Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 23 (4.6.1909)
- Date
- 1909-06-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Veite 406 Dr. Blochs Wochenschrfft. Nr. LS aus. Traubenhonig, Datteln, Bananen, Granatäpfel, Oel bilden einen lohnenden Export. Außerdem besitzt das Land reiche Lager an Erzen, Pretroleumquellen und an Nutztieren die edelsten Pferde, leichtfüßige Kameele, kräftige Büffel und Schafe vom feinsten Vließ. Das Klima ist weniger heiß wie in Egypten, die Lust dünn, balsamisch, meist trocken. Bloß in der Nähe der Sumpfe herrschen Fieber, die jedoch aufhören dürften, sobald die stagnierenden Wasser mobilisiert und in die Kanäle geleitet sein werden. Und dies Land ist fast menschenleer; es braucht zehn bis fünftehn Millionen Einwanderer, um bevölkert zu sein! Nicht die Zeit, nicht Epidemien, nicht Hungersnot, nicht Erdbeben haben es in alten Zeiten entvölkert, haben bewirkt, daß volkreiche Städte, Tempel, Paläste, Aquädukte in Schutt zerfielen, sondern die elende Mißwirtschaft islamitischer Paschas, welche das Land außsaugten, die Städte verwüsteten, die Tempel zerstörten, die Einwohner niedermetzelten oder auf die Sklavenmärkte trieben. So entstand aus dem Paradies eine Einöde. So könnte aus der Einöde ein Paradies entstehen, wenn die „Jto" endlich Ernst macht und nach dem Lande greift, in welchem Kapital und Fleiß reichlichen Lohn, die verfolgten Inden ein Asyl und die russische und rumänische Sklaverei die Erlösung finden würden! Wenn die Ausfichten der „Jto" und die Versprechungen von Zangwill realisiert werden, wenn in der ältesten Kulturstätte der Welt, in der Wiege des Menschengeschlechtes, der erste Spatenstich geschieht, um der Judenheit eine neue Heimat zu gründen und für die Kinder der Diaspora die Fahne zu hissen, da soll ein neues Osterfest gefeiert werden — das Fest der Befreiung! Teplitz. LeoHerzberg-Fränkel. Der Kaiser ist Preßburg. Aus Preßburg wird uns geschrieben: Anläßlich des Besuches, mit welchem Se. Majestät Preßburg ausgezeichnet hat, geruhte der Kaiser den Rabbiner der israelitischen Religionsgemeinde, Dr. Funk, mit einer sehr huldvollen Ansprache auszuzeichnen, ebenso gestattete er gnädigst, daß der Rabbiner der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde, Herr Akiba Schreiber, anläßlich der Vorüberfahrt des kaiserlichen Wagens die traditionelle Benediktion spreche. Se. Majestät mußte nämlich zur Eröffnung des am Schlvßberg sich befindenden St. Elisabeth- Kinderheimes an der Synagoge der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde vorbeifahren. Diese Gelegenheit benützte diese Gemeinde, um den innigstgeliebten Landesvater die dem jüdischen Glaubensleben entsprechende höchste Huldigung darzubringen. Bei dieser Gelegenheit gab diese Gemeinde einen für die jüdisch-konfeffioncllcn Parteiverhältniffe Ungarns nicht genug hoch zu würdigenden Beweis stammesbrüderlichen Zusammenlebens, indem sie Herrn Rabbiner Dr. Funk und den Gesamtvorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu dieser Feier freundlichst eingeladen hat. Rabbiner Dr. Funk und der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde waren wie alle anderen Religionsgemeinden vor Einlangung oberwähnter Einladung für den Empfang Sr. Majestät am Bahnhofe vorgemerkt, wo sich in Vertretung der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde der Präsident derselben, Herr L. Gestettner, einfand. Obergespan von Bito stellte Seiner Majestät den Präsidenten Gestettner und Ehrw. Rabbiner Dr. Funk vor: „(£§ freut mich sehr", so sprach der Kaiser zu Dr. Funk: „Sie hier zu sehen. Aus wie viel Mitgliedern besteht Ihre Gemeinde?", worauf Dr. Funk antwortete: „An der Spitze von 300 Glaubensbrüdern und im Vereine mit denselben lehren wir unverbrüchliche Liebe zum Vaterlande, Festhalten am traditionellen Judentum und unversiegbare Treue zu dem von der Liebe der Völker getragenen gekrönten König der ungarischen Muttererde". Seme Majestät, auf welche diese Worte einen sichtlichen Eindruck machten, erwiderte huldvollst: „Ich danke Ihnen." — Zu den Präsidenten Gestettner sagte Se. Majestät: §Es freut mich, Sie wiederzusehen, wir sind ja alte Bekannte." Auf der Rückfahrt hielt der Wagen Sr. Majestät vor dem herrlichst geschmückten Tempel der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde, wo sich bereits Dr. Funk mit dem Vorsteher der israelitischen Religionsgemeinde Dr. Löwinger und Vorstandsmitglied Primararzt Dr. Jakob Fischer eingefunden haben. Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Schreiber trat ehrerbietig zum Wagen des Monarchen und sprach mit laut vernehmbarer Stimme den Segensspruch — auf welchen aus tausenden Kehlen ein inniges „Amen" erscholl. Se. Majestät dankte gerührt für diese aus dem Herzen stammende Huldigung und zeichnete den ehrwürdigen Rabbiner durch eine Ansprache aus. In den Herzen aller jüdischen Untertanen des Landesvaters, wird dieser Tag die unversiegbare Liebe zu Sr. Majestät tief einwurzeln lassen, weil Se. Majestät, trotz der Geltendmachung gewißer lokaler Strömungen, welche diese Huldigung illusorisch machen wollte, dennoch diesen Beweis der Loyalität huldvollst entgegennahm. Für die Judenschaft Preßburgs bleibt dieser Tag ein denkwürdiger, weil die beiden jüdischen Gemeinden vor Sr. Majestät brüderlich vereint erschienen sind und den von gewissen jüdisch-konfessionellen Parteimachthabern forzierten Wahngedanken, daß es in Ungarn zwei jüdische Konfessionen gibt, all absarällln führten. Die Gedenkfeier der Budapester Börse für Baron Sigmund Kornfeld. Aus Budapest wird uns geschrieben: Die Budapester Waren- und Effektenbörse hat am 27. Mai dem Andenken ihres verewigten Präsidenten Baron Siegmund Kornfeld in würdiger Weise den Tribut der Pietät gezollt. In einer außerordentlichen Generalversammlung, zu welcher außer den Angehörigen des Verblichenen und den Leitern und Oberbeamten der Institute, an deren Spitze Baron Siegmund Kornfeld stand, die Direktoren fast aller hiesigen Banken und großen Jndustrieunternehmungen, die Börsenräte und zahlreiche Mitglieder der Börse erschienen waren, hielt auf Ersuchen des Börsenrates der Präsident Generaldirektor der Jnnerstädtischen Sparkasse Herr Franz S z e k e l e eine prächtig gegliederte und tief durchdachte, in der Form ausgezeichnete Denkrede über Baron Siegmund Kornfeld. Diese Rede würdigte die großen Verdienste des Verstorbenen um das ungarische Kredit- und Finanzwesen, um die Entwicklung unserer Industrie und um die Hebung unserer volkswirtschaftlichen Institutionen und bot ein frappantes Charakterbild dieses hervorragenden Mannes. Die Generalversammlung verewigte das Andenken Barons Siegmund Kornfelds auch durch die Gründung eines seinen Namen tragenden Unterstützungsfonds im Betrage von 100.000 Kronen, dessen Zinsen verarmten Börsenmitgliedern, sowie den Witwen und Waisen der Börsenbeamten zugewendet werden sollen. Der Vorsitzende gedachte auch eines pietätvollen Antrages, welchen mehrere hundert Börsenmitglieder unterbreitet haben. Die Unterzeichner ersuchen den Börsenrat, die Bibliothek und den Lesesaal, deren Errichtung in der jüngsten Generalversammlung das Börsenmitglied Julius Bing beantragt hat, nach Baron Siegmund Kornfeld zu benennen und nach dieser Richtung der außerordentlichen Generalversammlung einen Vorschlag zu unterbreiten. Da die Errichtung der Bibliothek und des Lesezimmers der Börse jedoch längere Vorbereitungen erfordert und das mit den Vorstudien betraute Komitee seine Vorschläge dem Börsenrat noch nicht zu unterbreiten vermochte, ist der Börsenrat trotz voller Würdigung der Motive, welche die Unterzeichneten des Antrages geleitet haben, aus technischen Gründen nicht in der Lage, dieser Generalversammlung den gewünschten Antrag zu unterbreiten. Das bleibt sonach der nächsten ordentlichen Generalversammlung Vorbehalten. Berlin. Bon der Jugendschriften-Kommission der Großloge für Deutschland VIII U. O. B. B. (Vorsitzender Herr Dozent Dr. I. E l b o g e n) geht uns nachstehende Zuschrift zu: Infolge unseres zweiten Preisausschreibens vom März 1908 find zwölf Arbeiten eingegangen. Das Preisrichterkollegium bildeten drei Mitglieder der Jugendschriften-Kommission: die Herren Richard Kaufmann—