Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-05-21 · 21 (21.5.1909) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
21 (21.5.1909)
Date
1909-05-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021818-3021840--18340-3043262
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 21 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 373 Kaiser!. Rat Jonas Weil konstatiert, daß in den meisten kleineren Städten des In- und Auslandes die Kultusgemeinden im Verhältnis zu ihrer Mitgliederzahl besser repräsentiert erscheinen, als die Wiener Kultusgemeinde. Er wird sehr gerne dafür eintreten, daß in der Stadt und Leopoldstadt würdige Tempel errichtet werden, aber nicht minder ist er dafür, daß die Gemeinde auf dem Gebiete der Wohltätigkeit ihre Pflicht erfülle. Dr. Maximilian Steiner bedauert, daß in der heutigen Debatte alles durcheiuandergemengt und versucht wurde, Fragen generell zu behandeln, die von Fall zu Fall beurteilt werden müssen. Es geht nicht an, die Wohltätigkeit perzentuell zu beschränken und eine Grenzlinie zu ziehen, über die nicht hinausgegangen werden dürfe. Die Sorge für den Gottesdienst ist allerdings nötig, aber ist es weniger Gottesdienst, wenn man einem Hungrigen zu essen gibt? Gotteshäuser sollen errichtet werden, wo das Bedürfnis vorhanden ist, wo aber niemand hineingeht, dort sind sie absolut unnötig. Wenn irgendwo ein Tempel gebaut wird, muß gleich ein Oberkantor, ein Unterkantor und ein Prediger angestellt werden, die alle nicht satt zu essen haben. Soll das nicht Licläu8eli dasebsm heißen? Es erscheint geradezu sträflich, wenn man mithilft, einen Klerus zu schaffen, der nichts zu beißen hat. Nach einem Schlußwort des Referenten, der auf einige Bemerkungen in der Debatte zurückgreift, wird über Antrag Salo Cohn der Rechnungsabschluß su bloe angenommen. Der Präsident dankt dem Referenten Frank, den Beamten für ihre Mühewaltung bei der Fertigstellung des Rechnungsabschlusses. Nachdem der Vorsitzende die Ermächtigung eingeholt, den beiden erkrankten Vorstandsmitgliedern Ritter von G o l ds ch m i d t und Dr. Berger die Teilnahme des Plenums schriftlich zum Ausdrucke zu bringen, verliest Oberoffizial Fuchsgelb ein Referat betreffs eines Ansuchens der historischen Kommission, das dahin geht, daß die Gemeinde für die von letzterer geplante Drucklegung eines Jnschriftenwerkes der Grabsteine am alten jüdischen Friedhofe in der Seegasse einen entsprechenden Beitrag leiste. Das Vertreterkollegium hat zu diesem Zwecke einen Beitrag von 1000 K bewilligt. Salo Cohn stellt mit Rücksicht auf einige dringende Steuerangelegenheiten, die heute unbedingt erledigt werden müssen, den Antrag auf Vertagung. Professor Dr. Ehr mann stimmt dem Vertagungsantrage zu, jedoch soll die Arbeitskommission nochmals einveruommen und festgestellt werden, welcher Beitrag von den in Betracht kommenden Familien und Korporationen zu erwarten ist und darnach soll der Beitrag der Gemeinde fixiert werden. Nach Ablehnung des Vertagungsantrages plaidiert Dr. Leopold K o h n für einen höheren Beitrag. Die Herausgabe dieses Werkes, das in allen wissenschaftlichen Kreisen und selbst von der kaiserl. Akademie der Wissenschaft würdigende Anerkennung gefunden hat, wäre eigentlich Pflicht der Gemeinde, da es wertvolle Beiträge zur Geschichte derselben liefert. Umso weniger ziemt es sich, daß die Gemeinde sich mit einem so geringen Beitrag, wie er vom Vertreterkollegium beantragt wird, beteiligt. Es ist ja außer Frage, daß der größte Teil der zur Herausgabe notwendigen Summe im Supflriptionswege zustande gebracht werden wird, aber die Gemeinde darf nicht, wenn sie sich mit nur K 1000 an die Spitze stellt, andere abschrecken. Aus diesem Grunde beantragt Redner, mit Rücksicht auf die hohe Bedeutung des Werkes für die Geschichte der Juden in Wien und in Würdigung desselben, eine Subvention von K 3000.— zu bewilligen. Dr. Spitzer schließt sich diesem Anträge an und gibt dem Wunsche Ausdruck, daß die großen Kultusgemeinden größeres Interesse als bisher für die Wissenschaft und die Geschichte des Judentums bekunden mögen. Bei der hierauf stattfindenden Abstimmung wird der Antrag auf Subventionierung des Werkes mit K 3000.— angenommen. Nach Zustimmung des Plenums zur Aufnahme einer hundertjährigen Frau ins Versorgungshaus, die die im Statute vorgeschriebene Aufenthaltsdauer in Wien nicht Nachweisen kann, werden mit Rücksicht darauf, daß gegenwärtig im Vorstandskollegium nur ein Techniker ist, der alle notwendigen Arbeiten nicht allein bewältigen kann, die Herren Baumeister Bezirksrat Melcher und Schwadron als externe Mitglieder in das Baukomitee gewählt. Hierauf wird die öffentliche Sitzung um Val Uhr mittags geschlossen. 36. ordentliche Generalversammlung der »Israelitischen Allianz z» Wien". Am 13. d. M. fand im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde die 36. ordentliche Generalversammlung der »Israelitischen Allianz zu Wien" unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn David Ritter v. Gutmann statt. Unter den zahlreich erschienenen Anwesenden waren außer den Mitgliedern des Vorstandes der „Allianz" unter Anderen zu bemerken vom Vorstande der Kullusgemeinde Hrc Präsident Dr. Alfred Stern, der als Vizepräsident auch dem Vorstande der „Allianz" angehöct, als Delegierte der Kultusgemeinde die Vorstandsmitglieder M. B. Eisler, Doktor Markus Spitzer und kais. Rat Jonas Weil, die Herren Vorstandsmitglieder S. Steiner und Salo Cohn, Herr kais. Rat Dr. Lieben, die Herren Rabbiner Dr. Feuchtw a n g, Dr. G e l b h a u s und Dr. Rosenmann; außerdem waren erschienen Herr Dr. Ascher. Sekretär der Baron Hirsch-Stiftung, sowie die Inspektoren dieser Anstalt die Herren Wilhelm Grünes, N. Sperber und W. Engländer, die Herren Redakteure Dr. I. S. Bloch, Dr. M. L ö w y. Dr. S. R. Landau, Herr A. B. Werner (Hamizpah- Krakau) u. a. Der Vorsitzende Herr Präsident David Ritter von G u t m a n n eröffnete die Versammlung, begrüßte die erschienenen Mitglieder und konstatierte die rechtzeilige Ausschreibung der Generalversammlung in der „Wiener-Zeitung", sowie die Beschlußfähigkeit derselben. Zum Schriftführer wurde Herr Sekretär Dr. K a m i n k a ernannt. Ueber Antrag des Herrn 4 D. Rotter wurde von der Verlesung des Jahresberichtes, da sich derselbe bereits seit mehreren Tagen in den Händen der Mitglieder befand, Abstand genommen und der Bericht über die Tätigkeit der Organisation im verflossenen Jahre einstimmig ohne Debatte zur Kenntnis genommen. In gleicher Weise wurde der Bericht über die finanzielle Gebahruirg im Berichtsjahre einstimmig genehmigt. Die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren kais. Rat Bernhard P o l l a ck Edler von Parnau, Emil Horner, Dr. Arthur K u r a n d a, Julius Reitlinger und Reichsratsabgeordneter Camillo K uran da, Ministerialrat i. P., wurden p?r Akklamation mit vierjähriger Funktionsdauer wiedergewählt. Der Vorsitzende hielt sodann den im verflossenen Jahre mit Tod abgegangenen Freunden und Förderern der „Allianz" einen warmen Nachruf, der von der Versammlung zum Zeichen der Trauer stehend angehört wurde. Insbesondere gedachte Herr von G u t m a n n der segensreichen Tätigkeit des langjährigen Vorstandsmitgliedes Herrn Emanuel Baumgarten. Herr Kultusgemeindevorsteher Dr. M. Spitzer sprach hierauf den Dank und die Anerkennung der Kultusgemeinde für die segensreiche und ersprießliche Tätigkeit der „Allianz" aus. Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang dankte namens der Bereinsmitglieder dem Vorstande für seine Tätigkeit, woraus der Vorsitzende mit einem Appell an die Anwesenden, für die „Allianz" stets und überall Propaganda za machen, die Versammlung schloß. Auf den interessanten Jahresbericht werden wir noch zurückkommen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.