Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 22 (28.5.1909)
- Date
- 1909-05-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 888 Dr. Vlochs Wochenschrift. Str. 22 zweckgemäße Aenderung im Verpflegungsmodus unserer Schutzbefohlenen eintreten laßen, über welche wir sodann berichten werden. Mit Freude und Genugtuung konstatieren wir, daß es im Berichtsjahre an Beweisen reger Teilnahme für unsere Zwecke nicht gefehlt hat. Herr Josef Broch, einer der größten Förderer unseres Vereines, hat seine auf den Namen seiner Gemahlin lautende Bettstistung Per K 4000 auf K 8000 ergänzt. An größeren Spenden find uns weiter zugekommen: Ein Legat der Frau Therese von L6on s. A. im Betrage von K 3083, das Ergebnis einer Sammlung „zur Erinnerung an Herrn Eugen Wolf von seinen Freunden" K 1100, aus dem Nachlasse der sel. Frau Julie Mandl K 500, ferner von Herrn Theodor Cohn und von den Herren Heinrich und Fritz M e n d l behufs Ablösung ihrer Mitgliedsbeiträge je K 500, wie alle Jahre von Frau Marie Beer, Kommerzienratswitwe in Werden (Rheinprovinz) K 400, zur Ablösung des Mitgliedsbeitrages des sel. Herrn MaxMeisels von Frau Hofrat RebeccaMauthner X 400, Milla von Frau K o h n anläßlich des Ablebens ihres Gatten K 400 usw. Gleichwie im Vorjahre haben uns auch Heuer die löbl. isr. Kultusgemeinde Wien, ferner die verehr!. Baron Hirsch- Stiftung, Jsr. Humanitätsverein „Wien" B'nai B'rith und andere angesehene Institutionen in namhafter Weise subventioniert. Wir heben hier nur dankend hervor, daß die verehr!. Chewra- Kadischa Wien und Israel. Waisenverein Wien ihre Beiträge auf das Doppelte erhöht haben. Leider haben die Mitgliedsbeiträge, sowie die Spenden, aus welchen die Kosten der Krankenpflege gedeckt werden, einen erheblichen Ausfall ergeben. Wir schließen unsere Gebarung mit einem Defizite von K 1440 a b, das wir auf neue Rechnung vortragen. Verein für unentgeltliche Arbeitsvermittlung an jüdische Hochschüler. IX., Liechtensteinstraße 11. Dem 3. Jahresbericht entnehmen wir: Im abgelanfenen Vereinsjahre haben sich 345 Studenten gemeldet und 126 wurden gut untergebracht, das sind über 36 Perzent oder um 9 Perzent der angemeldeten Arbeitssucher mehr als in den ftüheren Jahren. Die Zahl der Parteien, welche nach Studenten fragten, betrug 192 und davon wurden 126 befriedigt. Auch die Zahl der Arbeitgeber wuchs, und zwar um 82 gegen das Vorjahr, um 73 gegen das 1. Jahr! Im Vorjahre waren nur 6 Kultusgemeinden uns beigetreten, heuer find es 15! Und auch die Zahl der Einzelmitglieder stieg von 45 auf 56. Somit können wir auf Grund von Ziffern und Tatsachen einen besonderen Aufschwung unseres Vereines konstatieren, ein Moment, das den gesamten Vorstand mit hoher Befriedigung und mit Dank gegen alle erfüllt, welche uns helfend zur Seite stehen. Namentlich sei hier der beiden israelitischen Humanitätsvereine „Eintracht" und „Wien" gedacht, welche wieder ihren edlen Intentionen gemäß Gutes fördern, daun des Leiters des studentischen Exekutivkomites, Herrn eauä. MI. Josef Thieberger, der mit Eifer die Organisation und die Werbung leitete und mit Beharrlichkeit die Interessen des Vereines überall vertrat. Mit einem Budget von rund 990 Kronen per Jahr schaffen wir Verdienst von mindestens 60.000 Kronen jährlich, wenn wir nur 10 Arbeitsmonate und einen durchschnittlichen Monatsverdienst von 50 Kronen per Kopf anuehmen. Zahlen sprechen! Der gegenwärtige Vorstand besteht aus folgenden Herren: Ehrenpräfident: Universitäts-Dozent Dr. Josef Grünfeld; Präfident: Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Hermann Wolf; Vizepräsident: k. k. Notar Julius Berm a n u; Kassier: Bankier Jakob Langer; Schriftführer: Direktor Dr. Salomon Krenberger; Schriftführer-Stellvertreter: k. k. Porfeffor Max Guttmann. Vorstandsmitglieder: Rabbiner Dr. David Feuchtwang; Univerfitätsdozent Regierungsrat Dr. W. Jerusalem; k. k. Professor Dr. Heinrich Pollak; Besitzer einesAnnonceubureausIgnatz Guttman; Bankier Lucian Brunner; Leiter des Exekutivkomitees: oanä. Ml. Josef Thieberger. Nachahmenswerte jüdisch-soziale Reformen. Aus Budapest wird uns geschrieben: Der Ungarische israelitische Handwerks- und Ackerbauverein hielt in Anwesenheit einer großen Zahl von Mitgliedern seine Generalversammlung. Dieselbe wurde vom Vizepräsidenten Ludwig Adler eröffnet. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Besetzung der durch das Ableben Dr. Armin Neumanns erledigten Präsidentenstelle. Auf Antrag Ladislaus v. Fürsts wurde Dr. Adolf Kohner mit Akklamation züm Präsidenten gewählt. Der durch eine Deputation eingeholte neue Präsident wurde beim Erscheinen mit stürmischen Eljenrufen begrüßt und hielt dann eine gehaltvolle Rede, in welcher er zunächst der unvergänglichen Verdienste und der hervorragenden, individuellen Charaktereigenschaften seines Vorgängers Dr. Armin Neumann pietätvoll gedachte. Hierauf entwickelte er sein Programm, demgemäß der Verein als Kulturinstitution entwickelt werden soll, welche nebst intelligenten Handwerkern auch geschulte einheimische Arbeitskräfte für die Großindustrie zu erziehen berufen sein wird. Auch soll nach dem Beispiele anderer Konfessionen der jüdischen gewerblichen Jugend eine religiöse und moralische Fürsorge zuteil werden, wobei der Präsident auf die Mitwirkung des neugegründeten israelitischen Kulturvereines zählt. Mit Hinweis auf die infolge der abnormen Teuerung unzureichende Ernährung der Handwerkslehrlinge, welche eine physische Dekadenz zur Folge hat, gedenkt der Präfident, die Errichtung einer Mensa zu initiieren und regt auch die Gründung eines Gesellenvereines der ehemaligen Zöglinge an, welcher Mittel und Wege der Selbstbildung, Geselligkeitspflege, Sport, Versicherung gegen Arbeitslosigkeit rc. bieten soll. Auf dem Gebiete des Ackerbaues soll das begonnene Werk des Gartenbauinstitutes ausgeführt und die Ausbildung von intelligenten Gärtnern und zur intensiven Betreibung des Ackerbaues geeigneter Arbeitskräfte in größerem Maße angestrebt werden. Schließlich sprach er dem verdienstvollen Vizepräsidenten Ludwig Adler, den Mitgliedern des Ausschusses und des Damenkomitees, wie auch dem Sekretär David Kemeny den Dank' für ihr bisheriges Wirken aus. Dr. Simon Hevefi begrüßt im Namen des Ungarischen israelitischen Kulturvereines den neugewählten Präsidenten und erklärt, bei der Verwirklichung der in der Präfidentenrede angeregten Ideen Mitwirken zu wollen. Sodann erfolgten die Wahlen. Die Präsidenten der israelitischen Religionsgemeinde und der Pester Chewra-Kadischa Dr. Philipp Weinmann und Julius Winterberg wurden zu Ehrenmitgliedern und Dr. Bela Feleki, Alexander Tsuk und Rumy v. Wohl zu neuen Ausschußmitgliedern gewählt. Hierauf meldete der Präsident zugunsten der Gartenbauanlage den Einlauf folgender Spenden an: Von den Erben weiland Anton Groß 10.000 Kronen, von der Losonczer israelitischen Religionsgemeinde, von Dr. Karl Stern und Frau je 3000 Kronen als Bettstiftung. Baron Gustav Springer hat 6000 Kronen als Stiftung gezeichnet. Baron Moritz Herzog meldete, daß die Landes- Kinderschutzliga dem Vereine die Errichtung von drei Stiftungsplätzen zugesagt hat. Zum Schluffe wurden die angehenden Meister, wie auch die fteigesprochenen Handwerks- und Ackerbauzöglinge vorgestellt. An die Meister richtete Präsident Doktor Adolf Kohner, an die Freigesprochenen das Ausschußmitglied Dr. Ernst Deutsch beherzigenswerte Ansprachen, worauf die übliche Preisverteilung stattfand und die Generalversammlung geschlossen wurde. Deutsch-Israelitischer Gemeindetag. Am 16. und 17. Mai hat in Berlin der 9. Deutsch- Israelitische Gemeindetag stattgefunden. Auf der Tagesordnung stand speziell das Statut zu einer gemeinsamen Organisation. Die „Jüdische Rundschau" bietet über den allgemeinen Eindruck dieser Tagung folgendes Stimmungsbild: „Die Tagung, die am Sonntag und Montag voriger Woche 250 Delegierte jüdischer Gemeinden Deutschlands vereinigte, war im rechten Sinne ein deutscher Judentag. Da gab es . denn uehen den außerordentlich ernsten und gewichtigen