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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-05-21 · 21 (21.5.1909) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
21 (21.5.1909)
Date
1909-05-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 376 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. LI Enquete inSachendes kroatischenGemeinde- Musterstatutes. Ueber Anregung des Effeker Gemeindevorstandes wurde zur Durchberatung des von der Regierung ausgearbeiteten Musterstatuts, nach welchem die Statuten der einzelnen Gemeinden eingerichtet werden sollen, eine Eoquete angeordnet und zu derselben die Vorsteher sämtlicher Kultusgemeinden und Rabbinen geladen. Diese Enquete sand, nachdem sie zuerst für den 29. v. M. anberaumt, jedoch über Ansuchen mehrerer Gemeinden vertagt worden war, am 20. d. M. im Prachtsaale der Kultusabteilung statt. Den Vorsitz führte Herr Kultuschef, Doktor Ferdo v. Mixich persönlich, der in Begleitung des Referenten, des der Landesregierung zugeteilten Staatsanwaltssubstituten Herr Gälte, erschienen war; in Vertretung der kroatisch-slavonischen Judenschast waren fast alle Rabbinen und Vorsteher anwesend. Nach Eröffnung der Versammlung ergriff das Wort Herr Dr. Goldman«, Vicepräsident der Zagreber Kultusgemeinde, um vor allem der Regierung für das warme Interesse zu danken, welches sie durch ihre Bemühungen für die Schaffung eines einheitlichen Statuts bekundete. Sodann berichtete er, daß das von der Regierung ausgearbeitete Statut in der Versammlung der Rabbinen und Gemeindevertreter vom 18. und 19. April durchberaten und daß auf Grund des Referates des von der Versammlung eingesetzten Komitees ein ganz neues Statut ausgearbeitet wurde, welches der Regierung in kürzester Zeit zur Genehmigung vorgelegt werden wird. Mit dem Referat über dieses Statut für die Enquete wurde der Esseker Kultusvorsteher Herr Dr. Spitzer betraut und der Kultuschef ersucht, besten Bericht entgegenzunehmen. Der Kultuschef dankte für die freundlichen Worte der Anerkennung. Er versicherte, daß es der Regierung fcrngelegen sei, den Gemeinden ein Statut aufzuoktroyieren. Nach dem Gesetze vom Jahre 1906 seien die Kultusgemeinden verpflichtet gewesen, neue, mit diesem Gesetze in Einklang gebrachte Statuten auszuarbeiteu. Trotzdem das Gesetz schon vor drei Jahren in Kraft getreten, sei von keiner Gemeinde ein Statut vorgelegt worden und deshalb sah sich die Regierung veranlaßt, ein Musterstatut auszuarbeiteu und es den einzelnes Gemeinden zur Verhandlung und Meinungsäußerung zuzusenden. Da jedoch nur von einigen Gemeinden Gutachten einliefen und auch diese nicht geeignet waren, ein einheitliches Bild über die Auffaffungen der Gesamtjudeuheit Kroatien-Slavoniens zu bieten, habe die Regierung den Weg einer Enquete für den richtigsten gefunden, um zu einem gedeihlichen Resultate zu gelangen. Er begrüße es auf das wärmste, daß die Gemeinden seiner Anregung gefolgt und in einer Vorversammlung zu einer vollständigen Einigung gelaugt sind und er werde gewiß dem Statute, wenn es den Vorschriften des Gesetzes entspricht, seine Genehmigung nicht versagen. Hierauf «erteilte er das Wort dem Referenten Herrn Dr. Hugo Spitzer, welcher in dreiviertelstündiger Rede den Bericht erstattete. Nach Beendigung desselben ergriff der Kultuschef Mixid abermals das Wort, um im Großen und Ganzen seine Zustimmung zu den Ausführungen des Referenten zu äußern. Auf einzelne Bemerkungen des Berichterstatters reflektierend, bemerkte er, das Konkordat bestehe tatsächlich in Kraft und die Gleichberechtigung könne erst durch die Praxis zur Geltung gelangen. Solange er an der Spitze der Kultusabteilung stehe, werde die Gleichberechtigung aller Konfessionen ebenso wie die Autonomie der Kultusgemeinden im vollen Umfange gewahrt werden. (Stürmische Zivio-Rufe!) Hierauf dankte er den Anwesenden und schloß diese für die Judenschaft Kroatien- Slavoniens denkwürdige Versammlung. Nachdem sich der Kultuschef zurückgezogen hat, richtete Herr Universitäts-Professor Segen, der zweite Vizepräsident der Zagreber Kultusgemeinde, an Herrn Dr. Spitzer eine Ansprache, in welcher er ihm für seine außerordentliche Mühewaltung und für sein mannhaftes Eintreten für die Interessen des Judentums den Dank aller Vertreter der Gemeinden und der Rabbinen zum Ausdrucke brachte. Herr Dr. Spitzer erwiderte in kurzen Worten, er fühle sich durch das erzielte Resultat, insbesondere durch die in diesen drei Tagen herbeigeführte Einigkeit der kroatisch-slavonischen Juden für seine Arbeit, die er mit Begeisterung ausgeführt, reichlich belohnt. Er bitte, auch weiter einig zu bleiben, damit die so schwer erworbenen Früchte nicht wieder verloren werden. Aus dem Berichte der in Essek erscheinenden zionistischen Halbmonatsschrift „Zidovska Smotra". („Jüdische Revue".) Blasendors (Balazsfalva). Diese Woche verweilte hier der reformierte Bischof von Siebenbürgen, Bela v. Kenessey. Zu seiner Begrüßung waren bei ihm mehrere Deputationen erschienen, darunter auch die der hiesigen jüdischen Gemeinde unter Führung des Oberrabbiners Josef Grünbaum. In seiner ungarischen Ansprache sagte der Rabbiner im Wesentlichen folgendes : „Maßgebende, leitende Persönlichkeiten der reformierten Konfeffion äußerten sich oft dahin, daß die Macht der Protestanten in der Aufklärung liegt und daß ihre Religionsgemeinschaft nie die Wiffenschaft scheute. Wir strenggläubigen Juden stimmen diesbezüglich mit ihnen überein. Das wahre Judentum hatte auch nie Ursache, sich vor der Wiffenschaft zu fürchten. Alle unsere heiligen Schriften sind voll des Lobes und der Verherrlichung der Wissenschaft und der Weisheit, was auch aus vielen Stellen des oftmals mißverstandenen Talmud zu ersehen ist. Aber mit Bedauern machen wir die Wahrnehmung. daß in jüngster Zeit unter dem Schlagwort Kultur und Wissenschaft solche Ideen Verbreitung finden, die der Menschheit zum großen Nachteil sein können. Diese traurigen Symptome, von denen das heutige gesellschaftliche Leben durchsetzt ist, bieten den auffallendsten Beweis jener alten Wahrheit, daß Kultur und Wissenschaft allein außer Stande sind, die Menschheit zu beglücken. Wahrhafte Kultur ist ohne Sittlichkeit undenkbar und Sittlichkeit hinwieder kann nur die Religion bieten. Euer Hochwürden und Hochgeboren! Historische Tatsache ist es, daß das Judentum stets großen Anteil hatte an den mannigfaltigen, geistigen Umgestaltungen der Menschheit, sowohl in der Propagierung alter Wahrheiten, als in der Geltendmachung neuer Weltanschauungen! Das Bestreben der vaterländischen, orthodoxen Judenheit ist dahin gerichtet, die vom Hypermodernismus Geblendeten aufzuklären, daß wir uns wohl eins fühlen mit unseren Landesbrüdern in Vaterlandsliebe und im Wirken für das Gemeinwohl, aber unserem Glauben, dem Ideale unserer Ahnen, wollen wir e w i g treu bleiben. Und wir hoffen zuversichtlich, unserem Vaterlande eben durch unerschütterliches Festhalten an der Religion unserer Väter nur gute Dienste leisten zu können." Mit folgendem Bibelgleichnis schloß der Rabbiner seine Begrüßungsansprache: „Auf seinem Wege nach Charan kam unser Urahne Jakob zu einem Brunnen, den drei Herden umlagerten. Dieser Brunnen war von einem Felsen bedeckt und deshalb konnten die Herden nur dann getränkt werden, wenn sämtliche Hirten sich versammelten, um mit vereinter. Kraft den Stein abzuwälzen. Der Brunnen, die Glaubensquelle, aus welcher die schmachtenden Seelen Labung schöpfen sollen. Drei große, monotheistische Konfessionen umgeben diesen Brunnen, aber er ist vom harten Fels des V o rurteils, der Uneinigkeit und Gleichgültigkeit beschwert. Aufgabe sämtlicher Hirten der drei Herden ist es, durch gemeinsame Pflege der Liebe, Eintracht und. Religiosität diesen Stein von der heilbringenden Quelle allmälig abzuwälzen. Zur Erreichung dieses erhabenen Zieles möge es Euer Hochgeboren gelingen, in Ihrer hohen Stellung erfolgreich mitzuwirken zum Ruhme unseres Vaterlandes, zum Frommen Ihrer eigenen Konfession und zum Heile der ganzen Menschheit." Die schwungvoll gehaltene Ansprache des Rabbiners machte auf den Kirchenfürsten tiefen Eindruck und die an-

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