Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 23 (4.6.1909)
- Date
- 1909-06-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 33 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite 407 Stuttgart, Dr. Moses—Mannheim und Dr. Spanier—Magdeburg, sowie die Herren Lehrer Bachrach—Altona und Meyer— Lünen, die der „Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich" ernannt hat. Auf Grund der abgegebenen Urteile hat die Jugendschriften-Kommisfion in ihrer Sitzung vom 19. Mai l. I. beschlossen: 1. Den II. Preis im Betrage von 500 Mk. dem Verfasser des Kulturbildes „Die schwarze Chaje" mit dem Motto: „Fürs Judentum" zu gewähren. Als Verfasser erwies sich Herr Lehrer Isidor Borchardt—Berlin. 2. Den III. Preis im Betrage von 300 Mk. dem Lebensbilde „Ludwig August Frankl" mit dem Motto: „Durch Wort und Lat" zuzuerkennen. Verfasser war Herr Oberlehrer Dr. Eugen Wölbe— Berlin. Der I. Preis konnte keiner der Arbeiten zugesprochen werden. Die Autoren der nicht preisgekrönten Arbeiten werden ersucht, ihre Adresse dem Bureau der Großloge für Deutschland VIII U. O. B»B. Wilhelmstraße 111, III anzugeben, damit ihnen die Arbeiten zurückgesandt werden können. Das Grabmal Eduard Glasers. In München wurde kürzlich auf dem alten israelitischen Friedhofe der Grabstein des vor einem Jahre dort verstorbenen berühmten Arabien-Reisenden und Sabaisten Dr. Eduard Glaser, unseres deutschböhmischen Landsmannes, aufgestellt, der eine eigenartige Inschrift trägt. Zur Besichtigung derselben fand sich am 17. v. M. an Glasers Grab eine Anzahl seiner Freunde unter Führung des Universitätsprofessors F. Hommel ein, welcher die runenhaften Zeichen erklärte. Die Inschrift ist nämlich — nach Hommels Entwurf — in der Sprache und in den Schriftzeichen der alten Sabäer (des Volkes des berühmten arabischen Landes Saba) nach dem Muster altsabäischer, größtenteils von Glaser selbst kopierter Grabdenkmäler abgefaßt und lautet in wörtlicher Uebersetzung: „Seele und Grab des Hussein ben Abdallah, des Forschungsreisenden aus Prag. Es möge ihm schenken der Herr des Himmels Wohlgefallen seines Herzens und Glück seiner Rechten." Zum Verständnis sei bemerkt, daß Hussein ben Abdallah der Name war, unter dem Glaser, als mohammedanischer Priester verkleidet, seine gefährlichsten arabischen Expeditionen unternahm. Der zu früh verschiedene Forscher hatte wohl nicht daran gedacht, daß die von ihm kopierten Grabinschriften dereinst das Muster für seine eigene bilden würden, so wenig wie die Priester und Gelehrten der alten Sabäer daran denken mochten, daß ihre Inschriften nach Jahrtausenden im fernen, ihnen unbekannten Norden Nachahmung finden könnten. Der Grabstein ist aus Fichtelgebirgs-Syenit in der Werkstatt des Bildhauers Emil G r o e t s ch gefertigt und darf als eine Zierde des alten Friedhofes an der Thalkirchnerstraße bezeichnet werden. Eine Liga der ottomanischen Inden. Im jüngsten Hefte des Organs des Oerels üss Intimes in Salonique, der spanischen Halbmonatsschrift „La Nacion", veröffentlicht der Präsident der Smyrnaer Gemeinde, Advokat Albert Tarikah, einen Aufruf, der nicht verfehlen wird, in den weitesten Kreisen Aufsehen zu erregen. Der Inhalt des Aufrufes der die Gründung einer „Liga der ottomanischen Juden" bezweckt, ist im Wesentlichen folgender: Die ottomanische Judenschaft hat alle Ursache, sich über die glücklichen Ereignisse seit dem 11. Tamus zu freuen und sich zu beglückwünschen, u. zw. 1. vom jüdischen Standpunkte, da sich nunmehr seiner Initiative und seiner Intelligenz ein breites Feld der Tätigkeit eröffnet, und 2. vom ottomanischnationalen Gesichtspunkte, da unser Vaterland infolge der Aenderungen sich endlich auf dem Wege der „Erlösung" im wahrsten Sinne des Wortes befindet. Viele und selbst hervorragende Denker befürchten nun, daß gerade jetzt, unter dem Regime der Freiheit, auch der Antisemitismus erstehen werde. Wohl möglich, aber wir müffen fragen, ob der Antisemitismus wirklich ein Unglück für die Juden ist? Es gibt viele plausible Argumente, die für das Gegenteil sprechen. Ohne Antisemitismus würde der Jude vergeffen, daß er Jude ist und müßte ein Opfer der Assimilation werden. So hat der Antisemitismus immer mehr und mehr die Trägen und Indifferenten unter den Juden der ganzen Welt aufgerüttelt. Unter dem Drucke des Antisemitismus ist die Arbeitslust und der Eifer der Juden gewachsen und ist stetig fortgeschritten. Die Juden müssen ihr moralisches und materielles Heil stets in der Freiheit suchen. Den türkischen Juden ist die Rolle, die sie zu spielen haben, von selbst gegeben; sie müssen liberal sein, liberal im wahren Sinne des Wortes. Das liegt in ihrem eminentesten Interesse. Der Jude muß immer Anhänger einer Partei sein, die in ihrem Programme das Wort „Freiheit" führt, die klare, offene, nicht versteckte, ehrliche Freiheit. Natürlich kann dieses Programm nicht soweit getrieben werden, um eine Art Teilung und die Autonomie der Raffen zu verlangen (!). Nein, die Freiheit bedeutet nicht die Scheidung der Raffen! Die Freiheit sehr gut, ja, besser anwendbar durch die Einigung: durch die intime Einigung der verschiedenen Raffen, welche dieses Land bewohnen. „Union und Freiheit" muß die politische Parole der Juden der Türkei sein, und unser Programm muß auf diesen beiden Prinzipien beruhen. Haben einmal Einheit und Freiheit in diesem Lande festen Fuß gefaßt, so wird der Fortschritt mit Riesenschritten vorwärts schreiten und Europa, ja, die ganze Welt wird erstaunen, wie sie jetzt erstaunt waren, als der Reaktion der letzte Todesstoß versetzt wurde. Wir haben jedoch die feste Ueberzeugung, daß es notwendig ist, daß die ottomanischen Juden sich zu einer politischen Partei zusammenschließen und zwar wie wir soeben auSgeführt haben, auf Grund des Programmes: Einheit und Freiheit. Unsere Interessen find gemeinsame, wir müffen daher zum Schutze dieser gemeinsamen Jntereffen uns vereinigen. Es ist Jedermann bekannt, daß diese Frage von unseren Brüdern wiederholt behandelt und diskutiert wurde. Unsere Brüder hatten die Freiheit, sich mit den übrigen politisch zu betätigen, und sie verteilten sich in den verschiedenen Gruppen und glaubten auf diese Weise das Erwachen des Antisemitismus zu verhindern. Unglücklicherweise war das gerade Gegenteil die Folge. Politische Gruppen ohne jeden konfeffionellen Charakter ermangelten nicht, ihre jüdischen Mitglieder zu brüskieren, weil sie Juden find, obgleich sie in ihrer Mitte viele von unseren Glaubensgenossen hatten. Mit einem Worte: der konfessionelle Charakter wird nicht ausgeschaltet, sobald es sich um einen Juden handelt und der Antisemitismus wird mangels einer kompakten Macht, die sich ihm entgegenstellen würde, täglich stärker, da die Juden in verschiedenen Parteien zerstreut find, anstatt sich zu vereinigen. Tatsächlich haben sich auch die Juden, so besonders in Oesterreich, gruppiert und ein eigenes Jntereffenprogramm ausgestellt, um auf diese Weise sich zu verteidigen. Was nun uns Juden der Türkei betrifft, so gibt es für uns noch einen speziellen Grund zur Vereinigung. In unserem Lande spielt die Konfession eine große Rolle. Sie äußert sich verschiedenartig sowohl in dem freien Willen des Einzelnen, wie auch als Gemeinschaft. Schließlich müssen wir hierin auch den übrigen Konfessionen folgen, die alle ihre eigene politische Liga auf ottomanisch-nationaler Basis haben. Diese unsere Gruppe oder Liga wird nicht allein marschieren, sie wird mit jenen Gruppen gehen, deren Programm ihr entsprechen wird. Auf diese Weise werden wir eine Macht bilden, auf welche wir uns stützen können und welche von anderen Gruppen ausgesucht und deren Bündnis angestrebt wird. Schließlich wird der Oerels äss Intimes, der seit seinem Bestände so viel Zeichen von Energie und zielbewußter Taktik bewiesen hat, aufgefordert, die Initiative zur Bildung der Liga zu ergreifen.