Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 24 (11.6.1909)
- Date
- 1909-06-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Wochenschrift. Sette 4l5 Nr. 24 Dr. Blochs röhren gegeben. Auf diese Weise konnten 4515 Kinder mit guten Schuhen versehen werden. Außer diesen den Schülern der Baron Hirsch-Stiftungsschulen zugewendeten Unterstützungen wurden aus diesem Fonde für Bekleidung und Beköstigung armer Schulkinder mehrere Subventionen an Gemeinden gewahrt. Für die Bekleidung nnd Beköstigung wurde ein Betrag von K 75.572 72 verausgabt. B. Der im Art. 2, lit. b der Statuten angeführte Zweck ist: „israelitischen, insbesondere in Galizien und der Bukowina wohnhaften Mädchen durch Errichtung von Arbeitsschulen oder durch Verleihung von Stipendien zum Besuche von Handelsschulen und Gewährung von Unterstützungen, die Erlernung und Ausübung einer Erwerbsbeschäftigung zu ermöglichen." Die Berichte über die sechs Mädchenschulen in Bohorodczany, Burßtyn, Buczacz, Kolomea, Stanislau und Tarnow lauten durchwegs günstig. In die Nähschule in Bohorodczany sind 20 Schülerinnen ausgenommen worden, und zwar 13 in die niedere und 7 in die höhere Abteilung. Das Unterrichtsziel war, die Schülerinnen in den Stand zu setzen, für sich und ihre Angehörigen Wäsche und das Notwendigste für die Hauswirtschaft nähen zu können. In dieser Nähschule wurden im Laufe des Berichtsjahres 477 Schülerhemden, 83 Schürzen, 86 Blusen, 49 Männerhemden, 76 Frauenhemden, 26 Schöße, 15 Ziechen, 18 Unterröcke, 20 Nachtjacken, 3 Paar Damenunterhosen, 17 Kinderkleidchen, 3 Kinderhemdchm und 2 Kinderanzüge angefertigt. Neben dem praktischen Nähunterrichte wurden auch durch zwei Stunden Unterricht in der polnischen Sprache und durch eine Stunde wöchentlich Rechenunterricht erteilt. Die Mädchenarbeitsschule in Buczacz, welche von einem Damenkomitee unter dem Vorsitze der Frau Regine Reiß beaufsichtigt wird, wurde von 25 Mädchen besucht, von denen 12 verwaist waren. Die Mädchen wurden hauptsächlich im Weißnähen unterrichtet. Im Laufe der Wintermonate wurden für die Stiftungsschulen 2566 Hemden angefertigt. Außerdem wurde auch, wie in den Vorjahren, Unterricht im Kleidernähen und Zuschneiden erteilt. Es wurden 600 Kleider, 790 Blusen, 300 Kinderanzüge, 250 Schürzen für Arme gratis aufgenäht. Während des Schuljahres wurden 14 Mädchen freigesprochen. Alle Absolventinnen haben in Schneiderwerkstätten Aufnahme als Gehilfinnen gefunden. Die Nähschule in Burßtyn wurde im Schuljahre 1907/08 von 14 Mädchen besucht, und zwar der erste Jahrgang von 8 und der zweite von 6 Schülerinnen. Die Mädchen des höheren Jahrganges nähten fast ausschließlich eigene Sachen, welche von den Lehrerinnen zugeschnitten wurden. Manche Mädchen verdienten auf diese Weise K 2—3 wöchentlich und erlernten dabei gut und selbständig nähen. Zwei Absolventinnen haben behufs weiterer Ausbildung bei Damenschneidern Unterkunft gefunden. Die anderen Absolventinnen fanden Arbeit als Hausschneiderinnen in Privathäusern. Im Berichtsjahre wurden 843 Stück Wäsche und Kleider verfertigt. In der Dienstbotenschule von Kolomea, welche von einem Damenkomitee unter dem Vorsitze der Frau P. L. Friedmann beaufsichtigt wird, waren im Berichtsjahre 16 Frequentantinnen, von denen bis zum 1. September 1908 11 als ausgebildet entlassen wurden. Acht Mädchen traten als Köchinnen in Dienst, während 3 zur weiteren Ausbildung in die Lehre zu Schneiderinnen gegeben wurden. Der größte Teil der aufgeromnenen Mädchen waren Waisenkinder. Am 1. September 1907 wurde ein Studentenheim für Söhne der Stiftungslehrer aus den Kleinstädten eröffnet, um ihnen den Besuch einer Mittelschule zu ermöglichen. Der Dienstbotenanstalt wurde die Beköstigung der Schüler übertragen, und die Leitung hatte Gelegenheit, die Arbeiten derart einzuteilen, daß alle Mädchen der Reihe nach die Hauswirtschaft praktisch erlernen konnten. Die Mädchenschule in Tarnow wurde im Berichtsjahre von 10 Mädchen frequentiert, welche im Internate wohnten. Diese Mädchen wurden im Kochen, Backen, Wäschewaschen, Scheuern, Plätten, Nähen, Stoppen und allen sonstigen Agenden der Hauswirtschaft unterwiesen. Gleichzeitig wurde diesen Mädchen Unterricht in den Volksschulgegenständen erteilt. Außer den 10 Jnternistinnen standen in der Fürsorge der Mädchenanstalt 7 Externistinnen, welche als Schneiderinnen, Modistinnen und Buchhalterinnen ausgebildet wurden. Von den Jnternistinnen find sechs mit Ende des Schuljahres in Dienst getreten. Die Dienstbotenschule in Stanislau hatte zu Beginn des Berichtsjahres, am 1. September 1907, 9 Mädchen, von denen 6 auswärtige und 3 aus Stanislau waren. In der Zeit vom 15. Oktober 1907 find 8 Mädchen, die ihre Lehrzeit beendigt hatten, aus der Anstalt entlassen worden und an ihre Stelle allmälig neue Jnternistinnen ausgenommen worden, so daß im April 1908 der Höchststand von 14 Fcequentantinnen erreicht wurde. Die Absolventinnen der Dienftbotenschule in Stanislau waren sehr gesucht und fanden sehr leicht entsprechende Dienstplätze. Die Anstalt wurde im Berichtsjahre durch den Besuch des Präsidenten des Kuratoriums der Baron Hirsch-Stiftung, Herrn David Ritter v. Gutmann, und des Schatzmeisters des Kuratoriums der Baron Hirsch-Stiftung, Herrn Baumeister Donat Zifferer, ausgezeichnet, welche in Begleitung des Sekretärs der Baron Hirsch-Stiftung, Herrn Dr. Arnold Ascher, am 10. Oktober 1907 die Dienstbotenschule eingehend besichtigten. Die Herren würdigten die großen Schwierigkeiten, unter denen die Anstalt ihre kulturelle und pädagogische Mission erfüllt, und sprachen sich über die Leistungen lobend aus. In der Schule wurde neben allen Zweigen der Hauswirtschaft auch Nähen unterrichtet und in den Abendstunden Unterricht in den Volksschulgegenständen erteilt. Die Anstalt mußte aber mit Ende des Berichtsjahres ihre Tätigkeit einstellen, da das Gebäude der Stiftungsvolksschule in den Besitz der Gemeinde Stanislau überging, die Miete eigener Lokalitäten für die Anstalt aber die Kosten unverhältnismäßig erhöht hätten. Wie im Vorjahre hat das Kuratorium auch im abgelaufenen Schuljahre an 133 israelitische, insbesondere in Galizien und der Bukowina wohnhafte Mädchen, die zum Teile in Wien, zum Teile in ihrer Heimat verschiedene Lehranstalten besuchten und sich einem Berufe zuwandten, regelmäßige monatliche Stipendien gewährt und teils Schulgeldbeiträge, teils das ganze Unterrichtshonorar bewilligt. Insgesamt wurden im abgelaufenen Schuljahre für Mädchen verausgabt K 64.257 66. C. Die seit Kreierung der Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volksschulunterrichtes in Galizien und Bukowina durch das Kuratorium bewerkstelligte Unterbringung von Knaben beim Handwerke erfuhr durch die hochherzigen Intentionen der Frau Baronin Clara von Hirsch-Gereuth ihre notwendige Ergänzung. Das Kuratorium hat an 61 Handwerksgesellen, die schon durch einige Jahre gearbeitet hatten, Fahrkarten und Reiseunterstützungen für das Ausland bewilligt und für diesen Zweck K 7106 32 verausgabt. Die Nachrichten, welche über diese Gesellen dem Kuratorium zukamen, lauteten durchweg günstig. v. Eine gleich notwendige und höchst ersprießliche Ergänzung erfuhr die Stiftungstätigkeit durch den vierten im Art. 2 der Statuten angeführten Zweck: „Israelitischen Kindern, welche zur Erlernung eines Handwerkes körperlich untauglich find, durch Erteilung von Stipendien die Erlernung eines anderen Berufszweiges zu ermöglichen." Insgesamt wurden aus diesem Fonde an 141 Knaben X 16.365 09 verausgabt.