Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 24 (11.6.1909)
- Date
- 1909-06-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 14 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 423 stantinopel und Sofia führt er als geradezu mustergiltig an. Als hervorragend gut organifiert preist er die franzöfischen Schulen der „Alliance Jsra6lite", deren Leiter in Paris eine besondere Schule unterhalten, in der fie ihre Lehrer ausbilden lassen. Er erwähnt auch den Vorwurf, den die deutschen und österreichischen Juden gegen die Alliance-Schulen erheben, nämlich, daß das starke Betonen der franzöfischen Sprache geeignet sei, ihr Ansehen in Palästina zu schwächen. Ebenso wie die kongreganistischen Schulen find die Alliance-Schulen allen Konfessionen geöffnet. Sie werden selten von christlichen Kindern, häufig aber von muselmännischen besucht. — Anatole Beaulieu glaubt, daß alle diese aufblühenden Schulen noch eine große weitere Entwicklungsmöglichkeit vor sich haben und mißt ihnen eine hohe Bedeutung für die Zukunft der Juden im Orient bei. Kiew. Die Stadt Kiew steht jetzt vor der Wahl eines neuen Dumaabgeordneten. Es ist keine Neuwahl nach sonstigen parlamentarischen Begriffen; der dortige Abgeordnete Koljubakin ist weder gestorben, noch hat er sein Mandat niedergelegt — sondern ist auf Wunsch der Regierung von der Duma selbst ausgeschlossen worden. Es ist also eine spezifisch rusfische Nachwahl. Koljubakin hat sich nämlich erdreistet, vor seinen Wählern über die politische und parlamentarische Lage zu referieren, wobei er für die Regierung wenig Schmeichelhaftes zu sagen wußte. Ein solcher Deputierter gehört wirklich nicht in die dritte Duma! Man steht dort also vor einem neuen Wahlkampf. Höchstwahrscheinlich wird dieser abermals mit dem Sieg der Kadetten enden, für die vor allem die jüdischen Wähler von Kiew eintreten werden. Diese wünschen, und mit Recht, daß ein Jude als Kandidat von den Kadetten aufgestellt wird, mit der Begründung, daß Wilna eine überwiegend jüdische Bevölkerung hat und daß die Juden von allen Nationalitäten in Rußland in der Duma am schlechtesten vertreten find. Als den geeignetsten Kandidaten schlagen die jüdischen Wähler den bekannten Rechtsanwalt Grusenberg vor, der zu den bedeutendsten Juristen des Landes und den mutigsten und temperamentvollsten Kämpfern für die Sache der Freiheit gehört. Die Kadetten sollen, wie verlautet, den früheren Landwirtschaftsminister und Abgeordneten der zweiten Duma, Kuttler, als Kandidaten für den hiesigen Wahlkreis in Aussicht genommen haben. Nun ist an und für sich gegen Kuttler nichts einzuwenden, da er sich als gründlicher Fachmann auf dem Gebiete der Agrarfragen einen Namen gemacht hat. Die Agrarfrage spielt jedoch in der dritten Duma keine nennenswerte Rolle. Die Großgrundbesitzer haben in ihr das absolute Uebergewicht und geben dieser Frage die ihnen erwünschte Lösung. Die Opposition in dieser Duma kann nichts Positives erreichen, sondern lediglich durch rückhaltlose Kritik der Regierungsmethoden wirken. Gerade hiezu ist aber Grusenberg wie selten ein Zweiter geeignet. Von besonderer Wichtigkeit wäre er in der Duma für die Juden. Es wird sich nun bald zeigen, ob die Kadetten noch ein wenig Gerechtigkeitssinn und Pflichtbewußtsein gegenüber den entrechteten Juden empfinden. Die Annahme oder Ablehnung der Kandidatur Grusenberg wird ein Prüfstein dafür sein. Eine merkwürdige „jüdische" Rede am Grabe Pergaments. Unter den vielen Rednern, welche dem auf so mysteriöse Weise verstorbenen Dumadeputierten Pergament, der bekanntlich jüdischer Abstammung war, Nachrufe hielten, befand sich auch der jüdische Advokat Sliosberg, der die folgende, sowohl in russischen, als auch in jüdischen Blättern vielfach kommentierte Grabrede hielt: „Ich will hier einige Worte sprechen über Pergament, der Rußländer jüdischer Nationalität war. Wäre die Nationalität so gut organifiert, wie fie es sein sollte und wozu fie durch ihre Feinde geradezu getrieben werde, so hätte fie ihre bedeutendsten Vertreter hieher entsenden müffen, um des Verstorbenen Andenken zu ehren. Für das Judentum ist es vollkommen gleichgiltig, welche Glaubensüberzeugung der Verstorbene gehabt hat. Die Juden wissen nur eines: Der Dahingeschiedene war ein Mann von Herz, Ehre, Wahrheit und Freiheit! Pergament war ein Mensch, um deffen Person der unanständigste Haß getobt hat und er war die beste Widerlegung aller Beschuldigungen und Verleumdungen, welche sich über die jüdische Nationalität ergießen. Dieselben Menschen, welche die jüdischen Talente durch hartherzige Rechtlosigkeit ersticken, haben auch sein Lebenslicht ausgelöscht. Sein Körper ist ein Geschenk des Judentums an diesen Friedhof .Sein Andenken wird fortleben bei denen, die infolge ihrer Geburt demselben Volke entstammen, wie der Verewigte!" Der Antisemitismus in Marokko. Der neue Sultan von Marokko. Muley Hafid, ist ein Judenfeind. Er hat einen Ukas erlassen, daß sich kein Jude mehr auf der Terrasse seines Hauses zeigen dürfe, damit sein Anblick der scherifinischen Malestat die Laune nicht verderbe. Wenn die glühende maghrebinische Wüstensonne hinter den Küstenriffen ins Meer gesunken ist, sollen sich die Juden Marokkos nicht mehr an der Abendkühle laben dürfen. Muley Hafid will nicht erinnert sein, daß es Juden in seinem Reiche gibt und daß sie dort die notwendigste Gesellschaftsklaffe sind, die das morsche und finkende islamitische Kaiserreich noch vor dem gänzlichen Zusammenbruch bewahrt. Die Wichtigkeit der Juden für den marokkanischen Staat erkennend, haben die maghrebinischen Sultane durch ein Gesetz den Juden Marokkos die Auswanderung verboten. Wäre nicht dieses Gesetz, die ganze maghrebinische Judenschaft hätte längst den Staub Marokkos von ihren Sandalen abgeschüttelt und hätte in Algier das französische Jndigenat erworben. So aber müffen die Juden in Maghreb als Halbsklaven sich plagen und schuften und sollen sich jetzt auch nicht mehr auf der Gaffe blicken laffen. Das antisemitische kerpetuum mobile ist, dank dem Ukas Muley Hafids, entdeckt. Die jüdische Arbeit, als Zwangsarbeit, frohndet für den antisemitischen Staat und sein Oberhaupt; dem Juden selbst aber wird das Sitzen auf der Terrasse feines Hauses untersagt» damit sein Anblick kein antisemitisches Auge beleidige. Die Antisemiten Europas werden Muley Hafid als einen großen Vorkämpfer ihrer Ideen feiern. Vielleicht läßt ihm der Wiener Gemeinderat Hans Arnold Schwer sogar von einenl seiner Bezirks-Denkmälerkomitees in Wien ein Denkmal bei Lebzeiten setzen. Ein Muley Hafid-Brunnen in Ottakring! Das wird freilich nicht hindern, daß das Weltgericht in nicht ferner Zeit einen Staat in Scherben schlägt, deffen Oberhaupt seine fleißigsten Bürger nicht sehen will. _ Vermischtes. Spenden zur Plenarsitzung vom 16. Mai 1969. Von Herrn Rudolf Kohn anläßlich eines Familienfestes je K 100.— für Talmud-Thoraschule, Blindeninstitut, Taubstummeninstitut, Waisenverein, Volksküche, Frauenverein I. Bez. Kaiserin Elisabeth Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim, Armenanstalt, Handwerkerverein, Studenten-Unterstützungsverein.K 1000.— Von Herrn Moriz Edl. von Kuffner: für Arme XVI—XVII anläßl. d. Pessachfestes X 200.— für Mazzoth an Arme.. 200.— Anläßlich des Jahrzeittages seines seligen Vaters für Arme.„ 280.— „ 680.— Von Herrn David Ritter von Gutmann: für die Israelitische Allianz. 200.— für den Waisenverein. 200.— für die Armenanstalt . 200.— „ 600. - Entnahme der Sammelbüchsen mi Stadttempel: für die österr.-ung. isr. Gemeinde Jerusalem „ 60.60 für den Israel. Waisenverein.. 205.70 Allianz für russische Juden. 33.12 Frauenwohltätigkeitsverein I. Bez.„ 40.25 Chewra-Kadischa.„ 139.81 Armenanstalt. 113.99 „ 593.47 Entnahme der Sammelbüchsen im Tempel X V. Turner - gaffe: für Arme.. 122.55 Entnahme der Sammelbüchsen im Tempel. II., Tempelgasse: für die Armenanstalt.K 24.60 für die österr.-ung. isr. Gemeinde Jerusalem» 11.24 für den Frauenwohltätigkeitsverein II. Bez. „ 3.50 für den Waisenverein. 7.56 für die Chewra-Kadischa .„ 54.20 „ 101.10 Entnahme der Sammelbüchsen im Tempel, XVI., Hubergaffe: für Arme.„ 25.18 Von Herrn Fische! Landau: für den Frauenwohltätigkeitsverein 1. Bez. X 100.— „ „ mm 4. UNd 5. Bezirk. 50.— für den Frauenwohltätigkeitsverein 6. und 7. Bezirk. 50.— für den Frauenverein für Hausarme ...» 100.—