Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 21 (21.5.1909)
- Date
- 1909-05-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 21 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 377 wesenden Geistlichen und Honoratioren unterbrachen den Redner mit begeisterten Eljen-Rufen. Der vom Geiste des Liberalismus durchwehten Antwortsrede des hochgesinnten Bischofs entnehmen wir folgendes: „In unsere Zeit des Materialismus und religiöser Indolenz erfüllt mich die selbstbewußte Betonung Ihrer Strenggläubigkeit mit Anerkennung und Freude. Schon vor vielen Jahrtausenden kämpfte Ihr Volk mit verschiedenen Nationen der Welt für die kostbaren Güter des heiligen Glaubens. Auch der Psalmist sagt: „Loramu rogschii Gojim ul Umim jehgii kik“ . . . (diese Worte zitierte der Kirchensürst im Original), aber das Wort Ihrer Väter Abraham, Jsak und Jakob stand Ihnen bei. Zum Patriarchen Abraham sprach der Ewige: er möge sein Vaterland verlassen und in das Land der Verheißung ziehen. Ihnen ward das Ungarland zur Heimat. Hier brauchen Sie keinen Kampf mehr zu führen um ihren Glauben — ich glaube, Sie betrachten uns doch nicht als Feinde. Beharren Sie nur fest in der strengen Ausübung Ihrer Religion in des Wortes orthodox edelster Bedeutung und unterrichten Sie nur weiter Ihre Jugend in der heiligen Sprache, in jener kernigen, geist- und ausdrucksvollen „Luschen kakodesch", welche in unvergleichlich markanter Weise Charaktere schildert und Bilder entwirft und aus deren erhabenen Einfachheit wahres, ungekünsteltes Leben spricht. Und da Sie die Strengglänbigkeit mit dem Patriotismus in Einklang zu bringen verstehen, könnenSie zu jederZeit aufunsere Unterstützung rechnen." Mit freundlichsten Händedrücken und Dankeswortcn entließ der liberale, ungarische Kirchensürst die jüdische Deputation und Abends besuchte derselbe den Rabbiner und zwei vornehme Mitglieder der Deputation. Verimsebtes. Wien. Der Kaiser bat dem hiesigen Rabbiner und designierten k. n. k. Fetdrabbiner Dr. Bernhard Templer für die von ihm anläßlich des sechzigjährigen Regierungsjubiläums gehaltene und veröffentlichte Festrede „Oesterreichs Freudentag" den Dank aussprechen lassen und verfügte gleichzeitig, daß die erwähnte Festrede der Familien- Fideikommißbibliothek einzuverleiben sei. Wien. Fräulein Ella Wix, Schwester des Buchdruckere'- besitzers Herrn S. Wix, V., Margaretenstraße 100, sandte anläßlich des sechzigjährige l Regierungsjubiläums an Se. Majestät dem Kaiser ein Huldigungsgedicht in einem prachtvollen mit Goldstickerei versehenen Einbande und erhielt mit Datum vom 11. Mai l. I im Wege des magistratischen Bezirksamtes die Verständigung, daß Seine Majestät das Huldigungsgedicht angenommen, hiefür den Allerhöchsten Dank mit dem Beifügen bekannt gibt, daß dasselbe der k. u. k. Familien- Fideikommißbibliothek einverleibt werden wird. Wien. (Für arme heiratsfähige Mädchen.) Durch den Vorstand des Ersten Wiener israelitischen Humanitären roeiratsausstattungsvereines, Wien, II. Bezirk, Große Sperlgasse 32—34, gelangen am 18. August 1909 anläßlich des Geburtstages des Kaisers, sowie am 10. September anläßlich des Sterbetages der Kaiserin Elisabeth an je zwei Waisenmädchen Ausstattungs-Unterstützungsbeiträge zur Auszahlung. Bewerberinnen, welche am 18. August 1*09, respektive 10. September ihre Hochzeit feiern, nachweisbar gänzlich verwaist und mittellos sind, sowie einen tadellosen sittlichen Lebenswandel führen, wollen unter Angabe des Namens und der Adresse des Bräutigams ihre Gesuche an den Vorstand des obgenannten Vereines bis spätestens 30. Juni 1909 einsenden. Bet Hamidrasch „Montefiore". II., Taborstraße 38. Infolge der ehrenvollen Berufung unseres Rabbiners Herrn Viktor Schönfeld als Rabbiner nach London findet Sonntag den 23. d. M. zwischen Mincha und Maariw seine letzte Vorlesung in unserem Bet-Hamidrasch über Megilas Ruth statt. Wien. Dr. Hugo A b e l e s, emeritierter Assistent des Hofrates Professor O s e r, ordiniert IX., Widerhofergaffe 3. Wien. Am Schwnoß findet im Lokal der Bibelschule II., Tempelgaffe 3 ein Gottesdienst für die Jugend statt. Beginn abends um 1I$8 Uhr, morgens um 9 Uhr. Wien. (Verein „Gomle Obesed", Wohltätigkeit aus Pietät.) Die 43. ordentliche Generalversammlung dieses humanitären Vereines findet nächsten Montag, 7 Uhr abends, im Saale der israelitischen Kultusgemeinde (I., Seitenstettengaffe) statt. Die Tagesordnung entbält die r.gulären Verbandlungsgegenstände. Wien. (Talmud-Thora-Tempel, II., Malzgasse 1h.) Samstag den 22. Mai, 1jA llhr nachmittags, findet ei» Vortrag des Herrn Jakob K o h n . Oberlehrer der Talmud-Thora- Schule, statt. Thema: „Die Juden im Jahre 1492". Austritte ans dem Judentum. Vom 10. bis 17. Mai 1909. Adler Ludwig, Privatbeamter, geb. 1884, Wien, XVII., Hanptstrasse 1B2. Alt Robert, FJeischhaner. geb. 1882, Bisenz, XIX., Iglaseegasse 29. Barn Oskar, Ingenieur, geh. 1883, Otimoos, Mittersteig 9. Baj:ti Andreas früher (Leiser Weiss), Student, geb. 1890, Kaposvar, VIII, Wickenburgarasse 16 Brettauer Marie Margit, geb. 1882, Zürich, I., Johannesgasse 16. Fein Franziska, geb. 1888, Wien, IX., Universitätsstrasse 6. Schlemel Sima, geb. 1879, Varos Szalonok, X., Laxenburgerstrasse 9. Steiner geh. Weinwurm Sofie, geb. 1878, Wien, UI., Jacqningasse 1. Schwarz Leopoidine, geb. 1 75, Szenicz, IX., Universitätsstrasse 6. Wappner Richard. Gymnasiast, geb. 1891, Wien, Mariahilterstrasse l'»8 Prag. (Trauun g). Am 30. d. M. findet in Frankfurt a. M. die Trauung des Frl. Lotte Hammerschlag Tochter des hiesigen Advokaten Herrn Dr. Hammerschlag, mit Herrn Josef Mock statt. Marienbad. Am 1. Mai eröff.reten die von Wien aus bestbekannten Restaurateure Pinkas und Herling er im Hanse „Zukunft" ein streng koscheres Cafe und Restaurant mit prachtvollem Saal, Veranda, Garten, eleganter Einrichtung, feiner Bedienung und Kaschrus. Herr Pinkas, welcher seit Jahren in Wien eine koschere Restauration betreibt, wird von Herrn Rabbiner Fürs» (Schiffschul), Wien, empfohlen und Herr Herlinger ist seit Dezennien als Gastwirt renommiert. Dieses Restaurant berechtigt zur Annahme, daß es den Wünschen der P. T. Kurgäste vollkommen entspricht, da es bezüglich Kaschrus, als auch Eleganz und Feinheit aus der Höhe der Zeit steht, und verdient diese erfreuliche Tatsache konstatiert zu werden. Die Preßburgcr Zeitung" meldet, daß Se. Majestät für eine Huldiaunas-Ode in hebräischer Sprache, vrrfaßl vom hiesigen Rabbiner Ignaz Bremer, Allerhöchst fetnen Dank aussprechen ließ und die Einverleibung derselben in die Familien-Fideikommiß-Bibliothek anzubefehlen geruhte. In der am Sonntag den 9. d. M. unter Boi sitz des Präsidenten Lazar Gestettner abgehaltenen Sitzung des Vorstandes der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde wurde diese Allerhöchste Auszeichnung eines Pozsonher Rabbiners zur freudigen Kenntnis genommen und beschlossen, demselben aus diesem Anlässe, der anci, für die Gemeinde ehrend ist, ein Ehrengeschenk mit Protokoll sanS zu a zu überreichen. Der bereits angefertigte prachtvolle Silber-Pokal wmt e hierauf dem Ausgezeichneten überreicht. Der Pokal trägt folgende Inschrift: „Als Ehrengeschenk gewidmet vom Vorstande und der Revrasentanz der othodoxen israelitischen Kultusgemeinde Pozsony für Herrn Ignaz Bremer, diplomierter Rabbiner, anläßlich des Allerhöchsten Dankes von Sr.Majestät apost. König Franz Joseph I.. welcher ihm zuteil wurde für die schwungvolle Ode zum 78. Geburtstage Sr. Majestät, die er verfaßte." Diese Ehrung kennzeichnet einersens die altbewährte Königstreue der altehrwürdigen israelitischen Kultmgemeinde, andererseits die Anerkennung eines schönen Verdienstes. Ein musikalisches Wunderkind. Dem Profefforenkörper der Landes-Mufikakadernie wurde dieser Tage ein Kind von viereinhalb Jahren präsentiert, das mit unglaublicher Fertigkeit die schwersten Klavierpiecen vcm Blatte spielte. Das Wunderkind, die kleine Rozsika Frankl, ist ein Schwesterchen des einst vielgenannten Rechenkünstlers Moritz Frankl. Die Prosefforen der Akademie wollen sich, vorläufig natürlich privatim, des Talentes dieses jüngsten aller musikalischen Wunderkinder annehmen. Auszeichnung eines Künstlers. Der Ziseleur Julius G r ü n f e l d hat dem Erzherzog Eugen eine Plakette gewidmet, die in einem Triptychon die Erinnerung an die Tiroler Freiheitskönchse veranschaulicht. Erzherzog Eugen ließ dem Künstler in einem Schreiben des Kammervorstehers GM. Freiherrn v. Henniger für die äußerst kunstvoll auSgeführte Plakette danken und Herrn Grünfeld eine goldene Busennadel mit seinem Namenszug in Brillanten überreichen.