Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 24 (11.6.1909)
- Date
- 1909-06-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 24 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 421 wenn er erwägt, daß dadurch diesen sonst hilflosen und einer traurigen Zukunft entgegensetzenden Kindern der Weg zu einem freundlicheren Los geebnet wird. Dieses segensreiche Werk konnte vollführt werden, dank der Gnade unseres erhabenen Monarchen, unter Allerhöchstdessen Regierung es möglich war, diese Bildungsstätte für die armen israelitischen Taubstummen, welche früher wegen ihres Glaubensbekenntnisses in keiner Anstalt Aufnahme fanden, ins Leben zu rufen. Seine Majestät der Kaiser war es, der mit Allerhöchster Entschließung vom 11. Jänner 1856 zu gestatten geruhte, „daß das dermalen in Unter-Meidlnig untergebrachte israelitische Taubstummeninstitut ein seinem Bedarfe entsprechendes Haus nebst einem dazu gehörigen Garten oder aber einen Platz, worauf ein solches Gebäude erbaut und ein Garten angelegt werden könne, innerhalb der Linien Wiens erwerben dürfe", zu welchem Zwecke dem Institute für die Dauer seines Bestandes aus dem ungar.-israel. Schulfond ein unverzinsliches Darlehen von fl. 15.000 sowie ein Baubeitrag von fl. 5000 aus dem Mähr.-jüd. Landesmassafonds gnädigst gewährt wurde. Ein weiteres Zeichen Allerhöchster Gnade erhielt das Institut durch die huldvolle Anordnung Seiner k. k. apost. Majestät, daß aus dem Ungar. Schulfond 20 Stiftungsplätze für arme israelitische, in Ungarn heimatsberechtigte Kinder zu kreieren und unserem Institute zuzuweisen seien. So wurde denn das 60jährige Regierungsjubiläum Sr. Majestät unseres Kaisers von den Jnstitutszöglingen mit dankerfülltem Herzen gefeiert. Allen Zöglingen, die das nötige Faflungsvermögen besaßen, wurde am 2. Dezember d. I. die Bedeutung dieses Tages in faßlicher Weise zum Verständnisse gebracht und aus der Tiefe ihres Herzens kamen die Worte: „Gott erhalte unfern Kaiser!" Zur bleibenden Erinnerung an dieses bedeutungsvolle Jubiläum und einem von Sr. Majestät ausgesprochenen Wunsche nachkommend, ist man allseitig bestrebt, das Wohl hilfloser und verlassener Kinder durch Schaffung neuer und Erweiterung bestehender Institutionen zu fördern und zu verbessern. Welches Kind bedarf aber größerer Fürsorge als das arme taubstumme Kind? Darum wenden wir uns an alle Edelgesinnten, insbesondere aber an unsere opferfreudigen Glaubensgenossen mit der inständigen Bitte, uns durch Beitragsleistung, sowie durch Zuwendung die Erhaltung unserer segensreichen Anstalt zu erleichtern und es uns zu ermöglichen, unsere heilige Aufgabe in vollem Maße zu erfüllen. In nachstehendem führen wir mit dem Ausdrucke wärmsten Dankes die im abgelaufenen Jahre für das Institut bestimmten Widmungen an. Die Direktion der ersten österreichischen Sparkaffe widmete wie alljährlich X 600.—, Herr Theodor Ritter von Tausfig spendete anläßlich der Vermählung seiner Tochter X 100.— und aus gleichem Anlasse wendete Herr Simon Mandler dem Institute K 100.— zu. Aus Anlaß der Genesung seines Sohnes widmete Herr Heinrich Freiherr von Königswarter X 300.—. Frau Josefine Paul-Schiff hatte die Güte, den Erlös für einen gemieteten Tempelfitz im Betrage von X 50.— der Anstalt zu widmen. Gelegentlich der im Jnstituts-Bethause abgehaltenen Gedächtnisfeier für den sel. Herrn Max Theodor Schiff spendeten Herr Paul Schiff X 100.— und Frau Emma Schiff ebenfalls X 100.—. Es widmeten Herr Friedrich Nirenstein anläßlich des Requiems für den sel. Herrn Martin Nirenstein X 50.— und Frau Josefine Paul-Schiff aus Anlaß der Gedächtnisfeier für den sel. Herrn Moriz Freiherrn von Königswarter X 100. — . Herr Viktor Ritter von Ephrusfi spendete anläßlich der Gedächtnisfeier für seine sel. Eltern X 200.— und Herr Stephan Ritter von Ephrusfi aus demselben Anlasse X 200.—, Herr k. k. Bergrat Max Ritter von Gutmann widmete aus Anlaß des Requims für den sel. Herrn Wilhelm Ritter von Gutmann X 200.—. Gelegentlich der Gedächtnisfeier für die sel. Frau Josefine von Königswarter spendete Frau Josefine Paul-Schiff & 50.— und am Tage des Requiems für den sel. Herrn Paul Theodor Schiff widmete Herr Paul Schiff X 50.-. Die Angehörigen des sel. Herrn Friedrich Ritter von Boschan spendeten aus Anlaß der im Jnstituts-Bethause für den letzteren abgehaltenen Gedächtnisfeier X 200.—. Frau Rebecca Mauthner widmete dem Institute gelegentlich der Wiederkehr des Todestages ihres sel. Vaters X 50.— und Herr Gustav Freiherr von Springer am Todestage seines sel. Vaters X 500.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Rosa Schiff spendete Herr Viktor Ritter von Ephrusfi als Kranzablösung X 100.— und als Kranzablösungen für den sel. Herrn Direktor Dr. Brunner wurden dem Institute X 310.— gewidmet. An Legaten kamen der Anstalt im verfloffenen Jahre zu: Nach dem sel. Frl. Franziska von Wertheimstein X 2000.— und nach dem sel. Herrn Lukas Gv'law X 1500.—. Den in den Familienwohnungen ausgestellten Sammelbüchsen entnahmen wir den Betrag von X 543.31 und sprechen wir allen Spendern den besten und wärmsten Dank aus. Besonderen Dank statten wir einem anonymen edlen Wohltäter ab, der im abgelaufenen Jahre dem Institute in Einzelbeträgen X 15—, 10.—, 40.—, 50.—, 80.—. 20—, 20.— und 10—, somit im ganzen X 245.— zuwandte. Bei dieser Gelegenheit sei uns die Bitte gestattet, der hochherzige Gönner wolle, falls er in der Folge das Institut wieder mit milden Gaben bedenken wolle, dieselben gütigst in eingeschriebenen Briefen senden, weil nur dann die Gewähr besteht, daß alle'Spenden, wie es gewiß der Wunsch des edlen Wohltäters ist, in den Besitz des Institutes gelangen. Wir sagen endlich besten und wärmsten Dank dem Jnstitutsarzte Herrn Dr. Ignaz Lackenbacher für seinen dem Institut geleisteten ärztlichen Beistand. Ebenso verbindlichst danken wir Herrn Dr. A. Mittler für die unentgeltliche, den Jnstitutszöglingen gewährte zahnärztliche Hilfe und Herrn Dozenten Dr. V. Hammerschlag für die selbstlose, außerordentlich sorgfältige vhrenärztliche Behandlung der Pfleglinge. Mit tiefer Wehmut gedenken wir an dieser Stelle, die dem Rückblicke auf das verflossene Jahr gewidmet ist, des schmerzvollen Verlustes, den unsere Anstalt durch das Ableben unseres hochverdienten Direktors, des nunmehr in Gott ruhenden kaiserl. Rates Dr. Moritz Brunner erlitten hat. Wir betrauern in dem allzufrüh Heimgegangenen den ausgezeichneten Jugendbildner und Lehrer, der durch seine hervorragenden pädagogischen und fachlichen Kenntniffe, durch seine unermüdliche Schaffensfreudigkeit und Berufstreue das Institut auf ein hochragendes Niveau der Entwicklung emporgebracht und zu einer weithin anerkannten Bildungsstätte ausgestaltet hat. Wir beklagen den Verlust eines Mannes, der durch die ihm zu eigen gewesenen menschlichen Eigenschaften, seine unvergleichliche Sanftmut, sein freundliches und liebevolles Wesen und durch die väterliche Fürsorge und treue Hingebung in seinem Wirken und Walten in hohem Maße befähigt war, der ihm anvertrauten Mission, einem Asyle unglücklicher, von schwerem Schicksale betroffener Kinder vorzustehen, voll und ganz gerecht zu werden. Sein Andenken sei gesegnet! Der Vorstand. Prag. (Aus der israelitischen Gemeinde- Repräsentanz.) Sonntag vormittags fand im neuen Sitzungssaale des Rathauses die Konstituierung der aus den Ergänzungswahlen hervorgegangenen Gemeinderepräsentanz statt. Die Wahlen wurden ohne Debatte verifiziert. Hierauf begrüßte der Präsident das neuzewählte Mitglied, Herrn llniversitälsprofessor Dr. Jakob Singer, der Hoffnung Ausdruck gebend, daß er sein so vielfältig als Kliniker und Arzt bekundetes wohltätiges Wirken nunmehr im Schoße der Gemeindevertretung selbst in umso stärkerem Maße wird manifestieren können. Nun erfolgte die Wahl des Präsidiums. Zum Präses wurde abermals Herr Dr. Arnold Rosenbacher, zum ersten Vizespräses Herr Dr. Ludwig Bendiener und zum zweiten Vizespräses Herr kaiserl. Rat H a u r o w i tz einstimmig gewählt. Bei den