Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 22 (28.5.1909)
- Date
- 1909-05-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 22 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 387 Volkes, welches Leid, die Trübsal und den Schmerz als die Unterlage hoher ethischer Tugenden hinstellen, und schloß die Versammlung mit den Worten des Dichters Gleim — gleichsam im anderen Lager, wonach Liebe und Leid zusammengehören, aber kein Leid so groß ist, daß es durch Liebe nicht überwunden oder wenigstens gemildert werden könnte —: „Seid weise, daß Euere Herzen durch Weisheit gut und edel werden und sanft; seid so edel, daß ihr der Trübsal großen Wert ganz und gar verstehen lernt, und weil Ihr Brüder untereinander seid, so liebt Euch wie Brüder. Die Menschheit sei Euere wahre Pflicht; der Menschlichste unter Euch sei der Größte". — Nur vor dieser Größe beugt sich der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus". Sie können ihm daher Freunde und Gönner bleiben und können ihm noch Freunde werben. Denn daß wir den Kampf ausgenommen haben, gilt für die Freiheit des Geistes, für gleiches Recht ohne Unterschied der Abstammung und Religion — für die Gerechtigkeit! Die Versammlung ging begeistert und bewegt auseinander. Wien. Der Kultusvorsteher und Obmann des Bethauses der Kultusgemeinde XII—XV, Herr Samuel Steiner, feierte am 22. Mai seinen siebzigsten Geburtstag. Trotzdem er in gewohnter Bescheidenheit jede Ovation sich verbeten, wurde für ihn eine solenne Feier veranstaltet. In dem festlich beleuchteten Gotteshause hatten sich eingefunden: Sämtliche Bethausvorstandsmitglieder, die Herren Kultusvorsteher kais. Rat Wilh. P o l l a k, Emanuel H o f f m a n n, Direktor Alexander Hecht, Rabbiner Dr. M. Friedländer, Inspektor Dr. L. L a n g f e l d e r, der Bezirksobmann Herr Samuel Mohr, der Präses der Chewra-Kadischa Herr Heinrich Neufeld und die Obmänner der verschiedenen Vereine der Bezirke. Nachdem I. Kantor Herr Schleifer dem Jubilar einen besonders schönen selbstverfaßten Mischeberach mit dem Chore bei der Thora widmete, hielt Se. Ehrwürden Herr Dr. Grunwald eine ergreifende Ansprache an den Jubilar, hob dessen Verdienste als Kultusvorsteher und Obmann des Bethauses hervor und erflehte den Segen des Himmels für sein ferneres gedeihliches Wirken. Nach dem Gottesdienste wurde der Jubilar in den Sitzungssaal geleitet, wo Herr Hoffmann als Delegierter des Kultusvorstandes, Herr Heinrich Neufeld als Obmann-Stellvertreter des Bethauses und Präses der Chewra-Kadischa Fünfhaus, Herr Samuel Mohr als Obmann der Bezirkskommisfion und Obmann des Maskil el Dol-Vereines, Herr Ignatz Sonnenfeld für den Talmud-Thora-Verein ihre Gratulationen darbrachten, auf welche der Jubilar tiefgerührt dankend erwiderte. Somit schloß die ehrende Feier. Dem Jubilar sind zahlreiche Gratulationen schriftlich und telegraphisch von Nah und Fern zugekommen. Wien. (Goldene Hochzeit.) Samstag den 22. d. M. beging der vieljährige Vizepräsident des „Vereines für Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten" und Vorsteher der Armenanstalt der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Josef Jelinek mit seiner Gattin Julie geb. S t i as ny, das schöne Fest der goldenen Hochzeit. Die überaus würdige und erhebende Festlichkeit nahm ihren Anfang beim Hauptgottesdienst in der Synagoge der Seitenstettengasse. Der Jubilar wurde als vierter aufgerufen und Oberkantor kaiserl. Rat Singer rezitierte einen von ihm verfaßten, auf das Fest bezughabenden „Mischeberach". Oberrabbiner Dr. Güdemann hielt hierauf an den Jubilar eine tiefempfundene Ansprache, in welcher er die Tätigkeit des Jubilars auf humanitärem Gebiete würdigte und den reichsten Segen des Himmels für die weiteren Lebensjahre des Jubilars und seiner Gattin erflehte; dann folgte das Absingen des herrlichen Sulzer'schen „Hallelujah". Nach Schluß des Gottesdienstes versammelten sich in den Wohnräumen des Jubelpaares, durch herrliche Blumenspenden in einen duftenden Wintergarten verwandelt, die zahlreichen Deputationen, Vertreter von Vereinen und Freunde der Gefeierten. Bürgermeister Dr. Lueger beglückwünschte das Jubelpaar mit einem überaus warm gehaltenen Gratulationsschreiben, das die Herren Magistratsoberoffizial Dr. Karl Rudolph und Gemeinderat Baurat Stiaßny zu überreichen beauftragt waren; infolge Erkrankung war letzterer leider verhindert, dem Rufe des Stadtoberhauptes folge zu leisten. Namens des Kultusvorstandes entbot Vizepräsident Dr. Gustav Kohn, der in Begleitung der Herren Dr. Steiner und S ch r a m e k erschienen war, die Glückwünsche. Dr. Felix Katzau sprach in vollendeter Weise für die Armenanstalt, für welche auch die Herren Pappenheim und Julius Wolf an der Deputation teilnahmen und eine von kaiserl. Rat Lieben zur Verlesung gebrachte prachtvolle Adreffe überreichten; hierauf trat der Vorstand des Krankenvereines in die Reihe der Gratulanten, der fich aus den Vorstehern kaiserl. Rat Fuchs, Sigm. K a u d e r s, kaiserl. Rat Julius Stern und Kommerzialrat W e l l i s ch gebildet hatte, gleichfalls mit einer prachtvollen Adreffe, die Dr. Lieben zum Vortrage brachte. Für den Bethausvorstand erschienen die Herren Anton Beck.A.S.Wasfervogel und Sekretär Julius Braun. Ferner waren erschienen: Oberrabbiner Dr. Güdemann, Hofrat Professor Politzer, Oberkantor kaiserl. Rat Singer, Prof. Jos. S u l z e r, Professor Dr. M. K a n i tz, der Vizepräses des Vereines reisender Kaufleute Carl Engländer, Kommerzialrat Franz Stiaßny, Dr. Bela T a u s s i g u. v. a. m. Mehr als 300 Gratulanten benützten den schriftlichen und drahtlichen Weg, ihren aufrichtigen Gefühlen Ausdruck zu geben; unter diesen seien besonders hervorgehoben: Polizeipräsident Brzesowsky, Reichsratsabgeordneter Hofrat Camillo K u r a n d a, David R. v. Gutmann (aus Karlsbad), Direktor W. Kux, die Direktoren Horch, Max Fischer, Dr. K o r a n y i und Eugen Singer (Lemberg), Salo Cohn aus Paris, Stiftshofmeister S i g l, die Professoren Dr. L i n d l und Dr. H. P o l l a k, die kaiserlichen Räte Gold st ein, W. Stiaßny und Frau und Wai zn e r, Prokurist Emil Horner, die Oberkantoren Bel r G u t tm a n n und Simon Singer- Kattowitz, die Doktoren Dozent Roth, Drey, Horowitz, Löwi, R. van der Hoope, Leop. Kohn, Gold st ein, Keppich, Grunwald, Rosenmann, Antscherl, Münz und Wachstein, Baurat Stiaßny und Frau, der ehemalige Gemeindcrat Z i f f e r e r und Frau, die Rabbiner Dr. Mandl und Grün, der Vorstand der Chewra-Kadischa, der Vorstand der Königswarter-Sliftung in Meran und viele Andere. XXXVH. Jahresbericht des Vereines zur unentgeltlichen Verpflegung Bruftleidender auf dem Lande. Das abgelaufene 38. VereinSjahr weist eine erfreuliche Zunahme der Vereinstätigkeit auf. Es standen Heuer 159 arme Lungenkranke (gegenüber 152 im Jahre 1907 und 137 im Jahre 1906) in der Vereinsbehandlung, und wir find in der angenehmen Lage, mitteilen zu können, daß rund 80% der Bereinspfleglinge ihre volle Erwerbsfähigkeit wiedererlangt haben. Die vor drei Jahren errichtete Liegehalle des Vereines in Rv2nau erfreut fich eines lebhaften Zuspruches seitens unserer Kranken. Der Weg zu den Liegestätten, welche fich wohl nahe beim Orte auf einem staubfreien, gegen Wind geschützten Plateau befinden, ist für einzelne Patienten zuweilen doch zu beschwerlich. Ein Gönner unseres Vereines, Herr S. H a h n in Teschen, hat sich nun in dankenswerter Weise bereit erklärt, die Erreichung der Liegehalle durch die Anlage von Serpentinen auf eigene Kosten zu erleichtern und die verehrliche Gemeindeverwaltung Rornau hat ihre Zustimmung zu der Weganlage in Aussicht gestellt. Die Mittags- und Abendmahlzeiten unserer Pfleglinge, welche seit einer Reihe von Jahren von einem Restaurateur in RoLnau in durchaus befriedigender Weise beigestellt wurden, find auch Heuer von demselben Wirte bezogen worden. Mein die uns im Laufe de5 Sommers zugekommenen Berichte, sowie die durch unsern Vorstandskollegen Herrn Dr. M. Koran y i persönlich vorgenommenen Inspektionen haben übereinstimmend ergeben, daß die Verpflegung in der heurigen Saison nicht vollkommen entsprochen hat. Wir müffen deshalb im kommenden Jahre eine