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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-06-04 · 23 (4.6.1909) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
23 (4.6.1909)
Date
1909-06-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 23 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 401 of Guardians auszutreiben? Ich antwortete, indem wir weder als Juden noch als Philanthropen, sondern als Geschäftsleute darangehen. Der Wert des Landes außer £ 8,000.000, die darauf ausgegeben werden sollten, wurde mit £ 30,000.000 berechnet und ich sehe nicht ein, warum jüdische Finanzleute einen Nutzen von £ 22,000.000 abweisen sollten, gerade wenn das Projekt ihrem Volke zugute käme? Ich habe über unseren Mesöpotamiaplan ausführlich in der Vergangenheit referiert, weil die Gelegenheit dazu schon vorübergegangen sein könnte. Ich glaube nicht, daß die neue türkische Konstitution es ganz schwer gemacht habe, ein Privileg für Mesopotamien oder Palästina zu bekommen, denn man kann schwerlich sagen, daß die Konstitution durch unbevölkerte Strecken des Reiches getragen werden könne, und wo eine schwache oder gar keine Bevölkerung ist, mag eine Form autonomen Arrangements nicht ganz unmöglich sein, nicht zu erwähnen das schrittweise Anwachsen einer herrschenden Majorität. Aber es ist noch eine andere Tatsache, mit der man rechnen muß. Abdul Hamid und Mesopotamien. Seine verflossene kaiserliche Majestät Abdul Hamid war ein schlauerer Finanzier als die Juden und bekam Wind von dem Plan. Nicht etwa, daß er unser Blaubuch bekommen hätte — dank der Loyalität unserer Mitglieder dringen „Jto"-Geheimnisse nicht hinaus — aber er ging an dieselbe Quelle wie ich, zu dem hervorragenden Ingenieur, der Egypten bewässerte, Sir William Willcocks. Ich hoffe, Sie haben mich nicht in Verdacht, daß ich etwas von Bewässerungsanlagen und -Profiten wußte. Nein, ich sammelte nur. Ein Teil meiner Ideen war von Sir Williams Willcocks genommen und ein Teil aus einer privat erschienenen Flugschrift des berühmten Orientalisten Dr. Paul Haupt in Baltimore. Mesopotamien wurde früher von allen Schriftstellern von Herodot herab als das fruchtbarste und ertragreichste Land der Welt beschrieben und sein Grenzfluß, der Euphrat, ist einer von den vier in der Genefis erwähnten Flüssen, die durch den Garten Eden strömen. Obgleich der größte Teil heutigentags aus Sümpfen und Wüsten besteht, kann doch eine Strecke von der Größe Palästinas bewässert und in einen Kornspeicher umgewandelt werden, der eine Millionenbevölkerung erhalt. Und gerade die Gegend ringsherum ist, wie es heißt, sehr dünn bevölkert, so daß offenbar Raum für unbegrenzte Ausdehnung des jüdischen Gebietes mit dem Anwüchsen der Bevölkerung ist. So war das Hauptprojekt, das die „Jto" als dem Cyrenaikaplan ebenbürtig .vormerkte und das ich in den verflossenen zwei Jahren den führenden jüdischen Finanzleuten der Welt vorlegte. Doch auch Abdul Hamid ging vor. Erst vor wenigen Monaten ließ er Sir William Willcocks kommen und Sir William bereiste Mesopotamien und machte einen Bericht, der günstiger als seine früheren Anfichten ist und darlegt, wie bei einer Ausgabe von weniger als siebeneinhalb Millionen mehr als drei Millionen Acres Land, das ist ein Gebiet von ungefähr 5000 Quadratmeilen im alten Chaldäa zur Ansiedlung und einem Erträgnis von ungefähr einer Million Pfund jährlich geeignet gemacht werden kann. Er ging ein fünfjähriges Engagement mit der türkischen Regierung ein, erhielt einen Kredit von £ 100.000 und hat das Werk schon von seiner leichtesten Seite auS begonnen. Unter der türkischen Konstitution ist der Plan jetzt in die Hände des Ministers für öffentliche Arbeiten in Konstantinopel gekommen, der eben Sir Williams Bericht dem Großvezier vorgelegt hat. Offizieller türkischer Bericht über Mesopotamien. Kapitel V. dieses Berichtes sagt, daß die Regenerierung Mesopotamiens an der Spitze des Programms der in der Türkei zu unternehmenden öffentlichen Arbeiten stehen müsse, und fügt hinzu: „Nichts wäre leichter, als dieser Gegend wenigstens teilweise ihren alten Glanz wiederzugeben und aus ihr eine der Kornkammern der Welt zu machen. Einige Deiche zu bauen, einige Kanäle zu graben, Wasser herbeizuschaffen, ist alles was notwendig ist, um tausenden von Dunams den Wert sagenhafter Fruchtbarkeit zu geben." Es ist kein Zweifel, daß die Türkei, wenn sie sich schon daran gemacht hat, wünscht, daß dieses große Werk durchgeführt wird. Aber die Hilfsmittel und die Energie der Türkei wollen nach den ungeheuren Arbeiten, die in allen Teilen ihres arg vernachlässigten Reiches vor ihr liegen, bewertet werden. Es ist also die Frage, ob das jüdische Volk nicht die Gelegenheit ergreifen soll, diese spezielle Arbeit auszuführen und unter Kontrakt mit der Türkei Kapital, Arbeit und Bevölkerung für die Regenerierung Mesopotamiens zu beschaffen. In der Tat, es ist leicht möglich, daß die Türkei den Handel ablehnt. So sehr sie Kapital und Arbeit, Bevölkerung und Energie braucht, kann sie denken, daß sie uns zu günstigeren Bedingungen haben könne. Ahmed Riza Bey hat wirklich schon die Juden nach Mesopotamien eingeladen, ebenso wie in andere Teile des ottomanischen Reiches, aber es war nur eine allgemeine Einladung, zu kommen und bei dem Aufbau der Türkei mitzuhelfen. Das ist nicht genug. So sehr wir die Werke der Jungtürken bewundern, so sehr wir mit ihrem Wunsche, ein modernes und mächtiges ottomanisches Reich zu errichten, sympathisieren, schließlich ist dies ihre Sache und nicht unsere. So dankbar wir für ihre Gastfreundschaft an Myriaden unseres Volkes sowohl in der Vergangenheit als gegenwärtig sind, so offenbar es die Pflicht dieser türkisch-jüdischen Untertanen ist, ihr Vaterland zu unterstützen, wir Juden in anderen Ländern haben diese Aufgabe nicht. Wir brauchen die Türkei nicht. Wir brauchen überhaupt den Orient nicht, das ist purer Aberglaube. Ost gegen West. Der große Auswandererstrom geht und wird nach Westen gehen, nach den Vereinigten Staaten und ich hoffe via Galveston. Das ist ein Land der Freiheit und des Glückes, ein Land ohne Staatskirche, ein Land, wo Jedermann Stimme besitzt und jedes in dem Gebiete geborene Kind anstreben kann, Präsident zu werden. Das ist ein Land, wo schon zwei Millionen Juden die Sicherheit ihrer Nachfolger garantieren. Das ist ein Land, wo Dorf an Dorf glücklicher, jüdischer Farmer sich verbinden, um ein kleines „Jto"-Land zu bilden. Wenn Sie eine Agrikulturkolonisation wollen, bilden schon Tausende dieser Farmer einen Kern. Wenn Sie eine industrielle Kolonisation wollen, sorgen Tausende neuer Städte für eine bedeutend bessere Chance als der welke Orient. Es ist ein Land, so groß, daß die ganze, jüdische Bevölkerung Rußlands in wenigstens einem seiner fünfzig Staaten und Territorien untergebracht werden kann. Es ist ein Land, frei von der Unruhe des Militarismus, eifersüchtigen, nationalen Streitereien, Kriegen und Maffakres Europas. Die Meinung, daß jüdisches Kapital und Arbeit unbedingt nach dem Osten strömen müffen, ist eine pure Täuschung, die nur von intereffierten Parteien genährt wird. Die Jungtürken werden klug sein, wenn sie darauf nicht vertrauen. Offene Worte an die Jungtürken. Wenn die Jungtürken uns helfen wollen — und sie haben es viel notwendiger als wir — wenn sie unseren Verstand und unsere Börsen, unser Herz und unseren Geist wollen, damit wir uns zu dem großen Werke verbinden, dann müssen Sie uns etwas mehr als eine allgemeine Einladung in alle Teile ihres Reiches geben. Wir müssen genaue Verträge, genaue Uebereinkommen, genaue Abgrenzungen des Territoriums, das wir besetzen sollen, haben. Wenn sie uns in ihrem Lande haben wollen, lasten Sie sie zuerst ihre dang, litte» beweisen, indem sie die Tore Palästinas öffnen und die Einschränkungen zurückziehen, die dort eine Arbeit unmöglich machen. Denn, was immer kommen mag, es kann nicht zugelaffen werden, daß unsere Kolonien in Palästina untergehen. Die Türken haben nicht gerade Mesopotamien, in das sie uns einladen, ganz in ihrer Gewalt. Die eingeborenen Araber find noch sehr weit davon entfernt, friedliche türkische Unter-

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