Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 24 (11.6.1909)
- Date
- 1909-06-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 24 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 419 „Wenn ihr in meinen Gesetzen wandelt und meine Gebote beobachtet, so werde ich regnen lassen zur rechten Zeit und die Erde wird den Ertrag euch in Fülle geben." (Lev. 33, 3—5.) Die Strafe nach dem Sündenfall, von der die Bibel berichtet und auf die der Kritiker sich beruft, war nicht der Fluch des Ackers und seines Ertrages, sondern die mit dem Bestellen des Feldes verbundene schwere Arbeit; das tägliche Hasten und Jagen sind es, die dem Adam hier in Aussicht gestellt werden, oder wie wir heute sagen würden: es ist „der Kampf ums Dasein". Dies wird in der Genesis 3, 19 deutlich ausgesprochen: „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du Brot genießen!" Der Ertrag des Ackers als solcher wird in allen Teilen der Bibel, so wie von der späteren Tradition als Segen Gottes aufgefaßt. Und darum ist es falsch und entspricht ganz und gar nicht dem Geiste der Bibel, noch dem des Judentums, wenn der Kritiker ferner behauptet: „Es ist wahrlich kein erhebender Gedanke, zu sehen, daß das Christentum, durch die einmal gegebene Auffassung des Judentums gezwungen, nicht nur Jahrhunderte, nein Jahrtausende lang in schlechten, in Mittlern, in guten, ja in reichgesegneten Jahren den Lohn der sauren und hingebenden Arbeit des Ackermannes, den Gottessegen des Feldes, als die Folge strafbarer Vergehung des Menschen und des Fluches einer zornigen Gottheit ansah." Ein solches Judentum, das den Segen des Ackers als Fluch einer „zornigen Gottheit" ansah, hat's nie gegeben! Auch ist dem Geiste der Bibel nichts fremder, als solche mythologische Vorstellung. Viele unserer Gebete und Institutionen haben zum Gegenstand den Segen der Bodenkultur, oder sie sind von dieser abhängig. So hat das 8eb'mou8.-e8r6-Gebet, eines der Hauptbestandteile unserer Gebetordnung, einen besonderen Segensspruch für das Gedeihen der Saaten und der Bodenfrüchte. Und wer kennt nicht das schöne Erntefest, auch das „Hüttenfest" genannt, das so reich an poetischer Ausschmückung und feierlichen Zeremonien und Uebungen ist, von dem die Alten behaupten: „Wer nicht dieses Fest in seiner Größe und Herrlichkeit gesehen, der habe nie die Größe eines Freudenfestes gesehen noch empfunden." Es war nach seinem Grundgedanken ein Agrikulturfest, mit Ausblicken von weitreichendem ethischen Charakter. Nach der biblischen Auffassung ist das Ausbleiben des Segens des Ackers die Folge einer strafbaren Vergehung des Menschen und der Mißertrag wird als Strafe Gottes angesehen. Dies wird in folgendem biblischen Satze deutlich ausgesprochen: „Hütet euch, daß sich nicht betöre euer Herz, daß ihr nicht abfallet und fremden Göttern dienet. Dann müßte Gottesstrafe euch treffen, die Erde euch nicht ihren Ertrag geben." (Deuter. 11, 16—17.) Den Segen des Feldes als Fluch einer zornigen Gottheit anzusehen, ist eine mythologische Vorstellung und hat eine Pessimistische Weltanschauung zur Voraussetzung. Bei allen antiken Völkern hat es ganze Orden gegeben, deren Tendenz die Negierung alles Realen und Seienden war. Es war der Pessimismus, der diese Orden erfüllte und solche Anschauung zeitigte, die aber mit der o p t i m i st i s ch e n Anschauung der Bibel nichts gemein hat. Es sei hier an das schöne Wort des Engländers I. Ruskin erinnert, das mit unserer Ausführung Vielfaches gemein hat: „Je mehr, sagt Ruskin, wir die geschaffene Welt kennen lernen, desto sicherer erkennen wir, daß es der Wille des Schöpfers ist, seine Geschöpfe glücklich zu sehen; daß er alles zur rechten Zeit und am rechten Orte schön gemacht hat und daß es an den Menschen liegt, denen die Freiheit gegeben worden ist, seine Gesetze zu übertreten, wenn die Schöpfung stöhnt und in Schmerzen gebiert."*) S i s s e k. Dr. Benno Heisz, Bezirks-Rabbiner. *) John Ruskin: Vorlesungen über Kunst, S. 92. Getreidebau bei de« alten Molkern. Ueber dieses interessante Thema schreibt die „Bäckerzeitung" u. a.: „Merkwürdig und bewunderungswert ist es, daß die Menschen in Hinsicht auf die Getreidearten seit Jahrtausenden nichts neues gelernt haben, aber auch nicht das geringste. Wir bauen noch heute das, was die Alten bauten, und haben wir von den Alten auch Nachrichten über Getreidearten, so bekamen wir sie doch nur von vielleicht längst verschwundenen, untergegangenen Völkerschaften, deren Ursprung sich im Dunkel der Geschichte verliert. Aus der Vorzeit der Geschichte lernen wir zuerst die Phönizier als Kultur- und Handelsvolk kennen, welche einen Küstenstrich Syriens am Fuße des Libanon bis zum mittelländischen Meere bewohnten; ein schönes fruchtbares Land mit reichen Waldungen und erzreichen Bergwerken. Die Bewohner, arbeitend, handelnd und mit dem kühnsten Mute die Meere durchschiffend, brachten mit ihren Waren und Handelsartikeln den Völkern, mit denen sie in Verkehr traten, auch die Kultur mit und unterliegt es keinem Zweifel, daß sie den westlichen Küsten des mittelländischen Meeres unter anderen Kulturpflanzen auch die ihnen bekannten Getreidearten gebracht haben, wenn auch vielleicht nur, um dort wieder Getreide einzukaufen, wie sie es mit dem Wein machten, den sie von den Inseln des Mittelländischen Meeres eintauschten, nachdem sie zuerst die Rebe dorthin verpflanzt hatten. Sie gingen sogar bereits mit ihren Schiffen 1100 v. d. übl. Ztr. durch die Straße von Gibraltar, legten die Stadt Kadir an und machten dieselbe zum Mittelpunkt und Stapelplatz ihres ausgezeichneten Handels, besuchten von dort weiter Madeira und die kanarischen Inseln, holten von den britischen Inseln Zinn und aus der Nordsee Bernstein. Ackerbau indessen trieben sie sehr wenig und bezogen das meiste Getreide aus Judäa, woraus ganz sicher zu schließen ist, daß die bei den Juden gebauten Getreidearten auch bei ihnen in Gebrauch waren und durch sie weiter verbreitet wurden. Daß bei den alten Juden der Ackerbau bestand, ersehenwir aus der Bibel, ebenso auch zum Teil die Getreidearien, welche von ihnen gekannt und gebaut wurden. Mit Sicherheit können Weizen, eine Dinkelart und Gerste genannt werden, welche von ihnen benutzt und angebaut wurden. Ueber die Art und Weise, wie der Ackerbau betrieben wurde, liegen uns genauere Nachrichten vor. Den Pflug und die Egge kannten sie bereits, auch ist von einem Joch Ochsen die Rede. Wenn nach Jochen gerechnet wird, so ist ein Ochs gemeint, man erwähnt Ochsen und Füllen, die den Acker bauen und nicht gemengtes Futter bekommen sollen, ebenso sollen nicht zugleich Ochsen und Esel an einen Pflug gespannt werden. Aus der Bibel erfahren wir ferner mancherlei, wie gesät und geerntet wurde. Die Ernte begann Ostern und war Pfingsten beendet. Gerste war im April vollständig reif. Weizen im Juni. Bei Jerusalem scheinen jedoch die Feldfrüchte früher gereift zu sein, denn oft sandle man sich zum Pfingstfest schon neues Oel und neuen Wein zum Geschenk. Während der Ernte bewirtete man die durch das Land ziehenden Fremden und beschenkte die Armen und war nach gesetzlicher Vorschrift bedacht, nicht allzu sorgfältig abzuernten, um den Armen das Aehrenlesen nicht gar zu schwer zu machen. Ferner gibt uns die Bibel über mancherlei noch Auskunft, so wurde wohl zu verschiedenen Zeiten und auf dreierlei Art gedroschen. Einmal mit einem Dreschwagen, mit und ohne Räder. Letztere waren große, hölzerne Tafeln, die unten mit starken Nägeln beschlagen und oben mit schweren Gewichten oder Steinen beschwert waren und von Ochsen über das Getreide umhergezogen wurden, damit die Körner herausfielen. Ein