Lipto Rosenberg. Samstag vor acht Tagen hat sich der hiesige Bürgermeister Dr. Szekely Miklos mit Frau und zwei Kinder vom Szipser Bischof taufen lassen. — Zu bemerken ist, daß Dr. Szekely der Sohn eines sehr frommen armen jüdischen Lehrers ist, sein Schwiegervater ebenfalls ein frommer, aber sehr wohlhabender Jude ist. Dr. Szekely ist vor ungefähr 15 Jahren als Bezirksrichter hergekommen und später wurde er Gerichtsrat, voriges Jahr ließ er sich pensionieren und mit besonderer Hilfe der Juden wurde er zum Bürgermeister gewählt; demzufolge herrscht hier unter den Juden große Entrüstung. Berlin. (Mitteilung aus dem Deutschen Bureau der „Alliance Jsraelite Universell e".) Das Zentralkomitee der „Alliance Jsraelite Universelle" in Paris hat in seiner Sitzung vom 2. Juni als Beitrag zu den Einrichtungskosten des von dem Verein für Obdachlose in Hamburg erworbenen und umgebauten Hauses eine Subvention von 2500 Mark votiert. Die Londoner Universität und das Rosch- Haschonoh Fest. Aus London wird uns geschrieben: Mit Rücksicht darauf, daß der letzte Tag für die Jmmatrikulierung an der Universität auf den 26. September, das heißt das Rosch-Haschonoh-Fest, fällt, beschloß der Universitätssenat für solche Hörer, die ihre Zugehörigkeit zum Judentums Nachweisen, die Jmmatrikulierungsfrist um acht Tage zu verlängern. Dieser Beschluß des Senates hat in allen Kreisen Befriedigung hervorgerufen. Holländische Minister bei einer jüdischen Feierlichkeit. In Appeldoom, Holland, wurde kürzlich ein neues Zentralasyl für jüdische Geisteskranke feierlich eingeweiht. Bei der Einweihungsfeier waren im Namen der Regierung der Minister des Innern, sowie die Gouverneure von Gelderland und Nord-Holland anwesend, welche in ihren Ansprachen dem Wohltätigkeitssinne der Juden volle Anerkennung zollten. Ehrung eines Kriegsberichterstatters. Auf Vorschlag des französischen Kriegsministers hat d-er Präsident der Republik den militärischen Redaklenr des Pariser „Temps", Reginald Kann, zum Chevalier der Ehrenlegion ernannt. Als besondere Rechtstitel für diese Auszeichnung werden im Amtsblatte angeführt: M. Kann verfolgte de Operationen der englischen Armee in Transvaal, hatte als Korrespondent des „Temps" den Feldzug in der Mandschurei mitgemacht und die Operationen des „Corps de Debarquement" in Casablanca verfolgt. Er lieferte über alle diese