Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 23 (4.6.1909)
- Date
- 1909-06-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 400 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 23 daß der Regen in den Boden eingesogen wird und nicht für ein eventuelles trockenes Jahr aufgespeichert werden kann. So kann es also kommen, daß ein mageres Jahr ohne Ernte kommen kann, bevor wir, wie Josef, Zeit hätten, das Korn der sieben fetten Jahre aufzuheben. Es könnte ebenso gut kommen, daß die ersten Jahre ein glänzender Erfolg mit tüchtigem Regen und wogender Ernte wären. Aber wir können dieses Risiko nicht auf uns nehmen. Wir haben keinen Moses unter uns, der mit seinem Stabe auf den Felsen schlagen und Wasser für das Volk Hervorbringen würde. Aber wir besitzen viele Moses, um auf diese zu schlagen wie ich, der versucht, ein Land für das Volk hervorzubringen. Die zionistischen Zeitungen in allen Ländern bezichtigen mich in jeder Weise der Falschheit und Torheit. Der „Jto" ist es nicht gegeben, ihre Pläne in ruhiger Atmosphäre vorzubringen. Eine Menge feindlicher Meinung liegt aus der Lauer, um den geringsten Irrtum aufzubauschen, zu übertreiben, zu karikieren, um irrezusühren und zu zerstören. Wie könnten wir da das Risiko einer Hungersnot im Jtoland auf uns nehmen? Würden wir nicht im voraus als Leute verschrieen, die ihrer eigenen Eitelkeit zuliebe arme Juden durch Hungersnot und Fieber umbringen wollten? Es ist wahr, die alten Einwohner Cyrenaikas lebten in der Periode seines klassischen Ruhmes unter diesen Bedingungen. Es ist wahr, Millionen Menschen leben noch und haben immer gelebt unter denselben Bedingungen, die in Cyrenaika herrschen. Sie lebten so in Egypten in Josefs Tagen. Sie leben, wie heute, in Palästina, wo dieses Jahr mangels Regens wieder einmal eine Hungersnot droht, wo vielmehr Meningitis und Malaria als Folge der schlechten sanitären Bedingungen unaufhörlich wüten. Sie leben wie in Indien. Dort sind ganze Provinzen, die nicht bewässert werden können und so die Eingeborenen von der Hand in den Mund leben müssen. Wenn die indische Hungersnot kommt, sterben sie zu Tausenden und Zehntausenden. Aber keine Organisation sandte die Hindus dorthin, sie können niemand anders tadeln, als ihre Eltern. Rabbi Olschwang aus Rußland, der mit mir dafür plaidiert, Cyrenaika nicht aufzugeben, erinnert mich, daß die größten Geologen sich oft irren, daß Finnland, wenn es, bevor es bevölkert wurde, untersucht worden wäre, noch eine Wüste wäre, und daß der einzig richtige Weg, die Wahrheit über Cyrenaika herauszufinden, wäre, ergebene Pioniere für einen Zeitraum von drei Jahren dahin zu senden. Ich stimme vollkommen bei. Aber diese ergebenen Pioniere — wenn sie existieren — müßten auf ihre eigene Gefahr hingehen. Die „Jto" kann sie als Partei nicht ausschicken. So weit die „Jto" in Betracht kommt, muß Cyrenaika beiseite gestellt werden. Der eine Plan wurde nicht gefunden und so wurde das eine Volk nicht geboren. Das als Cyrenaika ebenbürtig angemerkte Land. Die „Jto" wendet sich daher nun zu dem Lande, das als Cyrenaika ebenbürtig angemerkt wurde. Welches war das andere Land? Wahrscheinlich erwarten Sie, daß ich es geheimhalte. Aber wie die Dinge liegen, ist mehr mit Publizität als mit Geheimniskrämerei zu gewinnen. Unsere alternative Wahl fiel auf Mesopotamien, Mesopotamien, die Wiege der jüdischen Rasse ... Gegenwärtig liegt es weithin wüst und fast unbewohnt; wir schlugen vor, es zu bewässern, die Wildnis blühend wie eine Rose zu machen und die Kinder Abrahams in ihres Vaters Geburtsland zu versammeln. Lasten Sie mich Ihnen die Worte vorlesen, in denen wir vor ungefähr zwei Jahren unsere langüberlegten Ansichten über das jüdische Problem vor der geographischen Kommiffion niederlegten. Paragraph 7 und 8 des Berichtes, der am 31. Juli Lord Rothschild und den anderen Mitgliedern vorgelegt wurde und von vierzig Mitgliedern des britischen Sektionalrates, angefangen vom Right Hon. Arthur Cohen, K. C., bis zu Mr. Lucien Wolf gezeichnet ist, sagt folgendes: Unter den mannigfachen Projekten, die die Erwerbung eines großen Territoriums voraussetzen, sind die in den Berichten über Cyrenaika und Mesopotamien skizzierten Projekte diejenigen, die wir am meisten begünstigen. Wir sind uns der politischen Schwierigkeiten voll bewußt, die überwunden werden müssen bei der Förderung eines jeden dieser Pläne; aber mit der Unterstützung und dem Einflüsse der jüdischen Führer in der ganzen Welt vertrauen wir, daß sich diese Schwierigkeiten nicht als unüberwindlich erweisen werden. Das bei einem jeden dieser Projekte ins Auge gefaßte Territorium wurde bisher noch keiner Erforschung unterzogen, die unseretwegen durch Geometer, Ingenieure und andere wissenschaftliche Fachleute unternommen wurde. So eine Erforschung würde beträchtliche Zeit erfordern, und da wichtige politische Erwägungen damit verbunden sind, halten wir es für richtig, im gegenwärtigen Moment die Ansichten Ihrer Kommission zu erfahren. Sowohl Cyrenaika als Mesopotamien besitzen besondere Vorteile gegenüber den anderen vorgeschlagenen oder angebotenen Territorien. Alle Parteien der Judenheit und manche andere außerhalb derselben werden wahrscheinlich bereit sein, für ein Land zu arbeiten, das so nahe bei Palästina liegt und so verknüpft mit unserer alten Geschichte ist. Das verfügbare Land in beiden Fällen ist ausgedehnt. Cyrenaika hat den Vorteil einer Seeküste und wäre viel leichter von Rußland und Rumänien zu erreichen, woher Ackerbauer leicht zu bekommen wären. Höchst vertrauenswürdige Blätter, die angeben, daß es in erster Reihe wünschenswert wäre, die Erforschung Cyrenaikas vorzunehmen, werden den britischen Mitgliedern Ihrer Kommission separat vorgelegt. In Mesopotamien würden die Bewässerungsanlagen und Bahnen, die das Projekt erfordern würde, Beschäftigung für eine große Zahl von Emigranten geben, die also Gelegenheit hätten, sich an das Land zu akklimatisieren und zu gewöhnen, bevor sie und ihre Familien sich als Ackerbauer und in anderen Berufen ständig in dem Lande niederlasten. Indem wir empfehlen, daß entweder das Cyrenaika-oder das Mesopotamien-Projekt — und wenn das eine sehlschlagen sollte, das andere — beharrlich verfolgt werde, sind wir uns wohl bewußt, daß eine Anzahl von Jahren vergehen muß, bevor eines der Projekte zum Zwecke eines Zufluchtslandes für den ständigen Strom jüdischer Auswanderer dienen kann, die in ihren Geburtsländern nicht bleiben können oder wollen. Für diese Auswanderer wird die Gegend im Wirkungskreise des Emigration-Regulation-Departements der „Jto" im Westen der Vereinigten Staaten als provisorisches Zufluchtsland bis zu der Zeit dienen, da der ständige Zufluchtsort imstande ist, den Auswandererstrom aufzunehmen. So, meine Damen und Herren, war die von uns vorgeschlagene Lösung des jüdischen Problems: Cyrenaika oder Mesopotamien als Land der Zukunft, Galveston und seine Gegend für die Not des Augenblickes beibehalten. Da Cyrenaika gefallen ist, erübrigt es, Mesopotamien zu prüfen. Das m e s o p o t a m i sch e Projekt. Aber Sie werden schon geschlossen haben, daß wir eben in diesen Verhältnissen Mesopotamien nur als „glückliches Wort" poussieren. Die „Jto" spielt nicht mit Worten. Es war ein bestimmter Plan, zwar skizzenhaft, aber doch ein Plan. Da sollten Bahnen und Bewässerungswerke mit jüdischen Arbeitern sein, die bei beiden beschäftigt und an das Land und das Klima gewöhnt werden sollten, bevor sie sich als Kolonisten niederlassen. Dieser Plan wurde von mir selbst aufgestellt und ist im Blaubuche erschienen, unterstützt von einem ähnlichen Plane aus der Feder von Sir Andrew Wingate, K. C. I. E., der bedeutende Erfahrung in Bewässerung im Pendschab hat und ein Kousin des Sirdars von Egypten ist, der Gegend, die am meisten Nutzen aus der Bewässerung gezogen hat. Die Kosten der Bewässerungsanlagen in meinem Plane waren für das ursprüngliche Projekt £ 8,000.000. Ein wohlwollender jüdischer Bankier fragte mich, wie ich mir dächte, von den jüdischen Philanthrophen acht Millionen zu bekommen, wenn es sogar unmöglich war, Geld genug für unseren Board