Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 21 (21.5.1909)
- Date
- 1909-05-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 21 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 371 durch welche die Anerkennung Rumäniens ausgesprochen wurde; freilich' wurde hierbei von den Regierungen erklärt, daß die Mächte die erfolgte Lösung nicht als den leitenden Gesichtspunkten des Berliner Vertrages entsprechend anerkennen können und daß sie insbesondere die Unterwerfung der rumänischen, keiner Nationalität angehörigen Juden unter den Zwang einer formellen, individuellen Naturalisierung nicht billigen können — indessen, im Vertrauen auf den ausgesprochenen Willen der Regierung und auf die formellen Versicherungen, die den Mächten in dieser Beziehung gemacht wurden, habe man sich mit der Unabhängigkeit Rumäniens einverstanden erklärt. Damit war das Los der rumänischen Juden entschieden; statt der von Anfang begehrten, bündigen, gesetzlich statuierten Verpflichtungen begnügte man sich mit dem „guten Willen" und den „Versicherungen der Regierung"! In weiser Voraussicht hatte das der Vater des Fürsten längst kommen sehen; unter dem 26. Juli 1878, unmittelbar nach dem Abschluß des Berliner Vertrages, beruhigt er seinen Sohn über die Bedeutung jenes schönen humanen Artikels: „Der vom Kongreß oktroyierte Iudenparagraph ist eine allgemeine Humanitätsparaphrase. Es ist der Gesetzgebung allein überlassen, diese Verhältnisse zu regeln, und ich bin überzeugt, daß späterhin, abgesehen von der Alliance Jsraelite, kein Hahn danach krähen wird, wie jene Bestimmungen zur Ausführung gelangen mögen." Der Fürst hat recht behalten! Korrespondenzen Ans der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom LS. Mai LSSS unter dem Borsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Im Einlaufe befinden sich: Der Allerhöchste Dank für die Loyalitätskundgebung des Gemeindetages. Zuschrift der Statthalter ei, mit welcher die am 22. November und 3. Dezember 1908 erfolgte Wahl des Kultnsvorstandes zur Kenntnis genommen wird. Zuschrift des k. u. k. Heeresmuseums, mit welcher der Dank für die der Erzherzog Karl-Ausstellung zur Verfügung gestellten Archivalien ausgesprochen wird. Dankschreiben des Prof. Dr. Benedikt für die Glückwünsche des Kultusvorstandes anläßlich seines 50jährigen Doktorjubiläums. Dankschreiben der Frau Nelly Marmore! für die Teilnahme des Kultusvorstandes anläßlich des Ablebens des Architekten Oskar Marmore! s. A. Kondolenzkundgebungen der Kultusgemeinde Baden und des Kustos Dr. Frankfurter anläßlich des Ablebens des sei. k. k. Baurates Oskar Marmore!. Dankschreiben der Frau Adele von Mises für die Kondolenz des Kultusvorstandes anläßlich des Ablebens ihrer Mutter. Dankschreiben des Vereines armer kranker Israeliten für die Erhöhung der Subvention. Dankschreiben des Asyles für mittellose kranke Israeliten „Meran", für die Erhöhung des Jahresbeitrages. Dankschreiben des Dr. Ignaz Zollschan für die Subventierung seines Werkes über die jüdische Rassenfrage. Nach Uebergang znr Tagesordnung: „Prüfung und Erledigung des Rechnungsabschlusses für das Verwaltuugsjahr 1908", konstatiert der Präsident, daß der Rechnungsabschluß samt Motivenbericht in statutenmäßiger Weise zur Kenntnisnahme der Gemeindemitglieder aufgelegen ist und erteilt das Wort dem Fiuanzreferenten Herrn Kultusvertreter Max Frank. Vertreter Herr M. Frank: Ich beehre mich, Ihnen hiemit den Bericht über den Rechnungsabschluß für das Jahr 1908 vorzulegen, dessen Ausgaben die Einnahmen mit dem Betrage von K 175.848.55 überschreiten. Das von uns so lange gefürchtete Defizit, welchem wir bisher fast immer glücklich entgehen konnten ist also diesmal eingetreten, und es ist eingetreten, trotzdem verschiedene Kapitel ganz bedeutende Mehreinnahmen gegen den Voranschlag ergaben. Wer die finanzielle Situation unserer Gemeinde vorurteilsfrei prüft, wird bald finden, daß wir es hier nicht mit einer zufälligen einmaligen Erscheinung zu tun haben, sondern daß die Ausgaben in einem stetigen Wachstum begriffen sind, während dies bei den Einnahmen weitaus nicht in gleichem Maße der Fall ist. Denn wenn es auch richtig ist, daß sich nicht alle Ausgabeposten dieses Jahres stets wiederholen werden, so ist cs doch ebenso sicher, daß jedes neue Jahr neue, unvorhergesehene Lasten bringt. Nun könnte man ja einwenden, daß bei der finanziellen Gebahrung einer so bedeutenden Gemeinde, wie es die unserige ist, einer Gemeinde, die mit ihren fast 180.000 Seelen an sich schon eigentlich eine große Stadt repräsentiert, ein Defizit von K 176.000.— doch eigentlich nicht so hoch sei, um es bedenklich erscheinen zu lassen; allein eine vorsichtige Gemeindeverwaltung darf nicht zögern, sofort alles aufzubieten, um das gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen, denn andauernde oder gar wachsende Defizite können wir bei unserem so überaus geringen Aktiv-Vermögen keineswegs vertragen, lind in diesem Lichte betrautet, war die von den Bezirkskommissionen beschlossene, im Durchschnitt gewiß höchst mäßige Steuerregulierung für das kommende Triennium das Minimum dessen, was unbedingt nötig war, und jeder billig Denkende wird deshalb dieser Maßregel seine Zustimmung nicht versagen. Nur gar zu häufig hört man die Klage, wie groß die Lasten seien, die man für die Gemeinde zu bringen habe, und der Name „Kultusgemeinde" weckt bei nicht wenigen die Vorstellung, als ob unser Budget von nahezu drei Millionen Kronen reinen Kultusuud Verwaltungszwecken dienen würde. Und viele von jenen unserer Mitbürger, die den Kultusangelegenheiten kühl bis ans Herz hinein gegenüber stehen sehen darin ein Unrecht, welches man ihnen zugunsten der am Kultus intensiver Interessierten zufügt. Ich bin überzeugt, daß derartige und noch viele andere Mißverständnisse bald verschwinden würden, wenn man den Vorgäugen in unserer Gemeindestube mit einiger Aufmerksamkeit folgen und unser Budget wenigstens einmal a n s e h e n möchte. Man würde dann bald sehen, daß von dem so ungern geleisteten Beitrag nur ein verhältnismäßig geringer Bruchteil für direkte Kultuszwccke, der Rest aber nach Abzug der Verwaltungsspesen für Unterrichts-, hauptsächlich aber für Zwecke der sozialen Fürsorge bestimmt ist. Es scheint mir überflüssig, die Notwendigkeit dieser Agenden, nämlich Kranke zu heilen, Gebrechliche und Sieche zu versorgen. Hungernde zu sättigen und zu kleiden und Waisen sowie verlassene Kinder zu betreuen, vor einer jüdischen Oeffentlichkeit erst rechtfertigen zu müssen, denn diese Pflichten haben wir Juden * stets anerkannt und geübt und ich möchte nur wünschen, daß jeder einzelne bei Leistung seiner Steucrpflicht es fühlt, daß er dadurch sich und uns hilft, Judenpflicht und Menschenpflicht zu erfüllen. Ich bitte Sie, den Rechnungsabschluß zur Kenntnis nehmen zu wollen. (Lebhafter Beifall.) Vertreter Salo Cohn macht auf die Berliner Kultusgemeinde aufmerksam, die für das bevorstehende Schewuosfest