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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-06-11 · 24 (11.6.1909) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
24 (11.6.1909)
Date
1909-06-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 422 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 24 Dankreden kam es zu einer ganz bemerkenswerten Kundgebung seitens des ersten Vizepräses Herrn Dr. Ludwig Bendiener, welcher darauf hinwies, daß er, nachdem er seit dem Jahre 1871 der Repräsentanz angehört, wohl nicht nötig haben dürfte, seine Ueberzeugung darlegen zu müssen. Aber eines müsse er erwähnen: Es habe sich in Prag in jüngster Zeit eine Bewegung geltend gemacht, deren Ziel die Gründung eines Reformvereines ist. Redner erklärt, der entschiedenste Gegner dieser Verbindung zu sein, welche er sowohl im Bereiche seiner Amtstätigkeit, als auch in seinem Privatleben auf das energischeste bekämpfen werde, der Hoffnung Ausdruck gebend, daß er der Zustimmung aller Anwesenden sich vergewissert halte. (Lebhafter Beifall.) Hierauf wurde zur Wahl der verschiedenen Kommissionen geschritten, in welche zum größten Teile die früheren Funktionäre gewählt wurden. In die Schulkommission wird neu Herr Prof. Dr. Alex. Kisch gewählt. Zum zweiten Sekundararzt des israeliuschen Spitals wird MUC. Moritz A l l i n a bestellt und die Stiftung des Herrn I. H e l l e r per K 20.000 in Verwaltung der Gemeinde genommen. Im Hinblick auf die vorgerückte Stunde wurde die Sitzung um 1 Uhr geschloffen und für Donnerstag Vormittag die Fortsetzung derselben anberaumt. Sohrau (Ob.-Schl.) Ein hübsches Bild konfessioneller Eintracht läßt sich aus unserem Nachbarort Goldmannsdorf berichten: „Als ein jüdisches Ehepaar, das hier Jahrzehnte hindurch ansässig gewesen war. seinen Wohnsitz verlegte, verkündeten sowohl der dortige katholische Priester, als auch der zuständige evangelische Geistliche in der Kirche das Scheiden der jüdischen Mitbürger und rühmten von der Kanzel herab das segensreiche Wirken des Ehepaares, das die Liebe und Dankbarkeit der ganzen Gemeinde sich verdient hätte und desien Wegzug jeder als seinen eigenen Verlust empfinde. Die kalholischen wie die evangelischen Kemeindemitglieder waren, wie es in einem uns vorliegenden Bericht heißt, zu Tränen gerührt. Dieses Beispiel mag denen vor Augen gehalsten werden, die nach Beweisen dafür verlangen, wie Juden da, wo man sie kennt und wo ihnen freie Wirksamkeit gestattet wird, gewertet werden. Ei» rumänischer Konsul über die Lage der Juden in Rumänien. Aus New-Aork wird der „N. I. K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Der hiesige rumänische Konsul Spencer hat in einer New-Iorker Zeitung einen Aufsatz über Rumänien veröffentlicht, worin er über die Lage der Juden in diesem Lande folgendes bemerkt: „Ein Löffel kostet IV2 Pence, und eine ganze jüdische Familie muß sich mit einem Löffel begnügen, da sie nicht einen zweiten kaufen kann. Ein neugeborenes Kind wird in Papier gewickelt, weil Leinwandwindeln zu teuer find. Die Lage der Juden in Rußland ist eine bessere als die ihrer Brüder in Rumänien. In Rußland besteht die Hoffnung, daß die Progressiven und Gerechten zur Regierung gelangen; in Rumänien aber ist gar keine Hoffnung auf Besserung vorhanden, da die Konstitution dort das Unrecht sanktioniert und alle Parteien daran beteiligt sind. Aus Mangel an Mitteln zur Flucht aus der Knechtung ist jede Rettung unmöglich. Die rumänischen Juden leiden unter dem schweren Druck von besonderen Steuern und Abgaben." Wie trostlos muß es um die Juden in Rumänien bestellt sein, daß selbst sein offizieller Vertreter sich zu solchen Bemerkungen gedrängt fühlte! Odessa. Bekanntlich hat das Ministerium des Innern in der Duma einen Gesetzentwurf über die Bildung eines Gouvernements Chelem (aus dem östlichen Teil der bisher polnischen Gouvernements Siedlce und Lublin) eingebracht, damit den Juden in diesem Gebiete in Zukunft verboten sein soll, Immobilien auf dem Lande zu erwerben oder zu pachten. Durch die guten Chancen dieses antisemitischen Tricks ermutigt, haben nun die reastionären Mitglieder der hiesigen Stadtduma in der Stadtverordnetenversammlung einen Antrag eingebracht, die Stadt Odeffa aus dem jüdischen Ansiedlungsrayon mit Genehmigung der Regierung auszuscheiden und sämtliche Juden auszuweisen. Die hiesige Stadtduma wird jetzt vollständig von den „echten Russen" beherrscht und würde kein Bedenken tragen, einem solchen Vorschlag zuzustimmen. Doch darf man hoffen, daß die Regierung vor diesem Schritte, der hunderttausende von Juden heimatlos und Odessa zu einem unbedeutenden Flecken machen würde, zurückschrecken und ihre Sanktion zu diesem ungeheueren Beschlüsse verweigern wird. In der letzten Woche sind 58 Juden aus den Gouvernements Bessarabien, Warschau, Grodno, Irkutsk, Kiew, Minsk, Petersburg, Pietrikau, Plocz, Podolin rc. via Odessa nach Palästina ausgewandert — darunter 45 Männer und 13 Frauen. An Vermögen besaßen von diesen Personen: einer 40.000 Rubel, einer 10.000 Rubel, drei je 6000 Rubel, einer 5000 Rubel, vier je 3000 Rubel und zwei je 2000 Rubel. Von Beruf waren elf Handwerker, zwei Landarbeiter, die übrigen Kaufleute. Goldschwindler in Rußland. Die Wiener k. k. Polizeidirektion verlautbart folgende Warnung vor Belrügereien und schwindelhaften Vorspiegelungen, welche von unbekannten Tätern in Rußland herrühren. Seit jüngster Zeit erhalten verschiedene Personen Briefe, die durch ihre nahezu gleichlautende Fassung an die beim sogenannten Schatzgräber-lEntierro-)Schwindel in Gebrauch stehenden Briefe erinnern. v Der Betrug wird in folgender Weise inszeniert: Das auserkorene Opfer bekommt zunächst den erwähnten Brief, in welchem der Absender mit „Jlia Gurland, Adresse Wilna postlagernd Gnrland" zeichnet, bekannt gibt, er habe 60 Pfund Berggold, die Probe in Stämmchen geschmolzen. Er verspricht, die Ware dem Adressaten mit 25 Perzent Nachlaß, alles zum Goldknrse, eventuell unter Einräumung von Kredit, zu verkaufen. Der Schreiber, welcher die Adresse des Empfängers von einer in Oesterreich lebenden Person erfahren haben will, fordert den Adressaten auf, selbst die ganze Ware zu kaufen oder ei, en kaufkräftigen Bekannten namhaft zu machen und verlangt telegraphische Mitteilung von der Annahme, angeblich um den Reflektanten sodann den Ort des Geschäftsabschlusses bekanntgeben zu können. Hiebei wird der Adressat speziell aufgefordert, nach Rußland zu kommen und sich mit allen nützlichen und notwendigen Mitteln, sowie mit Probierzeug zu versehen. Das ausgewählte Opfer noch sicherer, zu mgchen, riet, der Offerent auch zur Mitnahme von „Scheidewasser" behufs Prüfung der Ware und erklärt sich auch bereit, die Stämmchen von Reflektanten zerschneiden und einschmelzen zu lassen. Als Adresse, an welche das oben erwähnte Telegramm abzusenden ist, wird regelmäßig „Rußland Mir Minski Gub, Dowostrebowacice 40, Jlia Gurland" angegeben. Wird dieses Telegramm wirklich abgeschickt, so bekommt das Opfer einen zweiten Brief, worin der Schreiber ersucht, von dem Einverständnisse niemanden etwas zu sagen; gleichzeitig wird dem Reflektanten die Reiseroute bekanntgegeben. Als den Ort des in Aussicht genommenen Zusammentreffens bezeichnet er die Stadt „Resitze", wohin der Reflektant über Warschau, Petersburger-Bahnhof, oder über Deutschland via Mirballen reisen solle. Entschließt sich ein Briefempfänger tatsächlich zu der Reise, so muß er am Wege noch telegraphisch an die avisierte Adresse den erfolgten Reiseantritt bekanntgeben. Der Endzweck aller dieser komplizierten Machinationen besteht offenbar darin, das Opfer nach Rußland zu locken und ihm, sobald es russischen Boden betreten hat, sein Geld abzunehmen, worauf es aller Hilfe und Mittel entblößt an den ihm fremden Orte seinem Schicksale überlassen wird. Hiebei ist zu bemerken, daß auch eine Inanspruchnahme der russischen Behörden an Ort und Stelle keine Aussicht auf Hilfe bietet, da nach russischem Gesetze das Unternehmen des Geschädigten, sich auf die geschilderte Weise in den Besitz von Geld zu versetzen, als Versuch einer strafbaren Handlung sich darstellt und die Gewährung eines Schutzes von behördlicher Seite daher nicht gewärtigt werden kann. Die jüdischen Schulen iw Orient. Anatole Leroy Beaulieu, der bekannte französische Schriftsteller und Mitglied des Institut de France, befindet sich eben auf einer Studienreise im Orient. Er veröffentlichte vorige Woche in der „Revue des deux Mondes" einige interessante Schilderungen über die Eindrücke, die er von den jüdischen Schulen im Orient empfangen hat. Nach Beaulieus Ansicht sind die besten französischen Schulen die kongreganistischen. Aber auch den andern israelitischen Lehranstalten zollt Anatole Beaulieu lebhaften Beifall. Er hat sie sämtlich besucht: in Europa, Asien und Afrika — und überall nötigte ihm das gediegene Wissen der Lehrer und der Lerneifer der Schüler und Schülerinnen die höchste Achtung ab. Die Schulen von Saloniki, Galata, Kon-

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