Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 24 (11.6.1909)
- Date
- 1909-06-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 420 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 24 solcher Dreschwagen wird in Jesaias 41, Vers 15, genannt. Eine andere Art des Dreschens war, daß man fortwährend Ochsen über das Getreide trieb, wobei das Gesetz: „Du sollst dem Ochsen, der dir drischt, nicht das Maul verbinden", gewissenhaft gehalten wurde. Die Art, sich der Tiere zum Austreten der Körner zu bedienen, scheint schon bei fast allen Völkern mehr oder weniger in Gebrauch gewesen zu sein und wird noch heute in Chili angewendet. Man errichtet dort einen oft 40 bis 50 Fuß hohen und ebenso breiten Haufen Weizengarben, läßt um diesen-einen-°15 bis 20 Schritt breiten Raum und umgibt diesen mit einem Zaun. Von der Höhe des Haufens wirft man die Garben in den freien Raum und treibt 30 bis 40 Stück Stuten im kreise über dieselben. Die Spreu verweht der Wind, die Körner kehrt man öfter zusammen und sammelt sie ein. Das ganze Stroh geht auf diese Weise verloren: da man dort aber keine Stallfütterung hat, selbst das Vieh nie in Ställen verwahrt, und ebenso wenig die Aecker düngt, so kommt dieser Verlust wenig in Betracht. Bei den Juden scheint auch aus der Tenne mit einer Art Flegel gedroschen worden zu sein. Es heißt in der Chronik: „denn Aram drosch Weizen", und etwas weiter: „er ging heraus aus der Tenne". Iesaia 28. Vers 24 bis 28 heißt es über den Ackerbau: „Pflüget oder brächet, oder arbeitet ein Ackermann seinen Acker immerdar zur Saat? Ist es nicht also? Wenn er es gleich gemacht hat, streuet er Wicken und wirft Kümmel, und säet Weizen und Gerste, jegliches, wo er es hin haben will. Denn man drischt die Wicken nicht mit Eggen, man läßt auch nicht das Wagenrad über den Kümmel geben, sondern die Wicken schlägt man mit einem Stabe und den Kümmel mit einem Stecken. Man mahlt es, daß es Brot werde, und drischt es nicht gar zu nichts, wenn man es mit Wagenrädern und Pferden ausdrischt." In der Bibel finden sich noch Angaben, wie das Getreide nach dem Dreschen gereinigt wurde. Zuerst wurde es mit Wurfschaufeln von der Spreu und anderen Unreinigkeiten gesäubert, später gesiebt, um die großen Körner von den kleinen zu scheiden. Aus aU diesem geht hervor, daß die alten Juden ein bedeutenden Ackerbau treibendes Volk waren. Es war das Bestreben der geistig Begabteren, den Ackerbau möglichst zu fördern und zu heben." Korrespondenzen Cröffrmrra des Kaiser Franz Joseph - Arbeiterinnen-Erholungsheimes des Wiener Vereines „Frauenbort" Dieses reizende Heim wurde am 6. Juni in Sebenstein- Sautern an der Aspangbahn feierlichst eröffnet. Die Präsidentin des Vereines. Frau Rosa Zifserer, die beiden Vizepräfidentinnen Regine Kopstein und Johanna Fröhlich, die Vorstandsdamen Anna Hirsch, Jeannette Sch eff t e l, Therese Geisenheim er, Helene Glogau, Sofie Deutsch, Philippine Dalmbert, Philippine Gelbhaus, Leonore Kohn, Emilie Quittner, Martha Stiaßny, Clotilde Benedikt und Regine B e t t e lheim empfingen an der Schwelle des Heimes mehr als hundert Festgäste, darunter^ die Honoratioren der Umgebung und von Neunkirchen, den ^Vizepräsidenten der Wiener KuÜusgemeinde Dr. Gustav K o h n/ die Vertreter des philanthropischen Hietzinger und Neunkirchner Frauenvereines, zahlreiche Gönner aus den Kreisen der Finanz, Industrie, des Advokaten- und Aerztestandes, der Wiffenschast, Literatur, sowie viele Damen aus der Zahl der Mitglieder des Vereines. Frau Z i f f e r e r hielt eine ergreifende Ansprache, worin sie die neunjährige Tätigkeit des Vereines auf dem Gebiete der Arbeiterinnenkolonien schilderte, die der „Frauenhort" anläßlich des 70. Geburtstages des Kaisers gegründet hat, nachdem die Frau des Bürgerstandes durch die Arbeiterinnen- Enquete erst den vollen Einblick in das Los ihrer Milchschwester erhalten hatte. Bis jetzt wurden fast 500 erwerbende Mädchen in verschiedenen Privatfamilien untergebracht, bis es dem „Frauenhort" gelang, im Jubiläumsjahr das eigene Heim zu erwerben, dem Seine Majestät durch die Verleihung Seines Namens die höchste Weihe zu geben geruhten. Mit dem Dank und einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser schloß Frau Z i f f e r e r. Hierauf hielt Herr Dr. Kohn die Festrede, in der er die Verdienste des Vereines, namentlich der Präsidentin und der beiden Vizepräsidentinnen pries, die mit verhältnismäßig kleinen Mitteln und ohne an die große Oeffentlichkeit heranzutreten, so Großes geschaffen, und sprach den Wunsch aus, daß der Geist der Sabbathruhe, der Liebe und Eintracht in diesem Hause walten und es im Frieden mit der Bevölkerung des schönen Tales gedeihen möge. Hierauf rezitierte Fräulein Else Feldmann einen selbstgedichteten Prolog, in dem sie hervorhob, daß die Mädchen sich in diesem Hause vor den Furien der Not und des Kampfes ums Dasein so sicher fühlen, wie Orest unter dem Schleier der Iphigenie, und sprach auch der trefflichen Direktrice den Dank aus. Nach dem Absingen der Volkshymne von seiten der gegenwärtig anwesenden 30 Schützlinge erfolgte der Rundgang durch das Heim, das Komfort, einfachen Geschmack, Gemütlichkeit und Erfüllung aller hygienischen Anforderungen vereinigt, wie nur selten das Heim eines Privatmannes, und vorläufig 120 Schützlingen Platz gewährt, aber sehr erweiterungsfähig ist. Zu dem Behagen des Heims haben die zahlreichen Spenden von Industriellen und Damen an Einrichtungsgegenständen, Büchern und Lebensmitteln wesentlich beigetragen, sowie der durch Herrn Baumeister B a r e i s ausgeführte Umbau. Auf der Stiftertafel find die Herren Rudolf A u s p i tz, Max B u n z l, Salo Cohn, Alphonse Gindreau,.David v. Gutmann, Baron Nathaniel v. Rothschild, das Ehepaar MaxH iller, die FrauenFannyKann, Julie T r e b i t s ch, Rosa Z i f f e r e r verzeichnet, während bisher 7 Bettstiftungen (ü K 500) die Namen Max B u n z l, Arnold Fröhlich, Johanna Fröhlich, Regine B e t t e l h e i m, Regine K o p st e i n, Paula Landau, Donat Z i f f e r e r tragen. Von dem Heim begaben sich 70 Festteilnehmer zum Bankett, das durch den Kaisertoast der Präsidentin, die Toaste der Herren kais. Rat Lichtenstadt, Gottlieb Bettelheim, Dr. Glogau, K o p st e i n, Advokat Dr. G r ü n e r aus Neunkirchen, Dr. Gustav Kohn ein ebenso würdiges als interessantes Gepräge erhielt und zu dem zahlreiche Glückwunschdepeschen aus Wien einliefen. Ein gemütliches Gartenfest im Garten des Heims, das eine herrliche Fernsicht, lauschige Plätzchen und einen ganzen Berg Fichtenwald umschließt, vereinigte Gäste und Schützlinge bis in den Abend hinein und Dr. Josef Bloch feierte die Verdienste der beiden Vizepräsidentinnen des „Frauenhort", Kopstein und Fröhlich. Wir hegen den aufrichtigen Wunsch, daß diese mustergültige Institution des „Frauenhort", die nunmehr dem erwerbenden Mädchen eine Zuflucht bietet, nachdem schon lange so verdienstvolle Schöpfungen für Kinder und kranke Frauen bestehen, blühen und gedeihen möge, damit diese Aermsten unter den Armen, die nur zu oft des Schutzes der Eltern entbehren müssen und bei denen ein entsetzliches physisches und materielles Elend die größten Gefahren bringt, hier neu gekräftigt werden für ihr schwieriges Lebenswerk und, wie Dr. Gustav Kohn hervorhob, das Gefühl fassen können, daß die Gesellschaft ihnen in jeder Weise in ihrer Verlassenheit hilft. Israelitisches Taubftuwmeninstitut. Der Bericht des „Allgemeinen 'österreichischen israelitischen Taubstummen-Jnstitutes" über das abgelaufene Schul- und Verwaltungsjahr konstatiert, daß im verflossenen Jahre 100 Zöglingen, u. zw. 60 Knaben und 40 Mädchen die Wohltat der Erziehung und des Unterrichts in der Anstalt zuteil wurde. Den Wert dieser Wohltat wird jeder Menschenfreund würdigen,